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Polio-Ausbruch in Nigeria

Nigerianischer Gesundheitsminister in Evanston

Polio-Ausbruch in Nigeria - Nigerianischer Gesundheitsminister in Evanston

Bei seinem Besuch bei Rotary in Evanston diskutierte Nigerias Gesundheitsminister Isaac Adewole mit führenden Vertretern von Rotary Aktionen gegen den jüngsten Ausbruch der Kinderlähmung.

11.10.2016

Wegen der neuen Krankheitsfälle war Nigeria wieder auf die Liste polioendemischer Länder gesetzt worden. Alle drei Krankheitsfälle waren im Norden Nigerias, im Bundesstaat Borno, entdeckt worden. Dieser wurde bis vor kurzem durch die terroristische Gruppierung Boko Haram kontrolliert. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass das Virus bereits seit fünf Jahren in der Region zirkuliert.

"Die neuen Krankheitsfälle sind niederschmetternde Nachrichten. Selbst ein einziger Fall ist einfach nicht hinzunehmen. Es ist sehr bedauerlich, dass wir uns in dieser Situation befinden, doch wir aktivieren derzeit all unsere Kräfte, um die Krankheit ein für alle Mal auszurotten", so Adewole. "Wir stufen die Situation als nationalen Notfall ein."

Kurz nach dem Ausbruch entsandte der Minister ein Notfall-Einsatzteam nach Borno, um umgehend eine Million Kinder impfen zu lassen. Über 850.000 Kinder erhielten innerhalb der ersten fünf Tage der Impfkampagne eine Immunisierung. Dabei setzte das Land sowohl den Schluckimpfstoff als auch den inaktivierten Polio-Impfstoff ein.

Zudem richtete Nigeria eine Arbeitsgruppe ein, die sich weiteren Herausforderungen in Borno widmet, darunter dem mangelnden Zugang zu sauberem Trinkwasser, der schlechten sanitären und gesundheitlichen Situation vieler Menschen sowie Unterernährung und psychischen Störungen aufgrund der Besetzung durch Boko Haram. "Der Wiederaufbau von Borno hat nationale Priorität", erklärte Adewole.

Mit Unterstützung von Rotary und dessen Partnern im Kampf gegen Polio hat Nigeria bereits damit begonnen, Millionen von Kinder zu impfen. Bis Dezember sollen so 60 Millionen Kinder erreicht werden. Rotary stellte 8,5 Millionen US-Dollar für Impfeinsätze in Hochrisikogebieten und Teilen des Beckens rings um den Tschadsee bereit.

Die umliegenden Länder, darunter Kamerun, die Zentralafrikanische Republik, Tschad und Niger, koordinieren ebenfalls Impfeinsätze, um ihren Status als poliofreie Länder zu erhalten.


Das Video mit dem nigerianischen Gesundheitsminister Isaac Adowole sehen Sie HIER.


Gemeinsam führen die fünf Länder laut Adewole sogenannte "Einzäunungsimpfungen" durch. Dabei werden Schutzimpfungen entlang der Landesgrenzen verabreicht.

"Wir schaffen das nicht alleine. Die Zusammenarbeit mit den anderen Ländern ist entscheidend für eine allgemeine Ausrottung der Kinderlähmung in Afrika", erklärte Adewole.

Nigera war 2015 poliofrei erklärt und von der Liste polioendemischer Länder gestrichen worden, nachdem in dem Land über ein Jahr lang keine weiteren Fälle der Kinderlähmung entdeck worden waren. Adewole gibt zu, dass das Land sich nach Erreichen dieses Meilensteins weniger auf die Kinderlähmung konzentrierte. "Wir haben uns zu früh gefreut. Doch diese neuen Fälle haben uns wachgerüttelt und wir haben unsere Einsätze verdoppelt, damit dies nicht noch einmal passiert". 

Adewole fügte weiter hinzu, dass nachhaltige Einsätze nötig sind, um erneut von der Liste polioendemischer Länder gestrichen zu werden. Dies schließt nationale und internationale Finanzierungshilfe, die Unterstützung durch Tausende Einsatzhelfer und Strategien zur Impfung bisher übersehener Kinder ein. Die nigerianische Regierung stellte 300 Millionen US-Dollar für diese Notfallhilfe zur Verfügung.

"Bei der Ausrottung der Kinderlähmung geht es um unseren Nationalstolz", sagt er. "Wir werden unsere Bürger oder die Welt nicht im Stich lassen".

Ryan Hyland,
rotary.org