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Aschersleben

Fünf Jahre Projekt "Sternenkinder"

Aschersleben - Fünf Jahre Projekt
Der gemeinsame Gang der Trauernden führt von der Kapelle über den Friedhof zum Gedenkstein. © Rotary Club Aschersleben (zwei Fotos)

Es ist ein Symbolort für Mütter, die ihr Kind nie bestatten konnten. Ein Projekt, das die Ascherslebener Rotarier seit fünf Jahren tatkräftig unterstützen. Und sie wollen weitermachen.

25.11.2020

Seit 2014 kümmern sich die leitende Hebamme Katrin Herrmann und Pfarrerin Anne Bremer um ein sehr sensibles Thema: Wenn das eigene Kind stirbt, noch bevor oder kurz nachdem es auf die Welt gekommen ist. Diese stillgeborenen Kinder nennt man auch Sternenkinder, die mit einem Gewicht von unter 500 Gramm bis zur 22. Schwangerschaftswoche nicht unter die Beerdigungspflicht fallen. Nach Schätzungen gibt es in Deutschland pro Jahr zehn bis 15 Prozent Stillgeborene. Der Gedanke dahinter ist, dass stillgeborene Kinder keine Beurkundung erfahren und der Verbleib in früheren Jahren ungeklärt war. Aber Eltern brauchen einen Ort zum Trauern, zum Abschied nehmen. Gemeinsam versuchten Herrmann und Bremer deshalb, in Aschersleben einen solchen Ort zu schaffen.

Recht auf Trauer

Eine große Rolle spielt zwischen der Geburt (danach erfolgt die "Aufbewahrung" in der Pathologie) und der Beisetzung die Symbolik. So wurde eine Kiste des Abschiedsnehmens entwickelt, Fotos werden gespeichert, jeder "kleine Mensch" wird "angezogen" und hat unter Umständen schon einen familieninternen Namen. Durch eine jährlich stattfindende Trauerfeier und Bestattung soll den betroffenen Familien und Paaren ein Recht auf Trauer mit einem würdigen Abschied und eine Stelle des Verarbeitens und Erinnerns gegeben werden. Wie wichtig dieser Ort des Abschiednehmens ist, wird jedes Jahr wieder deutlich, wenn die Organisatorinnen von Erlebnissen hören oder lesen, die andere Frauen gemacht haben.

Der Friedhof in Aschersleben ist auch Symbolort für Mütter, die ihr Kind nie bestatten konnten. Mütter, die heute Großmütter sind und immer noch leiden unter dem Verlust und des Fehlen eines Bestattungsortes.

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Der Friedhof in Aschersleben ist auch Symbolort für Mütter, die ihr Kind nie bestatten konnten.

Gemeinsames Abschiednehmen

In der letzten Oktoberwoche findet nun schon seit sechs Jahren solch ein Abschiednehmen statt. Der gemeinsame Gang der Trauernden führt von der Kapelle, in der ein kleiner weißer Sarg steht, über den Friedhof zum Gedenkstein. Dort steht geschrieben: “Erinnerungen sind kleine Sterne, die tröstend in das Dunkel unserer Trauer leuchten.“ "Kinder sind nicht gern allein" sind die Worte von Katrin Herrmann, und Anne Bremer betet am Grab das "Vaterunser", wobei die Beerdigung religionsfrei ist. Die Gestaltung der Trauerfeier und des würdevollen Ortes wird durch die Unterstützung verschiedener Förderer und Sponsoren ermöglich. Bereits im Jahre 2016 erkannte der Rotary Club Aschersleben die Bedeutung des Projektes und unterstützt es seitdem regelmäßig.

Vortragserlös für Projekt "Sternenkinder"

Im Oktober organisierte der Rotary Club einen öffentlichen Vortrag mit dem Titel „Herzrasen 2.0 – Mit Spenderherz zum Ironman“. Dabei berichtete Elmar Sprink über seine sportliche Karriere mit einem Spenderherz. 2010 erlitt der 39-jährige einen Herzstillstand. Es folgten zwei Jahre Krankenhaus, dann ein Spenderherz. In seinem bewegenden Vortrag schilderte er, wie schmal der Grat zwischen Leben und Tod sein kann und wie man aber mit Mut und Disziplin seine Ziele erreicht. Sprinks großes Anliegen ist es, die Menschen über das Thema Organspende zu informieren.  Coronabedingt, wenige Tage vor dem zweiten Lockdown, kamen zwar nur etwa 70 Gäste zur Veranstaltung. Umso erstaunlicher war die Spendensumme von 700 Euro, die zu gleichen Teilen dem Kinderherzzentrum Bad Oeynhausen und dem Projekt "Sternenkinder" zugute kamen.

Hebamme Katrin Herrmann ist dem Rotary Club Aschersleben für dessen regelmäßiges Engagement dankbar. Der Tag der Beerdigung der Sternenkinder ist trotz der beruflichen Vorbereitung mit dem Thema für sie immer noch eine schwere seelische Belastung. Aber die vielen Rückmeldungen, auch von Betroffenen, die diese Erfahrung vor vielen Jahren machten mussten und damals nicht in der Lage waren Abschied zu nehmen, bestärken alle Beteiligten, das Projekt weiter voranzutreiben. Letztendlich vereint alle drei Protagonisten der Wille, nicht aufzugeben und mit kleinen Schritten eine Sache voranzutreiben, ohne das große Ziel aus den Augen zu verlieren, das die Rotarier auch gern weiter unterstützen wollen.

Jens Schwarz