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RC Braunschweig-Hanse

Berufsorientierung für Studienabbrecher

RC Braunschweig-Hanse - Berufsorientierung für Studienabbrecher
Zur Analyse werden zahlreiche Kriterien abgefragt - daraus entsteht ein Bild von der Persönlichkeit sowie der Interessen des Studenten © RC Braunschweig-Hanse (alle Grafiken)

Ein abgebrochenes Studium erleben Betroffene als persönliches Scheitern. Meistens stehen Studienabbrecher auch vor einer prekären wirtschaftlichen Situation – ohne berufsqualifizierenden Abschluss bleiben oft nur Gelegenheitsjobs und die langfristige Beschäftigungsperspektive ist unsicher. Hier will der RC Braunschweig-Hanse helfen.

Ralf Leineweber24.10.2017

Die Gründe für Studienabbrüche sind vielfältig und nicht immer liegt die Verantwortung nur bei den Studierenden selbst – mangelnde Finanzierbarkeit von Wohnung uns Lebensunterhalt, Schwangerschaft, körperliche oder psychische Erkrankung, pathologische Prüfungsangst, die letzte versiebte Mathe-Klausur oder Spiel- und Internetsucht sind neben der Wahl des falschen Studienfaches häufig berichtete Gründe für einen Abbruch. Hier persönlich und beruflich zu helfen ist eine ideale Aufgabe für den rotarischen Berufsdienst, geht es doch darum, Menschen beruflich voranzubringen, das Scheitern zu überwinden und die individuellen Ressourcen und Talente der Betroffenen für sie selbst aber auch für die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt nutzbar zu machen.

Im RC Braunschweig-Hanse verantwortet Andreas Frintrup den Berufsdienst und hilft gemeinsam mit rotarischen Freunden bei der Bewältigung der Abbruchsituation. In Zusammenarbeit mit dem Team des ESF-geförderten Projekts "Wegbereiter - Perspektiven trotz Studienabbruch" an der Technischen Universität Braunschweig werden Studierende in der Phase vor, während und nach dem Studienabbruch beraten. Die längsschnittliche Betreuung liegt bei den Projektmitarbeitern des Instituts für Sozialwissenschaften der TU Braunschweig, teilweise in Kooperation mit einer psycho-sozialen Beratungsstelle. Die rotarischen Freunde helfen „hands on“ durch Bereitstellung einer umfangreichen psychologischen Diagnostik zu Berufsprofiling und Berufsorientierung, der Überlassung von IT-Ressourcen zur Durchführung der psychologischen Tests und anschließende Beratungsgespräche sowie Kontaktanbahnung für weitergehende Berufserkundung, Praktika, Ausbildung und Beschäftigung.

Die psychologische Diagnostik erfasst ausschließlich berufs- und studienrelevante Interessen, Persönlichkeitsmerkmale, Fähigkeiten und Kenntnisse und stellt einen Abgleich der individuellen Ergebnisse mit allen in Deutschland relevanten Berufs- und Studienbereichen her. So wird eine ressourcenbasierte Beratung zu beruflichen oder studienseitigen Alternativen ermöglicht. Die Diagnose wird unter persönlicher Betreuung vor Ort an der TU durchgeführt, die Datenspeicherung erfolgt anonym. Die Ergebnisse (siehe nebenstehende  Beispiel-Auswertung zu beruflichen Interessen, Persönlichkeits- und Leistungsmerkmalen) liegen für die Gesprächsführung mit jeweils einem Teilnehmer, einem Vertreter des Projekts „Wegbereiter“ und ein bis zwei Rotariern bereit und ermöglichen einen intensiven Austausch und die Beratung zu berufliche oder studienmäßige Alternativen.

Wichtig ist, dass jeweils auf die Stärken der Person fokussiert statt auf den bereits bekannten Schwächen herumgeritten wird. Die teilnehmenden Abbrecher erleben die Gespräche nach eigenem Bekunden als handlungsorientierend, wertschätzend und ohne moralischen Fingerzeig. Das Gespräch mit lebenserfahreneren und beruflich gut vernetzten, aber persönlich nicht in die Abbruchsituation involvierten Rotariern wird als vorurteilsfreies Interesse an der eigenen Person wertgeschätzt und als persönlicher Rat angenommen.

Neben der allgemeinen Beratung in dieser schwierigen Lebenssituation helfen die rotarischen Freunde vom RC Braunschweig-Hanse auch bei der Anbahnung von Kontakten zu Unternehmen und Organisationen aus dem rotarischen Netzwerk, um den Gelderwerb durch unmittelbare Beschäftigung, eine intensive Berufserkundung durch Praktika und Expertengespräche oder die Begründung einer betrieblichen Ausbildung oder eines (dualen) Studiums zu ermöglichen. "Der Club ist gerne bereit, die Erfahrungen mit anderen Rotary Clubs zu teilen und regt zur Nachahmung an", so Andreas Frintrup.

Ralf Leineweber
Ralf Leineweber ist Jahrgang 1965 und Rotarier seit 2006. Er arbeitet derzeit als Journalist und Chefredakteur bei der Celleschen Zeitung, Die Funktion des Distriktreporters für den Distrikt 1800 nimmt er seit 2008 wahr, Club-Internet-Beauftragter ist er seit 2009.