Gotha - Ursaurierforschung durch Ausgrabungen am Bromacker

Seymouria in doppelter Ausführung wurden bekannt als „Tambacher Liebespaar“ © Privat

14.02.2011

Gotha

Ursaurierforschung durch Ausgrabungen am Bromacker

Rolf Fink

Unweit der alten Residenzstadt Gotha im schönen Thüringer Land liegt der Bromacker bei Tambach-Dietharz, ein von Paläontologen hochgeschätztes Ausgrabungsfeld für Ursaurier. Dort fahnden Wissenschaftler unter Leitung von Thomas Martens vom Naturkundemuseum Gotha mit Hammer und Meißel seit 1993 nach Lebensspuren aus dem Unteren Perm, einem Zeitraum vor etwa 300 Millionen Jahren. Seit Jahren erfolgen diese Grabungen durch ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung von Saurierforschern aus den USA, der Slowakei und aus Deutschland.

Der RC Gotha unterstützt ebenfalls seit mehreren Jahren durch finanzielle Zuwendungen die wissenschaftliche Arbeit der Paläontologen, die während ihrer allsommerlichen Ausgrabungen am Bromacker schon traditionell in internationaler Besetzung an einem Clubmeeting teilnehmen und dabei über ihre aktuellen Forschungsergebnisse berichten. Es wurden bereits zahlreiche bislang unbekannte Arten von Ursauriern entdeckt. Trotzdem lassen die Funde noch keine ausreichenden und erschöpfenden Aussagen über die Zusammensetzung der ursprünglichen Lebensgemeinschaft der Ursaurier zu. Bislang konnte nur ein Teil der Fauna nachgewiesen werden.

Als sensationell galt der Fund von zwei fast aneinandergeschmiegten Ursaurierskeletten, die in Anlehnung an das berühmte im Gothaer Schloss befindliche Gemälde „Gothaer Liebespaar“ als „Tambacher Liebespaar“ bezeichnet wurden und die im Gothaer Naturkundemuseum bewundert werden können. Die Klassifizierung der meist nur bruchstückhaft auffindbaren Skelettreste ist naturgemäß sehr schwierig und erst in Zusammenarbeit mit dem Carnegie Museum in Pittsburgh möglich geworden, wohin die aufgefundenen Fossilien zur weiteren Bearbeitung verschickt werden.

Inzwischen gibt es auch öffentliche Schaugrabungen. Allein in diesem Jahr wurden dabei über 500 Besucher gezählt. Manches Kind mag wohl enttäuscht sein über die bescheidene Größe der „Dinos“, doch die Forscher und Grabungshelfer klären geduldig auf über die Vorfahren der großen Echsen.

Für den RC Gotha bedeutet die Förderung der Ursaurierforschung als ein Projekt vor der eigenen Haustür mehr als nur eine finanzielle Unterstützung einer wissenschaftlichen Forschungsarbeit. Hier wird dem Motto des RI-Präsidenten „Bridging Continetns“ sprichwörtlich Leben verliehen mit dem freundschaftlichen Brückenschlag nach Amerika und in ein europäisches Nachbarland.Beim letzten Treffen der Grabungsteilnehmer mit dem RC Gotha wurde dem Club für die Unterstützung gedankt und den Mitgliedern ein Foto einer neuen Ursaurierart überreicht, die den Namen „Rotaryus gothae“ tragen wird. Eine Publikation ist in Vorbereitung. Die Fossilienfundstätte Bromacker hat nach Aussage der Paläontologen aus den USA und nach Meinung von Wissenschaftlern der Universität Jena hohe internationale Bedeutung erlangt. Es gibt Überlegungen, die Anerkennung der Fundstätte als Weltkulturerbe zu beantragen.

Erschienen in Rotary Magazin 2/2011

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