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Selbstbewusst gegen Sucht

Rotarier entwickeln Projekt zur Alkoholprävention

Selbstbewusst gegen Sucht - Rotarier entwickeln Projekt zur Alkoholprävention
Über Probleme reden ist nicht immer leicht. Dem Sorgenfresserchen können die Kinder ihre Probleme anvertrauen und sie auch anschließend im Stuhlkreis besprechen. Das hilft oftmals bei der Lösung. © Cornelia Bambini-Adam

Das rotarische Netzwerk "b.free" ist ein Alkoholpräventionsprojekt für Kinder und Jugendliche im Landkreis Konstanz – seit diesem Schuljhar ist es um ein Element reicher.

03.01.2014

Seit neun Jahren dreht sich beim rotarischen Netzwerkprojekt "b.free" alles um Alkoholprävention bei Kindern und Jugendlichen. b.free beleuchtet das Thema von vielen Seiten. Ein wichtiger Aspekt der Vorbeugung ist es, das Selbstbewusstsein von Kindern zu stärken und ihnen damit das Rüstzeug zu geben, später keinem Gruppenzwang zu unterliegen und bei Partys  ganz klar „Nein!“ sagen zu können.

Aus dieser Überlegung heraus ist in Zusammenarbeit mit der Bauhausuniversität Weimar vor fünf Jahren eine Idee zu Unterrichtseinheiten für unter Zwölfjährige entstanden, die sich bis heute zu einem eigenständigen Projekt mit dem Namen „Ich bin Ich“ weiter entwickelt hat. Über 30 Lehrerinnen, Lehrer und Schulsozialarbeiter im Landkreis Konstanz haben zum Schuljahr 2013/2014 die entsprechende Fortbildung absolviert, zu der es ein Begleitheft und eine CD mit Materialsammlung gibt. Die „b.free-Stunden“ stehen an vielen Schulen nun fest im Lehrplan und die Rückmeldungen sind sowohl von Lehrer- und Elternseite als auch von Schülern sehr positiv.

„Ich bin Ich“ ist unterteilt in sechs Abschnitte, bei denen es um Überbegriffe geht wie Glück empfinden, Einzigartig sein, Reden üben, Nein sagen, sich allein behaupten sowie Hilfe suchen und annehmen. Zu jedem Thema gibt es eine Kiste, die das passende Material für die Schulstunde beinhaltet. Gestapelt ergibt sich daraus der „Ich bin Ich“-Turm, der die sechs Unterrichtsmodule überschaubar und schnell greifbar macht.  „Die Lernmittel und Begleittexte sind sehr praxisorientiert und eignen sich für alle Schularten. Speziell Grundschulkinder können von dem Konzept sehr profitieren.  Es lohnt sich, für die zweiten bis fünften Klassen die Zeit dafür einzuplanen“, sagt Gabi Schüle, die als Lehrerin der Grund- und Hauptschule Böhringen maßgeblich an der pädagogischen Gestaltung und Umsetzung beteilig ist.

Als Maskottchen dient ein großer, starker, gelassener Stoffelefant, den sich jedes Kind selbst nähen darf. Ansonsten ist es den Beteiligten gelungen, die notwendigen Utensilien für die Türme, von denen mittlerweile rund 20 im Einsatz sind, gemeinsam mit Eltern und Schülern zu basteln und zu nähen sowie von Schulen mit Werkstätten herstellen zu lassen. B.free übernahm hierfür die Materialkosten. Zur Ausstattung gehören beispielsweise ein Sorgenfresserchen, ein Glücksack, eine magische Kugel, eine Ich-Burg mit Schlüssel, Gefühlskärtchen und vieles mehr.

„Für die Kinder sind die b.free - Stunden etwas ganz besonderes. Sie lernen über sich und ihre Gefühle nachzudenken, im Team zu arbeiten, frei zu sprechen, eine eigene Meinung zu haben und sich Hilfe zu holen, wenn es alleine nicht geht“, weiß Gabi Schüle. So etwa bei der Aufgabe, Luftballons eine Minute in der Luft zu halten. Es zeigt sich schnell, dass dies für ein Kind allein nicht zu schaffen ist. Nun geht es darum, weitere Kinder um Hilfe zu bitten, sie zu motivieren und gute Argumente zum Mitmachen zu finden. Am Schluss – die ganze Klasse ist gemeinsam erfolgreich und hat zusammen großen Spaß – sind alle Ballons in der Luft.

Aber leider ist im Leben nicht immer alles lustig und so kommt auch den Stunden mit dem Sorgenfresserchen eine große Bedeutung zu. Die Schülerinnen und Schüler können der Handpuppe alles, was sie bedrückt, zuflüstern und nach Wunsch auch anschließend im Stuhlkreis offen darüber sprechen. Einige Tage später wird geschaut, ob das Sorgenfresserchen seine Arbeit erledigt hat. „Es zeigt sich, dass die Kinder durch das Aussprechen und Teilen ihrer Ängste und Probleme einen Weg finden, sie dann auch aufzulösen und loszulassen“, weiß Renate Forster, die als Lehrerin das „Ich bin Ich“-Programm sehr gerne und mit Erfolg einsetzt.

Die guten Erfahrungen mit „Ich bin Ich“ sprechen für sich und die Anfrage nach den Türmen wächst. „Wir sind davon überzeugt, dass das Programm das Selbstwertgefühl der Kinder stärkt. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um nicht anfällig für Alkohol und andere Suchtmittel zu werden“, erklärt Gabi Schüle.

Info b.free – Alkoholprävention für Kinder und Jugendliche

Zum hundertjährigen Jubiläum von Rotary International im Jahr 2005 gründete der RC Radolfzell-Hegau gemeinsam mit dem RC Singen und dem Landratsamt Konstanz das Netzwerkprojekt b.free als Alkohol-Präventionsprogramm für Kinder und Jugendliche. Mittlerweile beteiligen sich fünf Rotary Clubs im Landkreis Konstanz und b.free ist ein fester Bestandteil der Jugendarbeit in Kommunen, Schulen und Vereinen. Als Netzwerk  verbindet b.free unterschiedlichste Fachkräfte und Akteure, die sich mit Suchtprävention bei Kindern und Jugendlichen befassen. b.free hat inzwischen verschiedene Auszeichnungen erhalten und ist weit über den Landkreis hinaus bekannt.

Cornelia Bambini-Adam, RC Radolfzell-Hegau