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Im Fokus

Kunstvolles Fundraising

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Zur Ansicht der Galerie bitte Foto klicken. © RC Berlin-Luftbrücke

Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten! Wie über Benefizkunstauktionen hohe Erlöse für den guten Zweck erzielt werden

01.03.2019

Zu den Aufgaben von Rotary Clubs gehört, Gutes zu tun und die Welt ein Stück besser zu machen. Hierfür werden internationale Projekte sowie stetige Hilfen vor der Haustür mit Clubgeldern finanziert. Neben den Spenden der Clubmitglieder bieten Fundraisingaktivitäten, wie beispielsweise Benefizkonzerte, die Möglichkeit, die Clubkasse zu füllen. Zusätzlich zu diesen etablierten Konzepten sind Kunstauktionen eine Variante, lukrative Erlöse für den guten Zweck zu erzielen.

Das Spendensammeln über die Kunst ist dabei aber mit Herausforderungen verbunden. Konzepte müssen entworfen, Kunstschaffende angesprochen, Transporte und Lagerung organisiert sowie die Veranstaltung selbst geplant und durchgeführt werden. Vieles ist zu bedenken und nichts sollte vergessen werden, das schließt auch die Versicherung von Exponaten ein. Treiber dieser Aktionen sind meistens einzelne Rotarier, die aber ohne Unterstützung durch den Club Vorhaben dieser Größenordnung nicht realisieren könnten. Im Folgenden zeigen ausgewählte Beispiele, wie für soziale Projekte Kunst neue Besitzer findet.

Kunst für Bildung

Seit 2013 organisiert die Initiative „kunst für bildung“ jährlich eine Kunstauktion in Zusammenarbeit mit der Berliner Bildungseinrichtung Königin-Luise-Stiftung (KLS). Bekannte Künstlerinnen und Künstler aus ganz Deutschland spenden hierfür ihre Kunstwerke. Im letzten Dezember beteiligte sich der RC Berlin-Potsdamer Platz erstmals als Mitorganisator an dieser Veranstaltung, um für das Clubprojekt  „Loyola Tranzit“ finanzielle Unterstützung zu erzielen. „Loyola“ ist eine Schule im Kosovo, in der Welten aufeinandertreffen; zum einen die Gruppe der Roma, zum anderen die Untergruppe der Aschkali. Das Projekt unterstützt Jugendliche beider Gruppen, ein besseres und friedliches Zusammenleben zu erreichen. Einer nachhaltigen Alphabetisierung dient es ebenfalls.

Für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung griffen viele Hände im Hintergrund wohlorganisiert ineinander. Die KLS stellte die Räume zur Verfügung. Bei der Vorbereitung und Durchführung unterstützte der Rotary Club die bereits erfahrene KLS-Lehrerschaft und die Schüler präsentierten auf charmant-würdige Art die Kunstwerke.

Mit 21.000 Euro  Gesamterlös freuten sich die Beteiligten über ein Ergebnis, das im Vergleich zu den Vorjahren sehr viel höher ausgefallen war. Dazu beigetragen hat Kristian Jarmuschek (RC Berlin-Luftbrücke), Berliner Galerist und Auktionator. Er entfaltete bei der Versteigerung von 49 Exponaten ein lebhaftes Bieterverhalten. Mit professionellem Gespür wusste er die Begehrlichkeit der Bietenden zu befeuern, bis ein fairer Marktpreis zustande gekommen war. Eine kooperative Fortsetzung ist geplant.

Für eine sorgenfreiere Kindheit

Bei Auktionen gilt es, die Bieter gekonnt mit schnellen Worten und Beschreibungen von Werken zu überzeugen. Der Auktionator sorgt für eine tiefere Wahrnehmung von Exponaten. Mit seinem Clubmitglied Jarmuschek hat der RC Berlin-Luftbrücke so jemanden in seinen eigenen Reihen. Für die Kunstauktionen seines Clubs arbeitet der Galerist auch als Kurator und ist verantwortlich für die Auswahl der renommierten Künstler.

Seit 2014 veranstaltet der Club regelmäßig Benefizkunstauktionen, um ein größeres Engagement bei sozialen Projekten in der Heimatstadt zu ermöglichen. Seit mehreren Jahren wird hier das Kinderheim Elisabethstift in Berlin- Hermsdorf, eines der ältesten Kinderheime Berlins, gefördert. Die Einrichtung kümmert sich intensiv um Familien, die in Krisen geraten sind, und um Kinder, die vor Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt geschützt werden müssen. Rund 180 Kinder von null bis 18 Jahren leben im Elisabethstift, weitere 60 Familien werden ambulant betreut. Meistens fehlt das Geld überall, angefangen bei der dringend erforderlichen Schaffung von geeignetem Wohnraum, vor allem aber für die absolut notwendige psychologische Betreuung.

Auf der letzten Auktion im November 2018 wurden mehr als 50 Kunstwerke mit einem Erlös von 71.000 Euro versteigert. Für dieses Ergebnis waren 300 kunst­interessierte Gäste in die Königliche Porzellan-Manufaktur KPM, Berlin gekommen, die seit mehreren Jahren ihre Veranstaltungsräume für die Auktion sowie die historische Ofenhalle für den festlichen Rahmen zur Verfügung stellt. Für einen reibungslosen Veranstaltungsablauf sorgen zahlreiche Clubmitglieder sowie Mitarbeiter des Elisabethstifts gemeinsam. Inzwischen sind die Organisatoren des Clubs und das Kinderheim ein eingespieltes Team. Dem Club ist es auch gelungen, die Kinder des Kinderheims, die mit Begeisterung helfen und mitwirken, in die Veranstaltung einzubinden und ihnen hierüber Selbstvertrauen und Anerkennung zu vermitteln. Gleichzeitig lernen die, die steigern, die kennen, für die sie sich engagieren und umgekehrt.

Da die Rahmenveranstaltung über Sponsoren finanziert wird, bleibt der erzielte Betrag komplett erhalten. Mit der einen Hälfte der Auktionserlöse wird hauptsächlich das Elisabethstift und auch die Björn Schulz Stiftung sowie „Perspectives“ von C/O Berlin unterstützt. Die andere Erlöshälfte geht an die teilnehmenden Künstler. „Daher reichen die Künstler wirklich gute Kunstwerke ein, und wir können immer auch Berliner Kunstsammler locken zu kommen“, sagt Kristian Jarmuschek.  

Immer wieder gerne

Das Prozedere der Aufteilung des Erlöses zwischen Künstler und Clubprojekt verfolgt auch der RC Hamburg-Elbe, der seit  2012 regelmäßig Kunstauktionen für den guten Zweck organisiert. Über 700.000 Euro konnten darüber bereits erzielt werden. Dem eigens für diese Events eingerichteten Kunstausschuss des Clubs wurden über die Jahre knapp 2000 Werke zur Versteigerung angeboten. Exakt 395 davon fanden dann am Ende den Weg in den immer begleitend zur Auktion erscheinenden Katalog.

Bei der letzten Benefizversteigerung am 9. November 2018 konnten mit dem Verkauf von 59 Exponaten 142.000 Euro erzielt werden. Dabei unterstützte Kristian Jarmuschek und animierte die Bieter zu immer höheren Geboten.

Das rotarische Netzwerk sorgt auch in Hamburg dafür, dass für den festlichen Rahmen keine Kosten anfallen. Die Clubmitglieder schaffen eine ansprechende Atmosphäre, da es Bietern offenbar tatsächlich so leichter fällt, Kunst für die gute Sache zu kaufen.

Mit den Versteigerungserlösen konnten über die Jahre elf Projekte, darunter Hilfsorganisationen, Stiftungen, Krankenhäuser, Museen und Hospize maßgeblich unterstützt werden.

Für jede Auktion arbeitet der Club rund zehn Monate an der Vorbereitung und Organisation dieses einen Abends im Herbst. Und alle sind sich einig: „Die Arbeit lohnt sich jedes Jahr aufs Neue!“

Zehntes Jubiläum

Seit zehn Jahren veranstaltet der RC München-International jedes Jahr im Voradvent eine Kunstauktion. Hierfür konnte, ausgehend von den persönlichen Kontakten der Initiatoren, ein etabliertes Netzwerk aus Künstlern und Galerien rund um den Club gebildet werden, die jedes Jahr mit ihren Spenden für eine neue und interessante Mischung der Werke sorgen. Insgesamt wurden bisher 591 Werke versteigert und damit Einnahmen von rund 750.000 Euro generiert.

Auch auf der Benefizkunstauktion, die im November letzten Jahres stattfand, war Jarmuschek als Auktionator dabei und versteigerte 55 Werke unterschiedlichster Richtungen und Künstler.

Neben seinem internationalen Engagement unterstützt der RC München-International mit den Erlösen zwei lokale Großprojekte. Zum einen die vom Club gegründete Orlandus-Lassus-Stiftung zur Förderung hochbegabter bedürftiger Musikstudenten sowie die clubübergreifende Initiative Rotary4Hauner, welche finanzielle Hilfe für ausgewählte Bereiche des Haunerschen Kinderspitals in München leistet.

Organisatorisch verfügt der Club über geübte Strukturen und Abläufe, die inzwischen für einen reibungslosen Ablauf sorgen: Kunstwerke werden gelagert, transportiert und aufgehängt, Catering organisiert und betrieben, Kataloge erstellt und vertrieben, Werbung gemacht, Gäste registriert, Zahlungen abgewickelt, Kunstwerke verpackt und vieles mehr. Dies alles erledigen tatkräftig die Freunde mit der Unterstützung des RAC München, der mit der Stärke von zwei Fußballmannschaften mit Hand anlegt.

Perspektiven schaffen

In Österreich unterstützt Andrea Jungmann, Sotheby’s-Geschäftsführerin für Österreich, Ungarn und Polen, regelmäßig als Auktionatorin rotarische Versteigerungen für den guten Zweck. So auch für den RC Linz-Donau, der alle drei Jahre eine Kunstauktion mit Bildern namhafter, großteils oberösterreichischer Künstler organisiert. Die Veranstaltung bietet jedes Mal eine einmalige Gelegenheit zur Betrachtung eines Querschnitts durch die oberösterreichische Landschaft von Zeichnungen, Aquarellen, Ölbildern und Fotos.

Der Club stellt die Bilder bereits einige Zeit vor der Auktion in frei zugänglichen Räumlichkeiten für potenzielle Interessenten mit der Möglichkeit zum direkten Kauf aus. Die anderen Bilder gelangen in die Auktion und werden höchstbietend versteigert.

Mit der letzten Benefizauktion konnten rund 100.000 Euro unter der Anwesenheit von 300 Gästen erzielt werden. Mit den Einnahmen bestreitet der RC Linz-Donau einen Großteil seiner sozialen Aktionen und Aktivitäten für drei Jahre, allen voran das Projekt „Perspektive: Arbeit“. Die Initiative kümmert sich um von Gewalt betroffene Frauen ab 15 Jahren in besonders schwierigen Arbeitsverhältnissen und hilft beim Einstieg oder einer Reintegration in die Arbeitswelt. Themen wie Arbeitssuche, Berufsorientierung, Bewerbungsstrategien, Aus- und Weiterbildungen, Existenzsicherung durch Arbeit und Kinderbetreuung stehen hierbei im Mittelpunkt.

Die nächste Kunstauktion wird im rotarischen Jahr 2020/2021 stattfinden. Monatelange Vorbereitungen mit Besuchen bei Kunstschaffenden und Auswahl der Objekte stehen an. Die Logistik hinter der Auktion muss geplant und Verantwortlichkeiten müssen festgelegt werden. Jede Kunstauktion zu Fundraising-Zwecken ist so auch gleichzeitig ein wichtiges Hands-on-Projekt, welches dem Zusammenhalt durch gemeinschaftliche Aktivität dient.

Für mehr Raum

Kunst ersteigern, Gutes tun – das ist das Motto des RC Wien-West. Das Konzept wird getragen durch das persönliche Engagement von Michael Schmidt-Ott (RC Wien-West). Als Kunstberater ist er von Berufs wegen für die Aufgabe des Kurators prädestiniert.

Die letzte und bislang erfolgreichste Auktion im Jahre 2017, die in Kooperation mit dem RC Vienna-International durchgeführt wurde, brachte die Rekordsumme von 250.000 Euro ein.

Für den Erfolg der Auktion ging Michael Schmidt-Ott nach längerer Vorbereitungszeit auf eine 38-tägige „Kunst-Tour“ durch Europa, um Werkspenden zu akquirieren. Mit 174 Kunstschaffenden konnte er eine spannende Bandbreite zeitgenössischer internationaler Kunst zu einem konkreten Angebot bündeln und das Auktionshaus Sotheby’s als Kooperationspartner gewinnen. Der Auktionskatalog wurde postalisch und als PDF an über 25.000 Kunstinteressierte versandt, wozu Schmidt-Ott auch sein breites Netzwerk von Sammlern weltweit einbrachte.

In einer mehrwöchigen Ausstellung im Vorfeld hatten interessierte Käufer die Gelegenheit, die zu versteigernden Gemälde, Fotografien, Zeichnungen, Skulpturen und grafischen Arbeiten zu sichten und sich von Schmidt-Ott persönlich über die Künstler hinter den Werken informieren zu lassen. Die anschließende Auktion wurde von Sotheby’s-Geschäftsführerin Andrea Jungmann und ihrem Team durchgeführt und sorgte dafür, dass 83 Prozent der Exponate verkauft werden konnten. Der Erlös dient dem Umbau einer weiteren Station des CS Hospizes Rennweg in Wien, mit welchem den Club eine jahrelange Partnerschaft verbindet. Für Anfang 2020 ist die nächste gemeinsame Kunstauktion bereits geplant.

Erfolgsfaktoren

Benefizkunstauktionen erfordern viel Engagement, personell verankertes Kunstverständnis, Planungsvermögen sowie professionelle Kuratoren und Auktionatoren als individuelle Treiber. In den rotarischen Reihen findet sich aufgrund der verschiedenen Berufsklassen das Potenzial für ebendiese. Zusätzlich bietet das rotarische Netzwerk auch die ergänzenden Fähigkeiten, um aufwendige Veranstaltungen zu realisieren. Gemeinschaftlich mit Clubfreunden, Nachbarclubs und Rotaract Clubs kommen so erfolgreiche Fundraising-Aktivitäten zustande. Im Idealfall schließen diese auch die Einbindung der Empfänger mit ein und zeigen, welchem guten Zweck das Engagement dient.

Julia Seifert