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Kathmandu

Nepal braucht noch viel Hilfe

Kathmandu - Nepal braucht noch viel Hilfe
Zerstörtes Touristenviertel in Kathmandu © Heinz Hollweg

Das Land am Himalaya steht nach zwei Erdbeben im Frühjahr 2015 vor dem wirtschaftlichen und sozialen Absturz. Eine Erkundung der Lage durch Heinz Hollweg (RC St. Goarshausen-Loreley)

Monika Nellessen01.04.2016

Ankunft in der Hauptstadt Kathmandu, in der rund 1,7 Millionen Menschen leben. Schon beim ersten Rundgang sieht Hollweg die Schäden, die von den Erdbeben angerichtet wurden. In einigen Stadtbezirken fehlen ganze Straßenzüge. Noch schlimmer ist die Situation in den schwer zugänglichen Bergregionen nahe den Epizentren.
„Mission Impossible“ — unter diesem provokanten Titel hatte eine vom Länderausschuss initiierte Studie lange vor den Beben angesetzt, die eklatanten Defizite in der Wasserversorgung und in der Abwasser- und Müllentsorgung der übervölkerten Hauptstadt Schritt für Schritt zu beheben. Doch nun gibt es andere Prioritäten. Das entschieden die deutschen Rotary Clubs bereits im Sommer 2015. Es wurde Geld zusammengetragen, um jene drei Schulen in den Bergregionen wiederaufzubauen, die vor den Beben zum großen Teil mit rotarischer Hilfe von der Schülerhilfe Nepal e. V. errichtet worden waren.

Hoffnung auf Tourismus
Alle drei konnte Hollweg besuchen. „Die Schulen wurden bewusst im nepalesischen Baustil wiederaufgebaut, um neben der Elementarbildung auch die Förderung der kulturellen Identität der Menschen voranzubringen“, erklärt er. a Rückbesinnung auf historische Bezüge habe auch ökonomische Gründe: „Der Tourismus will ein ursprüngliches Nepal und ist ein wichtiger Wirtschaftszweig.“ Hollweg freut sich über „hervorragende Ansätze“ auch der nepalesischen Rotarier, die zum Beispiel jungen Menschen eine Berufsausbildung ermöglichen, die sie ihre zerstörten Dörfer vorbildlich wiederaufbauen lässt (www.dreamvillagenepal.org). Viel zu kurz kommt ihm in der internationalen Medienberichterstattung, die längst ihren Blick auf andere Themen richtet, eine neue Krise: „Weitgehend unbemerkt hat sich die überforderte nepalesische Regierung in ein neues Dilemma manövriert“, schildert er: Die an Indiens Grenzen lebende Volksgruppe der Madeshi fühle sich unterrepräsentiert und erhalte eine Blockade aufrecht, die seit Monaten keine Waren wie Benzin, Kochgas, Lebensmittel und Medikamente nach Nepal durchkommen lasse.

Dadurch steigen die Preise für Wirtschaftsgüter dramatisch. Hollwegs Fazit: „Nepal – ein Land, aus dem sich rotarische Hilfe auf gar keinen Fall zurückziehen darf.“