Sammeln, Spenden, selbst anpacken - Nach der Flutwelle kam die Hilfswelle

Dieses erschreckende Bild schickte der R.C. Freital: Die Weißeritz reißt alles mit sich. © R.C. Freital

06.10.2002

Sammeln, Spenden, selbst anpacken

Nach der Flutwelle kam die Hilfswelle

Gundula Miethke

Von einer „Jahrhundertflut“ sprechen die Medien, aber auch einige Wissenschaftler, denn die Wasserstände sprengten alle bisher aufgezeichneten Pegel. Erschreckend waren die Schnelligkeit, mit der sie kam, und ihre Wucht, mit der sie ganze Häuser wegriss.

Viele Menschen in den neuen Bundesländern, aber auch in Bayern, Österreich und Tschechien haben alles verloren – häufig sogar ihre Erwerbsgrundlagen – und das macht den Neuanfang für sie doppelt schwierig.

Gewaltig war aber auch die Hilfswelle, die als Reaktion auf die Katastrophenmeldungen folgte. Mit Geldspenden und persönlichen Einsätzen zeigten viele Bundesbürger ihre Solidarität mit den Flutopfern. Einen beachtlichen Anteil an dieser Unterstützung hat Rotary. Umgehend rief der Deutsche Governorrat alle Clubs zu Spenden auf (siehe Heft 9/2002). Bis jetzt sind auf das Sonderkonto beim Rotary Deutschland Gemeindienst (RDG) 312000 Euro eingegangen, über deren konkrete Verwendung ein vom Governorrat berufenes Gremium aus den Governors der betroffenen Distrikte 1800, 1880, 1940 und 1950 sowie dem Vorsitzenden von RDG, Dieter Jünemann, noch entscheiden wird. Beschlossen ist bereits, dass der Distrikt 1800 30 Prozent, 1940 und 1950 ca. 10 Prozent und 1880 als hauptbetroffener Distrikt den Rest aus dem Spendentopf erhält.

Noch einmal 508000 Euro wurden eingezahlt für zweckgebundene Verwendung. Ausgezahlt wurden bisher rund 167000 Euro, der Löwenanteil davon an die Fördervereine der Clubs in den neuen Budesländern, die entsprechende Hilfsprojekte benannt haben.

Vielfältig sind die Aktionen der Clubs, die über ihre Partnerclubs in den betroffenen Distrikten helfen: Neben Sachspenden wird vor allem Geld gesammelt u.a. mit Benefizkonzerten, Auktionen und Verkaufsständen auf Stadtfesten. Die Liste ließe sich beliebig verlängern, wie die Distriktsberichte in diesem Heft zeigen.

Vor allem schnell sollte die Unterstützung sein. Dabei half vielfach das Internet. Der R.C. Pirna-Sächsische Schweiz beispielsweise stellte seine Homepage sofort um, brachte aktuelle Lageberichte und Bilder aus der Stadt, führte in einer Materialliste auf, was gerade akut gebraucht wurde – vom Trocknungsgerät bis zum Notstromaggregat – und sorgte für die Koordinierung der eingehenden Angebote. Auch jetzt ist auf www.rc-pirna.de unter dem Link „Hochwasserkatastrophe in Pirna“ zu erfahren, welche Hilfe langfristig von Nöten ist.

Auf ähnlich hohen Touren läuft das Hilferad bei Rotaract. Die Rotaract Deutschland Sprecherin Marie Christin Schwake rief alle deutschen Rotaract Clubs auf, einer Kindertagesstätte im Erzgebirge unter die Arme zu greifen. Schnell reagierten auch die Rotaracter der Distrikte 1810, 1820, 1870 und 1900, als sie in nur zwei Wochen eine Benefizveranstaltung auf dem Düsseldorfer Marktplatz organisierten, bei der 17000 Euro für eine zerstörte Grundschule im Landkreis Bitterfeld zusammenkamen. (Näheres S. 47)

Anteilnahme und Hilfe kommt auch von ausländischen Clubs – besonders aus den USA, der Schweiz, Australien und sogar Neuseeland – und erinnert an das Echo auf die Sturmflut von 1962 im deutschen Nordseeraum. Damals erhielt Franz Ludwig, Governor des 149. Distrikts (Norddeutschland), ein Telegramm von George Means, Generalsekretär von R.I., und Briefe der drei holländischen Governors, die darin die Anteilnahme ihrer Landsleute ausdrückten.

Dass Solidarität keine Einbahnstraße ist, zeigen die Rotarier in der Türkei: „Am Tag nach dem Erdbeben vom 17. August 1999 ist uns die ganze Welt – geführt von Israel, Deutschland und Griechenland – zu Hilfe geeilt. Heute helfen die türkischen Mitglieder des rotarischen Länderausschusses Deutschland-Türkei ihren deutschen Freunden“, so steht es in einem Artikel in der türkischen Zeitung „Dünya“ vom 31. August 2002. Bereits am 12. August ging die erste Spendenzusage türkischer Rotarier in Deutschland ein. Sie stellten 3000 Euro als Soforthilfe für die Behebung der Schäden in einer Grund- und Hauptschule der Gemeinde Unterwössen im Chiemgau zur Verfügung und werden die Summe demnächst auf 10000 Euro aufstocken.

Viele Projekte sind angelaufen, viel Aufbauarbeit ist noch immer zu leisten und das über Jahre hinaus. Wichtig dabei ist, dass den Spendentöpfen langfristig nicht das Geld ausgeht, wenn die Bilder der akuten Katastrophe aus den Medien und damit aus den Köpfen vieler Menschen verschwunden sind. Und vielleicht findet sich ja auch eine helfende Hand für manch in Not geratenes rotarisches Projekt wie das tschechisch-slowakische Rotary Magazin „Good News“, dessen Redaktion in Pilsen völlig verwüstet wurde.

Erschienen in Rotary Magazin 10/2002

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