Nach dem Erdbeben - Als Ärzte in Nepal

Wegen Überfüllung des Krankenhauses in Dhulikehl müssen die Patienten im Freien behandelt werden. © GRVD

30.04.2015

Nach dem Erdbeben 

Als Ärzte in Nepal

Franz Josef Aka, Jugenddienst-Beauftragter, und seine Frau Ulrike sind von dem Erdbeben in Nepal während eines Einsatz-Aufenthaltes für die German Rotary Volunteer Doctors (GRVD) überrascht worden. Nun leisten der Zahnmediziner und die Allgemeinmedizinerin Notfallhilfe vor Ort. Weitere Ärzte vor allem Unfallchirurgen von GRVD stehen in den Startlöchern. Man wartet jetzt noch auf das „Go“ aus Nepal.

Dank der Spendenbereitschaft der Rotarier kann jetzt auch schon eine erste Rate an Soforthilfe an GRVD ausgezahlt werden. "Davon werden Arzneimittel und Verbrauchgegenstände gekauft", sagt Christoph Reimann, Vorsitzender von GRVD. Wie Sie Spenden können, erfahren Sie hier.

"Besonders in den errsten Tagen hatten wir sehr viele Patienten mit Brüchen", sagt Franz Josef Aka. "Jetzt wird es weniger. Die Menschen haben jetzt andere Sorgen."  Seine Frau Ulrike Aka schrieb einen Bericht ihrer Erfahrungen vor Ort:

Am 7. April brechen mein Mann (Zahnarzt) und ich (Allgemeinärztin) auf nach Nepal, um vier Wochen für GRVD im Tamakoshi Hospital in Nepal zu arbeiten. Mit diesem Hospital besteht seit langem ein guter Kontakt, die Zahnstation, der OP, das Röntgen und so manches Andere wurden in den vergangenen Jahren dort mit Hilfe deutscher Rotary-Clubs und GRVD eingerichtet.

Nach drei Tagen im wunderschönen Bhaktapur werden wir von Dr. Suman, dem Klinikleiter, abgeholt und nach gut vier Stunden Jeepfahrt in den Südosten von Kathmandu erreichen wir Manthali.

Am Samstag, dem 25. April., stößt Jörg Bahr zu uns, der zuständig ist in Nepal für GRVD, für BIS und für 10 Schulprojekte, und der in den Bergdörfern bei Manthali die Umsetzung und den Fortschritt dieser Projekte wie z.B. den Ofenbau begutachten möchte. Wir verbinden diesen Trip zu den Dörfern mit einem "Camp"; das bedeutet, dass die 50 Kinder eines Dorfes zahnärztlich untersucht werden, ihr Herz abgehört wird und sie ggf. einen Folgetermin im Hospital bekommen.

Auf dem Weg nach Kinetar, wo die neue Zahnstation von GRVD feierlich eröffnet werden soll, stoppt der erste Jeep mit Jörg Bahr und meinem Mann, weil sich vor dem Wagen plötzlich von oben eine Staubwolke über die Straße legt. Ein großer Steinschlag folgt unmittelbar danach, das Auto und die Insassen bleiben unversehrt. Wir im zweiten Jeep folgen mit etwa zehn Minuten Abstand. Unser Fahrer hält an, weil sich das Auto seltsam bewegt und er glaubt, ein Reifen sei platt. Aber auch nach dem Stopp bewegt sich der Jeep weiter, und als Dr. Suman ruft "Earthquake", denke ich noch an einen Spaß. Dies aber nur Sekunden! Wir steigen aus - die Erde wackelt unter unseren Füßen, der leere Jeep und die Bäume am Straßenrand schaukein hin und her und auf der anderen Seite des Flusstales erhebt sich über dem Dorf eine große Staubwolke von einstürzenden Häusern. Nach etwa fünf Minuten ist der Spuk vorbei, aber der Schrecken ist uns gehörig in die Glieder gefahren. Wir bekommen keinen Kontakt zum anderen Jeep und hoffen, es liegt nur an überlasteten oder nicht mehr funktionierenden Telefonleitungen.

Nach längerem Warten fahren wir langsam weiter, erreichen Kinetar, wo der andere Jeep aber nicht angekommen ist. Wir erfahren, dass es offensichtlich in Kathmandu und Umgebung große Schäden geben hat. Auf der langsamen Rückfahrt nach Manthali treffen wir – sehr glücklich, dass alle unverletzt sind! – auf den anderen Jeep, der in einem Dorf das Ende des Bebens abgewartet hat.

Im Lauf des Tages und auch in den Tagen danach bebt die Erde noch mehrfach heftig, was wir deutlich fühlen und durch die panischen Schreie der Einwohner auch hören können. In Manthali selbst sind nur wenige Häuser stark beschädigt, dennoch schlafen fast alle Leute unter Zeltplanen im Freien. Viele Dörfer in der Umgebung, deren Häuser aus Lehm und Holz gebaut sind, sind komplett zerstört. Vom Zentrum des Bebens und vom Ausmaß der Schäden erfahren wir nur nach und nach, fast mehr über unsere Kinder und Freunde in Deutschland, mit denen wir dank Internet Kontakt haben, wenn es denn funktioniert.

Die öffentliche Stromversorgung ist zusammengebrochen, auch jetzt, eine Woche nach dem Beben, funktioniert sie noch nicht. Stundenweise läuft der alte Generator des Hospitals; seine Leistung reicht aber kaum für Röntgenaufnahmen und die medizinischen Geräte. Wir befürchten, dass die Versorgung mit Frischwasser knapp werden wird, wenn die Pumpen nicht laufen und bereiten uns schon mal auf mehr Durchfallerkrankungen vor.

Ansonsten sehen wir in der Klinik praktisch nur noch Patienten mit Verletzungen und Brüchen, die mit äußerst beschränkten Mitteln so gut wie möglich versorgt werden. Schienen werden aus Pappkartons gefaltet und Brüche ohne Betäubung wieder gerichtet. Da ist eine unkomplizierte Geburt ein doppelt freudiges Ereignis. Patienten, die wir normalerweise nach Kathmandu schicken würden, müssen wir hier versorgen, da die Lage in Kathmandu deutlich schlechter ist als hier.

Wir werden noch etwa zwei Wochen hier sein und helfen so gut wir können. Die Menschen sind freundlich und geduldig und tragen ihr Schicksal bemerkenswert. Wir hoffen, dass mit Unterstützung aus Deutschland der Wiederaufbau möglichst schnell begonnen und erfolgreich abgeschlossen werden kann.


Sollten Sie für die Soforthilfe spenden wollen, können Sie auch die „German Rotary Volunteer Doctors“ e.V. in ihrer Arbeit unterstützen. GRVD hat derzeit Ärzte vor Ort und benötigt dringend Verbrauchsmaterialien und Medikamente. Überweisung bitte direkt an GRVD:

Grvd e.V.

Hypovereinsbank Kaufbeuren

IBAN: DE83734200710002104008

 

 

Rotary Magazin 9/2016

Rotary Magazin Heft 9/2016

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