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Bad Waldsee

Tipps aus Schwaben für mehr Selbstbestimmung in Burundi

Bad Waldsee - Tipps aus Schwaben für mehr Selbstbestimmung in Burundi
Besuch in der Bauernkäserei Leupolz. Hier kann man viel dazulernen © Christian Falkenstein

Christian Falkenstein, RC Bad Waldsee-Aulendorf, interviewte Vital Kwizera aus Burundi, dessen Projekte der Club seit Jahren unterstützt.

01.05.2019

Herr Kwizera, woher  kommen Sie und was machen Sie in Deutschland?
Ich komme aus einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb aus Burundi in Ostafrika aus einem Dorf mit dem Namen Rukina, Distrikt Mukike, was in der Nähe der Hauptstadt Bujumbura liegt.

Burundi ist ein Land mit einer Fläche von 27.834 Quadratkilometern und hat ca. 12 Millionen Einwohner. Seit den 1980er Jahren besteht eine Partnerschaft zwischen Burundi und dem Land Baden-Württemberg.

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Im Hopfengut Tettnang gab es natürlich auch eine würzige Bier-Kostprobe © Christian Falkenstein

In Deutschland bin ich aufgrund einer Einladung der SEZ (Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg), die mich zu einer Fachtagung gegen Hidden Hunger (Mangelernährung) der Universität Hohenheim eingeladen hat.

Was haben Sie mit diesem Thema zu tun?
Ich habe an der Universität von Burundi Agraringenieurwesen studiert, dann ein Stipendium der Universität von Bursa in der Türkei erhalten, wo ich meinen Master abgelegt habe und jetzt in der Endphase meiner Promotion im Bereich Entomologie (Insektenkunde) bin. Im Sommer möchte ich in mein Land zurückkehren und eine Schule für Kleinbauern weiterentwickeln.

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Auch eine Stippvisite im Backhaus Steinenbach stand auf dem Plan © Christian Falkenstein (alle)

Was heißt das genau?
Im Jahr 2011 hat mich der Rotary Club Bad Waldsee-Aulendorf ausgewählt, eine Ausbildung im Allgäu im Bereich Landwirtschaft zu absolvieren. Leider habe ich damals kein Visum erhalten, weshalb man das Stipendium umgewidmet hat und ich von dem vorgesehenen Geld Land in Burundi gekauft habe, um eine Farm aufzubauen. Auch habe ich von meinen Büchern aus dem Studium und darüber hinaus eine Bibliothek sowie ein Klassenzimmer gebaut. Hier möchte ich zukünftig Kleinbauern unterrichten und gleichzeitig mit diesen zusammen Produkte ausbauen.

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Einblicke: Besuch in der Dinkelmühle Graf in Tannheim © Christian Falkenstein

Die Ausbildung im Allgäu haben wir übrigens jetzt - acht Jahre später - nachgeholt.

Können Sie mehr uns noch mehr darüber erzählen?
Mein Visum hatte jetzt eine Gültigkeit von 30 Tagen und ich  habe diese Zeit genutzt, um mich unter anderem in der Brot- und Käseherstellung weiterzubilden. Auch konnte ich mir mit Hilfe des Rotary Clubs Bad Waldsee-Aulendorf weitere landwirtschaftliche Bereiche in Baden-Württemberg ansehen.

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Bei der Hidden hunger Conference an der Universität Hohenheim; Vital Kwizera ganz links © Christian Falkenstein

Herr Kwizera, was sind Ihre Ziele für die Zukunft?
Ich möchte zukünftig mit meiner Schule eine Art Transferzentrum zwischen Burundi und Baden-Württemberg schaffen und versuchen, die Ausbildung der Landwirte in Burundi mit Beiträgen aus Baden-Württemberg zu bereichern. Die Landwirte in Burundi brauchen für ihre Entwicklung nicht viel. Es reichen schon geringste Tipps, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Entscheidend ist die Ausbildung der ländlichen Bevölkerung in Burundi, welche zu 95 Prozent von der Landwirtschaft lebt.

Christian Falkenstein
RC Bad Waldsee-Aulendorf