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Flensburg

Lernwerkstatt garantiert Ausbildungsplatz

Flensburg - Lernwerkstatt garantiert Ausbildungsplatz
In der von den drei Flensburger RC initiierten Lernwerkstatt lernen die Schüler schon vor der Ausbildung ein Handwerk. Erfolgreiche Absolventen erhalten garantiert eine Lehrstelle. © RC Flensburg-Nordertor

Um der Jugendarbeitslosigkeit wirksam zu begegnen, gründeten die drei Flensburger RC vor zehn Jahren die Lernwerkstatt. In diesem Jahr feierte das erfolgreiche Projekt seinen ersten runden Geburtstag. Zu den Gästen zählte auch die Oberbürgermeisterin der Fördestadt.

22.06.2019

2009 betrug die Jugendarbeitslosigkeit in Flensburg 11,3 Prozent. Ein gewichtiger Grund, warum sich Rotarier clubübergreifend und gemeinsam mit der Schulleitung und Lehrern einer damaligen Hauptschule auf den Weg nach Bochum machten. In der dortigen Werner-von-Siemens-Hauptschule wollten sie ein rotarisches Projekt zur Förderung der Berufsfähigkeit von Hauptschülern mit Förderbedarf in einem sozialen Brennpunkt besichtigen. Der positive Eindruck verstärkte die Absicht der Besucher, so ein Projekt auch in Flensburg auf die Beine zu stellen. Mit viel Engagement der drei Rotary Clubs Flensburg, Flensburger Förde und Flensburg-Nordertor gelang es, weitere Partner und Geldgeber zu gewinnen, darunter auch die Bundesagentur für Arbeit und das Bildungsministerium des Landes Schleswig-Holstein. Inzwischen ist das Lernwerkstatt-Projekt über die Handwerkskammer für Berufsorientierende Maßnahmen zertifiziert. 

Das Angebot enthält die Lernwerkstätten Holz, Metall, Gestalten (Friseur und Malerei), Gastronomie sowie Garten- und Landschaftsbau. Im Vordergrund stehen aber bei jeder Ausbildung die Gewinnung von Selbstvertrauen und  Tugenden wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Die Jugendlichen bewerben sich in der siebten Klassenstufe und besuchen in Gruppen von bis zu zehn Teilnehmern ihre Lernwerkstatt jeweils mittwochs von 13 bis 16 Uhr.  Da das Projekt nach der Umgestaltung der Schullandschaft in Schleswig-Holstein vor einigen Jahren an eine Gemeinschaftsschule wechseln musste, können die Teilnehmer jetzt auch Werkstätten eines benachbarten Bildungszentrums nutzen.  

Der Abschluss wird differenziert zertifiziert. Damit dies gelingt, stehen den Schülern außer den Ausbildern und einer Sozialpädagogin rotarische Paten zur Seite. Das Besondere: Jedem erfolgreichen Absolventen wird ein Ausbildungsplatz garantiert.

Die Feier zum zehnjährigen Bestehen begann für die Gäste und Angehörigen, darunter die Oberbürgermeisterin der Stadt Flensburg, Simone Lange, mit einem Rundgang durch die Werkstätten, wo sie den Ausbildern und Teilnehmern bei der Arbeit über die Schulter schauen konnten. In der großen Schulküche wurden für den anschließenden Imbiss mit höchster Konzentration und Sorgfalt viele Köstlichkeiten vorbereitet. Die Ausbilder sind Meister ihres Faches, unter ihnen sind ein selbstständiger Tischlermeister, pensionierte Handwerksmeister und Küchenchefs. Einige Produkte der Werkstätten, wie beispielsweise Nistkästen, werden jedes Jahr auf dem Adventsmarkt der Flensburger Serviceclubs, organisiert durch den RC Flensburg-Nordertor und zugunsten von Kindern und Jugendlichen, verkauft.  

Umrahmt wurde die anschließende Feierstunde von der Schulband. Rotarier Henning Schmidt ging noch einmal auf die Anfänge zurück, begründete die damalige und heutige Motivation, erzählte aus der Geschichte der Lernwerkstätten und bedankte sich beim Schulleiter und den Partnern für die Unterstützung. Oberbürgermeisterin Lange freute sich über dieses großartige Projekt, an dem die Stadt aber finanziell nicht beteiligt ist. Sie sprach von einer guten Sache zwischen Menschen, die haben, sprich: Arbeit und Geld, sowie Menschen, die wollen, aber denen die Möglichkeiten fehlen.

Beeindruckend waren die Berichte von drei Jugendlichen, die die Lernwerkstätten in ihren Anfängen besucht hatten. Einer von ihnen leitet jetzt das Taxiunternehmen seines Vaters, eine weitere ist Hotelfachfrau und eine andere Absolventin ist Diätassistentin im Krankenhaus. 

Es wäre wünschenswert, wenn dieses Beispiel Schule machte, vielleicht auch ein Umdenken in der schulischen Ausbildung wieder zu mehr „Handarbeit“ erfolgte. Das Handwerk könnte davon profitieren und manch ein Jugendlicher auch.              

Gisela Walter