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Meinung

Ihre Leserbriefe

Meinung - Ihre Leserbriefe
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21.07.2020

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2020, september, leserbriefe
 

 

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2020, leserbriefe, august, balken

Zur Kandidatenkür von Jennifer Jones als RI-Präsidentin 2022/23

Jones - der aktuelle Name

2005 wurde Carolyn Jones, Alaska, USA als erste Rotarianerin zum Trustee in die Rotary Foundatiuon gewält. 2022 wird als erste Rotarianerin Jennifer Jones, Ontario, Kanada, Präsidentin von  Rotary International werden. Beide Frauen schreiben Rotary-Geschichte.

Mein Wunsch und meine Hoffnung ist, dass, wenn das Buch über das zweite Jahrhundert von Rotary International geschrieben wird, Jennifer Jones nicht vergessen wird, was der Fall bei Carolyn Jones war, als das Buch über die ersten 100 Jahre der Rotary Foundation ,,Doing Good in the World” publiziert wurde.

Carl-Wilhelm Stenhammar
Rotary International President 2005/06 

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Zum Artikel "Keine andere Wahl" von Dr. Thomas Unnerstall, Rotary Magazin 8/2020

Der aus der Sicht eines Energiewirtschaftlers verfasste Artikel stellt für Laien überzeugend die notwendige Transformation von Energieerzeugung und die technischen Konsequenzen für Verkehr, Industrie und Privathaushalte in den Mittelpunkt.   Schade, dass der Autor suggerieren möchte, zwischen „Im Prinzip machbar“ und „Wie verwirklichen?“  gäbe es keine Kluft, keine Hindernisse. Die liefern uns aber die Gesetze der Physik und der Physikalischen Chemie. Deshalb hier eine Reihe von Zahlen und Fakten zur Ernüchterung.

Der Gesamtenergieverbrauch belief sich 2018 in Deutschland nach Bundesumweltamt auf knapp 2.500 Terawattstunden, umgerechnet 2.500 Milliarden Kilowattstunden (1990: 2.632 Mrd. kWh). Davon entfielen auf den Bruttostromverbrauch nach gleicher Quelle 575 Milliarden Kilowattstunden (23% des Gesamtenergiebedarfs), von denen rund 44 Prozent aus Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft stammten. Somit wurden 1.925 Milliarden Kilowattstunden aus fossilen Energiequellen erzeugt, was je nach Energieträger mit entsprechender CO2-Emission korrelierte. Diese soll laut Klimaschutzplan der Bundesregierung bis 2050 auf das Niveau „treibhausgasneutral“ abgesenkt werden. Unterstellen wir dazu eine Verminderung um 80 Prozent bezogen auf 2018, so wären demnach 1.540 Milliarden Kilowattstunden zusätzlich zur derzeit erneuerbar erzeugten Energie durch Sonne, Wind- und Wasserkraft zu produzieren.   Wobei wir zusätzliche Wasserkraft in Deutschland vergessen können, Pump-Speicherwerke scheitern am Umweltschutz- und Bevölkerungswiderstand. Bleiben also noch Solarwärme zur Gebäudeheizung und Photovoltaik in Kombination mit Windkraft. Nebenbei zum Vergleich: Nach Statistisches Jahrbuch zur globalen Energie belief sich der Weltenergieverbrauch 2019 auf 13,8 Milliarden Tonnen Rohöleinheiten, das entspricht umgerechnet 160,6 Billionen Kilowattstunden. Deutschlands Anteil davon beträgt 1,6 Prozent! Maximal 4,5 Prozent des Weltenergieverbrauchs entfallen auf Wasserkraft und andere Erneuerbare.

Wählt man für die zu erzeugenden 1.540 Milliarden Kilowattstunden einen Erzeuger-Mix aus 30% Photovoltaik, 30% Onshore- und 40% Offshore-Windkraftanlangen (WKA), so bräuchten wir bei optimaler Energieeffizienz knapp 4.500 Quadratkilometer Photovoltaikfläche, rund 127.000 Onshore- und etwas mehr als 44.000 Offshore-Windkraftanlagen. Eine Onshore-WKA benötigt strömungstechnisch berechnet etwa fünf Hektar Fläche. Setzt man für Deutschland voraus, dass 180.000 Quadratkilometer, also die Hälfte seiner Staatsfläche, für Windkraft geeignet wären, so hätten wir im Schachbrettmuster alle 900 Meter eine WKA vor der Nase. Offshore-WKAs haben einen vorgeschriebenen Flächenbedarf von 1,4 Quadratkilometern, was also eine Wasserfläche von 61.600 Quadratkilometern bedeutet. Deutschland hat, ohne seine Inseln betrachtet, eine für Offshore-WKAs maximal geeignete Küstenlänge von sehr großzügig gerechnet 600 Kilometern (Gesamtküstenlänge mit Inseln 1.585 Kilometer). Das würde einen durchgehenden Streifen von rund 100 Kilometern Breite in Nord- und Ostsee bedeuten. Kommentar überflüssig. Wenn das Vorhaben „Erneuerbare“ überhaupt realisiert werden kann, dann für Deutschland gesehen eher mit 80% Anteil Photovoltaik, die damit resultierenden erforderlichen 12.000 Quadratkilometer Solarmodule ließen sich eher schaffen, auch wenn sie von der Energieausbeute her die Schwächsten unter den Erneuerbaren sind.

Damit hätten wir aber erst die Energieversorgung auf der Basis elektrischer Energie, wenn Wind weht und Sonne scheint und Verbrauchsschwankungen gering sind, was weit an der Realität vorbei geht. Die täglichen Bedarfsspitzen und –senken sind, da hat der Autor Recht, künftig nicht ohne Energiezwischenspeicher und schnellreagierenden konventionellen Kraftwerken abzudecken. Dabei gehört den Gas- und Dampfturbinenkraftwerken sicherlich die Zukunft, lassen sie sich doch ideal in die kommende Wasserstofftechnologie integrieren und haben den Vorteil, bereits heute mit einem Wirkungsgrad von 60 Prozent effektiver Strom zu produzieren als moderne Kohlekraftwerke. Leider hat Herr Unnerstall bei seinen Ausführungen unterlassen, dabei kritisch den Rechenstift zu bemühen. Power-to-X-Anlagen (PtX) speichern Stromüberschüsse in anderen Energieträgern, hier in Wasserstoff und Batterien. Bei der Elektrolyse von Wasser zu Wasserstoff und Sauerstoff haben die modernsten Anlagen derzeit einen Wirkungsgrad von 80 Prozent, die meisten liegen bei 70 Prozent. Der Wirkungsgrad für die umgekehrte Reaktion im Gaskraftwerk beträgt, siehe oben, bestenfalls 60 Prozent. Hochtemperatur-Brennstoffzellen sind derzeit nur Hoffnungsträger und erreichen noch nicht annähernd den vorgenannten Wirkungsgrad und die erforderliche Lebensdauer. Fazit: um eine Kilowattstunde elektrische Energie aus der  Speicherung wiederzugewinnen, muss man theoretisch 1/(0,8x0,6) = 2,1 Kilowattstunden vorher erzeugen, in der Praxis um Einiges mehr. Was aber heißt, dass die eingangs berechnete Lieferkapazität aus Photovoltaik und Windkraft unter Berücksichtigung des Lastprofils im Tages-, Wochen- und Jahreszyklus (Studie Lehrstuhl Energiewirtschaft, Brandenburgische Technische Universität Cottbus) geschätzt mindestens zu verdoppeln ist. Das heißt mindestens doppelt so viele Anlagen wie oben berechnet. Um eine Ein-Monats-Energiereserve in Form von Wasserstoff bereitzustellen – das ist in Wintermonaten das Mindeste – würde man einen Speicherbedarf von rund 800 Kubikkilometern bei Normaldruck haben. Einer Einspeisung in das bestehende Erdgasnetz bei völligem Ersatz des Erdgases sind dabei enge Grenzen gesetzt, denn der größte Teil des Netzes besteht aus Niederdruckleitungen und die sichere Speicherung von Wasserstoff in Mitteldruck- und Hochdruckleitungen bedarf besonderer Stahlgüten, die das bestehende Erdgasnetz nicht hat. Selbst dann wäre das mit dem bestehenden Netz und Erdgasspeichern illusorisch, denn diese fassen, Stand 2019, lediglich 25 Kubikkilometer, was einen erforderlichen Speicherdruck bei Wasserstoff von mehr als 32 bar erfordern würde. Dazu sind aber die Leitungen bei dem diffusionsfreudigen Wasserstoff nicht geeignet, von den Erdgasspeichern ganz zu schweigen.  Die Umwandlung von Wasserstoff mit Kohlenstoffdioxid zu Methan und dieses zur Energiegewinnung ist zwar seit über hundert Jahren als Sabatier-Prozess bekannt, hat aber wiederum einen Energieschwund infolge Wirkungsgrades zur Folge. Aus einer Kilowattstunde Ausgangs-Stromenergie bekommt man dabei allenfalls ein Drittel wieder heraus.

PtX-Energieträger aus sonnen- und windreichen Ländern zu importieren ist naiv. Warum soll Energie dorthin transportiert werden, wo keine Rohstoffe für deren Einsatz im Lande sind? Nicht von ungefähr sind energieintensive Prozesse dorthin abgewandert, wo Energie und Rohstoffe vorhanden sind. Wasserstoffbasierende Industrieprozesse, dazu wird auch die Stahlherstellung und die gesamte chemische Industrie zählen, werden sich vor Ort ansiedeln. Deshalb werden in Großkonzernen bereits Szenarien entwickelt, in nicht weiter Zukunft Basisproduktionen dorthin zu verlagern, soweit dies nicht schon erfolgt ist.

Abschließend noch ein Wort zur Elektromobilität, die nach Ansicht des Autors auf Batteriebasis erfolgen soll. Unterstellen wir einen E-Kleinwagen mit 200 Kilometern Reichweite und ohne Heizung im Winter. Dann bräuchte man dafür 41 Kilowattstunden elektrische Energie. Für eine Kilowattstunde sind 150 g Lithium in einer Lithiumbatterie nötig. Also 6,15 Kilogramm für das Auto. Bei derzeit 47 Millionen PKWs in Deutschland ergibt das einen Bedarf von knapp 290.000 Tonnen Lithium. Lieferfahrzeuge und möglichen Umstieg auf Schiene und Elektrobus ganz außer Acht gelassen!  Die Weltfördermenge lag 2018 bei 150.000 Tonnen, die prospektierten Weltvorräte werden unsicher auf  7 bis 35 Millionen Tonnen geschätzt, über 90 Prozent davon in Chile, Australien und China. Da mag man sich selbst ausrechnen, wie viele Autos weltweit E-Autos sein können. Batterien mit einem besseren Gewicht-Leistungsverhältnis sind in weiter Ferne. Und beim guten alten Bleiakku bräuchte man 27 Kilo Blei für eine Kilowattstunde. Dies bei prospektierten Weltvorräten von 67 Millionen Tonnen Blei. Die Anwendung der Grundrechenarten zeigt schnell den Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Selbst bei einem Verzicht auf 75 Prozent des PKW-Bestandes in Deutschland bleibt das Illusion bei einem Prozent Bevölkerungsanteil der bald acht Milliarden Menschen auf diesem Planeten. Wende nun keiner ein, das seien vorübergehende Speicherarten, da man doch mit Hochdruck an neuen Batterietypen mit billigen Ausgangsstoffen arbeite. Die zugrunde liegende elektrochemische Potenzialdifferenz aller möglichen Systeme und die Anzahl der Ladungszyklen setzen enge Grenzen.

Abschließend eine generelle Frage: Was bringen die Umweltbemühungen von – höchstens – zehn Prozent der Weltbevölkerung, wenn die verbleibenden 90 Prozent nicht wollen oder nicht können. Nicht können, weil sie sonst ihre Existenzgrundlage verlören, Hunger und (noch mehr) Elend die Folgen wären. Und warum wagt niemand die Frage von der anderen Seite her: Wieviel Menschen verträgt die Erde? Und verfolgt von dieser Seite her die Konsequenzen? Gesinnungsethik als Handlungsgrundlage mag edel sein, aber sie ist verantwortungslos. Verantwortungsethik mag manchmal grausam sein, aber weniger Grauen schaffen als Gesinnungsethik.

Dr. Heinrich Zettler
RC Vilsbiburg

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Zum Titelthema „Keine andere Wahl“, Heft 8/2020

Alternativlos?  

Die Beiträge im Rotary Magazin zeichnen sich meist durch eine sorgfältige Abwägung von Pro und Kontra aus. Dies ist im Artikel „Keine andere Wahl“ wohl weniger das Ziel des Verfassers. Eine Energiewende ist demnach unabwendbar, die Kapazitäten von Wind- und Solarstrom müssen verdreifacht werden, weil anderenfalls die Konsequenzen „unendlich viel leidvoller als bei Corona“ sein werden.

Schon Kanzlerin Merkel musste die Erfahrung machen, dass man in einer Demokratie mit angeblich alternativlosen Entscheidungen Widerspruch provoziert. Selbstverständlich hat sich die Politik erkennbaren Problemen zu stellen, selbst wenn deren Konsequenzen noch nicht genau vorhergesehen werden können. Europa sollte sich deshalb nicht nur aus völkerrechtlichen Gründen an das Pariser Klimaschutzabkommen halten, zumal rund acht Milliarden Menschen Umwelt und Atmosphäre fraglos mehr belasten als die eine Milliarde vor Beginn der Industrialisierung – dem Ausgangspunkt der bis heute ermittelten Klimasteigerungen. Allerdings kann es, wie die Klimageschichte zeigt, auch ganz anders kommen, als Meteorologen es heute prophezeien. So herrschte im Hochmittelalter ein noch milderes Klima als heute. Historiker sehen hierin einen Grund für die Hochblüte von Kultur (Romanik, Gotik, Minnesang) und das Wachstum der Bevölkerung samt vieler Städtegründungen. Auch Meteorologen sprachen von einem Klimaoptimum. Es folgten deutlich kältere und auch wieder wärmere Perioden, verursacht durch terrestrische und/oder kosmische Vorgänge, auf die der Mensch kaum Einfluss hat. So fiel im Jahr 1816 infolge eines gewaltigen Vulkanausbruchs, der sich jederzeit wiederholen kann, der ganze Sommer aus mit der Konsequenz einer katastrophalen Hungersnot.

Unsere Bemühungen um den Klimaschutz werden leider nicht den erhofften Nutzen bringen, wenn bevölkerungsreiche Staaten wie China, Indien, USA und Brasilien, wo man den Regenwald abholzt, das Pariser Abkommen aufkündigen oder sich nicht mehr darum kümmern. Wir müssen uns deshalb vorsorglich auf weitere Hitze und Trockenheit einstellen, womit unter anderem Land- und Forstwirtschaft bereits begonnen haben. Auf diesem Weg kann dann auch die in dem Artikel hervorgehobene Generationengerechtigkeit Berücksichtigung finden. Hierbei sei mir aber der Hinweis gestattet, dass es noch keiner jüngeren Generation im Durchschnitt gesehen wirtschaftlich besser ging als der heutigen, und dies bei einer von Statistikern prognostizierten wesentlich höheren Lebenserwartung.

Edgar Wais 
RC Reutlingen-Tübingen-Süd 

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Zum Standpunkt "Etwas weniger Alpha, bitte", Heft 8/2020

Wenig überzeugend

Die Autoren setzen sich vornehmlich damit auseinander, wie man als neu gewähltes Vorstandsmitglied seinen Willen auch gegen den ausdrücklichen Wunsch der  Mitglieder durchsetzen kann. Dazu werden die unterschiedlichsten Möglichkeiten der Mediation aufgezeigt. Diejenigen Mitglieder, die sich diesem Diktat nicht unterwerfen wollen, werden als ewig gestrige, nicht Neuerungen zugewandte Clubdienst „Bedenkenträger“ verunglimpft.

Keine Rolle spielt in den Betrachtungen der beiden Autoren, was der Wunsch der Mehrheit der Mitglieder des Clubs ist. Es fehlt auch der Fingerzeig, wie man konfliktfrei die Mitglieder auf neue Wege mitnimmt und sie von den eigenen Ideen überzeugt. Auch ist von der dienenden Funktion eines Vorstandes nicht die Rede.

Aufgeführte Beispiele sind wenig überzeugend. „Die einstimmig vom Aufnahmeausschuss und vom Vorstand beschlossene Aufnahme einer jungen Freundin löst kulturkampfähnliche Kampagnen aus“, das zeugt von wenig rotarischem Verständnis, weil es nicht darum gehen kann, den Wunsch des Vorstandes durchzuboxen, sondern die Mitglieder zu überzeugen, dass die Kandidatin mit ihrer Persönlichkeit und Einsatzbereitschaft richtig gut in den Club passt. Man sollte schließlich davon ausgehen, dass diese Einsprüche sehr wohl überlegt und abgewogen sind.

In meiner über 30-jährigen rotarischen Mitgliedschaft – nach diesen Zeilen sicherlich zum Clubdienst „Bedenkenträger“ zählend – und in vier verschieden Clubs, auch außereuropäisch, habe ich bisher keinen Mediator erlebt. Ich habe auch keinerlei Sehnsucht danach, so etwas zu erleben. Offensichtlich haben es „meine“ Clubs und hier vor allem die Vorstände bisher immer verstanden, das Miteinander in den Vordergrund zu stellen und sich immer wieder zu fragen, wie die Mitglieder auf dem Weg zu neuen Zielen mitgenommen und überzeugt werden können.

RI-Präsident Holger Knaack hat das im selben Heft, nur eine Seite später, sehr treffend formuliert: „Können wir ehrlich beantworten, ob wir alles für unsere Mitglieder tun, was wir können, und repräsentieren wir wirklich das Gemeinwesen, dem wir dienlich sein wollen?“ Man möchte den Autoren zum Schluss zurufen: „Etwas weniger Alpha bitte, dafür mehr Zusammenarbeit“.

Christian-Peter Prinz zu Waldeck
RC Berlin-Nord

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Leserbriefe, 2020, Ausgabe, Balken

Zum Titelthema "Ach, Italien", Rotary Magazin 7/2020

Nachdem ich mehr als zehn Jahre als ARD-Auslandskorrespondent aus Italien, Griechenland, Malta und dem Vatikan berichtet habe – und jetzt in der "Roma Secunda", in Trier, den Ruhestand geniesse – war es klar, dass ich das neue Rotary Magazin mit dem Titel" Ach, Italien" sofort lesen musste. Neben vielen klassischen Vorurteilen über Italien bot das Heft, journalistisch gut gemacht, jede Menge Information und Unterhaltung. Doch eine Wahrheit muss ganz klar ausgesprochen werden: Italien geht es seit Jahren wirtschaftlich und gesellschaftlich schlecht und schlechter und die politische Klasse des Landes ist oft nicht willens und oft auch nicht in der Lage einen Konsens zum Besseren herzustellen. Meine Bilanz heisst: Italien ist kein Traumland mit Problemen, sondern das (!) Problemland mit (falschen)Träumen. Italien ist das Krisenland Europas und die neuesten Entwicklungen deuten eher auf eine Verschärfung der Krise, als auf eine rasche Besserung. Trotzdem: Gerade jetzt sollten die Chancen genutzt werden die Beziehungen in der Wirtschaft, der Politik und der Kultur zu stärken. Viva Italia! 

Bernhard Wabnitz
RC Trier

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Zum Titelthema "Ach, Italien", Rotary Magazin 07/2020

Giulia Caminito beschreibt die italienischen Verhältnisse der gut gebildeten Italiener mit Hochschulabschluss. Nämlich chancenlos für eine adäquate berufliche Tätigkeit. Und somit einem gedeihlichen, planbarem Auskommen. Und die Hochschulabsolventen in Deutschland sind nicht besser dran. Schaut man sich nur einmal die Geisteswissenschaftler, aber auch die Künstler an: Sie hangeln sich von Befristung zu Befristung ihrer Arbeitsverträge. Wie soll dieser Personenkreis ihre Zukunft planen? Im Zwei-Jahres-Rhythmus? Familienplanung Fehlanzeige. Hier muss die Gesellschaft (Staat, Unternehmen, Kirchen) Lösungen finden. Das ist dringender denn je, der Zustand ist ja nicht seit gestern. Und der Exodus ist im vollem Gange. Nicht nur ins Ausland, sondern auch in Berufe, die dieser Qualifikation nicht entsprechen.

Hans Pütz
RC Ingolstadt

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Zum Titelthema "Ach, Italien", Rotary Magazin 7/2020

Das neue Heft mit seinem Thema, seinem Titelbild und vor allem dem 
fantastisch knappen Stichwort, das so vieles ausdrückt, was viele empfinden: "Ach, Italien". Genial auf den Punkt gebracht. Bis hin zum Komma. Der teutonische 
Seufzer schlechthin. Unerfüllte Liebe und stetige Verheißung trotz Chaos und Desaster. Mille gracie!

Martin Hambrecht
RC Darmstadt Bergstraße

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Zum Titelthema "Ach, Italien", Rotary Magazin 7/2020

Mit dem Italienschwerpunkt ist Ihnen wieder ein Volltreffer gelungen. Ich nehme das zum Anlass für die Arbeit der Redaktion zu danken, der es immer wieder gelingt, aktuelle Themen vielfältig zu zeigen, so dass die Lektüre zum Vergnügen wird. Unser südlicher Nachbar verdient, bei allen Schattenseiten, diese sympathische Darstellung in Zeiten plakativer Schuldzuweisungen. Besten Dank und nur weiter so.

Hansjörg Jäger
RC Innsbruck

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Zum Titelthema "Ach, Italien", Rotary Magazin 7/2020

Ein melancholischer Jüngling mit einer Träne im Gesicht blickt uns an der Welt zweifelnd an. Man denkt eingangs an den ersten Liebeskummer eines pubertierenden Knaben. Dann erinnert man sich an den David des Michelangelo, aber kann dieser Knabe einen Goliath besiegen? Des Rätsels Lösung ist eine sinnverändernde Bearbeitung eines Fotos der berühmtesten Skulptur des Abendlandes mit Verschmälerung des Gesicht, Veränderung der Lippenstellung und vielleicht vieles mehr. Die gestalterische Änderung unterstreicht die Titelzeile "Ach, Italien" und stellt wohl einen schöpferischen Akt dar. 

Jedoch, müsste diese Bildbearbeitung für den Leser nicht eindeutig benannt werden? Wie würde ein Richter eine resultierende Klage des Michelangelo bezüglich seines Urheberrechts bewerten?

Karlheinz Rothenberger
RC Landshut-Trausnitz 

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Zum Standpunkt "Gastprivileg", Rotary Magazin 7/2020

Mich verbindet mit dem Autor Klaus F. Withauer, dass ich im gleichen Jahr 1978 wie er Zugang zu Rotary finden durfte. Zur damaligen Zeit waren wir noch sehr intensiv vom Geist der Präsenzpflicht (60 Prozent-Regel) geprägt. Das Erreichen dieses Ziel war aber auch durch das Recht auf Präsenzen als Gast in anderen Clubs möglich. Überall erfolgte eine freundliche Aufnahme. Im Urlaub an der See oder beim Skifahren machte ich immer davon Gebrauch. Inzwischen hat sich aber die rotarische Welt gewaltig geändert. Frauen haben zu Recht Zugang zur rotarischen Gemeinschaft gefunden und auch hat sich das Rollenbild der männlichen Rotarier innerhalb der eigenen Familie gewaltig verändert. Wenn ich heute an den gleichen Orten Präsenzen erfülle, treffe ich zum Beispiel an der Nordsee in der Hochsaison ganz wenige Freunde beim angebotenen Meeting. Vielmehr sitzen bekannte Rotarier mit ihren Freunden im gleichen Lokal an einem anderen Tisch, um den Abend mit Bekannten zu genießen. Präsenzpflicht und -recht sind dann Fremdworte. Diese Einschätzung wird im aktuellen Rotary Magazin auf S. 32 noch durch die letztjährige durchschnittliche Präsenzquote von 42 Prozent bestätigt. Wie weiter auch Stephan Keitel vom RC Bingen (S. 67) zu erkennen gab, gleicht er fehlende Präsenzen durch finanzielles Engagement aus. Die Attraktivität, Gast in einem anderen Club zu sein oder sein zu dürfen, hat erheblich nachgelassen. Man muss diesem Verlust aber auch nicht nachtrauern, denn ohne Aufweichung der Präsenzregeln hätte Rotary in der heutigen Zeit einen schweren Stand.

Ulrich Ehlers
RC Lemgo-Sternberg

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Zum Entscheider-Interview "Ich halte den Lockdown für grotesk", Rotary Magazin 7/2020

Bevor ich auf die provozierende Überschrift eingehe, kurz zum finanzwirtschaftlichen Teil des Interviews. Mir scheint, dass es ein gemeinsames Verständnis gibt hinsichtlich des Bedarfs an Aktionen von Zentralbanken und Regierungen, mit kräftigen Finanzspritzen den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie weltweit gegenzusteuern. Dafür haben sowohl Finanzexperten, als auch Fondsmanager Verständnis, obwohl durch solche finanzielle Belastungen auch zukünftige Steuerzahler langfristig gebunden sind.

Deutschland hat in diesen Monaten der Pandemie seinen Mitbürgern sehr schnell umfangreiche Maßnahmen, u.a. der Selbsteinschränkung, der Einschränkung von Kontakten sowie Reisebeschränkungen auferlegt. Die inzwischen gewonnenen statistischen Daten: der bestätigten Infektionsfälle; der Todesfälle und der Toten je 100.000 Einwohner* (diese stammen aus der SZ von 3. /4. Juli 2020 u/o und sind daraus abgeleitet) zeigen insgesamt einen günstigen Verlauf, verglichen mit Daten aus Ländern, die keine oder nur geringe Beschränkungen auferlegt haben, beispielsweise UK und Schweden.

Bestätigte Infektionsfälle     Todesfälle       Rate*

Deutschland                195.674                                  9.003             11

UK                               285.268                                44.080             66

Schweden                      71.419                                   5.420             53

USA                           2.795.163                               129.437            40  

Eine Hochrechnung für Deutschland entsprechend den Abläufen in UK und Schweden ergibt folgenden Zahlen:

  • UK: 380.000 Infektionen  59.000 Todesfälle
  • Schweden: 580.000Infektionen  44.000 Todesfälle

was eine erschreckende Entwicklung dargestellt hätte, die wir zum Glück vermieden haben.

Dabei ist festzuhalten, dass in beiden Ländern (UK wie Schweden) die wirtschaftlichen Entwicklungen keinesfalls besser, eher schlechter sind, so dass ein wesentliches Argument zum „Lockdown – grotesk“ des Stefan Keitel nicht mehr zutrifft. Alles in allem blieb der Bevölkerung in Deutschland, das zeigt der Vergleich mit UK und Schweden, viel Leid als Folge der Corona-Pandemie erspart.

Ein Blick nach Washington, DC, wo die Regierung Trump mit aller Macht versucht, Lockdown zu verhindern, zeigt die höchsten Infektions- und Todesraten.

Deshalb möchte ich zwei Schlüsse ziehen:

1. der Spruch „Ich halte den Lockdown für grotesk“ leistet keinen sinnvollen Beitrag zu Behandlung der Corona-Problematik, und

2. entsprechend den ethischen Grundsätzen bei Rotary ist der Hinweis auf durch Lockdown gestörte Geschäfte, die man durch Lockerungen wieder beleben müsse, angesichts der gesundheitlichen und lebensbedrohenden Risiken völlig fehl am Platz.

Dr. Rainer J. Reichelt, RC Mettmann

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Zum Entscheider-Interview "Ich halte den Lockdown für grotesk", Rotary Magazin 7/2020

Besser als andere

Mir scheint, dass es ein gemeinsames Verständnis gibt hinsichtlich des Bedarfs an Aktionen von Zentralbanken und Regierungen, mit kräftigen Finanzspritzen den wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie weltweit gegenzusteuern. Dafür haben sowohl Finanzexperten als auch Fondsmanager Verständnis, obwohl durch solche finanziellen Belastungen auch zukünftige Steuerzahler langfristig gebunden sind. Deutschland hat in diesen Monaten der Pandemie seinen Mitbürgern sehr schnell umfangreiche Maßnahmen, unter anderem der Selbsteinschränkung, der Einschränkung von Kontakten sowie Reisebeschränkungen auferlegt. Die inzwischen gewonnenen statistischen Daten über bestätigte Infektionsfälle, Todesfälle und Tote je 100.000 Einwohner zeigen insgesamt einen günstigen Verlauf, verglichen mit Daten aus Ländern, die keine oder nur geringe Beschränkungen auferlegt haben, beispielsweise Großbritannien und Schweden.

Dabei ist festzuhalten, dass in beiden Ländern die wirtschaftlichen Entwicklungen keinesfalls besser,
eher schlechter sind (als in Deutschland, d. Red.), sodass ein wesentliches Argument zur These, der Lockdown sei grotesk, von Stefan Keitel nicht mehr zutrifft. Alles in allem blieb der Bevölkerung in Deutschland, das zeigt der Vergleich mit Großbritannien und Schweden, viel Leid als Folge der Coronapandemie erspart. Ein Blick nach Washington, D.C., wo die Regierung Trump mit aller Macht versucht, den Lockdown zu verhindern, zeigt die höchsten Infektions- und Todesraten.

Rainer J. Reichelt 
RC Mettmann

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Zum Entscheider-Interview "Ich halte den Lockdown für grotesk", Rotary Magazin 7/2020

Mit großem Interesse habe ich Ihr Interview mit Freund Keitel gelesen. Trotz erheblicher Einschränkungen in geschäftlichen Bereichen lese ich daraus doch einen Silberstreifen am Horizont. Die Überschrift allerdings halte ich für irreführend hinsichtlich des Inhalts. Im Übrigen beschreibt die Meinung von Freund Keitel, der Lockdown sei eine Groteske, nichts anderes als das Präventionsparadox: Ein Brunnen wird abgedeckt, aus Sorge, jemand könnte hineinfallen. Dann ist der Nachweis nicht zu führen, ob diese Gefahr wirklich bestanden hat.  

Volker Lind
RC Halberstadt

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 Zum Artikel "Der Wettlauf um die Digitalisierung", Autor Kai Lucks,  Rotary Magazin 7/2020

In seiner scharfen Analyse stellt Kai Lucks die Innovationsfähigkeit Deutschlands im Wettlauf um die "Digitalhoheit" mit den USA und China in Frage. Volle Zustimmung, auch zu seinem Fazit: Ein Kulturwandel muss her. Da bin ich sehr zuversichtlich und setze auf die junge Generation und deren weit verbreitetes Mindset: Etwas bewegen und die Welt zu einem besseren Ort machen. Diese Haltung - sehr rotarisch - kann der Schlüssel sein für eine Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Dabei ist das  Augenmerk zu legen auf die Stärkung zweier Gruppen unter den jungen Talenten: Diejenigen mit dem Unternehmer-Gen und die große Anzahl exzellenter Wissenschaftler*innen. Wenn diese "Gründer-Typen" und Tech-Talente vernetzt werden in unternehmerischen Ökosystemen, können künftig - über 100 Jahre nach den Gründerjahren der Boschs, Daimlers etc. - die disruptiven, marktschaffenden Innovationen wieder aus Deutschland kommen. Ein vielversprechender Ansatz dazu ist die Agentur für Sprunginnovationen SPRIND. Vielversprechend, weil die Initiatoren aus Politik und Wissenschaft sich zurücknehmen und die Freiheit lassen, die Agentur unternehmerisch zu führen - vielleicht der wichtigste Erfolgsfaktor. Eine Parallele zu Rotary drängt sich auf: So wie junge Innovator*innen die Zukunft für den Wirtschaftsstandort Deutschland sind, sind es Rotaracter*innen für Rotary.  Übrigens:  Für mich ist das Lesen des Magazins jedes Mal ein großes Vergnügen, vor allem wegen der hohen redaktionellen Qualität und der sehr ansprechenden Gestaltung. Sie haben ein tolles Gespür für die aktuell wichtigen Themen und finden die hochkompetenten Autor*innen. Auch haben Sie den Mut, durch provokante Beiträge zum Diskurs anzuregen. Gerne weiter so.

Axel Friese
RC Köln-Ambassador 

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Zum Artikel "Zur Selbstzerstörung Amerikas", Rotary Magazin 7/2020

Schwarz-Weiß-Denken greift zu kurz

Amerika ist die einzige Weltmacht, die unserem Wertesystem nahesteht. Das Land verdient es daher, von uns differenziert beurteilt zu werden. Die Darstellung von Konrad Jarausch, die USA seien strukturell rassistisch und Präsident Trump an allem schuld, wird dem kaum gerecht. Das Studium der amerikanischen Verfassung und Bundesgesetzgebung macht deutlich, dass es institutionelle, sprich staatlich verankerte Diskriminierung auf dieser Ebene praktisch nicht gibt. Die Probleme sind komplexer, weil im kulturellen Selbstverständnis und Lebensalltag größerer Teile der Bevölkerung und lokaler Mandatsträger verwurzelt. Die amerikanische Gesellschaft lebt in vielen Teilen ein Modell der sozialen Selbst-Abgrenzung, in dem Weiße, Schwarze, Latinos und erst recht die vergessenen First Nations weitgehend unter sich bleiben. Schwarze urbane Bevölkerungscluster zeichnen sich in besonders hohem Maße durch zerrüttete Familienstrukturen, das Abrutschen in prekäre Lebensverhältnisse und Kriminalität mit hohem Gewaltpotenzial aus. Das zerstört Lebenschancen junger Menschen. Teil der Selbst-Abgrenzung ist, dass wohlhabendere, oft nicht-schwarze Bevölkerungskreise alles tun, um ihre Kinder in private, teure High Schools und Colleges zu schicken. Daraus resultieren berufliche, karriererelevante Netzwerke, die für die nicht minder intelligenten Absolventen von Public Schools oft verschlossen sind. Bleibt das Problemfeld Polizei: sie rekrutiert sich nicht zuletzt aus Veteranen amerikanischer Wüstenkriege, ist auch zum Selbstschutz in einer waffentragenden Gesellschaft mehr auf Gewalt denn De-Eskalation trainiert und überdurchschnittlich weiß. Wer glaubt, mit populistischen Forderungen nach "Defund the Police" hier Abhilfe zu schaffen, dürfte sich zulasten der Menschen in den sozialen Brennpunkten irren.

Hans Obermeier
RC Bad Homburg v.d.H.

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Zum Distriktbericht von D1830, Rotary Magazin 7/2020

Der Schrei

Zugegeben, ein weiter Sprung, aber ist es nicht mit dem bei Rotary immer wieder zu hörenden Satz "Rotary ist unpolitisch" ähnlich. Liegt nicht möglicherweise in dieser nicht hinterfragten, nicht gänzlich ausgeleuchteten Auffassung das, was in der Juli-Ausgabe des Rotary-Magazins als Headline der Nachrichten aus dem Distrikt 1830 zu lesen ist: "Rotary muss politischer werden".

Ich las, stutzte und teilte es spontan meinem rotarischen Freund in Arizona mit, der lange Jahre als RI-Direktor das Motto "service above self" erfüllt hat. Auf seine Antwort musste ich wegen der Zeitverschiebung warten, doch sie kam: "This is tricky territory.  I am reminded of Kant: Das Ding an sich, ich weiß es nicht. Yes, I believe it is important to espouse the issues Rotary values. Try as we may, increasingly in the U.S., it is hard to separate Rotary values from Politics.”

Im Handbuch des Clubpräsidenten heißt es, dass rotarische Zeichen nicht für kommerzielle Zwecke oder politische Kampagnen eingesetzt werden dürfen. Die einheitliche Verfassung für alle Rotary Clubs befasst sich in Artikel 16 Absatz 3 mit der "unpolitischen Haltung" eines Clubs, wörtlich: "(a) … Im Zusammenhang mit internationalen Angelegenheiten politischen Charakters fasst dieser Club weder Beschlüsse, noch verbreitet er Resolutionen bzw. Stellungnahmen dazu. (b) … Dieser Club richtet weder Aufrufe an Clubs, Völker oder Regierungen, noch bringt er Rundschreiben, Ansprachen oder Vorschläge für die Lösung bestimmter internationaler Probleme politischen Charakters in Umlauf."

Ist Rotary damit unpolitisch? Ich hoffe nicht nur aus meiner Sicht, deutlich nein, denn wie der amerikanische Freund schreibt, es ist schwer, rotarische Werte vom politischen Geschehen zu trennen. Nehmen wir die weltweit geltende einheitliche Verfassung aller Rotary Clubs wörtlich, dann besagt diese doch nicht mehr und nicht weniger, als dass sich Rotary Clubs nicht in das internationale politische Geschehen einmischen. Aber natürlich war es schon immer und ist es möglich, lokale, nationale und internationale politische Entwicklungen im Club zu diskutieren oder dazu Vorträge aus berufenen Mündern zu hören. Wir leben in hoch politischen Zeiten, wer wollte das bestreiten. Alle Welt redet darüber, die so bezeichneten Social Media dienen mittlerweile Milliarden von Menschen als Quelle politisch motivierten Austausches. Staatengebilde werden via Twitter gelenkt und Rotary … hat noch nie zugeschaut.

Rotary ist mit seinem Wirken, ob mit der Spende für die örtliche Tafel oder dem Programm EndPolioNow, Teil des politischen Geschehens. Wir schreien nur nicht, wir sehen die Not und handeln. Noch politischer muss Rotary nicht werden.   

Hans-Eckhard Tribess
RC Lübecker Bucht/Timmendorfer Strand

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Leserbriefe, 2020, Ausgabe, Balken, juni

Zum Artikel "Déja vu, wilde Vergleiche", Michael Wolffsohn, Rotary Magazin 6/2020

Es ist gleichermaßen interessant und amüsant zu lesen, dass der Autor der Überzeugung ist, anderen ein Weltbild zuschreiben zu können, von dem sie selbst (diese armen Unwissenden) glauben, gerade dieses nicht zu haben. Hybris lässt grüßen… Die Hälfte seines Beitrags verwendet er darauf, einen wahrscheinlich nicht gerade geringen Teil unserer Bevölkerung pauschal des Antisemitismus‘ zu bezichtigen, und spricht diesem ab, sich auseinandergesetzt zu haben mit Geschichte und widerfahrenem Leid des jüdisch-israelischen Volkes. Seine "Argumentation" fußt dabei einzig und allein auf der Formel: Kritik an der Politik des Staates Israel bedeutet automatisch Antisemitismus. Diese Formel ist nicht nur wenig klug, sie ist schlichtweg falsch und unbegründet. 

Dennis Böhme
RC Garching-Ismaning

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Zum Titelthema "Think small", Rotary Magazin 6/2020

Die Beiträge haben interessante für Ihre Leser sicherlich oft neue Aussagen zu unserem "Jetzt" und der damit verbundenen "Zukunft" gebracht. Zum Beitrag von J. Norberg: Der Autor zitiert A. Camus aus seinem Nobel-Preis-Werk "Die Pest": Kürzlich habe ich ein sehr interessantes Buch des Philosophen Michel Onfray zur Biographie von Albert Camus gelesen: Camus, der neue Ideen zu modernen Gesellschaftsformen und –Zielen hatte, wird von Onfray u. a. zitiert mit "die Wirtschaft ist für die Menschen da, nicht die Menschen für die Wirtschaft". Für wen die Globalisierung und die betriebswirtschaftliche Maxime, "jährliche Steigerung des BSP um mindestens 3–5 Prozent = gute Ökonomie" auf Dauer gut ist, muss hinsichtlich der aufgezeigten Abhängigkeiten und in Betracht der Herausforderung des nun auch im "heute-Wetterbericht" regelmäßig präsentierten Klimawandels hinterfragt werden. Wir wollen mit Rotary auch die "Young Professionals" erreichen. Die Jugend denkt immer mehr wie Camus. 1980 habe ich im kleinen Kreis in Los Angeles einen Vortrag von Melvin Calvin, Nobelpreisträger "Medizin", gehört und mit ihm sprechen dürfen. Er hat damals exakt das zum Klimawandel und allen seinen Folgen vorausgesagt, was nun eintrifft. Das unreflektierte "Weiter so" muss intelligent durch "Besser für uns und unsere Zukunft" mit Verantwortung, Zielstrebigkeit und Kompetenz geändert werden." Auf weitere Beiträge zu dieser Zielstellung in unserem/Ihrem Rotary Magazin würde ich mich freuen.

Karl-Heinrich Link
RC Wiesbaden

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Die hier veröffentlichten Leserbriefe geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zu kürzen.