Expertenanalyse - RI-Präsident? Ron Burton zum Thema Mitgliederschwund und wie dieser verhindert werden kann

© Illustration: Otto Steininger

15.05.2014

Expertenanalyse

RI-Präsident? Ron Burton zum Thema Mitgliederschwund und wie dieser verhindert werden kann

Das vergangene Jahrzehnt hindurch schwankte die Anzahl der Mitglieder von Rotary stets um die 1,2 Millionen. Das bedeutet, dass für jede Person, die in den letzten zehn Jahren beitrat, eine andere wieder austrat. Die aktuellen Zahlen belegen, dass Rotary nicht nur stagniert, sondern die Mitgliederzahlen in vielen Regionen bereits rückläufig sind. Unsere Gesamtmitgliedschaftszahl betrug zum 1. Juli 2013 1.185.000 – das ist die niedrigste Zahl in beinahe zehn Jahren. Was machen wir dagegen? In dieser Ausgabe sprechen wir mit RI-Präsident Ron Burton über die Herausforderungen, denen die Organisation gegenübersteht, und über die Drei-Millionen-Dollar-Initiative zur Unterstützung von Clubs beim Erhalt von Mitgliedern. Wir nehmen die vier Pilotprogramme unter die Lupe, die 700 Clubs weltweit derzeit testen, um Mitglieder zu binden und neue zu gewinnen. Zudem sprechen wir mit Führungskräften in Regionen, wo Rotary rapide wächst, und fragen diese nach ihrem „Geheimnis“

Ron Burton ist 2013/14 Präsident von RI. Vor 30 Jahren jedoch war er ein wenig begeistertes Mitglied und stand kurz davor, wieder auszutreten. Sein Motto als Präsident lautet „Rotary leben, Leben verändern“, denn er weiß aus persönlicher Erfahrung, dass Mitglieder wieder austreten, wenn sie keinen Sinn in der Mitgliedschaft sehen oder kein Zugehörigkeitsgefühl zum Club entwickeln können. Eine Erhöhung der Mitgliederzahlen ist nach der Ausrottung der Kinderlähmung Rotarys wichtigste Priorität. Aufgrund der weltweiten Mitgliedschaft und sinkender Zahlen in vielen Regionen hofft die rotarische Führungsebene, die Organisation durch eine Reihe von Plänen zu erneuern, die auf dem Feedback von Mitgliedern ausgearbeitet wurden. Die 16 regionalen Mitgliedschaftspläne sind eine Roadmap, die Clubs dabei helfen soll, Rotary zu stärken. Wir sprachen mit Ron Burton, um herauszufinden, welchen Einfluss diese Pläne auf Sie und Ihren Club haben werden.
 
Wie würden Sie die regionalen Mitgliedschaftspläne beschreiben?
Dahinter steckt die Idee, dass jede Region von Rotary einen für sie funktionierenden Plan zur Gewinnung und Bindung von Mitgliedern entwickeln soll. Wir wissen, dass es hier kein Einheitskonzept geben kann. Was in den USA klappt, klappt in anderen Regionen nicht. Die Pläne bieten Rotariern Flexibilität und übertragen ihnen Verantwortung, denn sie basieren auf dem Feedback von Mitgliedern.

Wie werden diese Pläne Rotary dabei helfen, neue Mitglieder zu gewinnen?
Ich glaube, durch Begeisterung. Menschen reagieren auf Herausforderungen. Wir baten alle Direktoren, uns eine definitive Mitgliederzahl zu nennen, die sie erreichen können. Sie sprachen daraufhin mit jedem Governor, um eine Zahl festzulegen. Die Pläne halten unsere Ziele auf dem Papier fest und tragen dazu bei, dass wir Unterstützung von unseren Direktoren, Governors, Clubpräsidenten und Mitgliedern bekommen.

Sie haben alle 16 Regionalpläne gesehen. Gibt es eine Taktik zur Gewinnung neuer Mitglieder, die heraussticht?
Eine Strategie ist es, Rotarier, die neue Mitglieder in ihren Club holen, durch einen speziellen Aufsatz für ihre Rotary-Anstecknadel auszuzeichnen. Der Aufsatz wird hinter der Nadel angebracht und die Farbe des Aufsatzes verweist darauf, wie viele neue Mitglieder die Person gewinnen konnte. Es ist ein schöner Ansporn und sieht zudem ziemlich gut aus.

Welchen Einfluss haben die Pläne auf den durchschnittlichen Rotarier?
Die meisten von uns wurden von einem Freund eingeladen, bevor sie Rotarier wurden. Wenn wir jemanden einladen, müssen wir ihm auch einen Grund zum Bleiben geben. Wir können stets mehr Herzen, Hände und Kopf an der Basis gebrauchen, um das Werk von Rotary umzusetzen. Die Pläne fordern Mitglieder heraus, durch mehr Mitglieder in ihren Heimatgemeinden noch mehr zu tun und in ihren Clubs noch produktiver zu werden.

Und wenn manche Clubs bereits glücklich sind, so wie sie sind?
Dann fügen Sie einen neuen Club mit einem neuen Look hinzu. In meiner Heimatstadt Norman, Oklahoma, wurde letztes Jahr ein vierter Club gegründet. Wir haben eine Einwohnerzahl von 110.000, davon sind circa 300 Rotarier. Das bedeutet, dass es noch einige Personen gibt, die sich als zusätzliche Mitglieder eignen würden. Mein Club ist zum Beispiel ein Mittagsclub, der sich donnerstags trifft. Manche Leute können Donnerstagmittag aber nicht. Wir haben eine Liste mit diesen Leuten angelegt und kontaktierten sie, als wir einen Frühstücksclub gründeten.

Gibt es ein Wundermittel, um die Mitgliedschaft von Rotary zu stärken?
Einbindung. Ich trat aus meinem Rotary Club aus, weil ich nichts zu tun hatte. Dann fragten sie mich, ob ich einen Ausschuss leiten wolle. Der Clubpräsident sagte: „Wir hätten dich gerne weiter im Club. Würdest du nächstes Jahr gerne den Rotary-Foundation-Ausschuss leiten?“ Ich blieb, weil dies eine wichtige Rolle war. Man muss den Menschen die Möglichkeit geben, in ihren Gemeinwesen einen Beitrag leisten zu können.

Sie sind aus Ihrem Club ausgetreten?
Das bin ich. Heute mache ich darüber Witze, aber vor 30 Jahren hatte ich kleine Kinder, war voll berufstätig und wollte mich Dingen widmen, die mir wichtig waren. Wenn man einmal pro Woche im Holiday Inn nur wegen eines schlechten Essens zusammenkommt, dann bleibt man nicht in einem Club. Aus diesem Grund betone ich auch die Einbindung von Mitgliedern so sehr.
 
Was, denken Sie, stößt die Leute an Rotary ab?
Ich stelle diese Frage ununterbrochen. Ich sage: „Sehen Sie sich Ihren Rotary Club an. Würden Sie dem Club heute noch beitreten? Falls nicht, warum nicht? Was würden Sie ändern?“ Manche Leute stört das Singen. Manche Clubs haben eine Menge an Strafgebühren. Das soll nicht heißen, dass jede Tradition albern ist, aber sie kommt vielleicht auch nicht bei jedem gut an. Finden Sie durch Austrittsgespräche heraus, was die Leute an ihrem Club mögen und was sie nicht mögen.

Wo wächst Rotary?
Rotary wächst in Indien und in vielen Teilen Asiens. Es wächst stark in Thailand und in Taiwan. Wir bemühen uns auch stark um ein Wachstum in Afrika.

Was können andere Rotarier von diesen Regionen lernen?
Es herrscht dort große Begeisterung für Rotary, besonders in Indien. Rotary ist präsent. Es ist eine angesehene Organisation und die Menschen wissen, was Rotary ist und tut. Ich glaube aber, dass die Menschen sich überall auf der Welt gut fühlen, wenn sie jemandem helfen können. Wenn man also etwas lernen kann, dann ist es, gute Clubprojekte umzusetzen, die auf einen echten Bedarf im Gemeinwesen eingehen.

Was kann das einzelne Mitglied tun, um Rotary zu unterstützen?
Laden Sie jemanden ein und binden Sie neue Mitglieder ein – und zwar dauerhaft. Wenn Ihnen dies gelingt, dann bringen diese sich schließlich selbst ein und laden ebenfalls neue Leute ein. Ich bin der lebende Beweis dafür

Erschienen in Rotary Magazin 5/2014

Rotary Magazin 9/2016

Rotary Magazin Heft 9/2016

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