Geld: Looman!Forum

Das ruhige Depot für nervöse Anleger

by Volker Looman | 
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Geld: Looman! Volker Looman macht keine halben Sachen. Der langjährige FAZ-Autor spricht Missstände klar an und rechnet vor, wie es besser geht – in der einzigen Finanzkolumne für Best Ager. Nur hier im Rotary Magazin

Angst, Hektik und Unruhe sind nicht nur für Anleger, sondern auch für Depots wahres Gift. Darf ich Ihnen am Beispiel von 500.000 Euro (m)ein „ruhiges“ Menü vorstellen, wenn Sie das Geld in Anleihen und Aktien anlegen wollen? Falls es bei Ihnen nur 250.000 Euro sind, dann halbieren Sie die Werte, und wenn Sie zwei Millionen Euro investieren wollen, dann vervierfachen Sie die Zahlen. Es geht bei allen Beträgen um die Grundsätze, und die Prinzipien sind stets gleich.

Vorab müssen wir drei Fragen beantworten. Erstens: Wie lange wollen Sie das Geld anlegen? Zweitens: Wie hoch dürfen die absoluten Verluste in Euro sein? Drittens: Wie hoch sind die Beträge, die Sie dem Depot jedes Jahr entnehmen wollen? Wenn die Antworten beispielsweise 15 Jahre nebst 100.000 Euro und 20.000 Euro lauten, dann bedeuten die Zahlen, dass Sie die halbe Million insgesamt 15 Jahre anlegen möchten, mindestens 100.000 Euro in Anleihen investieren müssen und jährlich 20.000 Euro zum Leben brauchen.

In diesem Fall könnten die Indexfonds, die ich in der Tabelle zusammengestellt habe, die richtige Mischung für Sie sein. Das Depot besteht zu 20 Prozent aus Anleihen und zu 80 Prozent aus Aktien. Das Verhältnis ist das Ergebnis des „verkraftbaren“ Verlustes von 100.000 Euro, weil ich davon ausgehe, dass die Kurse der Aktien „über Nacht“ um 25 Prozent sinken können, und wenn Sie die 100.000 Euro durch 25 Prozent teilen, kommen Sie auf 400.000 Euro, die in Aktien angelegt werden können, und 100.000 Euro, die in Anleihen investiert werden müssen.

Die vorgestellte Mischung ist ein Weltdepot. Die Anlagen sind weder auf Deutschland noch auf Europa begrenzt, weil auch in Asien und Nordamerika viel Geld verdient wird. Der erste Indexfonds (50.000 Euro) enthält 703 Anleihen aus Staaten bester Bonität, und in dem zweiten Indexfonds (50.000 Euro) sind 4143 Anleihen von Unternehmen erster Güte enthalten. Die restlichen 400.000 Euro werden mithilfe von acht Indexfonds auf börsennotierte Unternehmen in Amerika (37,5 Prozent), Asien (25 Prozent) und Europa (37,5 Prozent) verteilt.

Das Depot kommt einmal im Jahr auf den Prüfstand, und bei jeder Untersuchung werden Sie sehen, dass sich die einzelnen Indexfonds unterschiedlich entwickelt haben. Mal tritt der Europäer auf der Stelle, mal hinkt der Amerikaner, mal rennt der Asiate, und in anderen Jahren wird es umgekehrt sein. Darauf haben Sie keinen Einfluss, und Sie sollten auch nicht nach den Ursachen forschen, weil die Antworten ohne Nährwert sind. Viel wichtiger ist die Disziplin, das Schiff auf Kurs zu halten. Sie müssen jedes Jahr durch Umschichtungen dafür sorgen, dass die Zahlen in der gelben Spalte der Tabelle wieder stimmen. Das ist von der Sache her nicht schwierig, doch es würde mich nicht wundern, wenn Sie auf Abwege geraten.

Bitte stellen Sie sich vor, dass das Depot in einem Jahr bei 525.000 Euro stehen wird. Das wäre ein Zuwachs von fünf Prozent, sodass kein Anlass zum Meckern bestünde, wie der Berliner sagt. Nun müssen wir 20.000 Euro aus dem Depot abziehen, weil dieser Betrag für den Konsum benötigt wird, und die verbleibenden 505.000 Euro sind wie „neues Geld“ auf die zehn Indexfonds zu verteilen. Die Folgen werden kleine Umschichtungen sein. Hier müssen einige Anteile verkauft werden, dort sind wenige Anteile zu kaufen, und alles muss so lange gemacht werden, bis das Depot wieder im Lot ist.

Am Ende des zweiten Jahres machen Sie wieder Inventur. Die Summe der Indexfonds und des Verrechnungskontos mag 540.000 Euro betragen. Davon werden wieder 20.000 Euro abgezogen, sodass 520.000 Euro nach dem von Ihnen festgelegten Schlüssel zu verteilen sind. Die Istwerte müssen durch Umschichtungen korrigiert werden, bis die Sollwerte erreicht worden sind, und dieses Spiel wiederholt sich jedes Jahr, auch wenn das Depot zum Beispiel am Ende des dritten Jahres auf 490.000 Euro „abjesoffen“ sein sollte.

Zur Person: Volker Looman

Jahrgang 1955, ist freiberuflicher Finanzanalytiker in Berlin. Er hat 35 Jahre für die FAZ gearbeitet. Nun schildert er im Rotary Magazin jeden Monat, wie der (Un-)Ruhestand vermögender Pensionäre und Rentner in finanzieller Hinsicht einfach, rentabel und sicher gestaltet werden kann.

volkerlooman.de

Das Austarieren wird in Fachkreisen als Rebalancing bezeichnet. Die Idee ist einfach, doch die Umsetzung ist schwierig, weil Ihnen die Psyche üble Streiche spielen wird. Wer eine halbe Million investiert hat, wird zum Beispiel große Probleme haben, nach einem Jahr so viel Geld zu entnehmen, dass der Pegel unter den Einstandswert sinkt. Genauso wird es anderen Menschen schwerfallen, Geld aus Indexfonds, die gut gelaufen sind, abzuziehen und in Töpfe umzuschichten, die sich nicht so gut entwickelt haben. Das sind menschliche Schwächen, für die ich allergrößtes Verständnis habe, doch beim Geld sind Gefühle nicht die besten Ratgeber. Gerade beim Umgang mit Anleihen und Aktien, deren Kurse schwanken wie Kuhschwänze, ist Disziplin oberstes Gebot. Sollten Sie diese Tugend wider Erwarten nicht besitzen, dann sollten Sie über Robo-Adviser nachdenken, weil Maschinen keine Gefühle haben. Die Menschen hinter den Robotern kosten zwar Geld, doch wenn es nicht mehr als 0,5 Prozent pro Jahr sind, dann werden Sie gut bedient sein, weil der Hang zum Handeln viel teurer ist. Oder träumen Sie lieber davon, endlich ein ruhiger und solider Anleger zu werden? Ich wünsche es Ihnen von Herzen, aber bitte schämen Sie sich nicht, wenn es schiefgeht: Wir sind und bleiben Menschen mit wenigen Stärken und vielen Schwächen.

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