30.07.2015

 

Sprachprüfung für junge Botschafter

Inbounds müssen zum Austauschbeginn Sprachkenntnisse vorweisen

Als im Jugenddienst engagierte Rotarier haben wir vor ein paar Wochen bereits zum vierten Mal unsere Distrikt- Osterreise für eine fröhliche Gruppe junger Inbounds rund um Deutschland gestaltet. Unser D-1810-Trupp 2014/15 war freundlich, höflich in der Ansprache und interessiert an unseren Zielen. Auffällig ist allerdings, dass ein großer Teil von ihnen nur sehr schlecht Deutsch verstand oder sich verständlich ausdrücken konnte. Auch noch nach sechs bis sieben Monaten Aufenthalt in Deutschland, während derer sie in die Schule gegangen sind und in Gastfamilien wohnten. Und das hat Konsequenzen:

Wenn die Austauschstudenten die Sprache des Gastlandes nur ungenügend verstehen, können sie dem Unterricht auch in niedrigeren Klassen nicht folgen. Das macht sie zu Außenseitern. Die Schulen, die zunächst interessiert waren, sind immer weniger erfreut über die zusätzliche Belastung, wodurch die Bereitschaft, künftig weitere Austauschprogramme zu unterstützen, sinkt. Hinzu kommt: Unsere Familien, gerade auch rotarische Freunde, gefallen sich selbst darin, mit den jungen Inbounds Englisch zu sprechen – auch das gefährdet das Programm gravierend.

Es gibt im Austausch-Zulassungsverfahren keine verbindlichen Voraussetzungen, kein „Ranking“ außer dem Alter, einer guten schulischen Laufbahn und der Persönlichkeitseinschätzung. Die einzigen Hürden, die die Kandidaten nehmen müssen, sind die Anfertigung eines ansprechenden Egoberichtes, eine positive Stellungnahme der Schule und die Beantwortung von Fragen während des Interviews. Im Gegensatz zu den Auswahlverfahren in anderen Ländern werden von uns keine weiteren vorbereitenden Leistungen verlangt, das Ergebnis wird von uns nicht abgeprüft, ein Erfolgsnachweis der Vorbereitung als „Botschafter unseres Landes“ nicht eingefordert. Danach überlassen wir unsere Jugendlichen der Obhut der Schulen, Gastfamilien und Clubs im jeweiligen Gastland. Das ist angesichts des rotarischen Anspruchs und auch im internationalen Vergleich erstaunlich wenig.

Zusätzliche Belastung

Auch während unserer Reise zeigte sich, dass der Schüleraustausch ohne qualifizierte Sprachkenntnisse nicht erfolgreich sein kann: Es ist keine vernünftige Kommunikation mit den „eingeborenen“ Führern und Helfern auf der Reise möglich. Inbounds ohne Sprachkenntnis verstehen nichts, schlafen im Bundestag auf der Besuchertribüne oder während des Rundgangs durch eine Automobilfabrik (!) ein und können nicht ohne Hilfe die Städte für sich selbst entdecken. Für uns ist das eine zusätzliche Belastung und verdirbt die Stimmung. Am Ende des Jahres beherrschen die meisten Inbounds gerade einmal das Basiswissen unserer Sprache, obwohl sie das eigentlich besser können wollten. An ein Studium in Deutschland, wovon einige Inbounds und ihre Eltern träumen mögen, ist nicht zu denken.

Warum also führen wir keine verpflichtenden Kurse in der Sprache des Gastlandes vor Beginn des Austauschs ein? Hier müssen wir nachbessern.

1) Was wir bereits frühzeitig den entsendenden Clubs und Familien mitteilen sollten: Wir fordern Engagement beim Lernen der deutschen Sprache und prüfen dies. Am Anfang des Aufenthaltes erfolgt eine Prüfung im Level A1 des GER (Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen für Sprachen): „Kann sich in einfachen, routinemäßigen Situationen verständigen und Informationen über vertraute und geläufige Dinge austauschen“. Basierend auf dem Sprachstatus wird vom Counselor mit der Schule ein Ausbildungsprogramm festgelegt. Das Ziel ist, spätestens nach dem ersten Halbjahr den DSD-I-Test mit Level B1 nach GER abzulegen, mit Möglichkeit der Nachprüfung und Abbruch des Austausches bei erneutem Fehlversuch!

Schließlich soll ein DSD-II-Test (Stufe C1) am Ende der Schulzeit in das Austauschprogramm verbindlich integriert werden, ein Test, der von deutschen Universitäten als Voraussetzung für das Studium in Deutschland anerkannt ist. Unsere Inbounds der Osterreise würden ein solches Angebot sehr begrüßen.

2) Die Schulpflicht soll nicht nur die formelle Anwesenheit, sondern eine verbindliche Teilnahme an Klausuren und Testaten einschließlich Notengebung beinhalten. Zusammen mit der Schule müssen individuelle Lernziele ausgearbeitet werden, mit denen auch Benotungen und ein Zeugnis beziehungsweise eine allgemeine „Zertification“ verbunden sind. Sonderbeurlaubungen für touristische Aktivitäten oder Elternbesuche sind strikt auszuschließen.

3) Verpflichtende Übernahme einer sozialen Aufgabe, etwa als freiwilliger Dienst in öffentlichen oder privaten Einrichtungen. Selbstredend nehmen die Inbounds auch an diesbezüglichen rotarischen Aktivitäten teil. Alles das wird in einem „letter of recommendation“ von Rotary zusammengefasst werden. So wie wir ein Zertifikat über die Teilnahme an der Osterreise ausstellen. Nicht nur die Eltern sind dafür dankbar.

Individuelle Egoismen

Die weltweiten Kontakte der Jugendlichen, ihrer Eltern und Gasteltern und der Rotarier im Jugenddienst sind unvergleichliche Bereicherungen für jeden Einzelnen sowie des Club- und Familienlebens. Sie sollen auf rotarischem Respekt vor der Persönlichkeit, dem Freundschaftgedanken und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, beruhen. Dem stehen zunehmend individuelle Egoismen entgegen: Eltern, die eine besondere Behandlung ihrer Kinder verlangen (Stichwort: Reisen), rücksichtsloses Aufweichen von Regeln und Pflichten, rotarischer Dienst mit Karrieremotivation. Wir können nur überzeugen, wenn wir die Jugendarbeit in den Clubs gemeinsam erleben und ausnahmslos die Regeln respektieren oder, wenn nötig, gemeinsam verändern. Indem wir für uns und die Gäste Inhalte entwicklen und pflegen, uns selbst und unsere Familien einbeziehen. Schließlich wollen wir künftige Verantwortungsträger fördern und zur internationalen Freundschaft und Frieden auf der Grundlage kulturellen Verständnisses beitragen. Der Jugend­austausch bei Rotary ist etwas ganz Besonderes. Er wird getragen vom ehrenamtlichen Engagement vieler Rotarier auf der ganzen Welt. Wir stiften unsere Freizeit und Kompetenzen – dafür dürfen wir auch von den Teilnehmern ernsthaftes Interesse und Engagement erwarten. Wir haben den jugendlichen Kandidaten und ihren Eltern viel zu bieten, trauen wir uns doch, deutlich auszudrücken, was wir dafür einfordern.

von Andreas Boué

Erschienen in Rotary Magazin 8/2015

Rotary Magazin 12/2016

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