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Titelthema

Jugend mit Gott

Titelthema - Jugend mit Gott
Die 20-jährige Jana Highholder ist das Gesicht des Youtube-Kanals „Jana glaubt“. Sie möchte mit anderen jungen Menschen über den Glauben und das Leben ins Gespräch kommen. © epd-bild/Joern Neumann

Viele junge Menschen sind auf der Suche – nach Orientierung, Sicherheit und Antworten.

01.06.2019

Keiner braucht dich. Wir sind schlau, wir sind selbstständig, haben grenzenlose Möglichkeiten und einen nie zuvor dagewesenen Horizont. Wir können sein, wer wir wollen, werden, wer wir sein wollen. Wir sind für uns verantwortlich, schreiben unser Schicksal selbst – sind Macher unserer Erfolge. Es liegt an uns. An unserem Fleiß, unserem Willen, unserem Können. Nicht an dir. Keiner braucht dich hier, Gott.
Mein Name ist Jana Highholder, ich bin zwanzig Jahre alt, Medizinstudentin im sechsten Semester an der Universität in Münster, Poetry Slammerin, Autorin von mittlerweile drei Büchern und Youtuberin. Mein Kanal heißt „Jana glaubt“ und ja, das tue ich wirklich. Als Kind meiner Zeit bin ich mit und in den Sozialen Medien groß geworden. Ich habe dort nie verleugnet, dass ich Christin bin. Immer wieder sprachen mich Leute darauf an, wie mutig es sei, offen über den Glauben zu sprechen, Bibelverse unter meine Bilder zu schreiben und zu zeigen, dass ich gläubig bin. Ehrlich gesagt konnte ich das nie nachvollziehen: Mein Glaube ist Fundament meines Lebens, wie könnte ich das verschweigen? Wenn ich auf das Profil eines Sportlers gelange, so werde ich schnell merken, was seine Leidenschaft ist; macht jemand Musik, so findet sich auch das in den Bildern wieder. Menschen teilen, was ihnen wichtig ist. Also teile ich meinen Glauben.

Mehr als ein Monolog
Seit genau einem Jahr bin ich auf Youtube als „Jana glaubt“ und lasse Menschen an meinem Leben teilhaben. Jeden Mittwoch zeige ich in einem Video-Blog, einem Vlog, meinen Alltag zwischen Hörsälen, einsamen und zum Teil verzweifelten Stunden am Schreibtisch, zwischen Büchern und Bühne, in Zügen auf dem Weg zum nächsten Auftritt und Backstagebereichen. Mein Leben ist ziemlich paradox, was das angeht. Jeden Freitag gibt es ein Themenvideo. Darin stelle ich mich den ganz grundlegenden Fragen, wie: Was meine ich eigentlich, wenn ich sage, ich bete? Führe ich da Monolog? Ich war schon einmal in einer JVA und habe mich mit Gefangenen unterhalten, habe gefragt, was sie hier hereingeführt hat und ob sie daran glauben, dass ihnen vergeben werden kann, dass es da einen Gott gibt, und ob man Freiheit hinter Gittern erleben kann.
Die Idee hinter dem Youtube-Kanal ist, Glaube zugänglich und erklärbar und dadurch nahbar zu machen. Ich will den Menschen dort begegnen, wo sie sind. Und in unserer Generation sind das die Sozialen Medien. Wir finden dort alles, jede Thematik. Also warum nicht auch den Glauben? Es gibt nichts, was nicht nur einen Klick entfernt wäre, und ich bin überzeugt: Gott lässt sich auch über Google finden! Aber wozu? Warum sollte ich jemanden finden, den ich nicht suche, den ich nicht brauche?

Jung und voller Sehnsucht
Als Teil meiner Generation nehme ich zwei Dinge wahr: Orientierungslosigkeit und Sehnsucht. In der Flut unserer Möglichkeiten sind wir alleingelassen. Wenn wir alles werden können – macht uns das wirklich frei? Wir dürfen uns selbst erfinden. Eigentlich müssen wir das sogar. Und wenn wir scheitern ist das unsere Schuld. Eine große Lüge unserer Generation ist, dass wir für uns selbst stehen, kämpfen und fallen – und dass da niemand ist, der mit uns ist. Keiner braucht dich, Gott. So oft höre ich Menschen sagen, Glaube sei etwas für die Schwachen. Zum Glauben finden, das geschieht häufig an den Punkten im Leben, an denen man selbst nicht mehr weiterkommt, wo es klar wird, dass hier nichts mehr an menschlichem Tun zu leisten ist, dass sich nichts mehr ändern wird, nur weil wir wollen. Vielleicht ist das so, weil uns in den Tälern unseres Lebens so radikal und drastisch aufgezeigt wird, dass wir Mensch sind – und nicht Gott.
Wir können alles planen, kalkulieren, unser Allerbestes geben – aber wir können nicht alles ändern. Wir haben das Leben nicht in der Hand. In diesen Momenten der Desillusion, in den Tälern, sind wir Gott vielleicht viel näher, als auf den Gipfeln unseres Lebens. Doch wie oft stehen wir ganz oben und lächeln: Keiner braucht dich, Gott. Wenn wir erzählen, wer wir sind, füllen wir die Relativsätze mit dem, was wir tun. Wie habe ich mich Ihnen vorgestellt? Mit meinen Leistungen. Ich bin Jana, Tochter von zwei liebenden Eltern, Schwester von zwei starken Brüdern und Freundin eines wundervollen Mannes, ich bin Kind Gottes und kann mich baden in dieser Liebe. Qualifiziert mich das? Nein. Definiert mich das? Ja. Interessiert das jemanden? Ja. Diesen Gott, den wir nicht brauchen wollen.
Ich für mein Leben habe erfahren, ich glaube und habe die tiefe Zuversicht, dass es diesen Gott gibt. Und dass er relevant ist. Mitten in unserem Heute. Ich glaube, dass Gottes Plan für unser Leben ein Kompass ist und das er unsere Sehnsucht danach, anzukommen, mitten auf dem Weg beantwortet – und dann weiter mit uns geht. Ich bin am Werden. Alles, was ich sein will, kann ich werden – und dabei bin ich immer schon genug: Ich bin geliebt, ich bin gewollt, ich bin sicher. Das ist meine Zuversicht und Gewissheit. Dieser Glaube, der was für die Schwachen sein soll, lässt mich zu der starken Jana werden.
Wer ich bin und was ich tue, meine Erfolge und meine Misserfolge, erachte ich als Gnade. Es liegt an dir. Nicht an mir. Und ich brauche dich, Gott.

„Gottes Influencerin“
Das ist meine Herzenshaltung. Dass ich „Influencerin“ genannt werde, das ist mir einfach so passiert. In den Anfangszeiten des Kanals titelten die großen Zeitungen wie die Süddeutsche, Die Welt, Die Zeit, ich sei „Gottes Influencerin“. Ich bin mir nahezu sicher, dass es mich verspotten sollte. Ich weiß, dass es belächelnd gemeint war, aber: Es ehrt mich! Es zeigt, von wem ich komme, es zeigt, auf wen ich weise und es zeigt, wohin ich will. Ich mache keine Werbung für die Kirche, ich erzähle von meinem Glauben. Und dabei bin ich überzeugt: Wir sind alle Influencer! Ob wir das wollen oder nicht: Jeder wird beeinflusst und jeder hat einen Einfluss. Was ein Mensch sagt, glaubt und tut, hat einen Einfluss auf die Menschen in seinem Umfeld. Und auch wenn es uns nicht bewusst ist: Unser Leben wird betrachtet, und für manche Menschen sind wir Vorbild. Viel wichtiger als die Anzahl der Follower ist, wohin wir sie führen. Aus dieser Perspektive erschien es mir als angebracht, mich zu hinterfragen: Welche Botschaft möchte ich von mir geben? Ich glaube, ich kenne die beste Botschaft der Welt – und die werde ich nicht für mich behalten.
Dabei ist es mir völlig egal, ob man meinen Namen kennt. Es ist mir wichtig, dass man Seinen Namen kennt. Es erfordert Mut für etwas einzustehen, mit seinem Namen und seinem Gesicht. Das macht angreifbar. Was ich wahrnehme, ist ein Bezug zu Toleranz, der an Inhalt verloren hat. Wir wollen alle tolerant sein und hier darf jeder alles sagen und denken und fühlen, aber wenn wir ehrlich sind, nutzen wir das Wort „tolerant“ nicht eher als ein „es ist mir egal“? Mach, was du willst und tangiere mich nicht damit? Auch nehme ich wahr, wie schwer es heutzutage fällt, sich zu positionieren und klar Stellung zu beziehen. Denn wenn man das tut, dann wird es dort Menschen geben, die zustimmen und unterstützen, und Menschen, die dagegen sind. Und das ist unbequem. Klarheit grenzt ab, ist aber nie exklusiv, sondern einladend und offen für einen Diskurs.
Als das Projekt Youtube-Kanal gestartet ist, habe ich viel Gegenwind bekommen. Es gab viele Menschen, die sich darüber mokiert haben. Da wurde meine Intelligenz in Frage gestellt oder meine Augenbrauen kritisiert. Ehrlich gesagt, wenn das einzige, was jemandem nach einem elfminütigen Video von mir einfällt, ist, zu sagen: „Deine Augenbrauen sind scheiße“, dann habe ich echt vieles richtig gemacht. Ich glaube, wenn Jesus zu Zeiten von Presse und Co. gelebt hätte, wäre über niemanden so viel berichtet worden, wie über diesen Typen, den man für verrückt gehalten und verspottet hat, und der trotzdem die Menschheit geliebt und aus lauter Liebe gerettet hat.
Als ich zu Beginn negative Artikel über mich gelesen habe, da wurde ich nervös. Mein Herz hat schneller geschlagen, ich hatte Angst. Angst um meinen Ruf, Angst um meinen Namen, Angst um meine Position, Ich hatte Angst vor dem Urteil der Menschen. Aber: Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit! (2.Timotheus 1,7) Viel stärker als das Reden ist das Handeln. Wenn meine Arbeit es wert ist, darüber zu berichten und Menschen deswegen darüber nachdenken: Gott sei Dank. Heute lässt mich Kritik kalt. Es geht mir nicht um den Applaus der Welt. Ich werde lieber für das kritisiert, was ich tue, als nicht kritisiert, weil ich nichts tue. Die kritisierende Position macht es sich nämlich ziemlich bequem. Mein Vorschlag wäre: Wer irrelevant findet, was ich tue, der nutze seine Zeit, Kraft und Energie doch einfach dafür, etwas zu tun, was in seinen Augen besser ist.
Dass die Community wächst und mein Postfach überläuft mit Nachrichten von Jugendlichen, die mir erzählen, dass meine Arbeit sie bewegt, erreicht und in ihrer Gottesbeziehung weitergebracht hat, das bestätigt mich in meinem Tun und ehrt mich. Dass sie mir Fragen stellen, Rat suchen, das zeigt mir, wie sehr sich junge Menschen danach sehnen, Antworten zu finden.

Gott ist uns weit voraus
Dieser Gott ist nahbar, er ist mitten unter uns und er lässt sich finden – auch auf Youtube, auch auf Instagram. Kirche muss dort sein, wo die Menschen sind. Wer sich nicht in den Sozialen Medien aufhält, der verpasst die nächsten Jahrzehnte und Generationen. Die Form muss sich der Zeit anpassen, nicht der Inhalt. Ich möchte in dieser Welt präsent sein und im Rahmen des mir Möglichen die heutigen Wege der Kommunikation und Begegnung, den Mainstream nutzen, um anders zu sein. Um eine Botschaft von mir zu geben, die Jahrhunderte überdauert, die nicht gebunden ist an altes Gemäuer und dicke Bücher, die sich auch zeigt über Bibel-Smartphone-Apps und kurze Impuls-Videos.
Gott ist aktuell, up to date, uns schon weit voraus. Wir müssen hinterherkommen. Das schaffen wir nur, wenn wir nicht stehen bleiben, wenn wir mutig ausprobieren, Präsenz suchen und zeigen. Dabei gibt es keinen Bereich, in dem wir nicht sein sollen. Überall, das ist wichtig. Jeder hat andere Begabungen und Stärken und sollte sie entsprechend einsetzen an dem Ort, an dem diese gebraucht werden. Da ist das Altenheim nicht wichtiger als das Internet und das Internet nicht wichtiger als das Altenheim. Wichtig ist, dass wir dort, wo wir sind, etwas bewirken.
Ich bin Mensch. Und genau in dieser Menschlichkeit mache ich mich täglich auf die Suche nach Gott. Meine Follower nehme ich mit. Meine Vision ist eine Jugend, die Gott kennt. Eine Jugend mit Gott.