Porträt - Der Natur auf der Spur

Naturschutz ist Ehrensache für Christian Gospos. © Andy Ridder

01.05.2018

Porträt

Der Natur auf der Spur

Julia Seifert

Jetzt ist es Zeit, Blühstreifen auszusähen, damit Insekten und somit auch Vögel den Sommer über genügend Nahrung finden. Für Christian Gospos (RC Achern-Bühl) ist der Schutz der Natur zu einem der wichtigsten Anliegen in seinem Ruhestand geworden.


ZUR PERSON

Dr. med. Christian Gospos (RC Achern-Bühl), Jahrgang 1945, studierte Medizin in Freiburg. Von 1984 bis 2014 leitete er das Radio­logische Zentrum in Bühl, wo er mit seiner Familie lebt. Seit dem Ruhestand kümmert er sich um Natur- und Tierschutz. Um die Artenvielfalt zu erhalten, setzt er sich für eine Verbesserung der Lebensgrundlage der Vogelwelt ein.


 

Zusammen mit seinen Clubfreunden setzt sich Christian Gospos seit mehreren Jahren aktiv für den Naturschutz ein. So wurde auch die Jahreskampagne „Every Rotarian Plant One Tree“ von RI-Präsident Ian Riseley mit Begeisterung aufgenommen und der Club pflanzte neue Bäume für Bühl. Mit dem Anlegen und Pflegen von Blühstreifen ist mehr Arbeit verbunden, die der Club jedoch gerne in Kauf nimmt. Rund 300 Quadratmeter konnten aktuell auf Flächen der Gemeinde eingerichtet werden. „In und mit der Gemeinschaft können viele Ziele besser erreicht werden“, weiß Christian Gospos aus Erfahrung. Und dass sein Club seine Initiativen unterstützt, motiviert ihn weiter zu neuen Ideen.

Interessen bilden und ausbauen
Geboren wurde Christian Gospos 1945 in Oberschlesien. Durch eine berufliche Veränderung des Vaters wuchs er dann aber in Düsseldorf auf. Über die Mitgliedschaft bei den Pfadfindern entdeckte er bereits in seiner Jugend die Liebe zur Natur und ihrer Artenvielfalt.
Für sich prägend empfindet er die Zeit der gymnasialen Oberstufe, die er am Mauritius-Gymnasium, einem privaten Jesuitenkolleg in Büren bei Paderborn, verbracht hat. Dort lernte er, sich Wissen eigenständig anzueignen, Lernprozesse zu planen und erfolgreich zu strukturieren, selbstständig zu sein. Über das Fach „Werken“ bekam er Zugang zur gerade aufgebauten Werkbank und entwickelte Holzschnitzerei zu seinem Hobby. Begründet mit seinen Interessen für Naturwissenschaften und Menschen stand für ihn schon vor dem Abitur fest, dass er sich für das Medizinstudium entscheiden wollte. 1966 zog Gospos nach Freiburg, um Humanmedizin zu studieren. Parallel hat ihn die Psychiatrie als medizinische Disziplin begeistert. Mit der Studentenbewegung von 1968 entstand neben vielen gesellschaftlichen Infragestellungen auch eine neue Sensibilität für das Elend der psychisch Kranken und geistig Behinderten. Eine Psychiatriereform war in Vorbereitung. Bei einer der Themenveranstaltungen lernte er seine Frau Sabine kennen.

Vom Beruf zur Berufung
Während der Assistenzzeit an der Universitätsklinik in Freiburg und am Kreiskrankenhaus in Achern entdeckte Gospos jedoch die Radiologie als sein Steckenpferd und wählte sie als Schwerpunkt für die Facharztausbildung aus. Die Hauptaufgabe des Radiologen liegt in der Diagnostik auf Basis von Bildern. Mittels seiner technischen Möglichkeiten unterstützt er als ein objektiver Berater den behandelnden Arzt des Patienten. Für Gospos war es aber immer wichtig, selbst mit dem Patienten zu sprechen. Nur das Bild hätte ihm für eine Diagnose nicht gereicht. Später als Oberarzt im Kantonsspital in Basel tätig, rührte sich in Gospos der Unternehmergeist. Durch eine glückliche Fügung bot sich 1984 für ihn die Chance, die radiologische Praxis in Bühl zu übernehmen, wo er aktuell noch mit seiner Familie lebt. Das Einzugsgebiet war groß, die Patientenzahlen stiegen schnell und stetig. 1992 entschied er sich deshalb, Partner mit ins Boot zu nehmen, um die Praxis den Bedarfen entsprechend zu einem radiologischen Zentrum mit allen gängigen Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten auszubauen. Sein Ziel war es, die verschiedenen Spezialisierungen, wie zum Beispiel Computer- und Kernspintomografie sowie Nuklearmedizin kompetent zu besetzen, um langfristig ein ganzheitliches Leistungsspektrum anzubieten.

Perspektivenwechsel
Während seiner beruflichen Laufbahn setzte eine vorübergehende Krankheit Gospos für einen längeren Zeitraum außer Gefecht. Etwas unfreiwillig widmete er sich so wieder dem Skulpturenschnitzen, das er in dieser Phase zur Bildhauerei ausbaute. 2014 ließ der damals 69-Jährige sein Berufsleben endgültig hinter sich. In Sachen Kunst engagiert er sich seitdem aktiv im Alternativen Kunstverein e. V. (AKV) der Stadt Bühl. 2015 übernahm er hier mit drei Gleichgesinnten die Organisation für das Projekt „Artothek – Mobile Skulpturen“. Das Konzept sieht vor, dass pro Jahr ein Bildhauer des AKV einen Gastkünstler aus der Region auswählt, um dann parallel jeweils eine Skulptur für den öffentlichen Raum zu realisieren. Über eine vom AKV betreute Plattform werden Künstler mit wirtschaftlichen Betrieben im Landkreis Rastatt miteinander in Verbindung gebracht, um zeitlich begrenzte Standorte für die Skulpturen zu finden und gegebenenfalls auch deren Verkauf abzuwickeln. Über eine langwierige Vorbereitungsphase tröstete die Anschubfinanzierung des Landes mit Mitteln aus der LEADER-Förderung (Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft) hinweg. Gospos war es möglich, noch weitere Sponsoren für die finanzielle Unterstützung zu finden. Heute darf er sich über den Erfolg des Projektes freuen, das mittlerweile in die dritte Runde geht und zu einem Musterbeispiel der LEADER-Initiative für Europa im Bereich Kunst geworden ist.

Ehrensache
Durch die gewonnene freie Zeit des Ruhestands richtete sich sein Blick zufällig auch noch in eine andere Welt, in den eigenen Garten. Zuerst hat er sich gewundert, wie viele Vögel sich dort täglich zu verschiedensten Zeiten aufhalten. Mithilfe von Fernglas, Fotoapparat und Fachliteratur legte er seine eigene Stoffsammlung an, um eventuelle Strukturen im Verhalten der Tiere zu erkennen und zu verstehen.
Das Werk „Unsere Vögel“ des Ornithologen Prof. Peter Berthold wurde für ihn zu einer Anleitung, die ihn immer begleitet. Bachstelzen, Berg- und Grünfinken, Erlenzeisig, Zaunkönig und sogar die Mönchsgrasmücke sowie viele andere Arten konnte Gospos zu Hause schon beobachten. Doch die Zahl der in Deutschland vorkommenden Vogelarten geht zurück. Auf der Suche nach dem Warum wurde er Mitglied im NABU – Naturschutzbund Deutschland e. V. Die Gründe für die Rückläufigkeit der Artenvielfalt sind offensichtlich:  In der Natur fehlen Brachflächen und eine rein ökonomisch ausgelegte Landwirtschaft reduziert mit der Verwendung von Pestiziden ebenfalls die Futtergrundlage von Vögeln.
„Dabei ist die Umkehr dieser Entwicklung so einfach“, meint Gospos. Die Umwandlung von zehn bis 15 Prozent der Hausgärten in eine naturnahe Wildnis würde Lebensraum für Millionen Singvögel bieten. Aber auch das Anlegen von Hecken statt Zäunen und das Aufstellen von Nistkästen sowie eine ganzjährige Fütterung könnte der Vogelwelt ebenso helfen. Für ihn ist es Ehrensache, den eigenen Garten noch mehr zum Lebensraum für Vögel zu gestalten. „Wir müssen lernen, neu zu denken und unser Empfinden von Schönheit naturnah auszurichten.“
Christian Gospos verkörpert mit seinen Aktionen die neuen, modernen Formen des sozialen Engagements, die aus den gesellschaftlichen Bewegungen der 60er Jahre, wie der Umwelt-, Frauen- und Gesundheitsbewegung entstanden sind. Er engagiert sich für selbst gewählte Zielsetzungen, die er tagtäglich in eigener Regie anpackt und dann mit der Unterstützung von Mitstreitern auch umsetzt. Bei seinen Clubfreunden findet der Pensionär hierfür immer offene Ohren. Der Club sieht sich durch den Dienst am Nächsten geprägt. Und dazu gehört auch der Schutz von Mutter Natur.

Erschienen in Rotary Magazin 5/2018

Rotary Magazin 5/2018

Rotary Magazin Heft 5/2018

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