Entwicklung - Afrika – ein Kontinent im Aufbruch

Blick auf den Wirtschafts-Distrikt in Johannesburg (Südafrika). © Wikimedia Commons

06.11.2013

Entwicklung 

Afrika – ein Kontinent im Aufbruch

Dürren, Kriege, Hungersnöte, Korruption: Die öffentliche Wahrnehmung in Deutschland verbindet mit dem afrikanischen Kontinent zumeist Katastrophen und monetäre sowie humanitäre Hilfeleistungen. Doch ist dies in Anbetracht wachsender Märkte und boomender Regionen wirklich noch zeitgemäß? Ein Beitrag von Betina Lavender versucht, sich dieser Thematik anzunehmen.

Die Zahlen der Weltbank sprechen für sich: Ein geschätztes Wirtschaftswachstum von 5,8% für Kenia, 7% für Tansania und 7,6% für Ruanda (IWF World Economic Outlook 2013) zeichnen Ostafrika als Boom Region aus. Das Durchschnittsalter in den drei Ländern liegt bei knapp 19 Jahren für Kenia und Ruanda sowie 17 Jahren in Tansania – europäische  Schreckgespenster demographischer Entwicklung sind hier gänzlich unbekannt.

 In vielen Ländern Afrikas entsteht mittlerweile eine Mittelschicht, junge gut ausgebildete Afrikaner fordern selbstbewusst Verhandlungsführung auf Augenhöhe mit den europäischen Partnern.

Erdöl, Erdgas, Gold, Diamanten, mineralische Rohstoffe – die Liste der natürlichen Ressourcen ist umfangreich; 20% des weltweiten Uranvorkommens befinden sich auf dem Kontinent, Angola ist inzwischen größter Rohöl Lieferant Chinas, noch vor Saudi Arabien.

Hohes Wirtschaftswachstum

Die Gesellschaft zur Außenwirtschaftsförderung der Bundesrepublik Deutschland, Germany Trade & Invest, verzeichnet ein starkes Wachstum des Marktpotenzials der deutschen Kompetenzbranchen Maschinenbau und Automobil in Ghana, das nach einem Wirtschaftswachstum von 14 Prozent 2011  im zweiten Jahr in Folge 2013 ein BIP Wachstum von über sieben Prozent erwartet. Ghana, einer der afrikanischen Löwenstaaten, ist geprägt durch eine gute Sicherheitslage, politische Stabilität und Berechenbarkeit und könnte für die deutsche Industrie außerdem in den Bereichen Energie, Bergbau, Medizintechnik, Bauwirtschaft, Chemie und Elektrotechnik positive Impulse geben.

Made in Germany wird auf dem afrikanischen Kontinent wahrgenommen als Symbol für Qualität, Zuverlässigkeit und Stärke. Das eher moderate deutsche koloniale Engagement gilt als weiterer Vorteil.

Der Beauftragte des Auswärtigen Amtes für Subsahara und Sahel, Egon Kochanke, sagte: „In Afrika wird bald eine Milliarde Menschen leben. Es bestehen hervorragende Chancen, Afrika als Exportmarkt zu bedienen.“

Doch noch scheinen viele deutsche Unternehmer den Weg nach Afrika eher zögerlich gehen zu wollen. Zu groß erscheinen Risiken bezüglich Sicherheit, politischer Stabilität, Ausbildungslage, Mentalität und Korruption. Jedoch lohnt sich auch hier ein genauer Blick: Die Organisation Transparency International hat in ihrem Corruption Perception Index 2012 dargestellt, dass 34 afrikanische Länder besser platziert sind als Russland, u. a. Ruanda auf Platz 50, Ghana auf Platz 64. Russland liegt auf Rang 133 von jeweils 174.

Vergleicht man die Zahlen weltweiter Exporte nach Afrika, fällt unschwer die Dominanz Chinas insbesondere in den rohstoffreichen Regionen auf. Doch auch hier scheint sich ein Wandel zu vollziehen: Ernüchtert durch eklatante Qualitätsmängel bspw. im Bereich Infrastruktur und Bau vergeben viele afrikanische Regierungen aktuelle Projekte nun vermehrt an deutsche Unternehmen, die für den Moment höhere Preise als die chinesischen Mitbewerber anbieten, jedoch Qualität und Nachhaltigkeit garantieren.

Interkulturelle Kompetenz gefragt

Es bleibt sicherlich unbestritten, dass es auf dem afrikanischen Kontinent zahlreiche Länder und Regionen gibt, die weiterhin westlicher Hilfe und Unterstützung bedürfen. Doch Afrika befindet sich im Wandel und viele seiner Länder fühlen selbstbewusst die begehrlichen Blicke der Welt auf sich gerichtet. Auch die deutsche Politik sollte sich den neuen Realitäten gegenüber nicht verschließen und deutschen Unternehmen den Weg nach Afrika ebnen. Hier sind viel Fingerspitzengefühl und interkulturelle Kompetenz gefragt, denn es wird bei den afrikanischen Partnern  genau registriert, welcher Hierarchieebene Politiker und Wirtschaftsvertreter angehören, die mit ihren Delegationen zu Verhandlungen zusammentreffen.

Die Erschließung neuer Märkte in Afrika ist bereits in vollem Gange. Für deutsche Unternehmen bieten sich hier ungeahnte Chancen und Potenziale. Ein weiterer afrikanischer Löwenstaat, Nigeria –  Deutschlands zweitgrößter Absatzmarkt auf dem Kontinent nach Südafrika  –  wird bis 2025 Südafrika als größte Volkswirtschaft abgelöst haben. Die Exportchancen deutscher Unternehmen finden sich hier im Konsumgüterbereich, im Energiesektor, bei der Infrastruktur, im Bausektor sowie im landwirtschaftlichen Bereich.

Es bleibt zu hoffen, dass sich mediale Darstellung sowie öffentliche Wahrnehmung Afrikas in Deutschland  der sich rapide entwickelnden realen Situation anpassen und deutsche Politiker sowie Wirtschaftsführer sich der großen Herausforderung stellen, die ihnen dieser facettenreiche Kontinent bietet.

  • Zur Autorin: Betina Lavender arbeitet seit 15 Jahren als Trainer und Coach, unter anderem mit namhaften Firmen und Organisationen. Sie ist zertifizierter Coach (FU Hamburg ) sowie zertifizierter Interkultureller Trainer / Coach (Friedrich-Schiller-Universität Jena) mit den Schwerpunkten USA, China und UAE. Bettina Lavnder ist Rotarioerin seit 2012 und Mitglied im Rotary Club Eisenberg-Leiningerland. Betina Lavender bietet auch im Rahmen der Trainings des  Afrika Verein der deutschen Wirtschaft Coachings an. Der Verein unterstützt deutsche Unternehmen bei der Ansiedlung in afrikanischen Staaten durch ein ausgedehntes Netzwerk, gezielte  Beratung, Delegationsreisen, Messen etc. Der Verein sieht sich als Bindeglied zwischen afrikanischen Regierungs- und Wirtschaftsvertretern und deutschen Unternehmern und bemüht sich weiterhin um ein der Realität angepasstes Afrika-Bild.

Erschienen in Rotary Magazin

Rotary Magazin 9/2016

Rotary Magazin Heft 9/2016

Titelthema

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Die deutsche Sozialdemokratie steckt in der Krise. Der Zuspruch sinkt, die Partei liegt bundesweit bei 20 Prozent. Woran liegt das? Welche Fehler wurden in den letzten Jahren gemacht? Und mit Blick auf…

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