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Titelthema: Urbane Oasen

Ein Refugium für die Dame von heute

Der neueste Trend aus den USA sind die sogenannten „She Sheds“ – hübsch eingerichtete Gartenhäuschen zum Entspannen von und für Frauen.

Laura Hertreiter01.04.2017

In den USA verbringen Tausende Frauen erhebliche Teile ihres Lebens in winzigen Geräteschuppen. Das gab zunächst Anlass zur Recherche, ob sie denn dazu gezwungen werden. Entwarnung. Der Geräteschuppen heißt „She Shed“, zu deutsch: Mädchenschuppen.

Im Inneren wird er so heftig aufgehübscht, dass nichts mehr an einen Geräteschuppen erinnert. Und dann verstecken sich Frauen dort supergern vor ihren Männern, Kindern oder sich selbst, wie Hunderte Fotos in Sozialen Netzwerken wie Instagram, Facebook und Pinterest zeigen.

Zu sehen sind dort Flauschteppiche, Schnörkeltischchen, Schnörkellampen, dicke Duftkerzen, pastellfarbene Kissenberge und frische Blumen. Alles zusammen ergibt dann kleine, zuckerbonbonfarbene Verstecke zum Lesen, Sonnengrüßen, Man­dala-Ausmalen, Mittagsschlafen oder Betrinken. Hauptsache, die Tür lässt sich von Innen verriegeln.

Ein Ort für „Ich-Zeit“
Schön für die Deko-Industrie, schön auch für die US-Baumärkte, denen der Trend bei Fertigschuppen in den vergangenen Jahren einen Zuwachs im zweistelligen Bereich bescherte.

Hierzulande will nun die Heimwerkerkette Hornbach gerade rechtzeitig zur neuen Gartensaison Frauen in große Hun­dehütten locken. Im aktu­ellen Prospekt heißt es, Blassrosa auf Lila: „Ich-Zeit-Häuser, Yoga-Höhle, Lese-Insel, Kreativ-­Hütte: Egal. Hauptsache, es ist ein Ort, an dem Du Du sein kannst“. Zu kaufen gibt es ein stinknormales Gartenhaus aus Fichtenholz mit Doppeltür namens „She Shed Darling“, Startpreis 999 Euro.

Ähnlich wie in den USA ist auch in Groß­britannien das Sortiment inzwischen viel differenzierter. Dort gibt es auch exklusive Modelle. „Arlington“ zum Beispiel, von Best Barns: taubengrau mit weißen Fensterläden, Jane-Austen-Gauben und Dachgeschoss ab 5495 Euro, neuenglisches Flair inklusive. Im Inneren der Hütten entstehen orientalische Lounges, Teestuben im viktorianischen Stil oder Long-Island-Bars. Rustikale Alpen-Chalets, lampionbehäng­te Strandhütten und lichtdurchflutete Näh­stuben. Auf immer mehr Wohn- und Deko­blogs feuern sich die Bewohnerinnen zu immer hübscheren She Sheds an, tauschen Tipps aus und posten Anleitungen zu Auf­bau und Montage.

Baumärkte unterstützen den Trend
Die Eskapismusfantasien zu ihren Mini­häusern klingen vertraut: Immerhin ­machen Baumärkte überall auf der westli­chen Welt seit Jahrzehnten mit der angeblichen Sehnsucht der Männer nach einem Rückzugsort Kasse. Stichwort „Man Cave“, also Hobbykeller, Garage und Werkstatt.

Dort soll der Mann zur Erholung von Büro- und Familienarbeit hämmern, hobeln, und sonstige Dinge tun, die archaische Männlichkeitsklischees ihm zuschreiben. Anders als die Frauenschuppen sollen die Männer­höhlen niemals konzipiert und eingerichtet aussehen, auch wenn sie das natürlich im Idealfall genauso sind. Nur eben anders. Abgewetzte Couch, kahle Wand, am besten unverputzt, Flaschenöffner, Bar, manchmal auch ein Billardtisch.

Auch Männer mögen es gemütlich
Im US-Fernsehen war neun Jahre lang, bis Anfang 2016, in der Show „Man Caves“ zu sehen, wie zwei männliche Pendants der deutschen TV-Aufmöblerin Tine Wittler Promimänner beglückten. Den Rapper Snoop Dogg etwa mit einem Cadillac-­Rücksitzsofa in seinem Schuppen. Basket­baller Kris Humphries bekam nach der Scheidung von Kim Kardashian ein Keller­refugium mit Zapfanlage, Kingsize-Bett und Fenster, das per Knopfdruck zum Flachbildschirm wird.

Während deutsche Baumärkte noch immer Männerträume in die Werkbank-­Biertrink-Fußball-Richtung schüren, wird das männliche Refugium in England und den USA langsam umgedeutet: Aus „Man Cave“ wird „Man’s Study“, ein Lese- und Grübelraum mit Ohrenbackesessel, dunkel­hölzerner Bücherwand, schwerem Schreibtisch und Kaminfeuer. Der Höhlen­mensch wird zum Gentleman.

Rückzugsorte zur Eherettung
Natürlich haben amerikanische Psychologen längst herausgefunden, dass so ein privater Rückzugsort Ehen retten kann. Die Flucht in den Hobbykeller, den Grübelsalon oder die Pastellhütte soll Wunder bewirken für die zwischenmenschliche Harmonie.

Nur fair also, dass jetzt auch mal die Frauen dran sind. Im Wohnzimmer aber wird es einsam, wenn der Mann im Herrenzimmer Bier trinkt und die Frau im Schuppen näht.