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Porträt

Persönliche Grüße für den guten Zweck

Porträt - Persönliche Grüße für den guten Zweck
Ulrich Sprandel ist seit 2013 Vorsitzender des Rotary Hilfswerk Grußkarten e.V.. © Dirk Bruniecki

Der Rotary Hilfswerk Grußkarten e. V. unterstützt mit ­seinem Angebot rotarische, humanitäre Projekte. Der Spendenanteil aus jeder Bestellung hilft.

01.11.2018

Die Geschichte der Weihnachtskarte ist traditionsreich und lang. Im Zeitalter von E-Mail, Facebook & Co. scheint das Kartenschreiben aber überholt oder gilt bestenfalls noch als retro. Schnell und einfach soll kommunikativer Austausch heute funktionieren. Doch Grüße per Post, insbesondere zur Weihnachtszeit, haben nie wirklich an Bedeutung verloren und sind heute aufgrund ihrer Individualität zu einem echten Zeichen der Aufmerksamkeit für wichtige Menschen im Leben geworden.

Grußkarten, die helfen
Im nächsten Jahr feiert der Rotary Hilfswerk Grußkarten e. V. seinen 30. Geburtstag. Mit dem Verkauf von Weihnachts- und anderen Grußkarten sowie individua­lisierten Onlinebriefen unterstützt der Verein jedes Jahr ausgewählte rotarische Projekte. Rund 1,8 Millionen Euro kamen bisher für den guten Zweck zusammen. Seit fünf Jahren leitet Ulrich Sprandel (RC Kaufbeuren-Ostallgäu) den Verein.
Er beobachtet seither den stetigen Rückgang des postalischen Grußes, was sich finanziell leider auch auf den Spendenerlös auswirkt. Dabei ist das Kartenschreiben doch eine einfache Möglichkeit, sich von der digitalen Postflut, erzeugt durch Hunderte von E-Mails oder anderen elektronischen Nachrichten, abzusetzen. Zum Glück gibt es noch viele Firmen wie auch Privatleute, die an der Tradition festhalten und zu verschiedenen Anlässen wie Festtagen und Jubiläen individualisierte Grüße an Empfänger versenden. Persönliche Wertschätzung wird dadurch signalisiert, so ist Sprandel überzeugt.
Seit 1989 bietet der rotarische Grußkartenverein künstlerisch gestaltete Karten an, deren Preis jeweils einen Spendenanteil für bestimmte gute Zwecke einschließt. Die Idee zu den helfenden Grußkarten hatte der Verleger Past-Gov. Jens Meyne (RC München-Schwabing). Als Eigentümer des Korsch Verlags, der hauptsächlich Kalender und Postkarten produziert, erstellte er eine Produktpalette für Rotary zum Selbstkostenpreis. Früher floss der Spendenanteil aus dem Kartenverkauf direkt an die Clubs zurück, aus deren Reihen die Grußkarten vorher gekauft worden waren. Eigene Clubprojekte freuten sich so über finanzielle Unterstützung.

Konkrete Projekte fördern
Nach Übernahme des Vorsitzes des Rotary Hilfswerk Grußkarten e. V. im Dezember 2013 hat Ulrich Sprandel das Konzept der mit dem Erlös verbundenen Spendenverwendung geändert: Jede Karte und jeder PC-Brief kann zwar noch immer einen vom Besteller ausgewählten Förderverein unterstützen, daneben ist es aber auch möglich, drei weiteren konkret ausgewählten Projekten finanziell zu helfen.
Zum Beispiel kann mit der aus der Bestellung verbundenen Spende das Projekt „Notaufnahme am Holy Family Hospital“ in Ghana unterstützt werden, das dafür sorgt, dass Kinder und Erwachsene in Notfällen schnell und umfas­send medizinisch betreut werden. Verschiedene Rotary Clubs wie auch deutsche Ärzte engagieren sich hier bereits, als Part­ner diese Einrichtung zu verbessern.  
Ein anderes ausgewähltes Projekt hilft Nomadenkindern in Kenia. Mobile Schulen auf Eseln besuchen die entlegensten Orte und tragen so zu einer Verbesserung der Schulbildung in ländlichen Gebieten bei. Eine weitere Alternative bietet, die Spende zur Unterstützung des weltweiten rotarischen Leuchtturmprojekts PolioPlus zu verwenden.
Projekte, mit denen die Lebensqualität von Menschen gerade in benachteiligten Gebieten dieser Welt verbessert wird, sollten nach Sprandel der Inbegriff des rotarischen Handelns sein. Für ihn selbst ist es ein tiefes Bedürfnis, Menschen zu helfen. Deshalb hat er auch den Beruf als Arzt ergriffen.

Profession
1946 wurde Ulrich Sprandel in Krumbach geboren. Dort erlebte er eine glückliche Kindheit und Jugend und lernte bereits im Alter von 14 Jahren seine spätere Ehefrau Anna-Maria kennen. Als Sohn einer traditionellen Medizinerfamilie stand die Entscheidung, ebenfalls Medizin zu studieren, schon früh fest. Nach Medizin­studium und Promotion an der Ludwig-­Maximilians-Universität in München machte er seine Facharztausbildung zum Internisten an der Medizinischen Poli­klinik der Universität München und habilitierte sich nach einem Forschungsaufenthalt am Clinical Research Center in Harrow, England 1984.
Nach 18 Jahren in München führte ein beruflicher Veränderungswunsch Ulrich Sprandel und seine Familie nach Marktoberdorf, wo er zunächst als Chefarzt der Inneren Abteilung und später als Ärztlicher Direktor am Krankenhaus Marktoberdorf des Klinikverbunds Ostallgäu-Kaufbeuren bis zu seinem Ruhestand arbeitete.


Zur Person

Prof. Dr. med. Ulrich Sprandel (RC Kaufbeuren-Ostallgäu), 1946 in Krumbach geboren, studierte in München. Bis 1984 arbeitete er an der Poliklinik der Universität München, danach als Chefarzt der Inneren Abteilung und später als Ärztlicher Direktor am Krankenhaus Marktoberdorf der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren bis zur Pensionierung. Seit 1985 ist der dreifache ­Vater Rotarier und engagiert in vielen großen Hilfsprojekten. 2013 übernahm er den Vorsitz des Rotary Hilfswerk Grußkarten e. V. Der Verein leistet jedes Jahr einen finanziellen Beitrag für ausgewählte rotarische Projekte.


 
Rotarische Gemeinschaft bewegt
Sprandel versteht sich immer gern als Teil eines Ganzen, um mehr bewegen zu können. 1985 wurde er Mitglied des Rotary Clubs Kaufbeuren. Seitdem begeistern ihn die Möglichkeiten, gegeben durch die weltweite Mitgliederstruktur sowie die Finanzierungshilfen bei rotarischen Projekten durch die Rotary Foundation: „Rotarier teilen Zeit, Freundschaft, Aufmerksamkeit, Ideen, Erfahrung und Können, um aus den eigenen Reihen Hilfe in machbarer und nachhaltiger Form zu leisten.“ Seit seinem Eintritt hat er aus Überzeugung viele rotarische Ämter übernommen und ausgefüllt. So konnte er seine Erfahrungen aus Lehre und Ärztefortbildung als International Training Leader zur Ausbildung der Governors bei zwei Rotary Assemblys in Kalifornien und seine berufliche Erfahrung als Chair der Polio Eradication Campaign für alle deutschen Distrikte einbringen.
Im rotarischen Jahr 1998/99, noch während seiner aktiven Berufsjahre, kümmerte er sich als Governor um die Geschicke des damaligen Distrikts 1840. Mit der Einführung der Assistant Governors schaffte er eine greifbare Ansprechpartner- und Servicestruktur für die Clubs im Distrikt. Auch für eine gute medizinische Versorgung von Menschen in der dritten Welt wollte Sprandel sich während dieser Amtszeit noch konkreter einsetzen. In den deutschen Rotary Clubs gibt es Tausende von Ärzten mit großer beruflicher Erfahrung. Es musste ihm nur gelingen, dieses Potenzial in die Länder der Dritten Welt zu transferieren, wo nach seiner Einschätzung auch heute noch der höchste Bedarf besteht. Mit der Gründung des German Rotary Volunteer Doctors e. V. (GRVD) hat er die Basis für die gewünschte strukturierte Hilfeleistung geschaffen. GRVD feiert am 28. Dezember den 20. Geburtstag.

Sprandel ist der Vater für viele rotarische Großprojekte, hauptsächlich in Afrika, und dabei immer von dem Gedanken geleitet, dass Menschen nur in Gemeinschaft und durch ihre sich ergänzenden Fähigkeiten stark sind. Dies gilt auch für den Grußkartenverein. Er wünscht sich, dass in diesem Jahr zu Weihnachten viele Rotarier persönliche Grüße versenden und die Karten hierfür beim Grußkartenverein bestellen. Denn jede Spende hilft.

rotarygrusskarten.de

Julia Seifert