Standpunkt - Wie Rotary seinen Führungsnachwuchs rekrutiert

Nur eine von vielen Ämterübergaben, die zu Beginn des neuen rotarischen Jahres zahlreich stattfinden. © Heinrich Marchetti/ Rotary Verlag

15.07.2013

Standpunkt 

Wie Rotary seinen Führungsnachwuchs rekrutiert

Peter Krön

Wie wird man was in Rotary? Genau das habe ich mich auch gefragt, als mich, bald nach meinem Governorjahr 1995, ein unscheinbarer Brief erreichte – ich hab’ ihn zwischen der vielen Post fast übersehen –, in dem ich gefragt wurde, ob ich bereit wäre, als Training Leader der International Assembly 1996 in Anaheim, CA. „zu dienen“, bei der die incoming Governors eine Woche lang auf ihr Amt vorbereitet werden.

Ich weiß bis heute nicht, wer mich damals „empfohlen“ hat, ahnte aber vor allem nicht, was mir seither noch alles in Rotary bevorstehen würde. Von vielen Ämtern, die mir später übertragen wurden, wusste ich nicht einmal, dass es sie gibt. Und – mit Ausnahme zum RI-Präsidenten – kann man sich um kein Amt bewerben.

Also: wie wird man was in Rotary? Gegenfrage: Wie wird man Rotarier und Rotarierin? Man hat einen rotarischen Bekannten, wird eingeladen – wenn man Glück hat, ein wenig über Rotary informiert – hält einen Vortrag. Und, wenn die Reputation und die Klassifikation stimmen – in einem Club sollten sich die verschiedenen Berufe des Gemeinwesens widerspiegeln –, wird geschaut, ob der oder die Neue zum Club passt – und dann wird abgestimmt.

So ähnlich geht dies auch mit den rotarischen Ämtern: Empfehlungen werden eingeholt, die bisherigen Amtsführungen berücksichtigt und, immer entscheidend, die Rotary Clubs. Ohne Clubs, die wichtigsten Träger von Rotary, geht gar nichts. Alles, was in Rotary geleistet wird, geschieht durch seine Clubs. Man kann nichts befehlen, nichts anordnen, nichts kommandieren, sondern „nur“ informieren, erklären, motivieren, ersuchen.

Und „das erste Ziel von Rotary International ist es: die Clubs und Dis­trikte von RI bei ihren Programmen und Aktivitäten zur Förderung des Zieles von Rotary zu unterstützen“. Das ist Aufgabe der rotarischen Amtsträger und so beginnt auch jede Rotary-Karriere in den Clubs.

Ohne Clubpräsident gewesen zu sein und eine zumindest siebenjährige Rotary-Mitgliedschaft kann niemand zum Governor vorgeschlagen werden. Ohne Governor gewesen zu sein, kann man nicht Direktor werden. Und eine Voraussetzung für das RI-Präsidentenamt ist die zweijährige Tätigkeit als Direktor.

Zunächst: wie wird man Club-Präsident? Da gibt es viele Modelle, die die Clubs selbst festlegen. Eine bewährte Möglichkeit aus Salzburg: Alle Past-Präsidenten des Clubs kommen rechtzeitig vor der Mitgliederversammlung zu einer Open-End-Sitzung zusammen, besprechen die Situation im Club und schlagen Kandidaten vor, über deren Qualifikation diskutiert wird. Danach wird intern abgestimmt und gereiht. Dem Club wird bei der Mitgliederversammlung der bestgereihte Kandidat, der die Wahl auch annimmt, vorgestellt und es folgt die Abstimmung im Plenum.

Zur Bestellung von RI-Funktionären, also in die „hierarchischen“ Ämter, gibt es sehr genaue und detaillierte Vorschriften im Verfahrenshandbuch (Manual of Procedure): RI-Satzung (Bylaws), Artikel 11, 12 und 13.

Zu den 537 Governors: Der Governor holt Vorschläge von den Clubs ein. Ein von den Clubs bei der Distriktkonferenz gewählter Nominierungsausschuss wählt einen der Vorgeschlagenen aus. Die Clubs haben aber die Möglichkeit, aus dem Kreis der anderen Vorgeschlagenen Gegenkandidaten zu nominieren. Dann wird wieder von allen Clubs des Distriktes über den Governor nominee abgestimmt.

Zur Nominierung der 17 RI-Direktoren ist die Rotary-Welt in 34 Zonen eingeteilt (ca. je 40.000 Rotarier pro Zone). Jeweils die Clubs der geraden oder der ungeraden Zonen schlagen Past-Governors vor, die wieder durch einen von den Clubs der Distrikte in der Zone gewählten Ausschuss von Past-Governors beurteilt werden. Der Auftrag lautet, den oder die Bestgeeigneten zu nominieren.

Auch hier haben die Clubs die Möglichkeit, aus dem Kreis der von ihnen Nominierten Gegenkandidaten aufzustellen, über die dann alle Clubs einer Zone abstimmen.

Was die Nominierung von RI-Präsidenten betrifft, so fragt der Generalsekretär alle Past-Direktoren, ob sie sich für dieses höchste Amt in Rotary bewerben wollen. Ein Ausschuss von 17 Past-Direktoren aus den jährlich wechselnden geraden oder ungeraden Zonen nominiert dann den RI-Präsidenten. Ein Prozent der Clubs kann aus den übrigen Bewerbern einen Gegenkandidaten vorschlagen.

Abgestimmt wird dann bei der jährlichen RI Convention, wobei alle Arten von Wahlkampf, Wahlwerbung und Kampagnen absolut verboten sind und mit der Ungültigkeit der Wahl und dem Verbot für die Annahme weiterer Ämter in Rotary streng geahndet werden. Aber neben diesen „Hierarchien“ hat der RI-Präsident jährlich an die 2000 Funktionen zu besetzen. (Ich hab’ sie nicht gezählt). Zumeist Past-Governors und Past-Direktoren, aber auch Past-RI-Präsidenten werden eingeladen und beurteilt nach den Leistungen in vorangegangenen Ämtern. Der Präsident nominee bittet den engsten Führungskreis von RI um Empfehlungen und Vorschläge für die verschiedenen Gremien: 26 RI- und 19 Foundation-Komitees, die dem RI Board beziehungsweise den TRF Trustees zuarbeiten; Resource Groups, Task Forces und Koordinatoren für verschiedene Schwerpunktbereiche, die den Distrikten und Clubs zu Seite stehen sollen; Fellowships und Action Groups; die 40 RI Training Leaders; die jährlich 537 Repräsentanten des RI-Präsidenten bei den Distriktkonferenzen; die Rotary-Vertreter bei den Vereinten Nationen in New York, Genf und Wien mit WHO, UNICEF und den vielen weiteren Unterorganisationen, bei der Afrikanischen Union, beim Europarat, der Weltbank?…

Aber, wie gesagt, alles beginnt in den Clubs und wird letztlich auch von den Clubs entschieden, weil man anders nicht in die Ämter kommt, die wieder Voraussetzung für die weiteren Funktionen sind.

Schon in den Clubs sollten Führungskräfte aufgebaut werden – ein großer Nachholbedarf besteht bei den Frauen –, und bei der Ämtervergabe müsste besonderer Wert auf jüngere Mitglieder gelegt werden, damit sich in der Folge auch die rotarische Führungsgarnitur verjüngen kann.

Erschienen in Rotary Magazin 7/2013

Peter Krön
Peter Krön (RC Salzburg) ist seit 1963 Rotarier und hatte seitdem
diverse rotarische Ämtern inne. Unter anderem war er von 2001 bis
2003 RI-Direktor und Mitglied im Executive Committee. Zurzeit ist
er im Nominating Committee for RI President 2015/16. Peter Krön
wurde u. a. mit dem Service Above Self Award ausgezeichnet.

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