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Meinung

Ihre Leserbriefe

Meinung - Ihre Leserbriefe
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Hier finden Sie Leserbriefe zu verschiedenen Artikeln zurückliegender Rotary Magazine.

21.07.2020

Lesen Sie hier die Meinungen von Lesern zu einzelnen Texten oder den Themen des Rotary Magazins.
Die hier veröffentlichten Leserbriefe geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zu kürzen.

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2020, monat, magazin, november
Zum Artikel "Mitstreiter gesucht", Heft 11/2020

Im Artikel über Malaria und die Rotary Action Group „Rotarians Against Malaria“ fehlt ein Hinweis auf die Homepage von RAM: www.ram-global.org

Dafür steht beim Aufruf über Google eine Übersetzung auf Deutsch zur Verfügung. In einem kurzen Video wird RAM-Global präsentiert: https://youtu.be/BuPIUz02gFQ

Die Welt ist gegenwärtig mit der Bekämpfung der Coronapandemie beschäftigt. Doch wir Rotarier dürfen dabei die anderen großen Gesundheitsprobleme der Welt nicht vergessen. Die WHO erwartet, dass sich in diesem Jahr wegen der Lockdown-Maßnahmen die Zahl der Todesfälle durch Malaria von bisher etwa 400 000 verdoppeln wird. Im Kampf gegen Malaria ist der finanzielle Beitrag von Rotary eher bescheiden. Aber die bewährten Strukturen der Mitarbeiter im Kampf gegen Polio und HIV sind in der Prävention von Malaria sehr bedeutend. Wer über rotarische Projektarbeit in Afrika mehr erfahren möchte, kann im November-Magazin „The Wave“ für Uganda/Tansania (Seite 54) Details nachlesen:  HIER - "Rotarians against Malaria: For a Malaria-free world (Rotarian Regional Magazin "The Wave").

Wir sind eine engagierte Rotary Action Group und hoffen auf die Mitarbeit weiterer Freunde. Über RAM können wir Verbindung zu Clubs in Afrika herstellen.

Dr. Konrad Meyfarth
RC Berlin - Brücke der Einheit

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2020, leserbriefe, leserforum, leser, rotary magazin, reaktion
Zum Titelthema, Heft 10/2020


Zu dem Heft Oktober 2020 „Stolz und Vorurteil“ kann ich nur gratulieren. Insbesondere das Gespräch von Johann Michael Möller mit Klaus-Dieter Lehmann verdient eine besondere Hervorhebung. Den Darlegungen von Herrn Lehmann kann ich Satz für Satz nur zustimmen. Von Anfang 1992 bis Ende 1996 war ich an der Universität Jena und habe exakt die von Herrn Lehmann beschriebenen Erfahrungen gemacht. Es war ein Lernprozess auch für die, die frisch 
in den Osten kamen. Warum sind sie überhaupt gekommen? Weil man die Einheit nicht begrüßen kann, um dann vor dem Neuaufbau zu kneifen. Natürlich spielen da auch, wie Herr Lehmann korrekt beschreibt, familiäre Wurzeln im Osten eine Rolle, aber de facto war es doch die neue Herausforderung. Warum ging ich dann Ende 1996 zurück nach Bonn? Dazu gäbe es viel zu erzählen, aber ein gewichtiger Faktor war die scheußliche Äußerung von Dieter Simon, von 1989 bis 1992 Vorsitzender des Wissenschaftsrats, der öffentlich mitteilte, an die Ost-Universitäten hätten sich nur die „Flaschen“ aus dem Westen beworben. Da ich mich in Jena auch im Gespräch mit den Ost-Kollegen sehr wohl fühlte, hatte ich es gar nicht vor, mich wieder woanders zu bewerben. Aber nach der Äußerung von Simon bin ich sofort zu unserem Kanzler Dr. Klaus Kübel gegangen und habe ihm gesagt, dass ich durch Simon geradezu gezwungen bin, es wieder zu versuchen. Dann also Bonn. Es gibt Schlimmeres. Vielen Dank noch einmal für das ausgezeichnete Heft.

Wolfram Hogrebe
RC Düsseldorf

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Zum Titelthema, Heft 10/2020

 

Im Oktoberheft las ich mit großem Interesse die Beiträge zur einzigartigen Erfolgsgeschichte. Richard Schröders Artikel gefällt mir gut. Als ein Defizit empfinde ich die einzigartige Erfolgsgeschichte der Demilitarisierung der ehemaligen DDR durch das Bundeswehrkommando Ost in Strausberg ab 1990 ohne Blutvergießen. Damit war auch die Überwachung und Unterstützung der Westgruppe der sowjetischen Truppen über die Befehlsstelle Wünsdorf durch das Bundeswehrkommando Ost verbunden. Die ersten Wehrpflichtigen aus den neuen Ländern des Beitrittsgebietes wurden durch anfängliche Ausbildung in westdeutschen Standorten und Rückversetzung integriert. Letztlich spielte sich hier auf dem Boden des beigetretenen Gebietes das größte Stück der größten europäischen Abrüstung der Geschichte ab. Schade, dass dieser Teil des Vereinigungsvorgangs fast überall in Vergessenheit geraten ist.

Werner von Scheven
RC Potsdam

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 Zum Artikel „Schuld und Tragik eines Rotariers“, Heft 10/2020

Mit den Beiträgen im Oktober-Heft des Rotary-Magazins haben Sie es wieder einmal geschafft, unterschiedliche respektive gegensätzliche Sichtweisen auf ein bedeutendes Geschehen der Deutschen Geschichte zu verdeutlichen.

Der Beitrag von Freund Josef Kraus zur Gender-Sprache wäre es wert, einer breiten Öffentlichkeit nahegebracht zu werden, ebenso der Beitrag von Freund Richert zu unseren kulturellen Wurzeln.

Besonders berührend und sehr nachdenklich stimmend ist jedoch der Artikel „Schuld und Tragik eines Rotariers“. Nachdenklich stimmend deshalb, weil es – wie die Ausführungen von Freund Erdmann zeigen – offensichtlich möglich ist, völlig gegensätzliche Weltanschauungen mittels des Herausstellens einzelner Faktoren zu einer scheinbar gemeinsamen Basis zusammenzuführen. Insbesondere in Zeiten des Internets und der damit einhergehenden Fake-Nachrichten-Flut stellt sich die Frage, inwieweit dies auch heute (sehr viel leichter?) möglich wäre.

Ernst W. Bergmann
RC Erfurt-Krämerbrücke

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Zum „Standpunkt“, Heft 10/2020
Bitte nicht unsere Sprache verhunzen!

Inhaltlich und mit dem Herzen bin ich mit dem Verfasser völlig einer Meinung. Das liegt sicher auch und besonders daran, dass Freund Kraus und ich einer Altersgruppe angehören. Die „amtierende“ Generation ist darin jedoch vielleicht und gerechtfertigt anderer Meinung, Änderungen müssen manchmal eben sein. Nur wenn opportunistische Menschen dem Zeitgeist voraus sein wollen, dann sollte die Mehrheit ihnen deutlich widersprechen und Unsinnigkeiten entschieden zurückweisen.

Werner Altekrüger
RC Wedel

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Zum „Standpunkt“, Heft 10/2020
Bitte nicht unsere Sprache verhunzen!

Ich lese immer gern das Rotary Magazin und bin informiert, was aktuell diskutiert ist. Dass die „Gender-Sprache“, so der Untertitel in Heft 10/2020, die „Gemüter erhitzt“, ist nur zu begrüßen. Würde sie auch die Gehirne beflügeln, wäre es noch besser. Schade um das eigentliche Thema, nämlich den Mann und die männliche Sprachform noch immer als die „Norm“ zu betrachten und alles nicht-Männliche als „mitgemeint“ abzutun. Was hinter der Nichtnennung von Frauen und deren Leistungen für die gesellschaftliche Entwicklung verborgen geblieben ist, für Jahrhunderte, und auch explizit bezweckt war, dürfte allen denkenden Menschen inzwischen bewusst sein.

Angelika Lipp-Krüll

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Zum „Standpunkt“, Heft 10/2020
Bitte nicht unsere Sprache verhunzen!

Josef Kraus gebührt Dank. Unsere schöne deutsche Sprache hat ihre Verhunzung durch die Gendersprache nicht verdient. Der Furor des Reformierungswahns drängt Andersdenkende ins Abseits, beleidigt Sprachsinn und produziert Krampf. Dieser Standpunkt sollte stets vertreten werden, mit oder ohne ironischen Unterton und ungeachtet des Vermögens des Gesprächspartners, Humor zu ertragen.

Harald Peipers
RC Essen-Baldeney

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Zum „Standpunkt“, Heft 10/2020
Bitte nicht unsere Sprache verhunzen! 

Ich kann dem Beitrag unseres rotarischen Freundes Josef Kraus zum Gendern in der deutschen Sprache nur zustimmen. Auch ich tue mich schwer mit dem Gender-Deutsch, das immer mehr auf dem Vormarsch ist, vor allem in den öffentlichen Verwaltungen, an den Hochschulen und Universitäten. Längst ist es im Deutschen Bundestag angekommen, bei „Anne Will“ und auch bei Rotary. Selbst das Wort „Gott“ wird bei der „Katholischen Studierenden Jugend“ (KSJ) inzwischen mit dem Gendersternchen versehen.

Die Professorin Lann Hornscheidt treibt es für mich auf die Spitze, wenn sie mit einer kleinen Wortveränderung die traditionellen Geschlechterrollen in der Sprache aufbrechen und neutralisieren will. Studenten und Studentinnen sollen „Studierx“, Professoren und Professorinnen „Professx“ heißen. So funktioniert Sprache nicht. Natürlich muss es in unserer Gesellschaft geschlechtergerecht zugehen. Das ist doch keine Frage. Aber solche sprachlichen Veränderungen tragen nicht zur sprachlichen Verständigung bei. Sprache ist ein hochkomplexes System von Zeichen, das ich nicht einfach verändern kann, sowie die Verfechter der Gender-Sprache es gerne tun.

Unsere Sprache hat alles, sagt der bekannte Sprachwissenschaftler Peter Eisenberg, was man zur Vermeidung von Diskriminierung durch das Geschlecht braucht. Liebe*r, liebe*r Lesende*r, es ist des Genderns genug.

Norbert Stallkamp
RC Wertheim am Main

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2020, september, leserbriefe
Zum Standpunkt, Heft 9/2020

Duzen oder siezen?

Wir leben in einer Zeit permanenter Veränderungen. Christof von Dryander spricht einen Aspekt dieser Veränderungen an und plädiert für Anpassung der rotarischen Gepflogenheiten an das, was er in Teilen der Gesellschaft beobachtet hat. Nicht das „Sie“ solle bei ersten Begegnung der Rotarier stehen, sondern gleich das „Du“. Bislang hat man zunächst eine gewisse Distanz gewahrt; allerdings hat sich das „Du“ in der Regel im Laufe der Zeit ergeben, eine Regelung, die ich als elegant bezeichnen möchte. Ich vermute, dass die Frage nach dem „Du“ einige Gemüter bewegt und deshalb ist es wichtig, sich darüber auszutauschen. Im Übrigen bin ich da- von überzeugt, dass ein „Du“ keinerlei Einfluss auf unsere Bemühungen um neue Mitglieder haben wird. Um für neue und junge Mitglieder attraktiv zu sein, ist die Atmosphäre im Club entscheidend. Und die hat auch etwas mit Stil zu tun. Für einen jungen Menschen jedenfalls, der sich interessiert, muss nach einer ersten Cluberfahrung das „ja, ich will“ feststehen. Die Handhabung des „Du“ ist dabei unbedeutend.

Lutz Vorbach
RC Heinsberg

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Zum Standpunkt, Heft 9/2020

Ich glaube, der Brauch, neue Clubfreunde per Sie anzusprechen, sollte beibehalten werden. Es kann doch nicht sein, einen zunächst völlig Unbekannten in den „Du“-Kreis aufzunehmen. Da denke ich an die im Englischen gegebene Möglichkeit, den Neuen als Fellow zu befinden, der sich erst nach näherem Kennenlernen zum Friend entwickeln kann.

Anton Wagner
RC Linz

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Zum Standpunkt, Heft 9/2020

Zugegeben: In Gewerkschaftskreisen und in der SPD ist das Duzen ein Muss. Und auf dem Fußballplatz auch! Und doch wundere ich mich und bisweilen ärgert es mich auch, wenn ich ohne meine Zustimmung mir nichts dir nichts geduzt werde. Auch und gerade bei Rotary! Das empfinde ich als eine allzu nass-forsche Hemdsärmeligkeit, die heute zwar populär, aber deswegen nicht weniger stillos ist. Ich halte es immer noch für einen Ausdruck guter Umgangsformen, wenn der Wechsel vom „Sie“ zum „Du“ untereinander verabredet und dem jüngeren vom älteren Freund oder Freundin angetragen wird. Mir ist dieser Moment wichtig und erfreulich in seiner (winzigen, aber doch spürbaren!) atmosphärischen Veränderung zwischen zwei Menschen.

Sprache und Anrede sind nicht beliebig. Ein neuer Ton wird angeschlagen. Der ist heute gottlob nicht mehr mit dröhnenden Ritualen verbunden. Kein Bruderschaftstrinken mehr wie in alter Zeit. Sondern nur ein kurzer freundlicher Augenblick, der ein neues persönliches Verhältnis herstellt und befestigt.

Mir hat es bei Rotary und anderswo durchaus etwas bedeutet, wenn ein älterer rotarischer Freund nach einer Phase längerer Bekanntschaft und häufiger Begegnung mir das Du anbot. Und nie käme ich umgekehrt auf die Idee, einen Freund, der mir an Jahren und an Lebensleistung voraus ist, einfach zu duzen. Da wartet man ab, bis er die Initiative dazu ergreift. Fortan geht man ein klein wenig persönlicher, ein klein wenig vertrauter und individueller miteinander um. Nicht mehr und nicht weniger!

Andererseits: Ich habe auch gute Freunde (bei Rotary und anderswo), mit denen es immer beim Sie geblieben ist, ohne dass unsere Freundschaft dadurch gelitten hätte. Warum soll man gerade im Persönlichen und Zwischenmenschlichen alles über einen Leisten schlagen?

Mein Vorschlag: Keine Duzpflicht! Lassen wir es bei der individuellen Verabredung wie bisher. Wer sich mit wem duzt, darüber sollten die Freundinnen und Freunde selbst entscheiden dürfen. Bevormundungen mit Parolen wie „Wenn, dann alle“ sollten wir uns verkneifen. Auch sie passen nicht mehr in die Zeit.

Gerhard Herrenbrück
RC Bentheim (Grafschaft)

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Zum Standpunkt, Heft 9/2020

Ein gutes Thema, das man wirklich angehen sollte, wie das unser rotarischer Freund Christof von Dryander angeschnitten hat. Weshalb die frühen deutschen Rotarier den Modus "Freund und Sie" entworfen haben, ist nicht ganz nachvollziehbar. Andere Vorbilder gab es im deutschen Sprachraum genügend, z. B. Studentenverbindungen: Der Ordinarius der Medizinischen Fakultät gratulierte  dem jungen Erstsemester zum Eintritt in die Verbindung, wird vom jungen Bundesbruder zwar als "Alter Herr" angesprochen, aber  nun zum herzlichen Du aufgefordert. Primär gewöhnungsbedürftig, aber absolut hilfreich im Umgang und Entwicklungsprozess und  ohne jegliche Beeinträchtigung des Respekts. Die Begrüßung unter Rotariern mit "Freund" und "Sie" ist emotionslos, um nicht zu sagen, kurios. Wird im Meeting vermeldet, Freund Müller ist krank, wünscht der Präsident pflichtgemäß gute Genesung. Erfahren die Freunde aber , dass ihr Freund Hans Müller krank geworden ist, rufen mit Sicherheit mehr Freunde bei Hans an und fragen ihn, ob sie ihm irgendwie behilflich sein können. Das "Du" schafft Emotionen, das "Sie"  bewirkt Distanz.  

Hans Eike Rall
RC Nürnberg-Fürth

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Zum Standpunkt, Heft 9/2020

Es ist in diesen Monaten der Angst vor dem Coronavirus eine eigenartige Erfahrung, welchen Deutungswandel die zwischenmenschliche Abstandshaltung im Lauf der Zeiten durchschritten hat. In Deutschland zeigte sich die Entwicklung merkwürdigerweise im Gebrauch des Wortes „Du“ im Unterschied zum respektvollen „Sie“. War das „Du“ im germanischen Altertum die normale Anrede an jedes Gegenüber, so bekam es im deutschen Mittelalter einen immer persönlicheren Charakter. Und je herzlicher der Ton dieser Anrede, desto dringlicher die Notwendigkeit eine Abstandsbetonung gegenüber Fremden und Höhergestellten. Die Lösung war ein Ausweichen in die Mehrzahl, als sei ein Herrscher mehrere Personen. Im 17. und 18. Jahrhundert kamen die Anredeformen „Sie“ und „Ihr“ auf, beziehungsweise „Euch“ und „Eure“. Ihre Majestät war damit durchaus einverstanden und redete den untertänigsten Untertan mit „er“ an, um das persönliche „Du“ zu vermeiden und den Abstand zu betonen.

Aber die allgemeine Ausbreitung der Du-Anrede und die damit verbundene Abwertung hat dem „Du“ viel von seiner persönlichen Wertschätzung genommen. In der gesellschaftlichen Wirklichkeit unserer Tage wird das „Sie“ eher als befremdend empfunden oder belächelt. Beim Eintritt in einen Verein muss man niemandem mehr das „Du“ anbieten, es wird als selbstverständlich vorausgesetzt, ob man will oder nicht. Dass damit heute auch die Unterscheidung zwischen höflichem Abstand und vertrauter Nähe, zwischen anerkennender Distanziertheit und zärtlicher Innigkeit schwindet, bemerkt man nicht oder nimmt es in Kauf. Selbst in den Kirchen hielt das Gleichheits-Dogma seinen Einzug und machte ein weichgespültes Gottesbild vielerorts zu einem Gesprächspartner auf Augenhöhe. Während sich im psychologisch-kulturellen Bereich Westeuropas ein immer stärkerer Individualismus durchsetzt (Recht und Freiheit für mich!), gewinnt im gesellschaftlich-sozialen Leben ein Kollektiv-Denken (Gleichheit und Brüderlichkeit für alle!) an Gewicht. Auch bei Rotary?

Wolfgang Kopplin
RC Altena-Werdohl-Plettenberg

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Zum Standpunkt, Heft 9/2020

In seinem Beitrag „Duzen? Wenn, dann alle!“ schreibt Freund von Dryander u.a.  „Wenn wir unsere Freundschaft ernst nehmen, sollten wir dieser  auch durch die unter Freunden übliche Anrede Ausdruck verleihen. … Wer mit ’Sie’ angesprochen wird, ist oft außen vor.“ - Ob das so sein muß, das mag eine Frage der Clubkultur sein. Auch ein „Du“ schließt Mobbing-Erfahrungen nicht aus. RCs haben bis zu 100 Mitglieder, manche auch mehr. Im Laufe der Zugehörigkeit bilden sich im Einzelfall persönliche Freundschaften, die weit über rotarische hinausgehen.

Ich bevorzuge es, das „Du“ ersteren vorzubehalten, ansonsten das „Sie“ zu verwenden. Ich habe im übrigen immer wieder beobachtet - bei Rotary und im Berufsleben -, daß dort, wo das „Du“ Standardanrede ist, weniger respektvoll miteinander umgegangen wird, insbesondere in Konfliktfällen. Die auf S. 5 „ROTARY ONLINE“ ausgewertete Befragung entkräftet meine Skepsis gegenüber einer Art „Duz-Pflicht" jedenfalls nicht. Auf die Frage „Können Sie Konflikte in Ihrem Club erfolgreich managen?“ antworteten 29% mit „teils,teils“ und 42% mit „Nein, die Rotarier sind sehr eigen“.

Insbesondere drei Kommentare sind im Hinblick auf ein „Du“ aufschlußreich: „Wenig Kompromissbereitschaft und zu viele Prinzipienreiter“ oder „Rotarische Freundschaft scheint oft nur ein Lippenbekenntnis zu sein,  … .“ oder „Konflikte werden nicht offen und transparent diskutiert, … .“ - Für mich spricht aus alledem, dass es den einzelnen Clubmitgliedern überlassen bleiben sollte, für welche Anredeform sie sich personenbezogen entscheiden. 

Im Zusammenhang mit „Corona" gibt es übrigens zwei empfohlene Verhaltensweisen, die man vor dem Hintergrund einer „Duz-Kultur“ hinterfragen könnte: Begrüßung durch das Anstoßen mit den Ellenbogen. - Rotariern sollte eine „Ellenbogengesellschaft“ doch eigentlich "gegen den Strich" gehen. „Siezer“ tendieren eher dazu, sich zu begrüssen, indem sie einander freundlich zunicken. „Social distancing“ aus Gründen der Infektionsabwehr ist ein völlig schiefer Begriff. Eigentlich müßte es „physical distancing“ heißen. Denn gerade soziale Distanzen, z.B. aufgrund unterschiedlicher persönlicher Hintergründe, sollen in RCs doch überwunden werden … nicht nur ggf. durch ein „Du“.

Gerd-Alexander Loch
RC Darmstadt-Kranichstein

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Zum Standpunkt, Heft 9/2020

Dieser Standpunkt und eine solche generelle Aufforderung für Rotary entspricht nicht unserer gelobten Vielfalt, berücksichtigt nicht den individuellen Wunsch, den "Weg vom Sie zum Du" zu wählen.

Eine solche Aufforderung wird zudem der deutschen Sprache nicht gerecht, die ja gerade – im Gegensatz zum federnden, universalen "You" der Angelsachsen – den Unterschied deutlich macht.

Natürlich ist der Übergang vom Siezen zum Duzen nicht mehr als eine Konvention, ein nur relativ gültiges Ritual der Kommunikation, aber auch Ausdruck unserer Kultur. Ein verordnetes "Du" von vornherein ist kein Gewinn an Intimität, kein Kennzeichen einer wachsenden Freundschaft, sondern eher Ausdruck von Gleichmacherei, ein Zuwachs von Verdinglichung und Gleichgültigkeit.

Ein junges rotarisches Mitglied nach der Aufnahme duzt – weil es so verordnet/üblich sein soll – die rotarische Freundin, den erfahrenen älteren rotarischen Freund, obwohl es die rotarische Gemeinschaft noch gar nicht kennt und erlebt hat. Bei 1,3 Millionen rotarischen Freundinnen und Freunden wird der Begriff "Freund" ohnehin inflationär gehandhabt, beim apodiktisch verordneten "Du für alle" verschwimmt der im Leben so wichtige Unterschied zwischen Bekanntschaft, Kameradschaft und Freundschaft als Lebensbund. 

Man lernt sich kennen, in der Schule, auf dem Sportplatz, im Studium, am Arbeitsplatz oder bei Rotary. In jedem, manchmal täglichen beruflichen und privaten Zusammenkommen und jeder Zusammenarbeit wächst in unterschiedlicher Weise die Beziehung. Gerade im Beruf ist es angenehmer, sich mit Kollegen auf einer sachlichen Ebene zu bewegen. Es fragt sich, warum immer mehr in unserer Gesellschaft und nicht nur der junge Postbote an der Tür ("Kannst Du mal das Paket annehmen !") die Verhaltensweisen der Menschen, statt sie zu formen, immer beliebiger, flapsiger, respektloser machen.

Als junger Mensch war man oft stolz, von Älteren oder auch einer Frau das "Du" angeboten zu bekommen. Da war eine Freundschaft entstanden , ohne das Diktat, ohne Aufdringlichkeit, manchmal sogar ein feierlicher Akt der Annäherung und Ausdruck eines gewonnenen Vertrauens. Das "Sie" beschreibt doch keine Hierarchie, sondern die Phase einer Beziehung. Es schließt das Wachsen einer Freundschaft, ein Gefühl der Zugehörigkeit und ein respektvolles Miteinander nicht aus. Ein nichtsagendes oder gar aufgedrängtes "Du" ist schlimmer als ein reserviertes "Sie". Der Kurswert der vertraulichen Anrede sinkt durch diesen rotarischen Vorschlag. Wir sollten ihn aufwerten, indem wir sorgfältig und überlegt damit umgehen.

Ties Möckelmann
RC Lüneburg

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Zum Präsidentenbrief, Heft 9/2020

Panem et circenses

RI-Präsident Holger Knaack weiß, wovon er spricht. Er hat sich in der Zeit seiner Zugehörigkeit zur Organisation von Rotary immer der Jugend zugewandt. Diesen Geist hat Marianne Broska mit ihrer Begleitung aufgenommen. Zweifellos müssen wir Rotary zukunftsfähig machen, denn nicht wenige Clubs verstehen sich nach etlichen Jahren ihres Bestehens, bei manchen reichen fünf Jahre, als „Freundschaftspflegeverein“ für gutes Essen und vor allem Spaß.

Die Aufrechterhaltung eines solchen Verständnisses bewegt sich sehr nah am Rande des Untergangs. Brot und Spiele ist zu wenig, das reißt keinen jungen Menschen vom Hocker. Das wird ihm an jeder Ecke geboten.

Nein, Rotary ist weitaus mehr. Wir müssen Projekte durchführen wollen und vor allem machen, und das uneigennützig. Dass ist es, was junge interessierte Menschen anspricht.

Hans-Eckhard Tribess
RC Lübecker Bucht/ Timmendorfer Strand

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Zum Panorama, RI-Präsidentin nominee Jennifer Jones, Heft 9/2020

Die Damen Jones

2005 wurde Carolyn Jones, Alaska, USA, als erste Rotarierin zum Trustee in die Rotary Foundation gewält. 2022 wird als erste Rotarierin Jennifer Jones, Ontario, Kanada, Präsidentin von Rotary International werden. Beide Frauen schreiben Rotary-Geschichte. Mein Wunsch und meine Hoffnung ist, dass, wenn das Buch über das 2. Jahrhundert von Rotary International geschrieben wird, Jennifer Jones nicht vergessen wird, was der Fall bei Carolyn Jones war, als das Buch über die ersten 100 Jahre der Rotary Foundation ,,Doing Good in the World” publiziert wurde.

Carl-Wilhelm Stenhammar
RC Göteborg, PRIP 2005/06   

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 Zum Artikel "Auf der Standspur", Heft 9/2020

Zu den drei Krisen (Corona-, Konjunktur- und Technologiekrise) kommen noch zwei wesentliche hinzu: Die Lügenkrise und deren äußerst stümperhafte politische Bearbeitung. Da muss VW z.B. 900 Millionen Strafe zahlen und unzählige Prozesse führen, die keinem einzigen Verbraucher nützen. Die Autobauer haben gelogen und hatten das Pech aufgeflogen zu sein. Das Einfachste und Schnellste in einer solchen Situation wäre gewesen, die Autobauer zu verpflichten, sämtliche Autos auf die versprochenen Werte nachzurüsten – auf eigene Kosten, versteht sich. Problem erledigt. Statt dessen wird nur erbärmlich rumgeeiert, Geld in Prozessen und Strafen verbrannt und der Verbraucher ist der Lackierte.

Und zur grundsätzlichen Strategie: Die Elektromobilität als Übergangslösung voranzutreiben ist falsch, da die dafür nötigen, hohen Investitionen von den Konzernen wieder erwirtschaftet werden müssen und wir mit der Herstellung und der Entsorgung der Batterien unglaublich viel Schaden und Leid verursachen. 

Richtig ist, die Verbrenner weiterzuentwickeln, parallel in tatsächlich tragfähige Zukunftskonzepte (was die Elektromobilität nicht ist) zu investieren und begleitende Maßnahmen zu veranlassen: Z.B. Tempolimit 130 km/h auf Autobahnen und Überholverbot für LKW oder Tempo 100 km/h für alle auf Autobahnen, 80 km/h auf Landstraße und 40 km/h in Städten.      

Martin Haide

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2020, leserbriefe, august, balken

Zum Titelthema: Die Kunst des Angelns, Rotary Magazin 8/2020

Angeln ist mehr als nur den Wurm zu baden, 

genau dies haben Sie in Ihrer Augustausgabe zum Kernthema "Die Kunst des Angelns: Jagd, Ästhetik, Kontemplation" mit den unterschiedlichsten Zugängen beeindruckend aufgezeigt. Angeln ist Lebenseinstellung. Fischerinnen und Angler sehen sich als Menschen, die ihrer Leidenschaft in einer möglichst intakten Umwelt nachgehen wollen. Schon aus diesen – nicht ganz uneigennützigen Gründen – waren sie schon immer Naturschützer und immer an der Erhaltung der Gewässer und Fischbestände interessiert. Die Gesellschaft sieht uns etwas anders. In Campingstühlen am Wasser sitzend, Bier trinkend und Radio hörend. Die beste Eigenschaft, die uns nachgesagt wird, ist Geduld. Damit meint man aber oft, dass Fischen extrem langweilig ist. Fischtage beginnen meist mit Träumen. Oft enden sie in unglaublichen Geschichten (manche nennen dies Anglerlatein), aber eigentlich enden sie immer traumhaft. Nicht jeder Tag ist zwar ein guter Fangtag, jedoch jeder am Wasser ist ein guter Tag. 

Wir alle wünschen uns eine lebenswerte Zukunft. Eine Zukunft, in der Kinder noch am Wasser spielen können und Fische nicht nur aus dem Museum kennen. Eine Zukunft, in der wir Fisch noch als gesundes heimisches Lebensmittel genießen können und keine Angst vor degenerierten fischleeren Gewässern haben müssen. Mit Nachhaltigkeit und Konsequenz können wir uns diese Zukunft sichern. 

Dabei ist Ihr Themenschwerpunkt ist ein wertvoller Beitrag zur Meinungsbildung und unterstützt uns in unseren Bemühungen, Entscheidungsträger und Öffentlichkeit von der Kunst des Angels zu überzeugen. 

Sonja Behr, kein Rotary-Mitglied

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Zu "Augenblicke", Rotary Magazin 8/2020

Vielen Dank für das neue Magazin. Wie immer toll! Ein Hinweis. Das Bild auf Seite 8 „ Fremde in der Stille“,was ein sehr schönes Bild ist, ist aber falsch beschrieben. Es gibt in Madurai keinen buddhistischen „ Tempel“. Es handelt sich um eine Shivaitische Brahmanen Schule. Die Farbe gelb steht für das Licht der Sonne und vermittelt die Erkenntnis. Die hl. Schnur am Körper wird in einer Initationszermonie dem Heranwachsenden verliehen und berechtigt diesen dann zur Teilnahme an den Opferritualen. Diese wird bei den drei oberen Kasten verliehen. Brahmanen,Chetris und Vaishye. Die drei Querstreifen auf der Stirn sind Symbole des Gottes Shiva.

Also nichts für ungut für diese Korrektur. Ich reise seit 25 Jahren durch Indien und Nepal und kenne mich da ganz gut aus. Dennoch das Foto ist sehr schön.

Werner Dinkelbach

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Zum Artikel „Keine andere Wahl“, Heft 8/2020

Ruin statt Modernisierung?

Bisher habe ich am Rotary Magazin immer geschätzt dass ein Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet wird. Hier wird darauf verzichtet und nur ein „Loblied“ auf die Energiewende gesungen. Das ist schade. Ein wenig erinnert der Artikel aus meiner Sicht an einen „wünsch Dir was“ Katalog.

Der Autor vertritt die Auffassung dass er den „Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimaschutz“ widergibt. Er unterstellt, dass es keine abweichenden Meinungen gibt. Es gibt aber sehr wohl fundierte abweichende Meinungen, die aber in der Presse kaum oder keinen Platz finden.  Ich bin kein Techniker lese aber viele andere Auffassungen und habe erhebliche Bedenken. Nur einige Beispiele meiner Bedenken:

  1. Völlig ausgeblendet wird die Zeitschiene. Wir wollen in 2 Jahren Atomkraftwerke komplett abschalten (8,5 MW) und in 18 Jahren sukzessive alle Kohlekraftwerke (38,5 MW).

Sehr schnell müssen dafür nach Meinung des Autors die Sonnen- und Windkapazitäten (Verdreifachung !!!) ausgebaut werden. Wie soll das funktionieren. Wenn Wind nicht weht und Sonne nicht scheint soll es Speicher (die es bisher nicht gibt) und konventionelle Reservekraftwerke (was sind das für Kraftwerke ohne Kohle-, Atom oder Gas??) geben.  Auch Wasserstoff  und synthetische Brennstoffe sollen in erheblichem Umfang eingesetzt werden. Bevorstehende nennenswerte Produktionskapazitäten sind mir nicht bekannt. In welchen Zeiten sollen diese aufgebaut werden. 

  1. Wie soll bis zur eventuellen Realisierung aller BackUp-Systeme die zuverlässige Energieversorgung gesichert werden. Wie man lesen konnte kam es in diesem Jahr und auch im August bereits zu „Dunkelflauten“, d.h. es wehte weder ausreichend Wind noch schien die Sonne. Nachts müssen wir schon jetzt in erheblichem Umfang teuer Strom von unseren Nachbarn kaufen (Atomstrom aus Frankreich! oder Kohlestrom aus Polen!)
  2. Die Aussage, dass die Energiepreise im internationalen Vergleich eher niedrig sind verwundert mich sehr. Alle bekannten Statistiken bezeugen, dass unsere Energiepreise international ganz oben angesiedelt sind
  3. Die Aussage, dass bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Belastungen der Corona-Krise Investitionen in den Strukturwandel zur Klimaneutralität notwendig sind hat mir bisher noch niemand erklären können. Bezeichnend ist die bekannte Aussage von Herrn Harbeck (Grüne), dass die Hotels während der Schließung doch die Heizung klimafreundlich erneuern sollten (und woher sollen die gebeutelten Hoteliers das Geld nehmen wenn Sie ums Überleben kämpfen?).
  4. Letztendlich ist aber bei allen Maßnahmen die Frage welche Wirkung wir mit allen Anstrengungen haben. Wir haben einen Anteil von 2% am weltweiten CO2 Ausstoß. Das Klima macht aber an Grenzen nicht halt. Andere viel größere Player denken ganz anders. ZB. hat China seit 2018 Kohlekraftwerke im Umfang von 40 MW in Betrieb genommen (also praktisch so viel wie wir Kohle und Atom außer Betrieb nehmen wollen) und plant in erheblich weiterem Umfang weitere Kohlekraftwerke.

Im Gegensatz zum Autor bin ich der Meinung, dass wir mit unserem absoluten Weg der kompletten Energiewende allein auf der Welt sind und unsere Wirtschaft nicht modernisieren sondern ruinieren. 

Peter Rohrer
RC Berlin-Kurfürstendamm

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Zum Artikel „Keine andere Wahl“, Heft 8/2020

Der Beitrag von Frd. Unnerstall zur Energiewende und Verhinderung einer Klimakrise scheint wenigstens teilweise aus den Kampapieren der Grünen abgeschrieben zu sein, jedenfalls ist er einseitig und behandelt wichtige Aspekte nicht.

Auf die Grundfrage, ob das Klima durch den Menschen beeinflussbar ist, geht der Autor überhaupt nicht ein. Im Gegensatz zum IPCC der UNO melden nämlich sehr viele Wissenschaftler (bis hin zu Nobelpreisträgern), dass eine Panik völlig unnötig ist, weil sich das langfristige Weltklimageschehen ohne dies auf natürliche Weise wieder ändern wird und dieses vom Menschen höchstens nur marginal beeinflussbar ist (siehe Klimaänderungen der letzten 2.000 Jahre, die faktisch ohne menschliches Zutun kamen und gingen). Auf die diversen Spielchen der Propaganden (Hockeyschlägerskandal, "Climagate"-Skandal" usw.) sei hier gar nicht eingegangen.

In diesem Zusammenhang steht auch die kritiklose Gläubigkeit an"Klimamodelle", die die komplexen, interaktiven Vorgänge der iQimaphysik angeblich abbilden. Mit vielen Modellannahmen, weilmanwichtige Phänomene noch nicht ausreichend beschreiben kann (Stichwort: Sonnenwind, Sonnenfleckenaktivität usw. ). Berichtet wird, dass die vielgepriesenen Modelle nicht mal die Klimavergangenheit eindeutig erklären können.

Geradezu fahrlässig wird es, wenn der Artikel meldet, dass die Energiewende "machbar und bezahlbar, sogar lukrativ" ist. Die Bundesrepublik Deutschland ist im Sommer 2020 nur knapp an einem Zusammenbmch der elektrischen Energieversorgung trotz coronabedingter Minderverbräuche vorbeigeschrammt, trotz rund 60.000 MWe installierter Windparkleistung (es waren nämlich wochenlang außergewöhnlich windschwache Zeiten).

Die e-Mobilität wird von den Konsumenten nicht angenommen, weil man eben die physikalischen Gegebenheiten nicht wegreden und mit Irrsinnssubventionen überdecken kann (Stichwort: Leistung der Batterie und ihre Entsorgung, Verfügbarkeit uneingeschränkter Aufladeinfrastruktur und gesicherte Stromversorgung in Spitzenverbrauchszeiten, Elektrosmog, Leistbarkeit abenteuerlicher Kaufprämien usw.).

Wasserstoff wird eine gewaltige infrastrukturelle Herausforderung werden, abgesehenvom nicht gerade berauschenden Gesamtwirkungsgrad des Systems und seiner Gefährlichkeitbei der Manipulation des aufmindestens 800 bar verdichteten Gases. Emeuerbare flüssige Energieträger als Ersatz für fossile Brennstoffe könnten sowie Brennstoffzellen ein guter Weg sein, sind aber(leider) ökonomisch und technisch noch lange nicht für den Detailmarkt skaliert. Das Loskommen von irrlichtemden Lieferanten von fossilem ÖL wäre im übrigen ein politischer Befreiungsschlag, also gar nicht "klimaschutzgetrieben".

Es bleibt die Grundfrage: warum diese gewaltigen technischen und finanziellen Anstrengungen, wenn deren Sinnhaftigkeit und vor allem deren Wirksamkeit mindestens zweifelhaft sind und derzeit weiß Gott andere Themen der Zukunftssicherung anstehen? Warum müssen wir unseren Wirtschaftsstandort mit selbstschädigenden Experimenten belasten, wenn in anderen entscheidenden Weltregionen nichts gemacht wird und unsere Anstrengungen("C02-Vermeidung") um einVielfaches konterkariert werden? Es gibt eben kein rein "europäischesKlima"! Denkt denn niemand in diesem Land an Alternativen wie zum Beispiel an die neue Generation "Atomkraft 4.0", letztlich auch an Sparen?Das derzeitige Wasser und Hitzeproblem könnte man technisch gut und leistbar lösen.

Dazu kommt letztlich noch die Frage: cui bono? Die Profiteure der Klimahysterie freuen sich: es sind die in allen Parteien zu findenden und stimmenheischenden "Betroffenheitsträger", die Banken und die Fonds der Superreichen machen das Geschäft ihres Lebens samt Abgreifen großzügigster öffentlicher Subventionen zulasten von mehreren Generationen von Steuerzahlern und der Realwirtschaft.

Ich jedenfalls sehe unsere Länder mit der derzeitigen"Klimaschutzpolitik"auf einem sehr teuren Irrweg, der im Ergebnis nichts Entscheidendes bringen wird. Bei meinen Kindern habe ich mich schon jetzt gegen allfallige spätere Anschuldigungen verwahrt, dass unsere Generation nicht gegengehalten hat. Der Artikel "Keine andere Wahl" hat leider keinen Beitrag zu ausgewogener Argumentation gebracht.

Konrad Falko Wutscher,
RC Salzburg(Österreich)

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Zum Artikel "Keine andere Wahl" von Dr. Thomas Unnerstall, Rotary Magazin 8/2020

Der aus der Sicht eines Energiewirtschaftlers verfasste Artikel stellt für Laien überzeugend die notwendige Transformation von Energieerzeugung und die technischen Konsequenzen für Verkehr, Industrie und Privathaushalte in den Mittelpunkt.   Schade, dass der Autor suggerieren möchte, zwischen „Im Prinzip machbar“ und „Wie verwirklichen?“  gäbe es keine Kluft, keine Hindernisse. Die liefern uns aber die Gesetze der Physik und der Physikalischen Chemie. Deshalb hier eine Reihe von Zahlen und Fakten zur Ernüchterung.

Der Gesamtenergieverbrauch belief sich 2018 in Deutschland nach Bundesumweltamt auf knapp 2.500 Terawattstunden, umgerechnet 2.500 Milliarden Kilowattstunden (1990: 2.632 Mrd. kWh). Davon entfielen auf den Bruttostromverbrauch nach gleicher Quelle 575 Milliarden Kilowattstunden (23% des Gesamtenergiebedarfs), von denen rund 44 Prozent aus Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft stammten. Somit wurden 1.925 Milliarden Kilowattstunden aus fossilen Energiequellen erzeugt, was je nach Energieträger mit entsprechender CO2-Emission korrelierte. Diese soll laut Klimaschutzplan der Bundesregierung bis 2050 auf das Niveau „treibhausgasneutral“ abgesenkt werden. Unterstellen wir dazu eine Verminderung um 80 Prozent bezogen auf 2018, so wären demnach 1.540 Milliarden Kilowattstunden zusätzlich zur derzeit erneuerbar erzeugten Energie durch Sonne, Wind- und Wasserkraft zu produzieren.   Wobei wir zusätzliche Wasserkraft in Deutschland vergessen können, Pump-Speicherwerke scheitern am Umweltschutz- und Bevölkerungswiderstand. Bleiben also noch Solarwärme zur Gebäudeheizung und Photovoltaik in Kombination mit Windkraft. Nebenbei zum Vergleich: Nach Statistisches Jahrbuch zur globalen Energie belief sich der Weltenergieverbrauch 2019 auf 13,8 Milliarden Tonnen Rohöleinheiten, das entspricht umgerechnet 160,6 Billionen Kilowattstunden. Deutschlands Anteil davon beträgt 1,6 Prozent! Maximal 4,5 Prozent des Weltenergieverbrauchs entfallen auf Wasserkraft und andere Erneuerbare.

Wählt man für die zu erzeugenden 1.540 Milliarden Kilowattstunden einen Erzeuger-Mix aus 30% Photovoltaik, 30% Onshore- und 40% Offshore-Windkraftanlangen (WKA), so bräuchten wir bei optimaler Energieeffizienz knapp 4.500 Quadratkilometer Photovoltaikfläche, rund 127.000 Onshore- und etwas mehr als 44.000 Offshore-Windkraftanlagen. Eine Onshore-WKA benötigt strömungstechnisch berechnet etwa fünf Hektar Fläche. Setzt man für Deutschland voraus, dass 180.000 Quadratkilometer, also die Hälfte seiner Staatsfläche, für Windkraft geeignet wären, so hätten wir im Schachbrettmuster alle 900 Meter eine WKA vor der Nase. Offshore-WKAs haben einen vorgeschriebenen Flächenbedarf von 1,4 Quadratkilometern, was also eine Wasserfläche von 61.600 Quadratkilometern bedeutet. Deutschland hat, ohne seine Inseln betrachtet, eine für Offshore-WKAs maximal geeignete Küstenlänge von sehr großzügig gerechnet 600 Kilometern (Gesamtküstenlänge mit Inseln 1.585 Kilometer). Das würde einen durchgehenden Streifen von rund 100 Kilometern Breite in Nord- und Ostsee bedeuten. Kommentar überflüssig. Wenn das Vorhaben „Erneuerbare“ überhaupt realisiert werden kann, dann für Deutschland gesehen eher mit 80% Anteil Photovoltaik, die damit resultierenden erforderlichen 12.000 Quadratkilometer Solarmodule ließen sich eher schaffen, auch wenn sie von der Energieausbeute her die Schwächsten unter den Erneuerbaren sind.

Damit hätten wir aber erst die Energieversorgung auf der Basis elektrischer Energie, wenn Wind weht und Sonne scheint und Verbrauchsschwankungen gering sind, was weit an der Realität vorbei geht. Die täglichen Bedarfsspitzen und –senken sind, da hat der Autor Recht, künftig nicht ohne Energiezwischenspeicher und schnellreagierenden konventionellen Kraftwerken abzudecken. Dabei gehört den Gas- und Dampfturbinenkraftwerken sicherlich die Zukunft, lassen sie sich doch ideal in die kommende Wasserstofftechnologie integrieren und haben den Vorteil, bereits heute mit einem Wirkungsgrad von 60 Prozent effektiver Strom zu produzieren als moderne Kohlekraftwerke. Leider hat Herr Unnerstall bei seinen Ausführungen unterlassen, dabei kritisch den Rechenstift zu bemühen. Power-to-X-Anlagen (PtX) speichern Stromüberschüsse in anderen Energieträgern, hier in Wasserstoff und Batterien. Bei der Elektrolyse von Wasser zu Wasserstoff und Sauerstoff haben die modernsten Anlagen derzeit einen Wirkungsgrad von 80 Prozent, die meisten liegen bei 70 Prozent. Der Wirkungsgrad für die umgekehrte Reaktion im Gaskraftwerk beträgt, siehe oben, bestenfalls 60 Prozent. Hochtemperatur-Brennstoffzellen sind derzeit nur Hoffnungsträger und erreichen noch nicht annähernd den vorgenannten Wirkungsgrad und die erforderliche Lebensdauer. Fazit: um eine Kilowattstunde elektrische Energie aus der  Speicherung wiederzugewinnen, muss man theoretisch 1/(0,8x0,6) = 2,1 Kilowattstunden vorher erzeugen, in der Praxis um Einiges mehr. Was aber heißt, dass die eingangs berechnete Lieferkapazität aus Photovoltaik und Windkraft unter Berücksichtigung des Lastprofils im Tages-, Wochen- und Jahreszyklus (Studie Lehrstuhl Energiewirtschaft, Brandenburgische Technische Universität Cottbus) geschätzt mindestens zu verdoppeln ist. Das heißt mindestens doppelt so viele Anlagen wie oben berechnet. Um eine Ein-Monats-Energiereserve in Form von Wasserstoff bereitzustellen – das ist in Wintermonaten das Mindeste – würde man einen Speicherbedarf von rund 800 Kubikkilometern bei Normaldruck haben. Einer Einspeisung in das bestehende Erdgasnetz bei völligem Ersatz des Erdgases sind dabei enge Grenzen gesetzt, denn der größte Teil des Netzes besteht aus Niederdruckleitungen und die sichere Speicherung von Wasserstoff in Mitteldruck- und Hochdruckleitungen bedarf besonderer Stahlgüten, die das bestehende Erdgasnetz nicht hat. Selbst dann wäre das mit dem bestehenden Netz und Erdgasspeichern illusorisch, denn diese fassen, Stand 2019, lediglich 25 Kubikkilometer, was einen erforderlichen Speicherdruck bei Wasserstoff von mehr als 32 bar erfordern würde. Dazu sind aber die Leitungen bei dem diffusionsfreudigen Wasserstoff nicht geeignet, von den Erdgasspeichern ganz zu schweigen.  Die Umwandlung von Wasserstoff mit Kohlenstoffdioxid zu Methan und dieses zur Energiegewinnung ist zwar seit über hundert Jahren als Sabatier-Prozess bekannt, hat aber wiederum einen Energieschwund infolge Wirkungsgrades zur Folge. Aus einer Kilowattstunde Ausgangs-Stromenergie bekommt man dabei allenfalls ein Drittel wieder heraus.

PtX-Energieträger aus sonnen- und windreichen Ländern zu importieren ist naiv. Warum soll Energie dorthin transportiert werden, wo keine Rohstoffe für deren Einsatz im Lande sind? Nicht von ungefähr sind energieintensive Prozesse dorthin abgewandert, wo Energie und Rohstoffe vorhanden sind. Wasserstoffbasierende Industrieprozesse, dazu wird auch die Stahlherstellung und die gesamte chemische Industrie zählen, werden sich vor Ort ansiedeln. Deshalb werden in Großkonzernen bereits Szenarien entwickelt, in nicht weiter Zukunft Basisproduktionen dorthin zu verlagern, soweit dies nicht schon erfolgt ist.

Abschließend noch ein Wort zur Elektromobilität, die nach Ansicht des Autors auf Batteriebasis erfolgen soll. Unterstellen wir einen E-Kleinwagen mit 200 Kilometern Reichweite und ohne Heizung im Winter. Dann bräuchte man dafür 41 Kilowattstunden elektrische Energie. Für eine Kilowattstunde sind 150 g Lithium in einer Lithiumbatterie nötig. Also 6,15 Kilogramm für das Auto. Bei derzeit 47 Millionen PKWs in Deutschland ergibt das einen Bedarf von knapp 290.000 Tonnen Lithium. Lieferfahrzeuge und möglichen Umstieg auf Schiene und Elektrobus ganz außer Acht gelassen!  Die Weltfördermenge lag 2018 bei 150.000 Tonnen, die prospektierten Weltvorräte werden unsicher auf  7 bis 35 Millionen Tonnen geschätzt, über 90 Prozent davon in Chile, Australien und China. Da mag man sich selbst ausrechnen, wie viele Autos weltweit E-Autos sein können. Batterien mit einem besseren Gewicht-Leistungsverhältnis sind in weiter Ferne. Und beim guten alten Bleiakku bräuchte man 27 Kilo Blei für eine Kilowattstunde. Dies bei prospektierten Weltvorräten von 67 Millionen Tonnen Blei. Die Anwendung der Grundrechenarten zeigt schnell den Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Selbst bei einem Verzicht auf 75 Prozent des PKW-Bestandes in Deutschland bleibt das Illusion bei einem Prozent Bevölkerungsanteil der bald acht Milliarden Menschen auf diesem Planeten. Wende nun keiner ein, das seien vorübergehende Speicherarten, da man doch mit Hochdruck an neuen Batterietypen mit billigen Ausgangsstoffen arbeite. Die zugrunde liegende elektrochemische Potenzialdifferenz aller möglichen Systeme und die Anzahl der Ladungszyklen setzen enge Grenzen.

Abschließend eine generelle Frage: Was bringen die Umweltbemühungen von – höchstens – zehn Prozent der Weltbevölkerung, wenn die verbleibenden 90 Prozent nicht wollen oder nicht können. Nicht können, weil sie sonst ihre Existenzgrundlage verlören, Hunger und (noch mehr) Elend die Folgen wären. Und warum wagt niemand die Frage von der anderen Seite her: Wieviel Menschen verträgt die Erde? Und verfolgt von dieser Seite her die Konsequenzen? Gesinnungsethik als Handlungsgrundlage mag edel sein, aber sie ist verantwortungslos. Verantwortungsethik mag manchmal grausam sein, aber weniger Grauen schaffen als Gesinnungsethik.

Dr. Heinrich Zettler
RC Vilsbiburg

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Zum Titelthema „Keine andere Wahl“, Heft 8/2020

Der Artikel von Dr. Unnerstall kann nicht unbeantwortet bleiben. Er ist einseitig und folgt gänzlich der gewollten politischen Linie. Der Autor mag 20 Jahre in der Energiewirtschaft tätig  gewesen sein, vielleicht als kaufmännischer Leiter, Ingenieur kann er nicht sein. Schon das Titelblatt, mit dem Wasserdampf aus den Kühltürmen, wie es täglich im Fernsehen gezeigt wird,  grenzt für Fachleute an puren Hohn. Da CO2 unsichtbar ist, nimmt man einfach reinen Wasserdampf um einen Überzeugungseffekt beim allesgläubigen Publikum zu erzielen.

Es ist erstaunlich mit welcher Macht die Medien die verworrene Klimapolitik der Regierung  verteidigen und keine alternative Meinung zulassen. Selbst beim auflageschwachen Rotary Magazin wird derselbe Unsinn publiziert, den wir täglich vom Fernsehen vorgesetzt bekommen, ohne eine andere Meinung auch nur zu erwähnen. Dabei gibt es eine Menge Studien und wissenschaftliche Artikel, die genau das Gegenteil behaupten, wie es die Politik haben will. Auch einige Nobelpreisträger gaben dazu ihre Meinung schon bekannt. Paul Cruntzen z.B. schreibt in seinem Lehrbuch: "Es gibt bereits so viel CO2 in der Atmosphäre, dass in vielen Spektralbereichen die Aufnahme von CO2 fast vollständig ist, zusätzliches CO2 spielt also keine große Rollen mehr." Selbst die IPCC, die von der Politik bezahlten Wissenschaftler der UNO, macht widersprüchliche  Angaben. In deren offiziellen Strahlungsbilanz werden als atmosphärische Rückstrahlung 324 Watt pro m2  genannt, bei einer Verdopplung des CO2-Gehalts um 100 Prozent werden aber nur, sage und schreibe, 3,7 Watt mehr pro m2 angegeben. Also knapp 1,2 Prozent. Diese Aussage deckt sich mit der Meinung von Nobelpreisträger Paul Cruntzen, dass zusätzliches CO2 keine große Rolle mehr spielt.

Der Einfluss von CO2 als sog. Treibhausgas ist ohnehin marginal. Ohne Treibhausgase hätten wir auf unseren Planeten eine Temperatur von  minus 15 Grad Celsius, den Hauptanteil der Wärmeabschirmung übernimmt aber der Wasserdampf und das zu ca. 80 Prozent. Von den verbliebenen 20 Prozent übernimmt das CO2 nur noch schlappe 7 Prozent. Ein weiteres Bespiel für den marginalen Einfluss von CO2. Die UNEP ( Vorgänger der IPCC) hat 1969 eine jährliche  Gesamtmenge von 12 Milliarden t CO2, die durch die Verbrennung fossiler Energieträger entstehen, offiziell bekannt gegeben. Mittlerweile wird aber nur noch mit 5 Milliarden t anthropogenen CO2 gerechnet. Eine grobe Massenermittlung des gesamten jährlichen CO2-Haushalts lautet: 200 Milliarden t CO2 gelangen jedes Jahr in die Atmosphäre. Davon stammen 50 Milliarden aus Verwesung, 50 Milliarden aus der Pflanzenatmung und 100 Milliarden aus der Diffusion der Ozeane. Wie immer diese Zahlen ermittelt wurden ist  schwer nachzuvollziehen, die Größenordnung wird aber in etwa stimmen. Das wären dann schlappe 2,5 Prozent anthropogenes CO2 vom Menschen gemacht. Und das war schon so zu Martin Luthers Zeiten.

Es gibt keine Zweifel an der bestehenden Klimaänderung, es ist sichtbar und spürbar. Woran es aber berechtigte Zweifel gibt, ist der Grund für diese Änderung. Es gibt viele Theorien für diese Änderung, aber eines ist auch sicher, diese Klimaänderungen in den Zwischeneiszeiten gab es schon immer. In den vergangenen 590.000 Jahren gab es sechs Eiszeiten, die letzte endete vor ca. 19.000  Jahren. Die Zeiträume der Zwischeneiszeiten schwanken zwischen 190.000 und 12.000 Jahren. Die beiden Forscher Nir Shaviv von der Universität Jerusalem und Jan  Veizer von der Ruhruniversität Bochum haben 2003 eine Studie veröffentlicht, die besagt, dass die kosmische Strahlung wesentlich für das Klima verantwortlich ist und dass der Treibhauseffekt dabei nur eine geringe Rolle spielt. Die Klimaänderung basiert zu 2/3 auf Schwankungen der kosmischen Strahlung. Die beiden Forscher fanden auch heraus, dass unser Sonnensystem in einem regelmäßigen Rhythmus einen Spiralarm der Galaxis durchquert. Diese Reise dauert ca. 145 Mio. Jahre und die kosmische Strahlung ändert sich ständig. Das erklärt auch die unterschiedlichen Zeiträume der bisherigen  Zwischeneiszeiten. Auf dieser Reise ändert sich das solare Magnetfeld ständig. 

Die kosmische Strahlung besteht zu 90 Prozent aus Wasserstoffkernen (Positive Protonen), die in unserer  Atmosphäre als Kondensationskerne für Wasserdampf wirken. Je stärker das solare Magnetfeld desto weniger Protonen gelangen in unsere Atmosphäre und es bilden sich weniger Wolken. Das wiederum bedeutet ein Aufheizen der Ozeane, speziell am Äquatorgürtel,  und wir bekommen eine Warmperiode. Das deckt sich auch mit der Aussage in den Physical Review Letters 2003. Demnach war die Sonnenaktivität im Zeitraum von 850 bis 1940, noch nie so hoch wie zurzeit. Andere  Messungen ergaben, dass sich das solare Magnetfeld sich in den letzten 100 Jahre verdoppelt hat. Es sind z.T.Fakten, die nachgeprüft werden können und allen Wissenschaftler bekannt sein sollen, wenn es trotzdem zu extrem verschiedenen Meinungen kommt, kann das nur politische Gründe haben. Man erinnere sich nur an die mittelalterliche Kirchenpolitik, die mit Maleficium die Gläubigen gefügig gemacht hat. Niemand hat Zugang zu allen relevanten  Daten der Klimaforschung, was bleibt ist die Lektüre von Studien beider Meinungen und daraus nachvollziehbare Schlüsse ziehen. Das rate ich auch Herrn Dr. Unnerstall.

Bruno F. Forster
RC Zell am See

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Zum Titelthema „Keine andere Wahl“, Heft 8/2020

Alternativlos?  

Die Beiträge im Rotary Magazin zeichnen sich meist durch eine sorgfältige Abwägung von Pro und Kontra aus. Dies ist im Artikel „Keine andere Wahl“ wohl weniger das Ziel des Verfassers. Eine Energiewende ist demnach unabwendbar, die Kapazitäten von Wind- und Solarstrom müssen verdreifacht werden, weil anderenfalls die Konsequenzen „unendlich viel leidvoller als bei Corona“ sein werden.

Schon Kanzlerin Merkel musste die Erfahrung machen, dass man in einer Demokratie mit angeblich alternativlosen Entscheidungen Widerspruch provoziert. Selbstverständlich hat sich die Politik erkennbaren Problemen zu stellen, selbst wenn deren Konsequenzen noch nicht genau vorhergesehen werden können. Europa sollte sich deshalb nicht nur aus völkerrechtlichen Gründen an das Pariser Klimaschutzabkommen halten, zumal rund acht Milliarden Menschen Umwelt und Atmosphäre fraglos mehr belasten als die eine Milliarde vor Beginn der Industrialisierung – dem Ausgangspunkt der bis heute ermittelten Klimasteigerungen. Allerdings kann es, wie die Klimageschichte zeigt, auch ganz anders kommen, als Meteorologen es heute prophezeien. So herrschte im Hochmittelalter ein noch milderes Klima als heute. Historiker sehen hierin einen Grund für die Hochblüte von Kultur (Romanik, Gotik, Minnesang) und das Wachstum der Bevölkerung samt vieler Städtegründungen. Auch Meteorologen sprachen von einem Klimaoptimum. Es folgten deutlich kältere und auch wieder wärmere Perioden, verursacht durch terrestrische und/oder kosmische Vorgänge, auf die der Mensch kaum Einfluss hat. So fiel im Jahr 1816 infolge eines gewaltigen Vulkanausbruchs, der sich jederzeit wiederholen kann, der ganze Sommer aus mit der Konsequenz einer katastrophalen Hungersnot.

Unsere Bemühungen um den Klimaschutz werden leider nicht den erhofften Nutzen bringen, wenn bevölkerungsreiche Staaten wie China, Indien, USA und Brasilien, wo man den Regenwald abholzt, das Pariser Abkommen aufkündigen oder sich nicht mehr darum kümmern. Wir müssen uns deshalb vorsorglich auf weitere Hitze und Trockenheit einstellen, womit unter anderem Land- und Forstwirtschaft bereits begonnen haben. Auf diesem Weg kann dann auch die in dem Artikel hervorgehobene Generationengerechtigkeit Berücksichtigung finden. Hierbei sei mir aber der Hinweis gestattet, dass es noch keiner jüngeren Generation im Durchschnitt gesehen wirtschaftlich besser ging als der heutigen, und dies bei einer von Statistikern prognostizierten wesentlich höheren Lebenserwartung.

Edgar Wais 
RC Reutlingen-Tübingen-Süd 

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Zum Standpunkt "Etwas weniger Alpha, bitte", Heft 8/2020

Wenig überzeugend

Die Autoren setzen sich vornehmlich damit auseinander, wie man als neu gewähltes Vorstandsmitglied seinen Willen auch gegen den ausdrücklichen Wunsch der  Mitglieder durchsetzen kann. Dazu werden die unterschiedlichsten Möglichkeiten der Mediation aufgezeigt. Diejenigen Mitglieder, die sich diesem Diktat nicht unterwerfen wollen, werden als ewig gestrige, nicht Neuerungen zugewandte Clubdienst „Bedenkenträger“ verunglimpft.

Keine Rolle spielt in den Betrachtungen der beiden Autoren, was der Wunsch der Mehrheit der Mitglieder des Clubs ist. Es fehlt auch der Fingerzeig, wie man konfliktfrei die Mitglieder auf neue Wege mitnimmt und sie von den eigenen Ideen überzeugt. Auch ist von der dienenden Funktion eines Vorstandes nicht die Rede.

Aufgeführte Beispiele sind wenig überzeugend. „Die einstimmig vom Aufnahmeausschuss und vom Vorstand beschlossene Aufnahme einer jungen Freundin löst kulturkampfähnliche Kampagnen aus“, das zeugt von wenig rotarischem Verständnis, weil es nicht darum gehen kann, den Wunsch des Vorstandes durchzuboxen, sondern die Mitglieder zu überzeugen, dass die Kandidatin mit ihrer Persönlichkeit und Einsatzbereitschaft richtig gut in den Club passt. Man sollte schließlich davon ausgehen, dass diese Einsprüche sehr wohl überlegt und abgewogen sind.

In meiner über 30-jährigen rotarischen Mitgliedschaft – nach diesen Zeilen sicherlich zum Clubdienst „Bedenkenträger“ zählend – und in vier verschieden Clubs, auch außereuropäisch, habe ich bisher keinen Mediator erlebt. Ich habe auch keinerlei Sehnsucht danach, so etwas zu erleben. Offensichtlich haben es &bdq