RI Präsident Sakuji Tanaka - Eine japanische Sicht

Sakuji Tanaka und Ehefrau Kyoko lachen über einen Scherz in einem japanischen Restaurant. Auf Reisen vermisst er die Küche seiner Frau am meisten.

01.07.2012

RI Präsident Sakuji Tanaka 

Eine japanische Sicht

Heute beginnt das neue rotarische Jahr. An der Spitze der Organisation steht nun für ein Jahr der Japaner Sakuji Tanaka.

 

Seit über einem Jahr sieht man ihn im Zentralbüro von Rotary International in Evanston überall: im Fahrstuhl, in der Cafeteria, in der Lobby, und natürlich im Präsidentenbüro in der südöstlichen Ecke des 18. Stockwerks. Ein kleiner weißhaariger Mann mit hervorragenden Manieren und einem unglaublich gewinnenden Wesen, der immer lacht und sich ehrlich zu freuen scheint über jede Person, die ihn anspricht. Er grüßt mit einem strahlenden Lächeln, einer leichten Verbeugung und einem freundlichen, fast schüchternen Kichern. Stets in Begleitung seiner persönlichen Dolmetscherin Eiko Terao, bewegt er sich mit großer Würde und einer entwaffnenden Freundlichkeit, die vielleicht verbergen mag, was er wirklich denkt. Doch ist es bei Letzterem wahrscheinlich, dass es sich um Rotary dreht. Die einzige Zeit, in der Sakuji Tanaka nicht mit Rotary beschäftigt ist, ist nachts, wenn er schläft, oder beim Essen – und das auch nur, wenn er nicht gerade mit Rotariern bei einem Mahl zusammensitzt. „Es stimmt, Rotary nimmt meine ganze Zeit in Anspruch”, gibt er fröhlich zu.

Seine Frau, fährt Tanaka fort, bezeichne ihn als „Rotary-verrückt“. Damit hat sie wohl recht, sagt er. Und ein Blick auf seinen Lebenslauf scheint das auch zu bestätigen. Seit 37 Jahren gehört er dem japanischen Rotary Club Yashio an, und er hat alle möglichen Ämter absolviert, als Governor, Training Leader, Regional Rotary Foundation Coordinator, Mitglied der Polio Eradication Advocacy Task Force sowie des Future Vision Committee, Chair des Birmingham Convention Committee 2009 und des Permanent Fund Committee for Japan, RI Director, Rotary Foundation Trustee. Natürlich sind er und seine Frau auch Major Donors für die Stiftung. Seine Frau Kyoko begleitet Sakuji seit 49 Jahren, auch auf der rotarischen Reise. Dass sie nicht Englisch spricht, macht sie dabei durch ihre erstaunliche Fähigkeit wett, mit Gesten zu kommunizieren. Auch sie ist wie ihr Mann eine sehr fröhliche Person. Und sie übernimmt gerne seinen Platz, wenn sie ihn bei Geschäftstreffen vertreten muss – was in Tanakas Großhandelslaufbahn oft der Fall war. Wenn sie sich an verschiedenen Orten aufhalten, telefonieren sie täglich.



Das Ehepaar Tanaka hat drei erwachsene Kinder. Ein Sohn und eine Tochter leben in Japan, eine weitere Tochter in Malaysia. Die Familie samt sechs Enkeln (und einem auf dem Weg) trifft sich jedes Jahr zum Neujahr zu Hause in Yashio. Rücksicht und Geduld, meint Präsident Tanaka, seien das Geheimnis für eine erfolgreiche Ehe, und er beeilt sich hinzuzufügen: „Ich bin glücklich, dass ich eine Frau habe, die so geduldig mit mir ist.“

Über die japanische Gesellschaft sagt er, dass dort immer noch Männer mehr Freiheiten hätten, Ärger oder Frustration auszudrücken als Frauen. Ein Grund mehr für ihn, sich immer im Umgang mit Menschen um Geduld zu bemühen.

Diese Geduld kombiniert Sakuji Tanaka mit erstaunlicher Effizienz. Als ehemaliger Präsident der "National Household Papers Distribution Association of Japan" schätzt er einen aufgeräumten Schreibtisch. Er nutzt E-Mail intensiv, hält aber auch hier seine Inbox sauber – nur die nötigsten Sendungen werden gespeichert. „Es ist mein Naturell, immer in Eile zu sein“, meint er dazu. „Ich lasse nichts liegen. Ich erledige es und gehe zum nächsten Punkt über.“ Nur in seinem Büro zu Hause stehen Tagebücher und Dokumente in einem langen Regal. Ab und zu wird aussortiert, Obsoletes wird entsorgt, in einigen Fällen gehen Rotary-Spezifika an seinen Club.

Auf Reisen vermisst Tanaka am meisten die Küche seiner Frau. Sie ist für ihn ohne Zweifel die beste Köchin der Welt. Natürlich bevorzugt er japanisches Essen, und das, was international als japanisch bezeichnet wird, kann sich da seiner Meinung nach erst recht nicht messen. Die Nudeln schmecken anders, und es ist schwer, ein zufriedenstellendes Sukiyaki zu bekommen. Als Ersatz bietet sich da der besondere Geschmack eines koreanischen Barbecue an, das er sehr mag. Und seine Dolmetscherin, Frau Terao, beeilt sich hinzuzufügen, dass man ihn immer mit einem Teller Spaghetti ablenken kann – solange er mit Tomatensoße daherkommt. Sonst isst er die Nudeln ohne alles, denn alles, „was zu viel Käse drin hat“, findet bei Präsident Tanaka keinen Anklang. Er bemerkt sehr wohl, welchen Aufschwung Sushi-Restaurants international genommen haben, doch schreibt er dies eher einem erhöhten Gesundheitsbewusstsein der Menschen zu als einer speziellen Liebe zur japanischen Küche, denn die ist, wie bereits gesagt, kaum wirklich authentisch im Ausland.

Karaoke-Marathon

Selbstverständlich ist Herr Tanaka nicht immer im Dienst. Doch selbst bei der Entspannung gibt er stets sein Bestes. So stellte er bei einem Karaoke-Abend seinen eigenen Rekord auf, indem er 54 Lieder hintereinander sang – ohne Pause. Es ist ihm fast peinlich, so stolz auf seine dreistündige Vorstellung zu sein, und er betont im gleichen Atemzug, dass er dafür heute gar nicht mehr die Energie hätte. Das mag bescheiden sein, aber seine Freunde glauben ihm das nicht so ganz…
Sie könnten sich etwa daran erinnern, wie Sakuji Tanaka und ein befreundeter Rotarier vor nicht allzu langer Zeit begannen, die Straßen in ihrem Stadtviertel zu säubern. Man sah sie, wie sie Unrat aufsammelten, Unkraut jäteten, Müll und Dreck – und sogar den gelegentlichen Tierkadaver – fortschafften. „Zuerst gab es ein paar sehr schmutzige Großstadtecken“, erzählt Tanaka. „Doch dann sahen die Leute, wie wir in ihren Nachbarschaften für Sauberkeit sorgten, und jeden Tag kamen Helfer dazu, mehr und mehr machten mit, und jetzt halten sie ihre Straßen selbst sauber.“ Der Zwei-Mann-Einsatz wurde zu einem monatlichen Rotary-Clubprojekt und expandierte schließlich in eine Bürgerinitiative, der mittlerweile 59 Gruppen in Yashio angehören, die zweimal im Jahr Großaktionen für eine saubere Stadt auf die Beine stellen. Selbst der Bürgermeister der Stadt macht mit.



Sakuji Tanaka hat seine eigene Friedensphilosophie. In seinem Club, sagt er, habe er gelernt, dass die Hilfe für andere der absolut einfachste Weg sei, Frieden zu stiften. „Frieden“, sagt er, „ist – bei allen verschiedenen Auffassungsweisen davon – ein reales und realistisches Ziel für Rotary.“ So verwundert es nicht, dass er eine permanente Rotary Peace Fellowship gestiftet hat und dass sein Jahresmotto „Peace Through Service“ – Frieden durch Einsatz – heißt. Frieden durch persönlichen Einsatz, möchte man ergänzen. „Frieden ist nicht etwas, das durch Verträge, Regierungen oder große heroische Feldzüge erreicht wird“, erklärt er seine Sichtweise. „Es ist etwas, das im persönlichen Tun und Engagement, im täglichen persönlichen Einsatz geschieht und das wir auf vielfache, ganz einfache Weise täglich erwirken können.“

Frieden und Konfliktlösung fangen dabei für ihn zu Hause an. Die Familie sei der Ausgangspunkt, ein friedvoller Umgang miteinander dort die Voraussetzung, seine Einstellung weiterzutragen.

Junge Menschen fördern

Auch die japanische Tradition, das Wohl der Allgemeinheit über die Belange des Einzelnen zu stellen, kommt zur Sprache. Es ist für Präsident Tanaka die direkte Parallele zum rotarischen Leitspruch des Selbstlosen Dienens, und es wurde eindrucksvoll unter Beweis gestellt, als Erdbeben und Tsunami samt anschließender Reaktorkatastrophe das Land verwüsteten. Es war genau diese Einstellung, die dem japanischen Volk half, sich wieder aufzurichten. Dass die dort so eindrucksvoll zum Einsatz kommende Kooperation auch eine positive Lektion für die Welt sein kann, davon ist Präsident Tanaka überzeugt. „Ich glaube, dass Rotary auch zu diesem Lernen beiträgt, indem wir die junge Generation ausbilden und auf zukünftige Aufgaben vorbereiten – besonders durch unsere Rotary Peace Centers. Die jungen Menschen werden einst die persönliche Verantwortung tragen, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen.“

Quelle: The Rotarian



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