Wo Kinder auf den Frieden warten

Einzelspenden aus dem Distrikt 1820 helfen dem M.Art.in-Klub, damit Kinder und Jugendliche den Krieg in der Ukraine auch mental, so gut es geht, überleben.

Wiktorija Fedotowa ist die Gründerin und Leiterin des M.Art.in-Klubs. Die NGO wurde 1999 in der Region Donezk gegründet und hilft mit zahlreichen Einzelprojekten Kindern und Frauen, den Krieg auch mental zu überleben. Hierzu tragen auch Freunde aus dem Distrikt 1820 bei. "In unserem Club Offenbach-Dreieich", berichtet Governor Ernst Hanisch, "hat Joseph Förster (Jupp) 50.000 Euro für das Projekt Pink Panama gespendet. Er wollte mit seiner Spende Kindern in der Ukraine helfen. Voriges Jahr ist er im Alter von 103 Jahren gestorben. Ich habe ihn auf seine letzten Tage im Krankenhaus begleitet. Er bleibt in unseren Herzen. Jüngst hat Stephan Falk vom RC Frankfurt-Friedensbrücke für Pink Panama 10.000 Euro gespendet." Stephan Falk engagierte sich auch in Afghanistan und hat Kids save Lifes großzügig unterstützt.

Wir sprachen mit Wiktorija Fedotowa über ihr Engagement und die Lage in der Ukraine. Sie sagte: "Wir wünschen uns wirklich, dass der Frieden kommt, und wir tun unser Bestes, um sicherzustellen, dass unsere Kinder auf den Frieden warten, doch während des Krieges nicht in ihrer persönlichen Entwicklung zurückbleiben." Die Fragen stellte Claus Peter Müller von der Grün, und Natalia Kulabukha aus Kyjiw hat den Text übersetzt.
Wiktorija Fedotowa, was ist der M.Art.in-Klub?
Die NGO M.Art.in Club ist ein professioneller Verband von Fachleuten auf dem Gebiet der humanitären Hilfe, der Sozialarbeit, der Psychologie und des Menschenrechtsschutzes. Seit über 25 Jahren erhalten Kinder und Frauen, die unter Gewalt und schwierigen Lebensumständen gelitten haben, bei uns qualifizierte und umfassende Hilfe, bei der das Opfer im Mittelpunkt steht. Seit 2014 helfen wir unseren Mitbürgern und Mitbürgerinnen aktiv dabei, die Herausforderungen des Krieges zu bewältigen.

Wann und wo wurde der Klub gegründet?
Die NGO M.Art.in Club wurde 1999 in Makijiwka (Gebiet Donezk) gegründet. Bis 2014 arbeitete die Organisation in der Region Donezk im Bereich des Kinderschutzes. Während der Arbeit im Gebiet Donezk gründete der M.Art.in Club ein Frauen- und Kinderheim "Kinderdorf", ein Heim für minderjährige Mütter "Kleine Mama" und initiierte die Arbeit des Menschenrechtsnetzwerks für Kinder in der Region Donbass, das sechs Organisationen aus den Gebieten Donezk und Luhansk umfasste. Im Jahr 2014 wurde die Organisation aus dem besetzten Makijiwka nach Dnipro evakuiert und setzte ihre Aktivitäten in Dnipro fort.
Was ist das Ziel des Clubs?
M.Art.in Club hilft Kindern und Frauen, die Folgen schwieriger Lebensumstände, der Gewalt und des Kriegs zu überwinden. Er unterstützt sie dabei, das Potenzial und die notwendigen sozialen Fähigkeiten zu erwerben, um ihr Leben zum Besseren zu wenden, und beeinflusst so die Entwicklung der Zukunft der gesamten Gesellschaft.

Wie viele Projekte hat der Club begründet, wie vielen Menschen hat er bisher geholfen?
In den vergangenen Jahren haben wir über 50.000 Menschen unterstützt. Im Jahr 2024 unterstützten wir 16.000 Menschen, von denen etwa ein Viertel Kinder waren. Seit unserer Gründung haben wir über 78 Projekte umgesetzt. In diesem Jahr wird unsere Organisation 25 Jahre alt.
Und wie viele Menschen haben dem Club geholfen mit ihrem Engagement?
Wir haben mit über 60 Gebern zusammengearbeitet, Partnerschaften aufgebaut und engagieren alle Akteure im Bereich des Rechtsschutzes und der Unterstützung von Kindern und Frauen.

Was ist das Projekt Pink Panama?
"Pink Panama" ist ein Team von Pädagogen, die gemeinsame Werte zum Schutz der Kindheit und der zukünftigen Generation teilen. Unser Hauptziel ist es, Kinder in allen Phasen ihrer Entwicklung zu unterstützen, damit sie die Möglichkeit haben, trotz der schwierigen Umstände des Krieges eine erfüllte Kindheit zu erleben. Der Krieg hat die Kindheit vieler ukrainischer Kinder verändert. Sie erlebten viele Entbehrungen, vom Verlust ihres Zuhauses bis zur Angst um die Sicherheit ihrer Familien. Die ukrainischen Kinder wurden gezwungen, ungerechterweise zu schnell erwachsen zu werden. Deshalb ist es das Ziel von Pink Panama, den Kindern ihre Kindheit wieder zurückzugeben und ihnen die Möglichkeit zu bieten, ein erfülltes Leben zu führen und neue Freunde und eine neue soziale Gruppe zu finden.
Wer ist die Zielgruppe von Pink Panama und warum?
Die Zielgruppe von "Pink Panama" sind Kinder im Alter von 1 bis 17 Jahren aus gefährdeten Gruppen wie zum Beispiel Binnenvertriebene in schwierigen Lebensumständen, Kinder mit Behinderungen und Kinder ohne elterliche Fürsorge.

Was macht die Arbeit von Pink Panama so wertvoll oder gar einzigartig?
Pink Panama bietet den vom Krieg in der Ukraine betroffenen Kindern umfassende Unterstützung und fördert ihre gesunde psychophysische Entwicklung. Das Projekt soll den Kindern helfen, sich sicher zu fühlen, Traumata zu überwinden, sich zu sozialisieren und ihre Rolle in der Gesellschaft zu finden. Das ferne Ziel ist es, den Kindern zu helfen, aktive und verantwortungsbewusste Mitglieder der Gesellschaft zu werden.
Wer arbeitet für Pink Panama?
Pink Panama beschäftigt Fachleute für Kindererziehung und -entwicklung: eine Kinderpsychologin, eine Sozialarbeiterin und eine Sprachtherapeutin.
Wer unterstützt Pink Panama?
Das Projekt wird derzeit von der ukrainischen Wohltätigkeitsstiftung "Pomogajem" unterstützt. Diese Unterstützung zielt darauf ab, Kindern unter neun Jahren zu helfen, und wir haben die Möglichkeit, bis Mai 2025 zu arbeiten. Nach Ablauf dieser Frist müssten wir unsere Arbeit einstellen, da wir noch keine Finanzierung gefunden haben.

Helfen auch rotarische Freundinnen und Freunde aus Deutschland?
Der Rotary Club Offenbach-Dreieich finanzierte das Pink Panama Projekt im Jahr 2023 für sechs Monate und wir erhielten 50.000 Euro für das Projekt. Damit konnten wir die Rechnungen für die Räumlichkeiten bezahlen, die Kinder mit einem warmen Mittagessen versorgen, die Honorare der Lehrer bezahlen und alle notwendigen Materialien kaufen.
Welche rotarischen Freundinnen und Freunde aus Deutschland haben in jüngster Zeit große Einzelspenden geleistet?

Wir erhalten keine direkten Spenden von rotarischen Freunden, aber uns ist eine Spende über 10.000 Euro angekündigt worden, und das Geld ist auf dem Weg.
Womit können Menschen in anderen Ländern den Projekten von M.Art.in und Pink Panama am besten helfen?
Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung, die Sie uns im Jahr 2023 gewährt haben, sie ist ein wertvoller Beitrag für Kinder in Kriegszeiten. Und wir wären dankbar für weitere Spenden.
Wir alle wissen nicht, welchen Verlauf der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine in der Zukunft nehmen wird. Welche Szenarien haben Sie, Wiktorija Fedotowa, vor Augen?

Leider können auch wir keine Szenarien vorhersagen. Wir wünschen uns wirklich, dass der Frieden kommt, und wir tun unser Bestes, um sicherzustellen, dass unsere Kinder auf den Frieden warten, doch während des Krieges nicht in ihrer persönlichen Entwicklung zurückbleiben. Während des Krieges wurde im Gebiet Dnipro 5056 Mal Luftangriffsalarm ausgelöst, und es gab 808 Raketenangriffe und Explosionen. Jeder Alarm dauert etwa eine Stunde, und jedes Mal wissen wir nicht, ob die Rakete uns oder unsere Nachbarn treffen wird. In unserer Region gibt es 490.000 Binnenvertriebene, 30 Prozent davon sind Kinder. Wir warten sehnlicher als irgendjemand sonst auf Frieden. Aber wir haben keine Ahnung, ob er kommen wird. Deshalb tun wir alles, was wir können, damit wenigstens für eine kleine Anzahl von Kindern das Leben weitergeht.
Wiktorija Fedotowa (v.fedotova@martin-club.org) ist die Gründerin und Leiterin des M.Art.in Clubs und auch von Pink Panama.
Weitere Informationen:
www.julenka.org/category/martin-klub
www.julenka.org/gschichten-aus-pink-panama