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Nachruf

Rotarier trauern um Walter Scheel

Nachruf - Rotarier trauern um Walter Scheel
Dr. Walter Scheel © ReblandKurier

Der Rotary Club Bad Krozingen trauert um sein Ehrenmitglied Walter Scheel. Der ehemalige Bundespräsident ist am Mittwoch, 24. August 2016, im stolzen Alter von 97 Jahren in Bad Krozingen gestorben.

25.08.2016

Mit Walter Scheel hat uns ein verdienter, hoch angesehener Politiker verlassen, der die Bundesrepublik Deutschland geprägt hat; zugleich ein guter, stets bodenständiger Mensch und ein Ehrenmitglied, auf das der Rotary Club Bad Krozingen stolz war und ist.

„Niemand verkörpert so wie Walter Scheel die Erfolgsgeschichte dieser Bundesrepublik“, schreibt der Publizist, Politikwissenschaftler und Zeithistoriker Arnulf Baring in einem Aufsatz mit dem Titel „Mr. Bundesrepublik“. Walter Scheel hat sich als Politiker um unser Land verdient gemacht. Sein Leben und sein politisches Wirken wurden durch seinen Kriegsdienst als Offizier und Jagdflieger der Deutschen Luftwaffe geprägt. Aus seiner fünfjährigen Teilnahme am Weltkrieg und dem für die Völker Europas und sein eigenes Volk so furchtbaren Zeit zog er die Motivation und die Kraft für sein unermüdliches Engagement für Demokratie und europäische Verständigung.

Als einziger deutscher Spitzenpolitiker hat der in Solingen geborene Walter Scheel alle Ebenen der politischen Arbeit kennengelernt und dabei Großes geleistet. Von 1948 bis 1950 war er Stadtrat in Solingen. Von 1950 bis 1954 war er Mitglied des Landtages von Nordrhein-Westfalen und 1953 wurde er Mitglied des Deutschen Bundestages. Vom 1. Juli 1956 bis 20. November 1961 war er außerdem Mitglied des Europäischen Parlamentes. Am 14. November 1961 wurde Walter Scheel zum Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit ernannt. Nach der Bundestagswahl 1969 wirkte er maßgeblich auf die Bildung einer sozialliberalen Bundesregierung hin und wurde im Kabinett von Willy Brandt am 22. Oktober 1969 zum Vizekanzler und zum Bundesminister des Auswärtigen ernannt.

Nach dem Rücktritt von Bundeskanzler Brandt am 7. Mai 1974 nahm Scheel auf Bitten des Bundespräsidenten die Amtsgeschäfte des Bundeskanzlers wahr, bis Helmut Schmidt am 16. Mai 1974 zum neuen Bundeskanzler gewählt wurde. Damit war Scheel neun Tage lang geschäftsführender Bundeskanzler.

Am 15. Mai 1974 wurde er zum vierten Bundespräsidenten gewählt und trat am 1. Juli 1974 sein neues Amt an. Am 30. Juni 1979 schied Scheel aus dem Amt aus. Walter Scheel gilt noch heute als populärster aller deutschen Bundespräsidenten.

Legendär ist sein Ausflug in die Musikszene. Die Scheel-Interpretation des Volksliedes „Hoch auf dem gelben Wagen“, das er zusammen mit dem Düsseldorfer Männergesangverein aufnahm und mit dem er am 6. Dezember 1973 in der Fernsehsendung „Drei mal Neun“ auftrat, erreichte Platz fünf der deutschen Musikcharts

Dreimal war Walter Scheel verheiratet, das erste Mal bereits als junger Offizier. Seine zweite Frau ist auch heute noch vielen als Gründerin der Deutschen Krebshilfe bekannt. Mit seiner dritten Frau zog er 2009 im Alter von 90 Jahren aus Berlin nach Bad Krozingen. Die letzten Jahre lebte er im Parkstift, dem Seniorenstift des KWA Kuratoriums Wohnen im Alter.

In Bad Krozingen führte Walter Scheel ein Büro im Rathaus der Stadt, von dem aus er die vielfältigen Kontakte und ehrenamtlichen Aufgaben koordinierte, die er bis ins hohe Alter wahrgenommen hat. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem damaligen Bürgermeister war er als Rotarier bereit, dem in Gründung befindlichen Rotary Club Bad Krozingen als Ehrenmitglied zur Seite zu stehen.

Der junge Club war und ist stolz, dass er in den ersten Jahren von zwei großen Europäern unterstützt wurde. Von Walter Scheel und von dem einige Jahre älteren elsässischen Senateur Ludwig (Louis) Jung, dem früheren Vorsitzenden der Parlamentarischen Versammlung des Europarats. Beide leben nun nicht mehr. Der Rotary Club wird seinen Ehrenmitgliedern ein würdiges Andenken bewahren.

 RC Bad Krozingen