Die Mobilitäts-Philosophie von Europas größtem Autobauer - Effizient, emissionsarm und emotionalFotostrecke: Neuheiten bei der IAA 2013 in Frankfurt

Als Mittel gegen die Absatzkrise in Europa setzen die einheimischen Fahrzeughersteller bisher vor allem auf klassische Rezepte: ständige Verbesserung der technischen Eigenschaften zu möglichst vertretbaren Preisen. © Volkswagen AG

15.09.2013

Die Mobilitäts-Philosophie von Europas größtem Autobauer 

Effizient, emissionsarm und emotional

Martin Winterkorn

VW-Chef Martin Winterkorn erklärt, welche Antworten sein Haus auf die gegenwärtige Absatzkrise hat.

Wenn es in diesen Tagen um die Zukunft der Automobilindustrie geht, steht meist die Absatzkrise in Europa mit ihren tiefgreifenden Auswirkungen im Fokus. Das treibt natürlich auch uns bei Volkswagen um. Allerdings dürfen wir dabei die langfristigen, grundsätzlichen Fragen unserer Branche nicht aus dem Blick verlieren: Wie können wir Verbrauch und Emissionen minimieren – und zwar zu vertretbaren Kosten? Wie können wir regenerative Energie aus Sonne, Wind- und Wasserkraft in unseren Fahrzeugen und Fabriken noch stärker nutzen? Und wie kann individuelle Mobilität in Megacities wie Peking, São Paulo oder Tokio langfristig gestaltet werden?

Der Anspruch von Europas größtem Autobauer ist dabei klar definiert: Volkswagen muss für seine Kunden überall auf der Welt individuelle Mobilität sicherstellen – umweltfreundlich, effizient und bezahlbar. Als Leitplanken dienen uns die ehrgeizigen Umweltziele, die sich der Volkswagen Konzern gesetzt hat: Jede neue Fahrzeuggeneration soll im Schnitt um 10 bis 15 Prozent effizienter werden. Den CO2-Ausstoß unserer europäischen Neuwagen-Flotte werden wir bis 2020 auf 95 Gramm/km senken. Und parallel dazu sollen unsere über 100 Produktionsstandorte weltweit um 25 Prozent umweltfreundlicher werden. Manche sprechen im Zusammenhang mit der Mobilität der Zukunft von der „Neuerfindung des Autos“. Ich bin überzeugt: Der Durchbruch wird nicht allein durch neue, spektakuläre Technologien gelingen. Der Weg führt auch über die stetige Optimierung des Vorhandenen – also über „Evolution statt Revolution“. Deshalb setzen wir bei Volkswagen weiterhin auf immer effizientere Verbrennungsmotoren, auf den Erdgasantrieb und Leichtbau.

Gleichzeitig treiben wir die Entwicklung alternativer Antriebe mit großem Engagement voran – von Hybriden über den reinen Elektroantrieb bis hin zur Brennstoffzelle. Diese differenzierte Fächerstrategie ist der Schlüssel, um auch in Zukunft für jeden Kundenwunsch und jeden Bedarf weltweit die passende Antriebslösung bieten zu können.

DER „GRÜNE“ ALLROUNDER

 

Die erste Wahl in Sachen alternative Antriebe ist kurz- und mittelfristig ein Konzept, das viele noch gar nicht kennen – der Plug-in-Hybrid. Er verbindet die Vorteile des Elektroantriebs mit denen eines effizienten Verbrennungsmotors. So sind rein elektrisch bis zu 50 Kilometer emissionsloses Fahren in der Stadt möglich. Wenn die Batterie leer ist oder lange Strecken zurückgelegt werden, übernimmt der Verbrennungsmotor. Er erzeugt zudem über einen Generator neuen Strom für die Batterie, die aber auch an der heimischen Steckdose aufgeladen werden kann. Das Resultat: größtmögliche Flexibilität, Alltagstauglichkeit und Umweltverträglichkeit.

Mit dem Porsche Panamera ist unser erster Plug-in-Hybrid bereits in Serie gegangen, weitere Konzernmarken werden schon in Kürze folgen. Dem batteriebetriebenen Elektroauto gehört die Zukunft in den urbanen Ballungszentren. Hier kann es seine Stärken voll ausspielen: Es fährt lokal ohne Emissionen und bietet eine optimale Klimabilanz – immer vorausgesetzt, die Batterie wird mit Ökostrom geladen. Mit e-up! und e-Golf gehen die ersten rein elektrischen Volkswagen in Kürze an den Start. Die Energie kommt dabei aus einer Lithium- Ionen-Batterie, die innerhalb von 30 Minuten auf 80 Prozent ihrer Kapazität aufgeladen werden kann und Reichweiten bis zu 180 Kilometern ermöglicht. Man kann heute nur spekulieren, ob der reine Elektroantrieb perspektivisch das Zeug zu mehr hat. Reichweite und Batteriepreis bleiben auf absehbare Zeit die Achillesferse dieser Technologie. Echte Effizienzsprünge sind hier erst auf Grundlage neuer technologischer Ansätze zu erwarten – und die befinden sich erst in der Grundlagenforschung.

VERBRENNUNGSMOTOR

In Sachen Langstreckenmobilität führt mittelfristig kein Weg am klassischen Verbrennungsmotor vorbei. Aufgrund eines reduzierten Gewichts, verbrauchsarmer Motoren und Dank neuester serienmäßiger Effizienz-Technologien wie Start-Stopp und Rekuperation haben sich Fahrzeuge wie der Golf BlueMotion zu echten Drei-Liter-Autos mit CO2-Emissionen von gerade einmal 85 Gramm/km entwickelt. Solche Verbrauchswerte waren noch vor wenigen Jahren utopisch. Sie zeigen aber, wie groß das Potenzial des Verbrennungsmotors ist: Seit dem Jahr 2000 haben wir den Verbrauch unserer TDIund TSI-Motoren um mehr als 30 Prozent gesenkt. Heute bieten wir konzernweit bereits über 245 Modellvarianten mit weniger als 120 Gramm CO2/km an, davon 36 Modelle unter 100 Gramm. Und bis 2020 können unsere Ingenieure beim Verbrennungsmotor weitere Effizienzsteigerungen von rund 15 Prozent erzielen.

Eine wichtige und oft unterschätzte Alternative zum klassischen Verbrenner ist der Erdgas-Antrieb. Sein Potenzial ist enorm, gerade im Vergleich zum Benziner: bis zu 25 Prozent weniger CO2-Emissionen, ein Preisvorteil an der Tankstelle von rund 50 Prozent und eine Reichweite von mehr als 1.300 Kilometern. Vor allem aber ist diese Technologie ausgereift und die Fahrzeuge schon heute am Markt. Egal ob mit Plug-in-Hybrid, reinem Elektroantrieb oder mit Verbrennungsmotor – das Auto der Zukunft darf und wird kein Verzichtauto sein. Es wird die Menschen unverändert faszinieren: mit umweltfreundlicher, alltagstauglicher Spitzentechnik, mit emotionalem Design und nicht zuletzt mit Fahreigenschaften, die einfach Spaß machen. Denn nur so werden die Kunden die neuen Technologien auch akzeptieren und bereit sein, dafür einen angemessenen Preis zu zahlen.

NACHHALTIGE MOBILITÄT

Wer ein so breites Spektrum neuer, effizienter Technologien auf die Straße bringen will, benötigt ein ausgereiftes technisches System, um Komplexität und Kosten im Griff zu behalten. Deshalb setzen wir im Volkswagen-Konzern auf die Baukastenstrategie. Indem wir unsere Modulbaukästen über alle Baureihen und Marken hinweg einsetzen, erzielen wir nicht nur hohe Skaleneffekte. Durch die einheitliche Fahrzeug-Architektur können wir zudem alle Antriebsarten – vom Gasantrieb über den Elektromotor bis zum Plug-in-Hybrid – auf einer wirtschaftlich sinnvollen Basis schnell und flexibel integrieren. Hinter dieser Baukastenstrategie steht der wohl größte automobile „Think Tank“ der Welt – mit über 40.000 Forschern und Entwicklern. Diese Innovationskraft sowie jährlich über acht Mrd. Euro investieren wir in die Erforschung und Entwicklung der nachhaltigen Mobilität. Zusätzlich fließt ein Großteil unserer Gesamtinvestitionen bis 2015 von 50,2 Mrd. Euro in neue, effiziente Fahrzeuge, Antriebe und Technologien.

Damit aus Investitionen marktfähige Produkte werden, brauchen wir aber auch den Rückhalt eines starken Wissenschafts- und Industriestandorts. Und den haben wir in Deutschland. Mit exzellenten Hochschulen und renommierten Forschungsinstituten wie Fraunhofer, Max Planck oder der Helmholtz Gemeinschaft, die sich mit Unternehmen zu leistungsfähigen Clustern verbinden. Und mit dem System der dualen Berufsausbildung und » Egal ob mit Plug-in-Hybrid, reinem Elektroantrieb oder mit Verbrennungsmotor – das Auto der Zukunft darf und wird kein Verzichtauto sein « hochqualifizierten Facharbeitern, die der Schlüssel für Qualität und Wettbewerbsfähigkeit sind. Ein Beispiel dafür, wie groß die Innovationskraft durch die Zusammenarbeit von Industrie und Forschung ist, ist der Volkswagen XL1. Dieser wiegt nur knapp 795 kg, weil die Karosserie und das Gros der Komponenten aus extrem leichten Kohlenstofffasern bestehen. Angetrieben wird der XL1 mit einem hocheffizienten Plug-in-Hybrid, der lediglich 0,83 Liter Diesel verbraucht und 21 Gramm/km CO2 emittiert. Sicher: Der XL1 ist ein technologisches Leuchtturmprojekt. Aber solche Projekte brauchen wir. Denn die Erkenntnisse, die wir hier gewinnen, fließen längst auch in die Serienautos ein – und kommen damit allen zu Gute. So tragen wir unseren Teil dazu bei, dass die nachhaltige Mobilität auch künftig in Deutschland erforscht, entwickelt und gefertigt wird.

Erschienen in Rotary Magazin 9/2013

Martin  Winterkorn

Prof. Dr. Martin Winterkorn (RC Ingolstadt) ist Vorsitzender des Vorstands der Volkswagen AG.

www.volkswagen.de

Rotary Magazin 12/2016

Rotary Magazin Heft 12/2016

Titelthema

Aufstand gegen die Globalisierung

Die Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der USA kann schon jetzt als historisch gelten. Im Rotary Magazin werden die Ursachen der Entscheidung hinterfragt – und was der Ausgang der US-Präsidentenwahl…

Newsletter abonnieren



load   ...lade Newsletter Formular

Messekalender

Fast zwei Drittel aller global bedeutenden Messen finden in Deutschland und Österreich statt. Unser Messekalender bietet Ihnen eine Übersicht der wichtigsten Veranstaltungen dieses Jahres – sowie rotarische Messetische.

Weitere Experten
aus der Rubrik Wirtschaft

Hartmut Otto Häcker Jürgen van der List Can Özren Thomas A. Seidel Stefan Arend Johannes Teyssen

Was ist Rotary?

Lokal verankert -
global vernetzt

Rotary International ist die älteste Serviceclub-Organisation der Welt. Seit der Gründung des ersten Clubs durch vier Freunde vor 105 Jahren hat sich Rotary zu einem weltumspannenden Netzwerk entwickelt.

Clubsuche

Finden Sie den Club in Ihrer Nähe

Kontakt

Treten Sie mit uns in Kontakt

Anschrift:
Rotary Verlags GmbH
Raboisen 30
20095 Hamburg

Telefon: +49 40 34 99 97 0
Telefax: +49 40 34 99 97 17

Termine

Rotary-Meetings, Festspiele und Messen

...wird geladen