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Halbjahrestreffen der Präsidenten

Aktiv in die Integration einbringen!

Halbjahrestreffen der Präsidenten -  Aktiv in die Integration einbringen!
PDG Harald Bos: „Vor Ihnen steht ein Gutmensch“

Integration ist das neue zentrale Thema Rotarys: Beim Halbjahrestreffen der Präsidenten in Mülheim/Ruhr hat PDG Harald Bos (RC Bad Wörishofen) erläutert, warum.

29.01.2016

Seinen Vortrag startete Bos, der sich nicht als Koordinator für Flüchtlingshilfe, sondern eher als Kümmerer in Sachen Integration sieht, mit einer aktuellen Bemerkung: „Vor Ihnen steht ein Gutmensch, der an die rotarischen Werte glaubt. Gutmensch, gerade zum Unwort des Jahres gewählt, ist ein weiterer Begriff dieser Tage, der mich immer wieder ärgert. Wieder so eine von Politik und Medien geschaffene Bezeichnung, offensichtlich für Naivität und Weltfremdheit. Sind Schlechtmenschen dann die Schlauen und Weltoffenen?“

Bos erinnerte daran, das Rotary für Internationalität, Völkerverständigung und Frieden stehe und dies durch eine Vielzahl humanitärer und sozialer Projekte beweise. Bislang habe dies vorwiegend für die Dritte Welt und für die von Katastrophen betroffenen Länder gegolten: „Nun haben wir ein Problem der Völkerverständigung vor Ort und vor der Haustür.“ Jetzt erreiche das Problem der Völkerverständigung jede Rotarierin und jeden Rotarier. Jeder müsse für sich prüfen, wie er persönlich zu seinen rotarischen Werten stehe. Der „Code of conducts“, der 2011 von Rotary International vorgegeben wurde, führe acht Selbstverpflichtungen auf, von denen wenigstens vier auf unsere derzeitige Situation zuträfen:

– Die fünf Grundwerte Rotarys (Dienstbereitschaft, Freundschaft, Vielfalt, Integrität und Führungsqualität) in meinem Verhalten und meinem Handeln täglich umsetzen;
– mich stets fair gegenüber anderen verhalten und ihnen den Respekt entgegenbringen, den sie als Menschen verdienen;
– alle für die Gesellschaft nützlichen Berufe und Beschäftigungen anerkennen und respektieren;
– meine beruflichen Fähigkeiten zur Verbesserung von Lebensumständen von Menschen in meinem Gemeinwesen einsetzen.

Vor diesem Hintergrund forderte Bos die Präsidenten dazu auf, Flüchtlingshilfe zu leisten, wo und wann das immer möglich sei. (Vielfältige Anregungen dazu erarbeiteten anschließend acht Workshops unter Leitung der Assistant Governors). Er appellierte ferner, die Chancen der Zuwanderung zu nutzen und sich aktiv in die Integration einzubringen. Im Prinzip sei die Vorgehensweise ganz einfach: „Flüchtlinge brauchen Jobs und wir brauchen Flüchtlinge, die arbeiten. Man muss ihnen helfen, sich hier zurechtzufinden, sie müssen mit unserer Kultur- und Arbeitswelt vertraut gemacht werden. Unsere neuen Mitbürger müssen aber bereit sein, diese Hilfe anzunehmen und unsere Regeln zu beachten.“ Die Angebote für Sprachunterricht werde man bei guter Zusammenarbeit und Abstimmung problemlos organisieren können, Menschen mit Sprachvermittlungs-Talenten werde man aktivieren können; Geld dafür stehe zur Verfügung, sage der Finanzminister.

Rotary Clubs mit ihrer Berufsvielfalt und ihren Qualifikationen, so Bos weiter, seien für alle Institutionen der ideale Partner zur besseren Berufsorientierung der Zuwanderer: „Wir verfügen mit unserem Berufsdienst über eine rotarische Dienstleistung, die prädestiniert und erfahren genug ist, nützliche Unterstützung bei der Berufsorientierung zu leisten. Zumal die neue stärkere Bezeichnung des Berufsdienstes in „Werte, Bildung und Beruf“ – die erst drei Distrikte (1810, 1870 und 1841) auch tatsächlich umgesetzt haben – die notwendige Bildung und die unverzichtbaren Werte der Arbeitswelt mit einschließt.“

In seinem Ausblick zitierte Bos aus einem Interview von Entwicklungshilfeminister Gerd Müller: „Erst zehn Prozent der in Syrien und Irak ausgelösten Fluchtwelle ist bei uns angekommen. Acht bis zehn Millionen sind noch unterwegs in Aufnahmelagern oder am Rande der Nachbarstaaten… Afrikas Bevölkerung wird sich in den nächsten Jahrzehnten verdoppeln. Schon seit mehreren Jahren fristen Hunderttausende in Aufnahmelagern an innerafrikanischen Grenzen ihr kümmerliches Dasein. Eine Folge sinnloser Kriege und menschenverachtender Ausbeutung, an dem jeder westliche Staat beteiligt war und noch beteiligt ist… Es ist notwendig und brennend aktuell, in den Herkunftsländern in Bildung, Ausbildung und Perspektiven zu investieren.“