Distrikt 1860Rotary Aktuell

Haltung zeigen, Werte bewahren

by Sabine Meinert | 
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Demokratie und Austausch – diese Themen zogen sich als Leitlinie durch das rotarische Jahr 2025/26, zeigte die Distriktkonferenz

„Es ist der schönste Distrikt in Deutschland“, resümierte Nicole Huber nach ihrem Governorjahr, „vielfältig und aktiv.“ Bei ihren Clubbesuche habe sie zudem wichtige Gespräche um den gesellschaftspolitischen Anspruch an rotarisches Tun geführt. Dies habe auch die Konferenz auf dem Hambacher Schloss zum Halbjahr deutlich gemacht.

Insgesamt sei im vergangenen Jahr in den Clubs einiges bewirkt worden: Veränderung, Erneuerung, Umdenken. Das Thema Demokratie sei in der rotarischen Familie stärker verankert worden. Dies sei ihr ein besonderes Anliegen gewesen. Und ein humorvoller Beitrag zu einem Distriktgrant ergebe sich aus dem von D1860 umgesetzten Bröckedde-Buch, zeige die Bilanz.

Wir tun was!

Kommunikationsexpertin Nadine Dusberger stellte die Kampagne zum Jubiläum 100 Jahre Rotary in Deutschland vor. Unter dem Motto „Wir tun was!“ sollen sich sowohl Clubs als auch Distrikte zeigen. Der Slogan „Gute Gesellschaft“ soll sowohl lokal als auch global genutzt werden. Jeder Einzelne sei gefordert, sich Gedanken zu machen, wie er den Satz vollenden würde „Gute Gesellschaft ist für mich…“

Der Festvortrag von Prof. Dr. Enrico Brissa, ehemaliger Protokollchef in Bundespräsidialamt und Bundestag, knüpfte noch einmal an Nicole Hubers Motto von „Haltung. Werte. Demokratie“ an. Er schlug einen Bogen von Pegida über die Ukraine zur Störung der Lieferketten, vom Klimawandel bis zur Situation in Ostasien und im Nahen Osten: Die Instabilität sei eine Konstante der Weltordnung geworden. 

Festzustellen sei, dass das Ende totalitärer Gesellschaftsordnungen zu früh konstatiert wurde. Die Demokratisierungswelle sei vorbei, hingegen seien Globalisierung, Populismus, Extremismus und Totalitarismus an der Tagesordnung. Die Idee vom freien Markt der Ideen habe sich nicht durchgesetzt.

Im direkten Umfeld sieht Brissa ein aktives Bekenntnis zum Verfassungsstaat als Gebot der Stunde. Der Staat brauche angesichts der emotionalen Seite des Politischen ein Emotionsmanagement. „Patriotismus und Gemeinsinn sind gefragt.“

Meinungen und Disput

Nach einer Umfrage diskutierten die Teilnehmer der Distriktkonferenz, was es bedeutet, eine Deutschland-Flagge zu hissen, wenn nicht gerade das deutsche Team bei der Fußball-WM unterstützt werde. Die Deutschland-Fahne sei vielfach negativ behaftet, wo sie doch Stolz auf das Land, Zusammenhalt und Demokratie symbolisieren solle. Demokratie müsse stärker auch unterrichtet werden, so der Tenor. Es gelte zudem, Ängste ernster zu nehmen.

In kleineren Diskussionsrunden – ähnlich wie in einem Barcamp – wurde das Thema intensiviert, zum Beispiel zur Frage, wie Rotary als Brückenbauer in einer gespaltenen Gesellschaft aktiv werden könne. Außerdem sammelten die 1860-Rotarier und -Rotarierinnen Ideen, wie Rotary sichtbarer werden könne. Eine Idee: Afterwork-Events.

Im Austausch bleiben

Insgesamt müssten Clubs mit ihrem Umfeld im Gespräch bleiben, auch zu Themen wie Antisemitismus. Im Distrikt zähle die stärkere Einbindung von Berufs- und Jugenddienst, so das Ergebnis. Um Mitglieder zu gewinnen, sollten die Clubs stärker mit ihrem Umfeld in den Dialog gehen, ihre Vorhaben publik machen und Vortragsabende öffnen. Es gelte, Begegnungsmöglichkeiten für viele Menschen zu schaffen.

Als Vertreter des RI-Präsidenten brachte Hans-Hermann Kasten (Past-RI-Vizepräsident) das Thema Internationalität auf die Tagesordnung. Er verwies auf den Action Plan, der eine gute Entwicklung von Rotary ermögliche. Deutschland trage inzwischen zu stabileren Mitgliederzahlen bei – rund ein Prozent Wachstum jährlich. Die deutschen Distrikte stellen zudem in Kürze immer einen RI-Direktoren und sei daher in Evanston gut vertreten, informierte Kasten.

In Sachen Integration junger Leute zeigte sich: Da geht noch was. Das Thema Zukunft steht hingegen im Fokus, zum Beispiel mit Umwelt- oder Nachhaltigkeitsprojekten wie der Eichen-Pflanzaktion des RC Lampertheim oder der vom RC Speyer organisierten Solaranlage für eine Kita, die innerhalb des Club-Wettbewerbs ausgezeichnet wurden. Informiert wurde über das Vorhaben, den Distrikt als eingetragenen Verein zu organisieren. Derzeit fehle noch ein Bescheid, dann sei die Umstrukturierung umgesetzt. 

Schultüte für den Neuen

Der neue Governor Wolfgang Eifler hat auch das auf der Tagesordnung. Er versteht Rotary als Instrument gegen Machthunger, Gier und Hass. „In welcher Welt wollen wir leben? Als People of Action können wir zeigen: Rotary mit seinen humanistischen Werten ist wichtig für diese Welt.“

Eifler, der aus seiner Familie eine Schultüte für einen guten Start bekam, warb außerdem dafür, sich mit anderen Serviceclubs zu vernetzen und die internationale Seite von Rotary zu leben. Er will End Plastic Soup und die Wertediskussion vorantreiben. „Laufen lassen ist keine Option – es gilt: create lasting impact.“

Für einen emotionalen Abschluss sorgten die Inbounds des Distrikts.“ Wir haben besondere Menschen kennengelernt“, bekannten Derek aus Mexiko und Antonia aus Rumänien. „Von jeder Begegnung nehmen wir ein Puzzleteil mit – und auch ein Stück deutsche Kultur: Schuhe ausziehen an der Haustür, Weihnachtsplätzchen backen, Termine im Kalender eintragen …“, lachten sie und waren sich sicher: „Rotary wird uns wieder zusammenführen.“

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