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Editorial

Anmerkungen zu einem Zeitgeist

Editorial - Anmerkungen zu einem Zeitgeist
© Jessine Hein / Illustratoren

René Nehring über die Bewegung zum Klimaschutz, das One Rotary Center und mehr

René Nehring01.05.2019

Ein Phänomen sind sie schon. Obwohl die Grünen im aktuellen Bundestag die kleinste Fraktion stellen, gelingt es ihnen regelmäßig, die gesellschaftliche Agenda zu bestimmen. So stehen in Verkehrsfragen ganze Wirtschaftszweige, von denen dieses Land lebt, am öffentlichen Pranger. Bei der Energiegewinnung wird der Ausstieg aus Kernkraft, Öl und Kohle vorangetrieben, ohne dass Windkraft und Solartechnik bis dato in der Lage wären, die Bürger ausreichend mit Strom und Wärme zu versorgen (ganz zu schweigen von den Kosten, die zu einem enormen Anstieg der Verbraucherpreise geführt haben). Und im Einzelhandel mag kaum ein Hersteller auf Etiketten wie „Bio“ oder „Öko“ verzichten.
Wie wirkmächtig die grüne Erzählung inzwischen ist, zeigte zuletzt der Trubel um die Bewegung „Fridays for Future“ der schwedischen Schülerin Greta Thunberg und ihrer Anhänger. Nichts gegen den Idealismus junger Menschen – er ist der Nährboden einer jeden Gesellschaft, zumal einer demokratisch verfassten. Aber wie erwachsene Akteure die Thesen von Greta & Co. zu ihren eigenen machten und lediglich darüber nachdachten, ob für die Rettung der Welt – die seit alters her alle möglichen Bewegungen für sich reklamieren – das Schwänzen der Schule erlaubt sei oder nicht, erstaunte dann doch. Und als ein Bischof zu Beginn der Karwoche die Freitagsdemos gar mit dem Einzug Jesu in Jerusalem verglich, fragten sich selbst Wohlmeinende, ob derlei Überhöhungen nicht zu weit gingen.
Doch woher kommt dieser Hype? Und warum wird er so wenig hinterfragt? Diesen und weiteren Fragen widmen sich die Beiträge im aktuellen Heft.

Einem heiklen Thema widmet sich diesmal die Rubrik „Im Fokus“. Rotary geht es grundsätzlich gut. Während die Parteien, Kirchen und Gewerkschaften seit den neunziger Jahren rund ein Drittel bis zur Hälfte ihrer Mitglieder verloren haben, ist unsere Organisation in Deutschland und Österreich seit den 2000er Jahren von rund 40.000 auf derzeit über 64.000 Freunde gewachsen. Allerdings stagniert diese Entwicklung seit einigen Jahren. Wenn man sich die Mitgliederzahlen genauer ansieht, fällt auf, dass vor allem die Austritte zugenommen haben und diese inzwischen deutlich über den Todesfällen liegen. Der alte Grundsatz „Einmal Rotary, immer Rotary“ gilt offenbar nicht mehr. Doch aus welchen Gründen verlassen Freunde ihre Clubs? Unser Kollege Matthias Schütt hat einige ehemalige Rotarier befragt, seinen Bericht darüber lesen Sie im Mai-Magazin.

Was leistet Rotary International eigentlich für seine Mitglieder? Bei vielen Freunden gilt das One Rotary Center im US-amerikanischen Evanston als „Zentrale“, von der niemand so recht weiß, was sie tut. Dabei ist der Service,
den die Mitarbeiter vor Ort erbringen, enorm. Was genau die einzelnen Abteilungen leisten und wie sie Sie in Ihrer rotarischen Arbeit unterstützen können, zeigt Ihnen die Aufstellung im aktuellen Heft.

 

Es grüßt Sie herzlichst Ihr

René Nehring
Chefredakteur