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Rotary Aktuell

Hoffnung für eine bessere Zukunft

Rotary Aktuell - Hoffnung für eine bessere Zukunft
Die Lehrkräfte der Schule sind zumeist selbst syrische Flüchtlinge mit entsprechenden Lehrqualifikationen. Sie unterrichten in Arabisch und Englisch. © privat

Mit einem Gesamtprojektvolumen von rund 2,3 Millionen US-Dollar ist das „Projekt Hoffnung“ in der Bekaa-Ebene im Libanon das aktuell größte Hilfsprojekt deutscher Rotarier. Die Federführung hat der RC Bad Homburg v.d.H.

01.02.2019

Seit acht Jahren dauert der Bürgerkrieg in Syrien an. Mehr als sechs Millionen Syrer sind aus ihren Heimatorten ins Ausland, insbesondere in die Nachbarländer, geflohen. Eines der größten Aufnahmeländer ist hierbei der Libanon, der gegenwärtig rund 1,5 Millionen syrischer Flüchtlinge beherbergt. Etwa ein Drittel der syrischen Flüchtlinge lebt in der strukturschwachen Region der Bekaa-Ebene. Vorwiegend in Zeltdörfern und anderen Notunterkünften untergebracht, müssen in der Regel alle Familienmitglieder dazu beitragen, den Lebensunterhalt zu finanzieren.  Als Folge gehen Kinder seit Jahren nicht mehr zur Schule oder haben sogar überhaupt noch nie eine Schule besucht. Für einen eventuellen Wiederaufbau Syriens oder die Integration in die libanesische Gesellschaft  ist es aber unabdingbar, dass aus diesen Kindern keine verlorene Generation ohne Schulbildung wird, die geprägt ist durch Arbeitslosigkeit und Armut gefolgt von Kinderarbeit und frühen Eheschließungen.

Vor dem Hintergrund der Flüchtlingssituation in 2015 engagierte sich der RC Bad Homburg v.d.H. mit verschiedenen Aktivitäten in seiner Heimatstadt. Auf dieser Basis entstand schnell die Einsicht, dass nachhaltige Hilfe nur über die Bekämpfung von Fluchtursachen zu erreichen ist. Der Club verfügt in Person von Erhard Krause über langjährige und vielfältige Erfahrungen mit internationalen Projekten. Über einen Besuch im Libanon in der Bekaa-Ebene und seine detaillierten Recherchen zum dortigen Ausbildungssektor wuchs in Krause die Erkenntnis, dass gerade hier mit einem Schulprojekt die Zukunftsperspektiven von Kindern besonders zu verbessern seien. Die Idee für das „Projekt Hoffnung“ entstand.

Viele Hände helfen viel

„Für die Umsetzung eines solchen Projektvorhabens würde ein Budget erforderlich sein, das die Möglichkeiten eines Clubs weit übersteigt“, wusste Krause. Über die Zusammenarbeit mit dem Rotary Deutschland Gemeindienst e.V. (RDG) konnten weitere Fördermöglichkeiten ausgelotet werden. Als Resultat ergab sich, dass in diesem konkreten Fall eine Zuschussfinanzierung in Höhe von 90 Prozent des Gesamtprojektvolumens durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zu erzielen war. Aber selbst dieser finanzielle Hebel schien nicht auszureichen, sodass eine Kombination aus Global Grant und BMZ-Zuschuss für das Projektvorhaben gewählt wurde.

Das Gesamtfinanzierungskonzept des Schulbetriebs wurde mit 2,3 Millionen US-Dollar budgetiert und ist somit das größte humanitäre Hilfsprojekt deutscher Rotarier. Das den finanziellen Grundstock liefernde Global-Grant-Projekt umfasst dabei 230.000 US-Dollar. Beteiligt haben sich daran die Nachbarclubs Bad Homburg- Schloss, Bad Homburg-Kurpark, Kelkheim, Kronberg und Saalburg-Taunus. Als weitere Beteiligte kamen deutschlandweit die Rotary Clubs Münster-International, Osnabrück-Süd, Gauting-Würmtal und Schmalkalden sowie der österreichische Club Bregenzerwald und der Host Club Beirut Cedars hinzu. Der Länderausschuss Deutschland-Libanon unterstützte das Projekt ebenfalls mit einem finanziellen Betrag und brachte sich auch bei der Suche nach dem Host Club ein.

Für das Großprojekt erfährt Krause uneingeschränkte Rückendeckung über seinen Club, aus dessen Reihen sich auch das Projektteam zusammensetzt, das ihn seit der Planungsphase tatkräftig unterstützt.

Christoph Wolff, jetzt Past-Präsident des RC Bad Homburg v.d.H., engagierte sich persönlich gemeinsam mit Erhard Krause, insbesondere in der Schnittstelle zum BMZ in der Antragsphase. Über seine berufliche Vergangenheit bei einer internationalen Unternehmensberatung stellte er die Verbindung zu der NGO Basmeh & Zeitooneh (B&Z) als Projektpartner vor Ort her. B&Z war 2012 von syrischen Flüchtlingen selbst gegründet worden und verfügt über umfangreiche Erfahrungen in der Arbeit mit syrischen Flüchtlingen im Libanon. B&Z wird seit Jahren von der internationalen Unternehmensberatung im Rahmen der Pro-Bono- Arbeit operativ unterstützt und durch professionelle Aufsichtsgremien und Governancestrukturen gesteuert. Mit ihren „Community und Learning Centers“ hat die Organisation eine wichtige Betreuungsfunktion von Syrern im Libanon übernommen und betreibt unter anderem  eine Schule im Shatila-Flüchtlingslager in Beirut. So lag es nahe, B&Z als kooperierende Organisation mit den ausführenden Tätigkeiten vor Ort zu betrauen und das bereits bewährte Konzept für die neue Schule in Majdal Anjar in der Bekaa-Ebene zu übernehmen.

Allerdings musste zunächst gemäß den Anforderungen des BMZ und der B&Z das Projekt selbst über eine Machbarkeitsstudie eines renommierten lokalen Institutes auf Herz und Nieren überprüft werden, was durch Wolff koordiniert und betreut wurde.

Probelauf und Eröffnung

Im Sommer 2018 fand dann ein zweimonatiger Summerschool-Probebetrieb statt, um eventuelle Schwachstellen auszubessern. Zusätzlich wurde noch ein Transportsystem für die Schüler eingerichtet.

Seit Dezember können nun 700 Kinder und Jugendliche im Zweischichtbetrieb mit modernen Lehrmitteln, wie zum Beispiel Tablets, unterrichtet werden.  Die angestellten 30 Lehrkräfte sind zumeist selbst syrische Flüchtlinge mit entsprechenden Lehrqualifikationen. Der Unterricht findet in Englisch und Arabisch nach dem libanesischen Curriculum statt. Gleichzeitig gehen die Lehrer aber auch auf Kriegs- und Traumaerfahrungen der Schüler ein. Ziel ist es, Voraussetzungen für einen Übergang in das öffentliche Schulsystem zu schaffen.  Ein besonderes Augenmerk wird dabei auch auf die Förderung der Fähigkeiten von Mädchen gelegt, um sie in die Lage zu versetzen, selbst für ihren Unterhalt zu sorgen.

Das Projektteam schaut auf eine erfolgreiche Inbetriebnahme zurück. Bis 2021 ist der Betrieb der Schule finanziert. Für das Ausstiegsszenario sind zwei Möglichkeiten denkbar: Die beste Option wäre, wenn die Kinder und Jugendlichen mit ihren Familien in ihre Heimat zurückkehren könnten. Die zweite Alternative gründet darauf, dass 2014 von der libanesischen Regierung in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen die Initiative „Reaching all Children with Education in Lebanon“ (RACE) entwickelt wurde, die bis 2021 jedem schulpflichtigen Kind im Land, einschließlich der Flüchtlingskinder, einen Schulplatz sichern soll. Greift diese Initiative nicht wie geplant, wird B&Z für eine Anschlussfinanzierung sorgen.