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Standpunkt

Lasst ein Märchen wahr werden

Standpunkt - Lasst ein Märchen wahr werden
Michael Bülhoff (RC Oberhausen) war langjähriger GSE Chair in D 1870 und ist Past-Governor 2016/17. © privat

In Zeiten immer größerer und zunehmend professioneller durchzuführender Projekte ist die Rückkehr des „Berufsklassenverzeichnisses“ ein Muss.

01.03.2019

Es war einmal … So beginnen auf dieser Welt Märchen.  Es war also einmal in der deutschen rotarischen Welt ein Berufsklassenverzeichnis. Wir alle waren darin unter unserer Berufsklasse, dem herausragenden rotarischen Merkmal, verzeichnet. Wirklich, kein Märchen.

Was, wenn wir es heute aufgrund der vielen neuen Herausforderungen, die sich Rotariern weltweit stellen, wieder benötigten? Die Volumen von Global Grants  werden ständig größer und wir brauchen immer professionellere Unterstützung, da Anforderungsprofil und die für die  TRF zu ermittelnden Daten im Projektgebiet deutlich differenzierter und anwendungsorientierter werden. Wir sind also in einem Dilemma, wenn wir nicht von jedwedem Berufszweig einen Vertreter im eigenen Club als Freundin oder Freund haben. Das Berufsklassenverzeichnis konnte uns damals den Zugang zu den Spezialisten in der rotarischen Welt verschaffen. Networking, das Schlüsselwort für die heutige Generation, wir hatten es schon einmal in papierner Form und sind dieses Instrumentes nun seit vielen Jahren beraubt.

Als Mitglied eines Distriktbeirates bat ich jahrelang die jeweiligen Governors um Unterstützung in diesem Punkt. Auch als ich selbst Governor war, wurde ich nicht müde zu versuchen, das Berufsklassenverzeichnis aus seiner Vergessenheit zu befreien und es allen Interessierten zugänglich zu machen. Der RotaryVerlag  gab die Kosten und mangelnde Bestellungen als Grund für das Nichterscheinen an. Ein weiteres Argument waren mögliche Schwierigkeiten mit dem Datenschutz.

Ich führe nur uns ins Feld, uns, die wir aktiv das rotarische Netzwerk nutzen, um den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu genügen. Wir brauchen ein solches Verzeichnis heute mehr denn je.  Alle Ingenieure für Brücken-, Straßen-,  Wasser-, Hoch- und Tiefbau, Antriebstechnik, Solarenergie, alle Ärzte/innen für …, alle Handwerksmeister einer bestimmten Innung, Installateure, Elektriker, Fahrzeugbauer, alle Freundinnen und Freunde, die uns bei der Auswahl und Beschaffung von Fahrzeugen, von Werkzeugen, von speziellen Materialien und zu deren Eignung unter Bedingungen der Projektländer behilflich sein könnten, zu finden – das wäre was. Oder auch um Ausrüstungsgegenstände zu suchen, wie ich es gerade tat – und mehr oder weniger zufällig bekam: Ein voll funktionsfähiges Ultraschallgerät für ein Krankenhaus in Tansania, zur Verfügung gestellt von Mathias Göb (RC Coesfeld-Baumberge), wodurch in diesem Projekt so viel Geld eingespart werden konnte, das nun in die elektrische Anlage des Krankenhauses gesteckt werden kann.

Ich könnte aus meiner Governorzeit und der Arbeit im Vorstand von Action Groups noch viele Beispiele geben, wo der Zugang zu einem solchen Verzeichnis unsere Arbeit effizienter und professioneller gemacht hätte. Unser Netzwerk und unser Zugang dazu sind einmalig auf dieser Welt. Gerade wir Rotarier/innen in Deutschland sind uns unserer Verpflichtung bewusst, zu helfen, wann auch immer uns von unseren rotarischen Freundinnen und Freunden etwas angetragen wird. Hilferufe in bestimmten Berufsnetzwerken, der Zusammenschluss von Fachgruppen – all dies trägt zum engeren Miteinander bei.

So nutze ich das Rotary Magazin, um ein rotarisches Märchen wahr werden zu lassen. Auch wenn das jährliche Erscheinen eines Berufsklassenverzeichnisses wünschenswert, weil aktuell wäre, wäre mir und vielen anderen auch ein Zwei- oder Dreijahresrhythmus ausreichend. Noch besser wäre natürlich die Bereitstellung  innerhalb des elektronischen Mitgliederverzeichnisses. Das mag vielleicht Geld kosten, aber das letzte Verzeichnis dieser Art gab es für fünf Mark. Ich möchte nicht sagen lächerlich, aber vergleichsweise doch sehr wenig, wenn man bedenkt, welch Segen von dem Wissen und dem Networking eines solchen Verzeichnisses ausginge.

Und ließe es sich elektronisch machen? Ja, auch wenn einige Berufsangaben heute nicht mehr so zielgenau sind wie ehedem. Datenschutz, dieses Bollwerk sollte uns nicht handlungsunfähig machen in der rotarischen Welt. Im Gegenteil, es soll unsere persönlichen Daten vor dem unerlaubten Zugriff schützen und den Missbrauch unter Strafe stellen. Diesem Diktat beuge ich mich gerne, aber jedem rotarischen Freund, jeder Freundin stehen meine Daten im MGV und sogar im E-MGV zur Verfügung. Jeder von uns erwartet einen verantwortungsvollen Umgang mit diesen Daten – die eines Berufsklassenverzeichnisses bestehen allerdings nur aus Beruf, Name und Club. Diese Angaben sind aber ungeeignet für Datenmissbrauch, denn zum Kontakt benötigt man das Mitgliederverzeichnis – in welcher Form auch immer.

Hier können wir besser werden, hier sollten wir ein Märchen wahr werden lassen, hier entscheiden wir uns für ein rotarisches Berufsnetzwerk, damit wir besser für das Morgen gerüstet sind.


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