
![]() Rotary ist eine Wertegemeinschaft - Diskussionsbeiträge zu diesem Thema
[06.03.08] Michael Bülhoff, RC OberhausenDie Initiative der deutschen Governors hat einmal mehr klar gemacht, worum es Rotariern gehen sollte.Die Diskussion ist eröffnet, oder schon wieder vergessen. Angesichts der letzten Lichtensteiner Geschichten halte ich es für wesentlich, dass dieses Thema nicht nur in den Clubs, sondern auch mit der Öffentlichkeit diskutiert wird. Rotarier sollten in Diskussionsforen auftreten und/selbst solche anregen und durchführen. Wir haben etwas zu sagen. [25.10.07] Dr. Nicolas P. Sokianos, RC BerlinDie mutige Positionierung der Governors kann ich nur wärmstens begrüßen. Gleichwohl gibt es auch Einwände, wie dem Leserbrief-Forum im aktuellen Magazin zu entnehmen ist. Bleibt zu hoffen, dass der Werte-Gedanke -gern auch mit Pro und Kontra- in den Clubs aktiv diskutiert wird. Wenn aus der Diskussion Schlüsse und Aktion folgen, um so besser. Die Kommunikation um diese Thematik wäre schon wert-schöpfend.Denkbar ist eine Vertiefung in Workshops, z.B. bei PETS oder in anderen Foren. Kontinuität in dieser Hinsicht fände ich gut. Und bin gern bereit , meinen eigenen Beitrag zu leisten. [12.10.07] Wilhelm Drühe PDG, RC NeandertalIst die Luft schon raus beim Thema "Rotary ist eine Wertegemeinschaft"?Als im Juli-Heft unser Rotary Magazin die Erklärung unserer Governor-Crew ""Rotary ist eine Wertegemeinschaft" brachte, habe ich mich sehr gefreut. Nach meiner Meinung muss das ein Hauptthema in unseren Clubs sein, weil es um unsere rotarische Identität geht. Unser Magazin wollte dann - auch das habe ich sehr begrüßt! - den Aufruf unterstützen und lud die Leser zur Diskussion ein. Die fing dann gut an - aber schon am 11. Juli 2007 (!) schien die Debatte zu enden, seitdem erreichte die Redaktion nur noch ein Beitrag zur Debatte. Dabei hatte man in Hamburg erwartet, dass der Platz im Heft nicht ausreichen könnte ... Ich finde das sehr bedenklich, nicht nur weil wir wieder für Ende Oktober in unserem Distrikt ein Ethik-Seminar vorbereiten und ich mitmachen darf. Im August-Heft unseres Magazins hat Paul-Werner von der Schulenburg PDG im Leserforum aufgezeigt, worum es bei der Beschäftigung mit dem Thema "Rotary als Wertegemeinschaft" auch gehen muss. Er ging vom rotarischen "Alltag" aus. Und ich meine, dass wir an der Frage nach der Ethik bei Rotary nicht vorbei kommen. Machen wir es uns nicht zu leicht mit Friede-Freundschaft-Eierkuchen als "Rotary" - und betreiben wir keinen Etiketten-Schwindel mit dem Rotary-Abzeichen! Hinweisen möchte ich auf meine Überlegungen zum Thema auf meiner privaten Homepage www.wdruehe.de auf der Seite "Rotary". [28.09.07] Waltfried F. Wirtz, RC Weiden i.d.Opf.Endlich wird der Begriff 'Serviceclub' auf die höhere Ebene 'Wertegemeinschaft' gestellt. Das eröffnet neue Perspektiven und ermöglicht es der Gemeinschaft von Rotary die gesteckten Ziele in einer befriedigenderen Form anzustreben und hoffentlich dann auch zu erreichen.Damit setzen wir uns gegenüber anderen gemeinnützigen Vereinigungen entscheidend ab. Für mich bedeutet dies nach 35-jähriger Rotary-Zugehörigkeit einen großen Schritt auf dem Weg in die notwendige Modernisierung für eine bessere Zukunft von Rotary. [11.09.07] W. Weber, RC HamburgLiebe rotarische Freunde, es ist gut, dass die Thesen zur Wertegemeinschaft Rotary im Internet auch Nichtrotariern zugänglich sind. Allerdings hört sich der Verweis auf die Vier-Fragen-Probe ohne nähere Darlegung für Außenstehende dann doch vielleicht etwas geheimbündlerisch an. Es wäre m.E. nicht schlecht, die 4 Fragen auf den Internetseiten so prominent zu platzieren, dass klar ist, worum es dabei geht.[09.08.07] PDG Anton Steer, RC Koblenz-Deutsches EckDie Erklärung der deutschen Governor zu Rotary als Wertegemeinschaft ist wichtig und überzeugend. Sie sollte in den Clubs ausführlich diskutiert werden.[04.08.07] Jürgen Schröder, Präsident des RC Rendsburg, Distrikt 1890Was meint das Ideal des Dienens? - die Bereitschaft, in unserem Gemeinwesen Aufgaben zu übernehmen - an dem Ort, an den jeder von uns gestellt ist und mit den Fähigkeiten, die der einzelne hat?In Deutschland ist gegenwärtig etwa einer von 2.500 Einwohnern Rotarier, und die Auswahlkriterien bei Rotary sorgen dafür, dass dies vielleicht einer von 10 oder 20 Menschen mit einem gewissen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder politischen Einfluss ist. Wenn die Mitgliedschaft bei Rotary bewirkt, dass diese 5 bis 10% aller wichtigen Entscheidungsträger ihr Handeln wirklich an hohen sittlichen Maßstäben ausrichten – was ja das Ziel Rotarys ist - dann kann das einen positiven Einfluss auf das Gemeinwesen nicht verfehlen. Ganz klar scheint mir: niemand tritt einem Rotary Club bei, weil er die Poliomyelitis ausrotten will. Sondern deshalb, weil er hier Eingang findet in einen gut organisierten Kreis überdurchschnittlich interessanter Menschen. Dass solch eine Gruppe einen positiven Einfluss auf ihre Mitglieder hat, das ist in meinen Augen der eigentliche Zweck Rotarys. Dass sich dort dann auch ein Bewusstsein für soziale Probleme und gesellschaftliche Verantwortung entwickelt, halte ich für selbstverständlich. Und dann ist soziales Engagement eine natürliche Konsequenz. Zu dem Begriff geistige Führung (im Sinne von lead the way) assoziieren wir leicht einen Anspruch, der weit über unsere Möglichkeiten hinausreicht. Wir sind doch alle keine Parteiführer oder Kirchen-Oberhäupter! Aber ich bin sicher: das ist gar nicht erforderlich. Im Gegenteil: Gerade im vergangenen Jahrhundert haben wir erlebt, wie ein von oben verordnetes Gesellschaftsmodell auf bereitester Front kläglich gescheitert ist. Und da auch das scheinbar siegreiche Gegenmodell weit davon entfernt ist, die Probleme dieser Welt zu lösen, gibt es eigentlich nur die Hoffnung, dass sich an vielen Stellen ein Sinn für das Gemeinsame von unten her entwickelt, und dass viele Menschen jeweils in ihrem Bereich Verantwortung für das Gemeinwesen vorleben. Welch großartige Aufgabe für 1,2 Millionen Rotarier überall auf der Welt! Und wenn diese sich dann selbstbewusst zu Rotary bekennen, etwa indem sie die Rotary Nadel tragen, ist das eigentlich die einzige Öffentlichkeitsarbeit, die Rotary braucht. Das aber, was den einzelnen Club zusammenhält, ist die Freundschaft oder zumindest die große Chance der Freundschaft. Freundschaft allerdings nicht in der engen Form, wie sie im ersten Satz der offiziellen Ziele Rotarys beschrieben wird: „ als eine Gelegenheit, sich anderen nützlich zu erweisen“. (Ich würde mir sehr wünschen, dass Rotary diesen Halbsatz aus seiner Zieldefinition streicht!) Da gefällt mir viel besser eine zwar auch einseitige, aber gerade im Hinblick auf unseren Anspruch und die selbstgestellte Aufgabe als Rotarier sehr erhellende Sicht der Freundschaft, die der Philosoph Peter Sloterdijk in seinem Buch Zorn und Zeit gibt: "Als Freund unter Freunden, als Gleicher unter Gleichen, kann seine Rolle nur spielen, wer in den Mitbürgern das profilstarke Hervortreten von allgemein gewürdigten Tugenden schätzt. Man möchte nicht nur auf sich selber stolz sein können, sondern ebenso auf das alter ego, den Freund, der sich vor den Augen der Kommune auszeichnet. Das In-gutem-Ruf-Stehen der miteinander wetteifernden Menschen stiftet das thymotische Fluidum eines selbstsicheren Gemeinwesens“. Sloterdijk beleuchtet hier eine immanent förderliche Wirkung der Freundschaft auf das Gemeinwesen, deren Potenzial auch für die sozialen Aspekte wesentlich höher sein dürfte als das einer primären Ausrichtung auf Servicefunktionen. [21.07.07] PDG Klaus Baltzer, RC Kiel-DüsternbrookAnerkennung und Respekt, daß die Governors dieses rotarischen Jahres gleich zu Beginn ihrer Amtszeit nachdrücklich darauf hinweisen, Rotary ist eine Wertegemeinschaft und nicht , wie man in manchen Gegenden der Welt ganz offensichtlich meint, nur eine Wirtschaftsgemeinschaft oder Kontaktbörse zur Beförderung eigener beruflicher und wirtschaftlicher Interessen. Dort,wo diese Einschätzung besteht, gehen die Mitgliederzahlen auch zurück, wenn die wirtschaftliche Entwicklung nachläßt.
Nur als Wertegemeinschaft gewinnt Rotary danach die für eine gute Entwicklung notwendige innere Stabilität. Diese Wertegemeinschaft ist aber wohl nicht nur durch den Verweis auf die Vier-Fragen-Probe und die Ziele von Rotary International darstellbar. Sie muß ihren konkreten, ihren erlebbaren Ausdruck in der Struktur der Clubs und in der Persönlichkeit des Rotariers finden. Der Club findet seinen Ausdruck als Wertegemeinschaft u.a. dadurch,
Der Rotarier selbst muß diese Wertegemeinschaft zuverlässig mitgestalten. Dafür reicht es nicht, wenn man Präsident, Generaldirektor, Chefarzt oder Vorstandsvorsitzender ist, also zur Funktionselite gehört. Es genügt, wenn ein Rotarier die Befähigung dazu hat. Er muß vor allem bereit sein,
Hilfsbereitschaft, Einsatzfreude und Verantwortungsbewußtsein sind wichtige persönliche Voraussetzungen dafür, daß im Club eine Wertegemeinschaft entsteht. Es spricht für den Mut und den Führungswillen der Governors dieses rotarischen Jahres, daß sie eine so anspruchsvolle , für Rotary aber auch lebenswichtige Aufgabe aufgegriffen haben. [19.07.07] Ralf Stoffels, R.C. GevelsbergIch finde es gut und hilfreich, dass sich die Governors mit diesem Themaauseinandersetzen und dies auch innerhalb der Rotary Familie zur Diskussion stellen. Für mich bildet Rotary eine starke Gemeinschaft, mit der im Rücken man der Gemeinschaft etwas zurückgeben kann, wenn man erfolgreich in seinem Beruf ist und die es einem ermöglicht abseits des oft harten und zum Teil unsozialen wirtschaftlichen Wettbewerbs "Gutes zu tun". Als jahrelanger Gemeindienstleiter kann ich sagen, dass dies einem die rotarischen Freunde näher bringt und einem selbst innere Genugtuung verschafft. Auch wenn ich den Eindruck habe, dass die Erklärung bewusst den Bezug zu christlichen Grundwerten vermeidet, um offen für alle Religionen zu bleiben, lässt sich meines Erachtens der chritliche Gedanke der Nächstenliebe deutlich zwischen den Zeilen herauslesen. Auch das einerseits harte Arbeiten, um in seinem beruflichen Metier zu den "Besten" zu gehören und andereseits das aktive Eintreten für die Gemeinschaft und den Nächsten ist auf die christliche Ethik zurückzuführen. Wichtig scheint mir aber auch die rotarischen Ideale weltweit "offen" zu halten für Menschen aller Glaubensrichtungen und diese - insbesondere in Europa - stärker bekannt und im öffentlichen Leben bewusst zu machen. Rotary ist noch zu unbekannt und wird deshalb auch häufig verkannt oder sogar mißverstanden. [19.07.07] Franz Klemm, RC Wiener NeustadtIm christlichen Abendland wissen wir, daß Frieden untrennbar mit der Freiheit des Individuums verbunden ist. Daher gibt es also keinen wahren Frieden ohne Beachtung der Menschenwürde, ohne praktische Anerkennung und Realisierung der Menschenrechte, ohne Erziehung unserer Kinder im Geiste der Toleranz und der Demokratie, voller Achtung der Andersdenkenden.Ich bin überzeugt, daß Paul Harris unter ähnlichem Denken die rotarische Idee ins Leben gerufen hat. Freiheit des Individuums, Beachtung der Menschenwürde, Anerkennung und Realisierung der Menschenrechte, Toleranz und Demokratie, dazu kommt die sich daraus ergebende Lebensfreundschaft, sind die Attribute eines Rotariers und durch weltumspannendes Vorleben dieser Werte können wir Rotarier zu einem Weltfrieden beitragen. Das sind die Werte und Möglichkeiten, die mich vor 16 Jahren bewogen haben einem Rotary Club beizutreten. [19.07.07] Wolfgang Ziegler, RC Ammersee„Rotary ist keine Vereinigung von Honoratiorenclubs“ – trotz „beruflich herausgehobener Stellung“? Schade – damit verleugnen wir auch unsere historischen Wurzeln, denn unter Honoratioren versteht man Bürger, die aufgrund ihres herausgehobenen sozialen Status großes Ansehen genießen und dadurch informellen Einfluss ausüben können. Dass diese Bürger auch gemeinsame Werte teilen, wollen wir stark hoffen, aber Vorsicht vor den allzu einfachen Formeln. Wer die erste unserer Vier Fragen zitiert, sollte zumindest berücksichtigen, dass Wahrheit immer auch eine Frage des Standortes ist. Die Wahrheit, falls es sie denn gäbe, ist selten fair für alle Beteiligten, fördert kaum jemals die Freundschaft und den guten Willen, und dient sicher nicht dem Wohl aller Beteiligten. Große Worte, schwer einzulösen.Halten wir uns der Einfachheit halber an Paul Percy Harris, der das, was hinter dem Begriff „Wertegemeinschaft“ steht, mit ganz bescheidenen Worten zum Ausdruck gebracht hat: „Wenn Rotary uns ermutigt hat, das Leben und unsere Mitmenschen freundlich-er zu betrachten, wenn Rotary uns mehr Toleranz gelehrt hat und den Wunsch, das Beste in anderen zu sehen, wenn Rotary uns hilfreiche und erfreuliche Begegnungen mit anderen verschafft hat, die auch versuchen, die Schönheit des Lebens einzufangen und widerzuspiegeln, dann hat uns Rotary alles gebracht, was wir erwarten können.
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