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Rotary Aktuell

Jedes Haus erzählt eine Geschichte

Rotary Aktuell - Jedes Haus erzählt eine Geschichte
Claudia Samter (r.) reiste aus Argentinien an, um an ihre Großtante (Else Simon geb. Stargardt), Tante (Helga Kaufmann geb. Simon) und Cousine (Yvonne Kaufmann) zu erinnern, die in dieser Wohnung lebten und von hier deportiert wurden. Marie Rolshoven (l.), DMAO-Gründerin, wohnt heute in der Wohnung. Denise Citroen (M.) ist Gründerin der Initiative Open Jewish Homes Amsterdam © Kubin

„Denk Mal Am Ort“ (DMAO) bringt das Leben von Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt wurden, an authentischen Schauplätzen ins öffentliche Bewusstsein.

Ralf Diez01.04.2025

Zum 80. Mal jährt sich am 8. Mai 1945 der Tag des Kriegsendes. Rund 150 Ehrenamtliche der Initiative DMAO werden zu diesem Termin circa 80 Erinnerungsveranstaltungen organisieren, 30 Angehörige aus aller Welt reisen dafür an. Der Berliner Verein Kubin engagiert sich für DMAO und macht die Geschichten NS-Verfolgter seit 2016 einmal jährlich durch Veranstaltungen rund um den 8. Mai erfahrbar. Nicht abstrakt, sondern ganz plastisch durch Zeitzeugengespräche, Gespräche mit Angehörigen, durch Vorträge, Filme, Lesungen, Ausstellungen und Performances an den einstigen Wohn- und Wirkstätten, in den Wohnungen, Gärten, Schulen oder ehemaligen Arbeitsorten.

Auch Rotariern wurde schon gedacht …

… zum Beispiel Walter Sobernheim, von 1930 bis 1933 Mitglied im RC Berlin. Vor ein paar Jahren hielt die Kulturhistorikerin Heike Stange, die im Verlag Hentrich & Hentrich die jüdische Miniatur Familie Sobernheim und das „Haus Waltrud“ auf Schwanenwerder veröffentlicht hat, auf der Berliner Insel Schwanenwerder einen Vortrag über Sobernheim und seine Familie, die 1933 ins Exil gedrängt wurde. Mit alten Fotos und Dokumenten ließ Stange die Familie und ihre Vergangenheit dort lebendig werden, wo einst die Villa der Sobernheims stand.

Die spendenfinanzierte Initiative DMAO wurde von Denise Citroens niederländischer Bewegung Open Jewish Homes inspiriert. 2016 brachten die Kulturwissenschaftlerin Marie Rolshoven und ihre Mutter Jani Pietsch, Künstlerin und Historikerin, das Konzept nach Deutschland und erweiterten das Gedenken auf alle Verfolgten der NS-Zeit. Was einst als Berliner Initiative mit 31 Mitwirkenden begann, ist heute ein wachsendes Netzwerk. Aktuell wirken rund 150 Menschen unterschiedlichster Altersstufen in sechs deutschen Städten mit. Für 2026 sind zudem Veranstaltungen in Düsseldorf, Leipzig und Rendsburg in Planung.

Am 27. April geht es um das Ehepaar Schülein, Nachbarn von Thomas Mann

In München wird die Kunsthistorikerin Susanna Partsch mit einem Vortrag an das jüdische Künstlerpaar Suzanne Carvallo-Schülein und Julius Wolfgang Schülein erinnern. Ihr Atelier befand sich neben dem Wohnhaus der Familie von Thomas Mann, deren Angehörige für Suzanne Carvallo-Schülein gelegentlich Modell standen. Nach der Wahl der Nationalsozialisten im Jahre 1933 floh das Künstlerpaar nach Paris. Nachbar Thomas Mann, überzeugter Demokrat und einer der bekanntesten Rotarier, lebte da bereits im Exil.

80 Jahre nach Kriegsende mit einer in Teilen als rechtsextrem gesicherten Partei im Bundestag ist das Bewahren der Erinnerung an unsere Geschichte wichtiger denn je. Am 5./6. April geht es in Frankfurt los.

Mehr Infos und Termine: denkmalamort.de


Vorträge:
Am 10. Mai moderiert Ralf Diez in Berlin eine Lesung von Michael Mandel (80), der als Säugling das Konzentrationslager Theresienstadt überlebte.
Am 17. Mai erinnert Diez in Hamburg in Anwesenheit von zwei Angehörigen aus den USA.

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