01.10.2017

Standpunkt

Wege gegen die Irrelevanz

Bernhard Baumgartner

Rotary spielt in der Öffentlichkeit keine ausreichend große Rolle. Das Joint Committee on Partnership identifiziert Risiken und schlägt neue Aktivitäten vor.

Rotary hat eine sehr starke Marke, der Bekanntheitsgrad ist jedoch unterschiedlich. Eine Definition wurde aber gefunden: „Wir sind ein weltweites Netzwerk engagierter Menschen, die soziale Verantwortung übernehmen, um die Welt zu verbessern.“ Diese Positionierung ist nicht eindeutig. Wir sind in einer Analyse von 2014 in die Irrelevanz abgerutscht – ein Zustand, der nicht akzeptabel ist. Wir haben den Wandel versäumt. Das Festhalten an Traditionen scheint uns nicht gutgetan zu haben. Wir haben circa 2000 Wettbewerber und 400 direkte Wettbewerber. Also Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, die Caritas et cetera. Unseren Projekten fehlen Key Performance Indicators (KPI) = Schlüssel-Leistungsfaktoren. Wie wollen wir eine Differenzierung erreichen? Zumal vier Risikobereiche identifiziert wurden:

Das Fehlen von Produkten für potenzielle Partnerschaften: Rotary ist abhängig von Projekten, die von der Basis durch lokale Clubs und Distrikte  angestoßen werden. Wenige Großprojekte werden international umgesetzt. Das Finden von Partnern gestaltet sich schwierig, denn ohne „Produkte“ entsteht ein gegensätzlicher Effekt auf das Image und die Reputation von Rotary. Umgekehrt ebenso: Wenn Rotary nicht in der Lage ist, das Projekt erfolgreich zu Ende zu bringen, wird das Image des Partners beschädigt. Zur Erinnerung: PolioPlus ist das einzige „globale Produkt“.

Das Versäumnis, Projektergebnisse zu messen: Wenige Daten und keine KPIs sind von Projekten für mögliche Partner verfügbar, ebenso keine Aussage zum Return On Investment für Projekte/Grants. Seit 2013 werden quantitative Projektdaten abgefragt. Eine neue Datenerhebung läuft seit 2015 bei RI.

Langatmige Prozesse und unklare Definitionen: Rotary wird als „langsamer Projektpartner“ wahrgenommen. Viele NGOs suchen ebenfalls Partnerschaften und stehen somit im Wettbewerb zu Rotary. In Rotarys Code of Policies (35.090) wird ein „16-stufiger Partnerschaftsbewilligungsprozess “ definiert; allerdings dauert dieser 15 Monate. Es werden vier Formen von Partnerschaften definiert (strategisch, Ressource, Service, Projekte): strategisch: „to facilitate“ Rotary Clubs and Districts, Ressource: „to support“ Rotary Clubs and Districts, Service: „to enhance“ Rotary Clubs and Districts. Alle drei Begriffe definieren sich sehr ähnlich, deshalb ist eine Unterscheidung nicht vollständig möglich.    

Organisatorische Instabilität für Partnerschaften: Das Konzept der Partnerschaften existiert in Iterationen über die letzten 20 Jahre. Im Jahr 2015 startete ein neues Team mit der Aufgabe, nachhaltige Partnerschaften aufzubauen.


Die Arbeit des JCP
Um bei der Umsetzung eine Hilfestellung zu leisten, kommt das Joint Committee on Partnership (JCP) ins Spiel. Es berät den RI-Zentralvorstand und das Kuratorium zu Partnerschaften und Sponsoring. Es prüft die Koordination einer professionellen Vorgehensweise zur Entwicklung/Umsetzung der vier Typen von Partnern entsprechend des „Code of Policies“. Es differenziert zwischen strategischen und Ressourcenpartnern und legt deren Ziele fest sowie die strategischen Absichten und die institutionelle Anpassung gemäß des „Code of Policies“. Das Komitee erarbeitet Vorschläge für die Weiterentwicklung des „Code of Policies“ und identifiziert KPIs für jede Kategorie der Partnerschaften. Außerdem überprüft es die Evaluationskriterien im Code. Das JCP berät bei der Entwicklung und Umsetzung spezieller Strategien, um Partnerschaften und Sponsoring-Möglichkeiten zu unterstützen, und übernimmt die Informationsweitergabe an die Mitarbeiter von RI. Es teilt außerdem Informationen, wie neue Aktivitäten erfolgreich umgesetzt werden können. Die vier Modelle sehen wie folgt aus:


- Sach- und/oder Geldspenden: Das Partnerschaftsbüro spricht Firmen, Regierungen und andere Institutionen an, um die Anzahl und Größe der Beiträge für Rotary-Projekte, Programme und Veranstaltungen zu fördern, einmalig oder mehrmalig, Sachspenden und/oder Cash-Spenden.
- Cause Marketing: Viele Firmen veranstalten Kundenwerbeprogramme. Diese Partnerschaften verbessern Rotarys Image und generieren Einnahmen durch Kundenspenden und/oder durch Kunden ausgelöste Firmenspenden.
- Sponsoren: Rotarische Veranstaltungen und Programme werden vollständig durch internationale „langfristige“ Sponsoren finanziert, zum Beispiel Polio.
- Partnerschaften: Rotary hat ein Portfolio von Partnerschaften, die mit Rotarys Mission und strategischen Prioritäten übereinstimmen.


Zielsetzung ist, verstärkt auf die vier Möglichkeiten hinzuweisen und diese Modelle einzusetzen.

Wie können wir uns aus dem Segment der Irrelevanz wieder befreien? Ein erster Schritt ist das „Re-Kalibrieren“, das heißt, uns klarzumachen, „wer sind wir“.  Die Definition „wer sind wir“ stellt den Ausgangspunkt unseres Veränderungsvorhabens dar. Als nächsten Punkt sollen wir unsere Traditionen auffrischen, also Tradition UND Veränderung und Alter UND Generationswechsel zulassen. Vielleicht hilft ein Blick auf Rotary mit frischen Augen und aus verschiedenen Blickwinkeln. Damit einhergehend ist aber die Re-Positionierung von Rotary eine Voraussetzung für eine nachhaltige Zukunft.

Erschienen in Rotary Magazin 10/2017

 Bernhard Baumgartner
Bernhard Baumgartner, RC Kitzbühel, ist Past-Governor 2015/16 des Distriktes 1920. Seit August 2016 ist er Mitglied im Joint Committee on Partnerschip (JCP). Das JCP besteht aus neun Mitgliedern aus acht Ländern. Sie treffen sich zweimal im Jahr im Hauptsitz von RI in Evanston/USA.

Rotary Magazin 12/2017

Rotary Magazin Heft 12/2017

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