Rasmus Baumann - Wie ein Tänzer – nur mit den Armen

16.05.2013

Rasmus Baumann

Wie ein Tänzer – nur mit den Armen

Wenn Rasmus Baumann auf der Bühne steht, taucht er ab in eine ganz besondere Welt – in seine Welt des Dirigierens. Dass er sich dabei vor seinem Orchester „seelisch ,ausziehen“ muss, ist ihm bewusst. „Der Anspruch an einen Dirigenten ist extrem hoch, erst einmal steht man nackt vor dem Orchester“, sagt der 38-Jährige, der seit 2008 Chefdirigent des Musiktheaters im Revier (MiR) in Gelsenkirchen ist. Mit großem Fleiß, wachsendem Selbstvertrauen und hundertprozentiger Leidenschaft hat er es bis hierher geschafft und alle Steine nach und nach aus dem Weg geräumt. „Ich habe an die zwölf Aufnahmeprüfungen gemacht, aber nur drei davon bestanden“, sagt er und fügt hinzu: „Es gab anfangs nur wenige Leute, die an mich geglaubt haben. Daraus habe ich jedoch nach dem Motto: jetzt erst recht! eine Kraft entwickelt. Die unbändige Kraft, immer weiter an sich zu glauben, und den Ehrgeiz, ein guter Musiker und erfolgreicher Dirigent zu werden. Einige Jahre später hat er vier Studienabschlüsse als Klavierlehrer, Kirchenmusiker, Konzertpianist und Dirigent in der Tasche und die Erkenntnis gewonnen, dass diese Diplome im praktischen Berufsleben kaum eine Rolle spielen: „Mich hat noch nie jemand nach meinem Zeugnis gefragt. Es kommt darauf an, was man kann.“ Mit einem Sinn für die Vielfalt der Musik war Rasmus Baumann schon immer ausgestattet. Schon mit 16 Jahren arbeitete er als Organist und bekam seinen ersten Dirigierunterricht. Außerdem spielte er Drumset in einer Heavy Metal Band, war Pauker im Jugendorchester, Pianist in einer Bigband und liebt daher bis heute Jazzmusik und Crossover-Projekte. Wie der große Leonard Bernstein, der ihm zu dieser Zeit ein Vorbild ist, legt er sich nicht fest auf eine Richtung, sondern interessiert sich für nahezu jede Art von Musik, unterscheidet nur zwischen guter und schlechter Musik. „Es ist hilfreich, über den Tellerrand zu schauen“, sagt er. Musik in allen Facetten füllt nicht nur seinen Berufsalltag aus, sondern ist neben dem Joggen zugleich auch sein Hobby.
Es ist ein Glücksfall für ihn, dass er für das, was er „am liebsten macht, auch noch Geld bekommt“. Neben seinem hauptberuflichen Einsatz als Dirigent am MiR und Gastdirigent in ganz Deutschland ist er seit 2004 auch Chefdirigent des Rotary-Orchesters Deutschland – des weltweit einzigen. Trotz des vollen Terminkalenders schafft er es – wenn auch manchmal mithilfe eines Assistenten –, zwei bis drei Konzerte pro Jahr mit dem Orchester zu dirigieren. Rasmus Baumann bewundert die rotarischen Laienmusiker für ihr leidenschaftliches Engagement und freut sich über das Glück in ihren Augen, wenn ein Stück im Konzert gut gelungen ist. „Als Profi nimmt man das ja manchmal als selbstverständlich hin, aber trotz der vielen Arbeit sollte man nie vergessen, was für einen tollen Beruf man als Musiker hat.“ Nervös war er vor Auftritten noch nie: „Ich bin entweder unterspannt und fange manchmal vorher sogar an zu gähnen oder bin zu Späßen aufgelegt“, verrät der gebürtige Gelsenkirchener. Seine Arbeitstage sind lang und geprägt von Orchesterproben, Administration im Büro und einem stillen, strengen Partiturstudium am Schreibtisch, oft bis spät in die Nacht. „Das Notenstudium ist, als würde man ein Buch lesen – nur dass man es jederzeit frei wiedergeben können und um die Bedeutung eines jeden Satzes wissen muss.“ Wiedergeben heißt, unter Körpereinsatz die Musik in eine Bewegung umzuformulieren, „wie ein Tänzer, nur mit den Armen“. Die dirigentischen Gesten sollten so intuitiv sein, dass sie keinen Erklärungsbedarf beim Orchester auslösen. Zu seinen Musikern pflegt Baumann ein freundschaftlich-kollegiales, aber bestimmtes Verhältnis. Er gibt zwar vor, wo es langgeht, ist aber immer offen für Anregungen, denn am Ende verfolgen Dirigent und Orchester ja das gemeinsame Ziel einer gelungenen Aufführung. „Und im Idealfall“, fügt er augenzwinkernd hinzu, „funktioniert es mit der Version, die ich im Kopf habe.“

Erschienen in Rotary Magazin 3/2012

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