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Lviv/Ukraine

Hilfe, die ankommt

Lviv/Ukraine - Hilfe, die ankommt
Übergabe des Rettungswagens an Karina Dobrovoska, Hospital Novovorontsovsk - Region Cherson - mit Marc Völcker RC Kronberg-Victoria. © Marc Voelcker, RC Kronberg-Victoria

Persönlicher Erfahrungsbericht über Lviv-Hilfskonvoi

21.12.2023

Mitte Juli bin ich kurz entschlossen bei einem Konvoi nach Moldawien zum House of Hope mitgefahren. Es war meine erste Teilnahme an einem "Freunde helfen!"- Konvoi. Die Erzählungen von Kyrill, dem Pastor aus Odessa und Leiter des House of Hope, moldawischen Tablern vor Ort und den Hilfskonvoi-Profis von "Freunde helfen!" haben mich sehr beeindruckt und berührt. Mit nur ehrenamtlichem Engagement ein so großes Volumen an Hilfsgütern und direkter Hilfe zu stemmen, ist außergewöhnlich – und das fand ich klasse.

Kyrill sagte mir, dass humanitäre Ziele gezielt beschossen und dass Rettungswagen dringend an der Front in der Ukraine gebraucht werden. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland und erschüttert durch die gesehenen Nöte und Armut vor Ort – es ist immer noch Europa – habe ich mit Hilfe von Old Tablers 180 Kronberg und dem Rotary Club Kronberg-Victoria und dem Rotary Club Lviv-International das Projekt "Rettungswagen Kronberg" ins Leben gerufen.

Nach zehn Wochen Networking, über 100 individuellen Anschreiben von meinem Netzwerk und Vorträgen bei diversen Rotary Clubs, hatten wir das Geld für einen gebrauchten Rettungswagen zusammen. Jetzt galt es, einen geeigneten Wagen zu finden und sich von dem ordentlichen Zustand des Fahrzeugs zu überzeugen. In den Kleinanzeigen im Internet fanden wir ein Fahrzeug und durch das Tabler-Netzwerk konnte ein Sachverständiger sich vor Ort von der technischen Fitness des Wagens überzeugen. Unterstützt von Rotariern überführten wir das Fahrzeug von Ulm nach Kronberg und tauften es bei einem Rotary Clubabend auf den Namen "Victoria". Victoria kann vier Verletzte gleichzeitig liegend transportieren. Jetzt hieß es, alle bürokratischen Hurden zu überwinden, sogar TÜV und Zulassungsstelle waren zeitintensive Herausforderungen. Es ist schon ein besonders Gefühl, für ein paar Wochen Eigentümer eines Rettungswagens zu sein. Viele kleine und große Geld- und Sachspenden sorgten dafür, dass wir den Wagen unter anderem mit einem Defibrillator, Beatmungsgerät, Rollatoren, Verbandsmaterial und 35 Notarzt- und Notfallkoffern ausstatten konnten.

2023, d1820, hilfe, die ankommt,
Um 4.30 Uhr morgens waren wir mit allen Fahrzeugen einem Rettungswagen, Feuerwehrwagen und Begleitfahrzeug endlich hinter der Grenze und in der Ukraine (rechts: Christopher Jöhren, RC Lviv International) © Marc Voelcker, RC Kronberg-Victoria

Nach 30 Stunden Fahrt im Konvoi zusammen mit einen Feuerwehrwagen, Pritschenwagen und einem Begleitfahrzeug, inklusive sieben Stunden am Zoll, kamen wir in Lviv an. Die nächsten zwei Tage waren geprägt vom individuellen Begleitprogramm, das durch den Rotary Club Lviv International organisiert war. Start war die Fahrt zu "unserem" Hilfsgüterlager, vor dem auch die Übergabe des Rettungswagens stattfand.

Es war ein überwältigendes Gefühl, nach vier Monaten das Ziel zu erreichen – nämlich die Schlüssel von "Victoria" direkt Karina, einer Mitarbeiterin des Novovorontsovsk Hospital, in die Hand zu drücken. Somit wird der Notfallwagen zukünftig vielen Menschen rund um Cherson helfen und Leben retten – gemäß unserem Motto "Hilfe, die ankommt"– das war mir sehr wichtig. Ich bin sehr dankbar, dass ich einen Konvoi begleiten und viele engagierte Helfer kennenlernten durfte.

In den zwei Tagen in Lviv erfuhren wir viel Dankbarkeit und sahen überwältigende Hilfsbereitschaft für die eigene kriegsgeschädigte Bevölkerung. Am Sonntag wurden alle Helfer bei Yuriy Lipar, Rotary Club Lviv International zum Abendessen eingeladen. In solchen Momenten wird einem sehr deutlich vor Augen geführt, wie gut es uns hier in Deutschland eigentlich geht.

Alle ukrainischen Freunde, die ich vor Ort traf, setzen sich nach wie vor sehr stark für ihr Land – sei es humanitär oder mit medizinischem Wissen – ein. Vom Kind bis zum Senior, vom Professor bis zum Soldaten, von der Krankenschwester bis zur Unternehmerin. Sogar viele Verwundete, die gerade eine Prothese angepasst bekommen haben, wollten zurück an die Front. Die gesamte Bevölkerung lebt täglich mit der AlarmApp, die sämtliche Raketenabschüsse registriert und mehrfach pro Woche die Bevölkerung in die Bunker schickt.

Ich denke, sie kämpfen auch für uns! Die Menschen in der Ukraine benötigen unsere humanitäre Hilfe mehr denn je, da der Medienfokus eher auf Israel gerichtet ist.

Der RC Kronberg-Victoria plant einen weiteren Rettungswagen in die Ukraine zu schicken und freut sich auf jede Unterstützung.

Marc Voelcker
RC Kronberg-Victoria