Sprungbrett - Bildung für junge Flüchtlinge im Berufschulalter

© Mimikri e.V.

28.10.2015

Sprungbrett 

Bildung für junge Flüchtlinge im Berufschulalter

„Sprungbrett“ steht für Neubeginn, Aufbruch - und für Bildungschancen. Denn noch immer ist es für junge Flüchtlinge leider keine Selbstverständlichkeit, einen Schulplatz zu bekommen. Immer noch zu viele müssen warten, bis ein Platz frei wird, und verlieren so wertvolle Zeit – und oft auch Motivation. Bisher bestand keine Möglichkeit, diese unbefriedigende Situation zu verändern.Mit dem Projekt „Sprungbrett“ des Vereins Mimikri e.V. gibt es ab 7. Januar 2015 endlich eine Lösung für das Problem.

Finanzielle Rahmenbedingungen

Die Initialzündung war ausgelöst worden durch die Zusage von sechs Nürnberger Rotary-Clubs, für jeweils einen Monat ab Februar 2015 bis zum Schuljahresende die kalkulierten Kosten in Höhe von € 5.000,00 zu spenden. Den Betrag für den Monat Januar hatte der Verein bereits durch eigene Werbung einwerben können. Zwischenzeitlich kamen einige Großspenden von z.B. „Freude für alle“, der Sparkasse Nürnberg, dem „Diepersdorfer Theaterbrettl“, der Firma Wildner + Designer dazu. Den Jugendhilfeeinrichtungen werden Kursgebühren in Rechnung gestellt, so dass ca. ein Drittel der Ausgaben abgedeckt ist.

Um die Kosten für die Jugendhilfeeinrichtungen möglichst niedrig zu halten, ist der tägliche Unterrichtsbeginn (von Montag bis Freitag) auf 10 Uhr festgelegt worden. So ist es möglich, die billigeren Mobicards zu nutzen. Gleichzeitig wird das Verantwortungsgefühl und die Absprachefähigkeit trainiert, denn jeweils vier Minderjährige können eine Karte benutzen. Der „Karteninhaber“ darf also die Karte nicht verlieren und muss stets aufpassen, dass alle Mitfahrer zur Stelle sind. Ebenso sind die „Mitfahrer“ verpflichtet, sich abzusprechen.

Räumliche Situation

Für die Monate Januar und Februar stand ein Raum in einem Kunstatelier zur Verfügung, der uns aber mit der Zeit zu klein wurde. Nach intensiver Suche über das Mimikri-Netzwerk konnten wir ab März 2015 zwei sehr schöne passende Räume in der Nürnberger Christuskirche beziehen. Hier haben die Jugendlichen auch Kontakt zu Besuchern der gemeindeinternen Angebote wie Mutter-Kind-Gruppe, Seniorentreff usw.

Interkulturelles Unterrichstkonzept

Die Jugendlichen zwischen 16 und 21 Jahren erhalten von Montag bis Freitag regelmäßig Unterricht im Umfang von 24 Stunden. Das Bildungsniveau ist sehr unterschiedlich – von Analphabeten bis hin zu zehnjährigem Schulbesuch in der Heimat. Unsere Lehrerin Yasmin Temizkan spricht arabisch, einige der Jugendlichen verfügen über Englisch-Kenntnisse - so kann der sorgfältig vorbereitete Deutschunterricht ohne größere Probleme durchgeführt werden. Ab Februar unterstützen die studentischen Assistenzkräfte Julia Pühler und Elem Civi bei der Gestaltung des Unterrichts und bei der Förderung einzelner Schüler. Statt des streng einsprachigen Prinzips, d.h. nur die deutsche Sprache im Unterricht verwenden zu dürfen, wird die Muttersprache der Jugendlichen als Verständnishilfe eingesetzt; sie ist DER Türöffner, der von Anfang an in einer selbstverständlichen und überzeugenden Weise genutzt wird. Dadurch, dass sich mehrere Flüchtlinge mit der jeweils gleichen Muttersprache im Kurs befinden, ergibt sich dies fast von alleine. Die Jugendlichen erklären sich in ihrer Muttersprache schwierige Begriffe oder grammatische Phänomene, und sie binden darüber hinaus auch weitere Spracherfahrungen ein, insbesondere ihre Englischkenntnisse, über die sie zum Teil bereits verfügen.

Deutschlernen und interkulturelles Lernen gehen bei „Sprungbrett“ eine enge Verbindung ein. In so genannten „Interkulturellen Trainingsmodulen“ wird Sprachförderung, vor allem die Wortschatzarbeit, integriert in offene Lernsituationen, zum Beispiel in einer Gärtnerei, in der Stadtbibliothek, im Wasserwerk, in einer Kraftfahrzeugwerkstatt, im Neuen Museum der Stadt Nürnberg, im Klinikum Nürnberg, bei der Polizei, der Feuerwehr, bei der Besichtigung von Werkstätten des Berufsbildungswerkes oder auch beim Besuch eines Abenteuerkletterparks. Die Organisation und Begleitung dieser Unterrichtsgänge übernehmen zwei Damen ehrenamtlich in sehr engagierter Weise. Bei diesen Unternehmungen bekommen die Jugendlichen einen Einblick in die Lebensumstände und die Arbeitswelt in Deutschland, was auch bei der beruflichen Orientierun der jungen Flüchtlinge eine Hilfe sein kann.

Stärkung des Gemeinschaftsgefühls

In lockerer Atmosphäre bieten die gemeinsamen, liebevoll gestalteten Frühstücksaktionen den Flüchtlingen die Möglichkeit, über Bräuche und Riten aus ihrer Heimat zu erzählen. Es entsteht eine gegenseitige gute Vertrauensbasis. Hier können sie den oft belastenden Alltag vergessen. Wichtige Alltagsregeln des Exillandes und des Schulbetriebs werden nochmals durchgesprochen. Beim anschließenden Aufräumen und Reinigen müssen alle anpacken – das ist nicht nur Sache der Frauen!

Dagmar Gerhard (Projektleitung)

Erschienen in Rotary Magazin

Rotary Magazin 9/2017

Rotary Magazin Heft 9/2017

Titelthema

Zukunft der Demokratie

In Deutschland und Österreich stehen große Aufgaben an: Massenmigration, innere Sicherheit, Euro, Energiewende. Doch der Sommer war ruhig. Ist das die Ruhe vor dem Sturm?

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