01.04.2017

Titelthema: Urbane Oasen 

Lieblingsort mit Weitblick

Ulrich Timm

Ein Drink in luftiger Höhe, dem Himmel so nah – wer träumt nicht vom eigenen Dachgarten? Möglich ist (fast) alles, doch vor dem Aufbau gibt es einiges zu bedenken.

Nichts wie raus in den Garten, heißt es bei schönem Wetter. Wie gut, wenn man mitten in der Stadt ein paar Stufen hoch in seine grüne Oase gehen kann. Einfach weg vom Lärm der Stadt der Sonne entgegen, um das Flair eines Gartens auf dem Dach zu genießen. Solche grünen Anlagen sind keine neue Entdeckung, aber die Gen­trifizierung hat den Trend, ungenutzte Dachflächen in vielfältige Lebensräume zu verwandeln, vorangebracht.

Dachgärten waren niemals so attraktiv wie heute. Ihre Gestaltung und die Bepflanzung sind professionell und spannend geworden, was sich auch auf die Wertsteigerung der Immobilie auswirkt. Oft sind die grünen Akzente auf dem Dach schon von der Straße aus ein Anziehungspunkt. Manchmal werden sie durch die vertikale Begrünung der Fassade pointiert. Zusätzlich  gibt es ökologische Vorteile, denn das Grün in der Höhenluft verbessert das Kleinklima in der Stadt, hält das Regenwasser zurück und bindet Staub. Zugleich wird die Dachabdichtung geschützt und das Gebäude besser temperiert.

Belastbarkeit berechnen
Wer einen Dachgarten betritt, ist immer wieder von der besonderen Atmosphäre begeistert, dem ungewohnten Ort für einen Garten, dem großartigen Ausblick auf die Dächer ringsum und dem weiten Him­mel. Außerdem ist das Klima hier oben völlig anders als am Boden. Es ist hell, häufig sonnig und oft auch windig. Der Garten in der Höhenlage unterscheidet sich grundsätzlich von einem „normalen“ Garten. In seiner Begrenztheit erinnert diese Location an ein Atrium. Allerdings kann die Belastbarkeit des Daches Einschränkungen erforderlich machen. Wie hoch die Belastung durch den geplanten Dachgarten mit den eventuell schweren Gefäßen, der Erde, einer Holzterrasse und anderen Dingen sein darf, berechnet ein Statiker.

Kaum anders als bei einer klassischen Gartenplanung geht es auch hier um die optimale Nutzung. Soll der Dachgarten eher Entspannungsort für eine junge Familie sein? Oder ist ein Ort für ruhige Momente geplant, um dem Himmel gefühlt nahe zu sein? Ein Hype ist aktuell das urban farming – nicht nur auf Brachflächen der Stadt, sondern auch auf dem Dach, um eigenes Obst und Gemüse zu pflanzen, zu pflegen und zu ernten.

Sicht- und Windschutz
Dachgärten können so angelegt werden, dass sie nach allen Seiten Ausblick gewähren, wenn dieser Außenraum genügend hoch liegt. Bei einem weniger attraktiven Umfeld ist es ratsam, behagliche Räume durch blickdichte Wände oder Hecken ent­stehen zu lassen. An manchen Standorten können die Wände benachbarter Häuser bereits einen Rückhalt und Schutz bieten.

Klares Einscheibensicherheitsglas für die Brüstung erlaubt den ungehinderten Blick auf die Nachbarschaft, translus­zen­tes, milchiges Glas hingegen verdeckt weniger schöne Ausblicke. Wichtig: An der Außenseite muss die Geländerhöhe von mindestens einem Meter eingehalten werden. Bei aller Freude über viel Sonnenschein, sollte auch an Sonnenschutz im Hochsommer gedacht werden. Markisen und Sonnenschirme sind wegen ihrer Windanfälligkeit nicht immer für das Dach geeignet. Fest eingebaute Pergolen mit einem Sonnensegel sind windstabil und bieten die bes­sere Lösung.

Was wäre ein Dachgarten ohne Pflanzen? Wegen des manchmal extremen Kli­mas sollten windfeste Sträucher und Gräser wie Felsenbirne (Amelanchier) und China­schilf (Miscanthus) gewählt werden. Auch Immergrüne wie Buchsbaum und Kiefern (Pinus) sind schöne Hingucker. Für die grö­ßeren Pflanzen sind Beete oder Gefäße mit 40 Zentimetern Tiefe erforderlich, um ein langfristiges Wachstum zu gewährleisten. Kräuter und Stauden wie Fetthenne (Sedum)  sind genügsamer.

An Stelle humoser Gartenerde werden spezielle Substrate verwen­det, die luftdurch­lässig und stabil sind. Bald entsteht durch Samenflug eine natürliche Artenvielfalt und es bilden sich vielfältige Lebensräume, die Schmetterlinge und Bienen anlo­cken werden.

Märchenhafte Atmosphäre
So einladend der private Freiraum am Tage auch ist, besonders stimmungsvoll wird er erst in der Dämmerung, wenn er durch Beleuchtung in Szene gesetzt wurde. Strahler als Up- und Downlights lassen eine geradezu märchenhafte Atmosphäre entstehen. Ihr Lichtschein verwandelt Pflanzen, Wände oder ein Wasserspiel in einen geradezu geheimnisvollen Blickfang. So kann hier oben ein Ort voller Gartenkultur und genussreicher Stunden entstehen, der mit dem Blick auf die Skyline eine magische Anziehungskraft ausstrahlt.

Erschienen in Rotary Magazin 4/2017

Ulrich Timm
Ulrich Timm plant als Landschaftsarchitekt Gärten und Parkanlagen. In der Vergangenheit leitete er das Gartenressort der Zeitschrift Schöner Wohnen. ©Foto: Hoffotografen ulrichtimm.de

Rotary Magazin 6/2017

Rotary Magazin Heft 6/2017

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