Wie das Thema Gesundheit Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft  und die internationale Politik vereint  - Eine globale Herausforderung

Prof. Dr. DETLEV GANTEN © Bild: Privat

01.09.2015

Wie das Thema Gesundheit Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und die internationale Politik vereint

Eine globale Herausforderung

Detlev Ganten

Woran wird man sich erinnern, wenn man zukünftig an das Jahr 2015 denkt? Mit Sicherheit an diverse wissenschaftliche Großereignisse – man denke nur an die Bilder von den entferntesten Punkten unseres Sonnensystem, die uns kürzlich erreichten. Doch es wird leider auch dunkle Erinnerungen geben, die uns so direkt betreffen, wie dies nur Gesundheitsthemen können: die Folgen der Ebola-Krise; die dramatische Flüchtlingssituation weltweit; antibiotikaresistente Keime; und die weitreichenden Folgen des Klimawandels, unter denen Millionen Menschen überall auf der Welt leiden.

Komplexes Themenfeld

Gesundheit wird im Kontext der Globalisierung zu einem zentralen Thema. Globale Gesundheitsentwicklung ist immer enger verbunden mit Themen wie Sicherheits- und Außenpolitik, wirtschaftlicher Entwicklung, wissenschaftlicher Leistungsfähigkeit oder Klima- und Agrarpolitik. Wie kann die Gesundheit der über sieben Milliarden Menschen dauerhaft verbessert werden? Dieser zentralen Frage widmet sich der World Health Summit seit seiner Gründung im Rahmen der 300-Jahr­feier der Charité. Keine Institution kann diese gigantische Herausforderung alleine lösen. Alle gesundheitsrelevanten Bereiche müssen zusammenarbeiten.

Selten standen die Themen der internationalen Gesundheitsversorgung dabei so hoch auf der politischen Agenda wie 2015: Die im Januar in Berlin organisierte Geberkonferenz der Impfallianz Gavi übertraf ihre Zielmarke von 7,5 Milliarden Dollar; die zentralen Gesundheitsthemen unserer Zeit waren essenzieller Bestandteil der Agenda des G7-Gipfels im Juni in Elmau; die UN-Klimakonferenz im Dezember in Paris widmet sich explizit der Eindämmung dieses weltweiten Problems.

Wie wichtig die zentralen Themen dieser politischen Großereignisse sind, betonen Gesundheitsexperten aus Wissenschaft, Politik, Industrie und Zivilgesellschaft im Rahmen des World Health Summit immer wieder. Die aktuelle politische Aufmerksamkeit bestätigt dieses Konzept. Die internationale Aufmerksamkeit ist hergestellt. Nun muss gehandelt werden – und zwar gemeinsam: Die Politik muss einen Aktionsrahmen definieren und unterstützen; Wissenschaft und Wirtschaft müssen gemeinsam neue Medikamente und Behandlungen entwickeln, auch wenn der wirtschaftliche Profit vielleicht nicht optimal ist; und wir alle sind in der Verantwortung, wie zum Beispiel Antibiotika im privaten Umfeld eingesetzt werden oder wie der Klimawandel auch im Kleinen positiv beeinflusst werden kann. Gemeinsam können wir viel erreichen, aber wir müssen uns beeilen, denn die Zeit drängt. Die Ebola-Krise zum Beispiel hat deutlich gezeigt, dass solche Epidemien nicht nur menschliche Tragödien sind, sondern ganze Regionen und Staaten destabilisieren und in ihrer Existenz bedrohen können. Dies darf nicht erneut geschehen. Wir müssen aus der Krise lernen – auch politisch. Dass Gesundheit 2015 weit oben auf der politischen Agenda steht, ist ein gutes und wichtiges Zeichen.

Austausch über alle Grenzen hinweg

Der World Health Summit stellt allen Akteuren eine neutrale Plattform zur Verfügung, um die gewonnen Erfahrungen zu reflektieren und an den dringend nötigen Lösungsansätzen zu arbeiten. Ein solcher Austausch über alle Grenzen hinweg ist dringend nötig, um die vor uns liegenden Probleme in all ihrer Komplexität überhaupt erfolgreich ansprechen zu können. Ein Beispiel: In naher Zukunft werden 75 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Wie stellen wir eine effektive Krankenver­sorgung in den schon heute viele Millionen Menschen fassenden Metropolen sicher? Wie bringen wir genügend sauberes Wasser und gesunde Nahrung in alle Viertel, anstatt dieses Feld der äußerst ungesunden Industrienahrung zu überlassen? Wir erschaffen wir eine Lebenswelt, die auch lebenswert ist – physisch und psychisch? Und wie soll das alles bezahlt werden? Das ist ein hoch komplexes Themenfeld, das viel mehr umfasst, als reine Gesundheitsthemen. Darum versammeln wir jeden Oktober die besten Köpfe der Welt aus den verschiedenen Bereichen in Berlin. Wir wollen gemeinsam an einer gesunden Zukunft für alle arbeiten. Dieses interdisziplinäre Angebot wird immer intensiver angenommen.

Der nächste World Health Summit findet vom 11. bis 13 Oktober 2015 im Auswärtigen Amt statt und wird von höchster politischer Seite unterstützt: Er steht unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident François Hollande und dem Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker. Hinter dem World Health Summit stehen die M8-Allianz, ein Zusammenschluss international führender medizinischer Universitäten, und das InterAcademy Medical Panel (IAMP), das alle medizinischen Abteilungen der Wissenschaftsakademien weltweit vereint. Über die Nationalakademien werden Empfehlungen an die jeweiligen Regierungen abgegeben, ganz im Sinne der Beratung und des politischen Agenda Settings.

Natürlich sind alle Rotary-Mitglieder herzlich willkommen, aktiv an diesem wichtigen globalen Treffen teilzunehmen, denn ein entscheidender Schritt für den Einzelnen und für die Gesellschaft nach vorne ist eine effektive Prävention. Die vor uns liegenden Aufgaben sind komplex – doch gemeinsam können wir sie lösen. Die Voraussetzungen dafür waren selten so gut wie 2015.

Erschienen in Rotary Magazin 9/2015

Detlev Ganten
Prof. Dr. Detlev Ganten zählt als Facharzt für Pharmakologie und molekulare Medizin, Gründungsdirektor des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in Berlin-Buch und Vorstandsvorsitzender der Charité -Universitätsmedizin Berlin (2004–2008) zu den herausragenden Persönlichkeiten der europäischen Forschungslandschaft. Seit 2009 ist er Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Charité und Präsident des World Health Summit. Zuletzt erschien „Die Gesundheitsformel“ (Knaus Verlag 2014).

www.world healthsummit.org

Rotary Magazin 12/2016

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