Hauptaufgabe Rasenpflege - Traumberuf Greenkeeper?

Zur Präzisionsarbeit bei der Rasenpflege gehört auch die Gräserbestimmung

13.04.2012

Hauptaufgabe Rasenpflege

Traumberuf Greenkeeper?

Johann Detlev Niemann

Über den Beruf des Greenkeepers, seine Tätigkeit und seine langjährige Ausbildung herrscht in der breiten Öffentlichkeit zu meist Unkenntnis. Der Beruf des Greenkeepers wird häufig unter - oder falsch eingeschätzt. Er ist ein interessanter Beruf, welcher mit viel Idealismus ausgeführt werden muss.  Er ist ein Beruf für Menschen mit technischem Verständnis und der Freude, täglich in der freien Natur zu arbeiten. Aber er ist auch ein Beruf mit Perspektiven. Wenn eine Fußballmannschaft auf internationaler Bühne mal schlecht gespielt hat, dann lag es häufig an den Platzverhältnissen.

Im Golfsport ist es nicht anders. Im Clubhaus hört man immer wieder ähnliche Aussagen. Hat der Golfer eine erfolgreiche Runde gespielt, lag es an ihm selbst. Hat er eine schlechte Runde Golf gespielt, lag es an dem Platz. Und wer ist für die Platzpflege zuständig? Natürlich die Greenkeeper.

Auch erinnern wir uns an die Aussage von Ulli Hoeneß, ehemaliger Manager und jetzt Präsident des FC Bayern München. Er sagte damals in Anlehnung an ein mögliches Trainer-Arrangement von Lothar Matthäus: Der wird bei uns noch nicht mal Greenkeeper. Wie Recht er hatte, denn Lothar Matthäus hatte nicht die notwendigen Voraussetzungen für diesen Beruf, wie etwa eine Ausbildung als Landwirt oder Gärtner.

Vor 1990 lag die Golfplatzpflege entweder in den Händen angelsächsischer oder US-amerikanischer Greenkeeper oder in den Händen ehemaliger Landwirte bzw. „self-made“ Greenkeepern. Erst Mitte/Ende der 80er-Jahre erkannte man in Deutschland die Wichtigkeit eines professionellen Greenkeepings. Ende der 80er-Jahre wurde der deutsche GreenkeeperVerband (GVD) gegründet. 1989 begann an der Deutschen Lehranstalt für Agrartechnik (DEULA) Rheinland in Kempen der erste Lehrgang zum staatlich geprüften Greenkeeper. Sechs Jahre später bot auch die DEULA Bayern in Freising eine entsprechende Fortbildung an.

Langjährige Ausbildung


Greenkeeper wird man nicht von heute auf morgen. In Deutschland ist Greenkeeping kein Ausbildungsberuf, hingegen aber in Österreich. Zirka 60 Prozent der Menschen, die in der Golfplatzpflege tätig sind, absolvierten vorher eine „grüne“ Lehre, etwa als Landwirte, Förster oder Gärtner. Erst nach drei Jahren als Platzarbeiter in der Golfplatzpflege kann die Fortbildung zum Fachagrarwirt Head-Greenkeeper begonnen werden.

Insgesamt benötigt ein staatlich anerkannter Head-Greenkeeper neun bis elf Jahre (!) vom ersten Tag als „Lehrling“ bis zur Übergabe der Urkunde zum Fachagrarwirt Head-Greenkeeper.

Ein 17-jähriger zielstrebiger Schulabgänger kann demnach erst mit zirka 26 oder 27 Jahren Fachagrarwirt Head-Greenkeeper sein. Ein ambitionierter Abiturient kann möglicherweise mit 27 Jahren schon seine Promotion in der Tasche haben. Hier stellt sich nun die Frage nach der Wertigkeit beider Berufsabschlüsse bzw. Titel in unserer Gesellschaft.

Ergebnisse einer Umfrage

Vor zwei Jahren führte der Autor eine Umfrage unter Greenkeepern durch. Die Ergebnisse erstaunten selbst Insider.
• Inzwischen streben immer mehr Fachhochschul- oder Universitätsabsolventen in das Greenkeeping.
• Greenkeeper haben die unterschiedlichsten Erst-Ausbildungen. In der Umfrage von über 220 (Head-) Greenkeepern wurden über 40 verschiedene Berufsabschlüsse genannt, wie etwa Polizist, EDV-Fachmann, Krankenpfleger oder Konditor.
• 85 Prozent der Head-Greenkeeper arbeiten schon mehr als zwanzig Jahre in diesem Beruf.
•Abwechslungsreiche Tätigkeit, Interesse am Golfsport sowie Naturverbundenheit waren die Hauptgründe für die Entscheidung, Greenkeeper zu werden.
• Als wichtigste Voraussetzungen für diesen Beruf wurden keine technischen Kenntnisse genannt, sondern auf die soziale Kompetenz hingewiesen:
    • Verantwortungsbewusstsein
    • Zuverlässigkeit
    • Teamfähigkeit

Kapitalanlage Maschinenpark


Im Golfmanagement gilt die Aussage, dass zirka 50 Prozent des gesamten Jahresbudgets in die Golfplatzpflege fließen. Ein Head-Greenkeeper, als Abteilungsleiter, verfügt dann schon mal über 500.000 oder gar 1.000.000 Euro Jahresbudget, je nach Größe und Anspruch der Golfanlage.

Für einen 18-Loch-Golfplatz schwanken die Zahlen der Mitarbeiter in der Golfplatzpflege sehr. Es gibt 18-Loch-Golfanlagen, bei denen das Greenkeeper-Team aus zwei bis drei oder auch aus vier bis acht Mitarbeitern besteht.

Die Rasenpflege zählt zu den primären Aufgaben der Greenkeeper. Mit herkömmlichen Rasenmähern für den Privatgarten kann ein Golfplatz nicht wirtschaftlich gepflegt werden. Spindelmäher für die Spielbahnen, auch Fairways genannt, verfügen inzwischen über bis zu sieben Mähwerke. Je nach Größe und Ausstattung kann ein solcher Fairway-Mäher mit GPS und klimatisierter Fahrerkabine schon mal 80.000 Euro und mehr kosten. Handmäher für die Grüns kosten bis zu 10.000 Euro. Bunkermaschinen für die Pflege der Sandhindernisse sowie Geräte für die Belüftung des Bodens gehören ebenfalls in den umfangreichen Maschinenpark einer Golfanlage.

Berufliche Perspektiven

Die beruflichen Perspektiven im Greenkeeping sind gut. Während Mitte der 90er-Jahre auf jeder Golfanlage lediglich nur eine ausgebildete Fachkraft für die Golfplatzpflege arbeitete, sind inzwischen auf einer 18-Loch-Golfanlage schon zwei bis drei Fachagrarwirte tätig. In den nächsten zehn Jahren fehlen zirka 400 ausgebildete Head-Greenkeeper auf deutschen Golfanlagen. Dies hat mehrere Gründe:
• Immer mehr Golfanlagen erkennen die Wichtigkeit gut ausgebildeter Greenkeeper. Unter den Aspekten Kostendruck, High-Tech und Effizienz spielt ein professionelles Greenkeeping eine immer wichtigere Rolle.
• Viele Landwirte, die vor gut 20 Jahren Greenkeeper auf ihrer eigenen „Scholle“ wurden, gehen in den nächsten Jahren in Pension.
• Große Fußballvereine und Kommunen werben gute Head-Greenkeeper von Golfplätzen für die Pflege ihrer Sportanlagen ab.

Die letzte Frage der Greenkeeper-Umfrage lautete: Können Sie jungen Menschen mit gutem Gewissen raten, Greenkeeper zu werden? Von den befragten Head-Greenkeepern sagten 8 Prozent NEIN, aber 76 Prozent ein klares JA! – Welcher Berufstand hat schon derart gute Werte?

Erschienen in Rotary Magazin 4/2012

Johann Detlev Niemann
Johann Detlev Niemann arbeitet seit über 20 Jahren im Golfbereich, u.a. als Fachautor oder Seminarleiter für Golflehrer, Golfmanager und (Head-)Greenkeeper. 1994 Gründungsmitglied Golf Management Verband Deutschland (GMVD).

Rotary Magazin 12/2016

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