15.09.2014

World Health Summit 

»Polio-Bekämpfung ist ein wichtiger Meilenstein«

Detlev Ganten

In Berlin findet vom 19. bis 22. Oktober der sechste World Health Summit statt. Dieses jährliche Zusammentreffen von nationalen und internationalen Entscheidern der Gesundheitspolitik ist ein wichtiger Impulsgeber bei der Handhabung globaler Gesundheitsherausforderungen. Seit Beginn dieses Jahres steht die National Advocacy Advisorin Polio, Hildegard Dressino, mit dem World Health Summit in intensivem Kontakt, um sich über die Erreichung der ehrgeizigen Vorgaben des „Polio Eradication and Endgame Strategic Plan 2013–2018“ auszutauschen. In dem folgenden Beitrag erläutert Professor Dr. Detlev Ganten, Präsident und Gründer des World Health Summits, warum unsere Gesellschaft einen World Health Summit benötigt, welche Rolle insbesondere auch die Zivilgesellschaft bei der Verbesserung der Weltgesundheit spielen muss, und warum die von Rotary ins Leben gerufene Kampagne End Polio Now ein Beleg für die positive Wirkung von zivilgesellschaftlichem Engagement ist.

Zu der Idee, einen Gesundheitsgipfel zu organisieren, kam es 2007 während des G8/G20-Gipfels in Heiligendamm: Zwar wurde damals dem Thema Wissenschaft und Gesundheit eine wichtige Bedeutung auf der Tagesordnung beigemessen. Da sich diese Agenda bei den zukünftigen Gipfeln jedoch stets ändern würde, ermunterte das Bundeskanzleramt dazu, eine eigene Gesundheitsorganisation zu gründen. So nahmen wir 2009 die Feier zum 300-jährigen Jubiläum der Charité zum Anlass, den ersten World Health Summit zu veranstalten.

Das Besondere daran ist, dass sich nicht nur die Wissenschaft an der Konferenz beteiligt, sondern dass gleichzeitig auch die Politik mit ins Blickfeld genommen wird. Gesundheit ist mehr als nur Medizin, denn neben Wissenschaft und Medizin bedarf es der Politik, um den Status quo in Sachen Weltgesundheit positiv zu beeinflussen. „Die Medizin ist eine soziale Wissenschaft, und die Politik ist nichts weiter als Medizin im Großen“, sagte bereits der deutsche Arzt Rudolf Virchow (1821–1902), der an der Berliner Charité wirkte und mit seiner sozial orientierten Medizin den Gedanken von Public Health entscheidend prägte.

Inzwischen hat sich der World Health Summit zu einer weltweit führenden Gesundheitskonferenz etabliert und wird durch die Gründungsmitglieder, die M8 Alliance getragen. Zu den Mitgliedern der M8 zählen Gesundheitszentren, Universitäten und Wissenschaftsakademien aus der ganzen Welt. Die Schirmherrschaft des World Health Summits ist mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem französischen Staatspräsidenten Francois Hollande sowie dem Europäischen Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso hochkarätig besetzt.

Insgesamt versteht sich der World Health Summit als offenes Forum von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Für uns ist die Thematik der weltweiten Gesundheit ein langfristiger Auftrag. Diesen Ansatz hatte es bis dato in dieser Form nicht gegeben. Es gibt keine vergleichbare wissenschaftliche Struktur, die ein solch klares Ziel verfolgt.

Erfolg ist messbar  

Der Erfolg des World Health Summits bemisst sich an den geschaffenen Strukturen, die Wandel herbeiführen können. Von den ursprünglich acht wissenschaftlichen Organisatoren ist der World Health Summit heute auf 17 Mitglieder angewachsen. Die akademische Partnerschaft zwischen den beteiligten Organisationen hat sich über die Jahre zu einer gesetzten und langfristigen Institution entwickelt. Der größte Erfolg ist sicherlich, dass eine auf Dauer angelegte und stabile Plattform geschaffen wurde, welche die Interessen unterschiedlichster Organisationen unter einem Dach vereint, um
gemeinsame Ziele zu diskutieren. Allein die Tatsache, dass sich durch das InterAcademy Medical Panel  alle Wissenschaftsakademien auf der Konferenz gemeinsam zu Gesundheitsfragen beraten, halte ich für einen enormen Erfolg.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Empfehlungen ausgesprochen werden, die von den Akademien ratifiziert werden. Auf Basis dieser Empfehlungen beraten diese in einem nächsten Schritt ihre jeweiligen Regierungen sowie internationale Organisationen – wie z.B. die Weltgesundheitsorganisation. Somit wirken die Empfehlungen auf politischer Ebene weiter.

Zusammen gegen Polio

Im Kontext der Stärkung der Weltgesundheit nimmt die Zivilgesellschaft eine besondere und wichtige Rolle ein, denn sie ist die Basis allen gesellschaftlichen Handelns. Für mich ist es wichtig, dass auch Repräsentanten der Zivilgesellschaft am World Health Summit teilnehmen, weil sie einen enormen Einfluss haben und in der Lage sind, Wandel anzustoßen und zu gestalten. Nicht zuletzt entscheidet die Zivilgesellschaft sich in Wahlen für politische Vertreter und gibt der Politik die Richtung vor, was sich auch auf den Gesundheitssektor auswirkt. Genauso gäbe es ohne die Beteiligung der Zivilgesellschaft keine Vielfalt in Forschung, Wissenschaft und Bildung. Gerade Vereinigungen wie Rotary sind äußerst wichtig, weil sie Menschen zu sozialem Engagement anregen.

Beispielhaft ist hier die von Rotary ins Leben gerufene Initiative End Polio Now. Die Erkrankung an der Kinderlähmung ist eine Katastrophe. Ich habe in meiner Jugend selbst miterlebt, wie Klassenkameraden an Polio erkrankten und in der Eisernen Lunge maschinell beatmet werden mussten. Heute ist das Besondere an dieser Krankheit, dass wir wirksame Präventionsmaßnahmen anbieten können, sodass das Risiko, an Polio zu erkranken, vermeidbar ist. Das Polio-Programm von Rotary ist für mich ein wunderbares Projekt.

Zugegebenermaßen ist die Zielvorgabe der Global Polio Eradication Initiative, Polio bis zum Jahre 2018 vollständig auszurotten, sehr ehrgeizig. Ich bin aber der Meinung, dass man sich ehrgeizige Ziele setzen muss. Und wenn es vollbracht ist, dann wird sich niemand beschweren, wenn es ein oder zwei Jahre länger gedauert hat. Wichtig ist hier eine konzertierte Aktion aller Akteure. Ausreichende finanzielle Mittel sind nicht einmal das vorherrschende Problem. Die Herausforderung liegt vielmehr darin, umfassende Synergien zu erschaffen und das uneingeschränkte Wollen der Regierungen zu erzielen. Immer wieder müssen Impulse gesetzt und verstärkt werden. Ein neuer Enthusiasmus muss entfacht werden. Ansonsten riskieren wir, dass die bisherigen Anstrengungen nachlassen. Es bedarf hier weiterer öffentlichkeitswirksamer Aktionen.

Auch muss man sich vor Augen halten, dass Wissenschaft und Politik die Ausrottung von Polio nicht allein bewerkstelligen können. Die Unterstützung aller an Gesundheitsthemen interessierten Akteure ist gefragt. Damit die Akteure in einen Dialog treten und widerstrebende Partner überzeugt werden können, bietet der World Health Summit ein Forum an, in dem sich alle betroffenen Gruppen und Länder einfinden können. Um etwas zu bewegen, braucht man einerseits eine ehrliche und einbindende, andererseits eine zielorientierte und transparente Diskussion, die an ethischen Werten orientiert ist.

Eine fruchtbare Debatte kann deshalb nur im Verbund mit Politik, Wissenschaft und einer aufgeklärten Zivilgesellschaft geleistet werden. Hierzu bietet der World Health Summit zur Unterstützung ein offenes Forum der Zusammenarbeit, in der alle Beteiligten den hohen Anspruch und das Ziel einer Verbesserung der Weltgesundheit verfolgen. Um die Debatte zum Erfolg zu verhelfen, braucht es starke Teilnehmer – und Rotary ist in diesem Kontext als engagierte und exklusive Gruppe ein perfekter Partner. Sollte die Polio-Ausrottung tatsächlich gelingen, kann sich Rotary mit Stolz diesen Erfolg auf die Fahnen schreiben. Das Engagement in Sachen Polio ist definitiv zur Nachahmung empfohlen.

Daher heißt der World Health Summit Rotary weiterhin ausdrücklich willkommen, unser Forum zu nutzen, um weitere Unterstützer zu gewinnen.


World Health Summit 2014
Günstiges Kartenkontingent
Für Rotarier bieten die Organisatoren insgesamt 30 Tickets mit jeweils 25 Prozent Ermäßigung an. Interessenten schreiben bitte an invitation@worldhealthsummit.org. Sie erhalten dann einen Code, mit dem Sie sich auf der offiziellen Homepage anmelden können: www.worldhealthsummit.org. Mit der Karte haben Sie Eintritt zum kompletten Programm des World Health Summit. Aus Sicherheitsgründen ist eine Anmeldung vor der Veranstaltung erforderlich.

Erschienen in Rotary Magazin 9/2014

Detlev Ganten
Prof. Dr. Detlev Ganten zählt als Facharzt für Pharmakologie und molekulare Medizin, Gründungsdirektor des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in Berlin-Buch und Vorstandsvorsitzender der Charité -Universitätsmedizin Berlin (2004–2008) zu den herausragenden Persönlichkeiten der europäischen Forschungslandschaft. Seit 2009 ist er Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Charité und Präsident des World Health Summit. Zuletzt erschien „Die Gesundheitsformel“ (Knaus Verlag 2014).

www.world healthsummit.org

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