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Meinung

Ihre Leserbriefe

Meinung - Ihre Leserbriefe
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Hier finden Sie Leserbriefe zu verschiedenen Artikeln zurückliegender Rotary Magazine.

01.04.2021

Lesen Sie hier die Meinungen von Lesern zu einzelnen Texten oder den Themen des Rotary Magazins.
Die hier veröffentlichten Leserbriefe geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zu kürzen.

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 2021, maerz, leserbriefe

 Zum Titelthema "Das Archiv des Lebens", Heft 3/2021

Soeben schaue ich in das neue Rotary Magazin für März mit dem Titelthema "Mensch und Boden" und empfinde eigentlich, dass entgegen dem Cover-Text "Das Archiv des Lebens" zwei wesentliche Themen fast völlig fehlen: Die Paläontologie und die Archäologie. Bis auf ein paar randliche Bemerkungen im Artikel des mir bestens bekannten Achäobotanikers Hansjörg Küster und im Artikel unseres Frankfurter Kollegen Heinrich Thiemeyer ist das m.E. weitgehend entfallen. E ist mir natürlich bewusst, dass ein solch umfassendes Thema im vorliegenden Rahmen immer nur selektiv behandelt werden kann.

Die Bedeutung des Bodens als Klima- und Umwelt-Archiv der Erdentwicklung unter Einbeziehung von Natur und Mensch und als Archiv des kulturellen Gedächtnisses der Menschheit für alle nicht schrifttragenden Epochen ist jedoch gerade für das Publikum, an das das Rotary Magazin gerichtet ist, nicht ohne entsprechende Hinweise e silentio zu erschliessen.

 Vergegenwärtigt man sich, dass sich über 99% der Menschheitsgeschichte ohne Schriftlichkeit entwickelt hat und Schrift erst seit ca. 5.000 Jahren existiert, wird einem die Bedeutung des Bodens als einzigem Langzeitarchiv menschlichen Tuns erst bewusst. Und auch Überreste aus jüngeren und jüngsten Epochen liefern uns Archäologen zahlreiche Hinweise, die weit über unsere schriftlich überlieferten, sehr selektiven historischen Informationen hinausgehen.  Dies reicht bis zu den aus Zusammenhängen im Boden erschlossenen Arbeitsbedingungen in Fabriken des 19. Jhs. oder Informationen über die Strukturen in den KZ's der Nazidiktatur.

Bei jeder archäologisch nicht beobachteten Geländeveränderung, der Anlage von Trassen, Neubaugebieten, bei Kriegszerstörungen und Katastrophen werden weltweit Zusammenhänge der Menschheitsgeschichte unwiederbringlich vernichtet. Nur bei Ausgrabungen genau beobachtete und dokumentierte "Befunde", also die Überreste von Hausgrundrissen und ganzen Siedlungen, Bestattungen und vielen weiteren archäologischen Quellen, können in sorgfältigen Rekonstruktionen Antworten auf das "Wann", "Wie" und "Warum" früheren menschlichen Tuns erbringen. Und täglich kommen unzählige neue Fundstellen hinzu, die mit immer neueren und besseren Methoden mehr Erkentnisse erbringen als frühere Ausgrabungen. Neue zerstörungsfreie Prospektionsmethoden wie Geophysik und Lidar Scans könnten flächendeckend bislang unentdeckte menschliche Hinterlassenschaften sichern und vielleicht öfter als heute möglich die Planungen für die Zukunft so modifizieren, dass die Relikte unausgegraben im Archiv des Bodens konserviert und für spätere bessere Forschungsmethoden zur Verfügung stehen. Schriftliche Dokumente weden ja auch in den Staats- und Stadtarchiven sorgfältig für die Zukunft aufbewahrt und möglichst vor Zerstörung geschützt.

 Karl-Friedrich Rittershofer
RC Kronberg

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 Zum Standpunkt, "Das Gute liegt so nah", Heft 3/2021

Seit Jahren ist dies ein spekulatives Thema und endlich haben die Autoren durch ihre Umfrage Fakten geschaffen! Und sie treffen es auf den Punkt, es gibt keine "Rotary-Müdigkeit" bei Rotaractern, ganz im Gegenteil, der Austausch ist gewünscht. Doch liegt es tatsächlich an den Mittagmeetings oder der Geschlechterverteilung?

Ich habe starke Zweifel. Ich bin letztes Jahr über zwei rotarische Freunde, Kuno und Bernhard, die mich von Rotaract kennen zu Rotary gekommen. Dies unter 30, als Frau und als deutsch-türkin. Viele würden mich sicherlich als "Exot" in einem Rotary Club bezeichnen, aber dies empfinden weder ich noch meine Freunde*innen im Club so und dies obwohl der Frauenanteil bei uns im niedrigen einstelligen Bereich liegt. Meine rotarische Freundin Uta begleitet mich von Anfang an und führt mich in die Gepflogenheiten eines Rotary Clubs ein, aber wir treffen uns auch gerne zum Essen und sind befreundet. Treffe ich auch meine männlichen rotarischen Freunde z.B. zum Brezelabend oder spielen wir gemeinsam gerne in einem Flight? Ja. Nehme ich an jedem Mittagsmeeting teil? Nein, aber dies tun auch nicht alle anderen Freunde*innen.

Ich denke mit den Online-Meetings haben wir ein tolles Format gefunden, welches zukünftig auch ein Hybridmodell zulässt und die Teilnahme für alle berufstätigen erleichtert. Denn dies ist ein herausforderndes Thema für alle berufstätigen im Club. Es geht nicht darum, wie alt potenzielle Kandidaten sind, ob diese an allen Mittagsmeetings teilnehmen können oder gar welchem Geschlecht sie angehören. Letztendlich kommt auf die persönliche Freundschaft und Verbundenheit an, denn man verbringt einen Großteil seiner Freizeit im Club, so wie auch bei Rotaract und da muss es eben einfach passen. 

Dilâra Söylemez
RC Böblingen-Schönbuch und RAC Sindelfingen-Böblingen

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 Zum Artikel "Vom Brandherd zur Brückenregion", Heft 3/2021

Es ist dem Rotary Magazin zu danken, dass es an die Geschehnisse in Oberschlesien 1919-1921 (17.-18. August 1919; 20.-21. Mai 1920 und 02.-21. Mai 1921 erinnert. Als in Eisdorf, kreis Namslau/Schlesien geborener Landwirtssohn, der an der Hand seiner Mutter Flucht und Vertreibung aus Schlesien nach Westfalen erlebt hat, bedürfen die Ausführungen vom rotarischen Freund Dr. Karsten Eichner jedoch einige Ergänzungen. Da mein Heimatort nur 20 Kilometer von der damaligen polnischen Grenze und nur ca. 30 Kilometer von der Grenze zu Oberschlesien entfernt lag und meine Großmutter aus dem Kreis Kreuzburg/Oberschlesien stammte, waren die damaligen Ereignisse immer wieder Gesprächsstoff in der Familie – auch lange nach dem Zweiten Weltkrieg.

Oberschlesien umfasste vor dem Ersten Weltkrieg eigentlich den Regierungsbezirk Oppeln. Jedoch wurde auf Betreiben von Wojcieck Korfanty dreieinhalb Landkreise, nämlich die Kreise  Neiße, Grottkau, Falkenberg und Teile des Kreises Neustadt aus dem Abstimmungsgebiet ausgegliedert. Der Einbezug dieser rein durch Deutsche bewohnten Kreise hätte das Abstimmungsergebnis auf mehr als Dreiviertel für Deutschland verändert. Wojcieck Korfanty – Abgeordneter im Deutschen Reichstag vor und nach dem Ersten Weltkrieg – war der Rädelsführer, der mit polnischen Milizen und regulären Armeeeinheiten schon zwei Tage nach Unterzeichnung des Versailler Vertrages am 28. Juni 1919 in Oberschlesien einmarschieren wollte. Es ist unkorrekt von „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“ zu reden, da es sich nicht um eine Volkserhebung der Deutschen und Polen gegen die Regierung, die Plebiszit-Kommissariate oder die Militärbesatzung der Alliierten handelte, sondern um vom polnischen Staatsgebiet aus inszenierte Aggressionsakte, die natürlich Anhänger auf dem Lande in den angrenzenden Landkreisen fand.

Die aus dem ganzen deutschen Reich angereisten Freikorpskämpfer, alles ehemalige Veteranen des Ersten Weltkrieges, wurden auch durch die Familie meiner Großeltern beköstigt und beherbergt. Obwohl seitens der Polen und der beteiligten Armeeeinheiten mit Artillerie und Minenwerfern gegen die leichten Handfeuerwaffen der Freikorps vorgegangen wurde, konnten die Freikorps am 21. Mai 1921 den entscheidenden Sieg am Annaberg erringen.

Die aus deutscher Sicht nicht korrekt umgesetzten Ergebnisse der Abstimmung durch den Völkerbund führten zu großem Misstrauen in der Bevölkerung Schlesiens gegenüber den internationalen politischen Institutionen und Organisationen.

Die neuere Geschichtswissenschaft belegt unzweifelhaft, dass Polen bereits im März 1939 zu einer Generalmobilmachung aufgerufen und das Militär in Alarmbereitschaft versetzt hat. Darüber hinaus wurde ab dem gleichen Zeitpunkt eine aggressive Kriegspropaganda betrieben, die zu erheblichen Grenzverletzungen an der schlesischen Grenze führten.

Mein Vater wurde bereits im Juli 1939 zur Wehrmacht eingezogen, um den Grenzschutz zu verstärken, da marodierende Milizen und Banden in Grenznähe auf deutscher Seite Feldscheunen anzündeten und Bauerngehöfte sowie kleinere Dörfer angriffen. Von daher ist die Bezeichnung „Überfall auf Polen“ der Political Correctness/Geschichtsklitterung zuzuordnen, denn er beinhaltet eine totale Ahnungslosigkeit auf der einen und ein kriminelles, aggressives Verhalten auf der anderen Seite.

Dr. Arwed Blomeyer
RC Bad Driburg

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 Zum Artikel "Vom Brandherd zur Brückenregion", Heft 3/2021

Der Artikel „Vom Brandherd zur Brückenregion“, der dankenswerter Weise an die Abstimmungen nach dem Ersten Weltkrieg in Ostdeutschland erinnert, bedarf einiger Ergänzungen. Die Abstimmungen in Oberschlesien und den weiteren Provinzen (Westpreußen, Posen) waren nur in den größeren Städten weitgehend frei. Auf dem Lande herrschte durch die – französisch geförderten – Korfanty-Banden ein Terror, der sehr viele Deutsche am Wählen hinderte und Wahlen fälschte. Man lese dazu nur die Berichte der italienischen Kommission. Diese Wahlen sollten der polnischen Okkupation nur einen legitimen Anstrich geben.

Der sogenannte Versailler Vertrag war kein Vertrag, sondern ein brutales Diktat, das durch wirtschaftliche Erpressung zustande kam. Dazu die Worte des französischen Generals Foch vor jungen Offizieren an der Offiziersschule St. Cyr 1920: „Machen Sie sich über die Zukunft keine Gedanken, dieser Friede wird Ihnen eine glänzende Karriere bescheren.“

Die „14 Punkte Wilsons“ waren ein grandioser geplanter Schwindel, denn unmittelbar nach der Kapitulation Deutschlands hatten sie ihre Geltung und ihr Versprechen verloren. Der Angriff Deutschlands auf Polen am 01. September 1939 war auch kein Überfall, da Polen die Mobilisierung schon am 29.-30. August 1939 eingeleitet hatte.

Weder die nebensächliche und nicht ganz geklärte Aktion bezüglich des Senders Gleiwitz, noch die bestehende Okkupation ostdeutscher Provinzen waren der eigentliche Anlass des Angriffs auf Polen, sondern schlicht die Tatsache, dass entgegen Haager Landkriegsordnung und Genfer Konvention seit 1920 aus den von Polen besetzten ostdeutschen Gebieten über eine Million Deutsche Vertrieben wurden und dazu etwa 60.000 durch anhaltenden Terror ums Leben kamen. Anzumerken ist auch, dass alle Versuche der „Weimarer Republik“ diesbezüglich eine Besserung oder gar Lösung zu erreichen erfolglos waren.

 Dr. J. F. Jacobs
RC Mindelheim

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 Zum Thema "Leipziger Träume", Heft 3/2021

Als Leipziger habe ich ich sehr gefreut, den Artikel "Leipziger Träume" im Magazin März 2021 zu lesen. Einige Gedanken sind mir dabei gekommen.

Der moderne Städtebau wird in einem Schwung als "Desaster, das die moderne Stadtplanung in der Nachfolge Le Corbusier angerichtet hat" vorgestellt. Genau! - beinahe hätte Le Corbusier doch Paris abgerissen, war das nicht so?

Der Autor lobt die geschlossenen gründerzeitlichlichen Bebauungen in Leipzig. Aber die Leistung der modernen Stadtplanung im Vorgriff auf Le Corbusier sollte man zumindest im Kopf behalten. In der Leipziger Innenstadt gibt es heute wohl keine zehn Häuser mehr, die vor 1871 errichtet wurden. Die wurden nicht durch Kriege zerstört, sondern durch einen beispiellosen Abriss der gesamten Leipziger Innenstadt in der Gründerzeit. Im Wortsinne: Abriss der Innenstadt. Kleinteilige Bebauung wurde geschleift - große Messehäuser entstanden. Das prägt heute noch das Bild der Leipziger Innenstadt. Brutalismus ist keine Erfindung von Le Corbusier.

Der vom Autor gefeierte Hugo Licht wollte das Alte Rathaus in Leipzig in genau dieser Tradition abreißen (eines des oben genannten wenigen Gebäude). Der Licht-Entwurf ist so banal, dass die Leipziger den Mut bewiesen und ihr Altes Rathaus aus dem 16. Jahrhundert vor dem Gründerzeitlichen Brutalismus bewahrt haben.

Der Text unter dem Bild "Neubau des Leipziger Rathauses... begeistert Leipzigs Gäste bis zum heutigen Tag" bleibt insofern ein Rätsel - ist doch ein nicht realisierter Entwurf zum Abriss des Alten Rathauses abgebildet, und eben nicht das Alte Rathaus, das viele begeistert.

Alexander Warkus
RC Leipzig-Alte Börse

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 Zum Thema "Neues vom RC Bröckedde", Heft 3/2021 

Mit großem Vergnügen lesen meine Frau und ich in jeder Ausgabe die Seite "Neues vom RC Bröckedde". Der Beitrag der Februar-Ausgabe 2021 endete mit dem Hinweis auf eine Umbenennung des Meetingraumes im Clublokal in "Greta-Hindenburg-Salon". In der Überschrift des Artikels der März-Ausgabe wird die alte Bezeichnung "Salon Hindenburg" verwendet. Konnte die Umbenennung nicht durchgesetzt werden, oder hatte der Wirt des Clublokals noch nicht die Zeit, das Schild am Eingang des Salons auszuwechseln?

 Heinrich Frese
RC Bentheim

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 Zum Leserbrief von Jörg Klein, Heft 3/2021 

Der Leserbrief von Freund Klein zum Thema Staat und Kirche bzw. Staat und Religionsunterricht in Deutschland im Rotary-Magazin vom März 2021 erfordert eine Korrektur und veranlasst mich zu einer Nachfrage. Die Korrektur: Mit dem Grundrecht auf Religionsfreiheit in Art. 4 in Verbindung mit Art. 140 GG und den entsprechenden Artikeln der Weimarer Verfassung, die Teil des Grundgesetzes sind, ist sowohl die positive als auch die negative Religionsfreiheit gewährleistet. Daran gab es in den bald 72 Jahren der Geltung des Grundgesetzes weder in der Rechtsprechung noch in der Verwaltung einen Zweifel. Die Frage: Wer soll den Inhalt des Faches Religionswissenschaften festlegen, das Freund Klein im Gegensatz zum bekenntnisgebundenen Religionsunterricht noch bereit ist, zu akzeptieren? Ein Religionsministerium? Das wäre gerade das Ende der Trennung von Kirche und Staat und der Anfang einer staatlichen Indoktrination. Dass der Religionsunterricht nach Art. 7, Abs. 3 GG „in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften“ erteilt wird, und der Staat für eine entsprechende Ausbildung der Religionslehrer an staatlichen Hochschulen sorgt, ist Ausweis einer freundschaftlichen und nicht feindlichen Trennung von Kirche und Staat, bei deren Regelung die Väter und Mütter des Grundgesetzes sich der Tatsache bewusst waren, dass der freiheitliche, säkulare Staat von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht garantieren kann.

Manfred Spieker
RC Osnabrück

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 2021, februar, leserbriefe

Zum Titelthema "Integration oder Exlusion?", Heft 2/2021

Warum hat man darauf verzichtet, auch denen Raum zu geben, die für eine Trennung von Kirche und Staat eintreten und dabei auch für eine integrative religionskundliche und ethische Bildung, statt Spaltung in Konfessionen und Weltanschauungen? Befürwortet werden Formen einer integrativen, gemeinsamen Religionskunde wie zum Beispiel eines Ethikunterrichts.


Gerhard Berndt
RC Kusel

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 Zum Titelthema, "Integration oder Exlusion?", Heft 2/2021

Es ist ja begrüßenswert, dass sich das Rotary-Magazin zunehmend auch sensiblen Themen widmet, um seinen Lesern einen Mehrwert zu bieten. So bot gerade die Frage nach der Bedeutung des bekenntnisgebundenen Religionsunterrichts die Möglichkeit, ein wirklich wichtiges Thema von unabhängigen Experten beleuchten zu lassen. Wenn von den insgesamt sechs Autoren und Autorinnen allerdings drei (Schmoll, Ulfat, Käbisch) einen theologischen Hintergrund haben und ein weiterer (Edler) aus dem pädagogischen Umfeld kommt, kann ein solches Unterfangen nur zum Scheitern verurteilt sein. Wie war das mit den Fröschen, die man nicht darüber abstimmen lassen sollte, wenn man einen Sumpf austrocknen möchte? Tatsache ist, dass in Deutschland trotz der im Grundgesetz formulierten Trennung von Kirche und Staat diese im Alltag mitnichten Anwendung findet. Neben der Existenz von konfessionellen Fakultäten an staatlichen Hochschulen (deren professorale Lehrkräfte von den Kirchen bestätigt werden müssen), der Finanzierung von kirchlichem Leitungspersonal durch Steuermittel (zusätzlich zur Kirchensteuer), der vom Gesetzgeber sanktionierten Möglichkeit des Eingriffs in die körperliche Unversehrtheit von Kindern (Beschneidung) – um nur einige wenige zu nennen – stellt der bekenntnisgebundene Religionsunterricht eines der gravierendsten Beispiele für diese
nichtexistente Trennung dar.

Wie ist es zu rechtfertigen, dass Religionslehrer ebenfalls eine Zulassung ihrer jeweiligen Religionsgemeinschaft benötigen, der Staat also keinesfalls unabhängig in der Auswahl seiner Lehrer ist? Wie ist zu rechtfertigen, dass Religionsunterricht als einziges Unterrichtsfach im Grundgesetz als ordentliches Lehrfach für öffentliche Schulen abgesichert ist, die Religionsgemeinschaften aber für die Inhalte verantwortlich sind? Vor allem stellt sich aber eine zentrale Frage: Wie kann es sein, dass bekenntnisorientierter Religionsunterricht überhaupt zum Bildungskanon gehört? Ich spreche hier wohlgemerkt nicht von einem möglichen Fach Religionswissenschaften, in dem die so wichtige Vermittlung religiöser Grundlagen mit der gebotenen Neutralität erfolgen könnte. Schließlich werden Kindern und Jugendlichen doch auch nicht die Fächer Homöopathie und Astrologie angeboten, deren Wahrheitsgehalt ähnlich hoch einzuschätzen ist wie der einer Religion. Selbstverständlich stellt die Prävention von Extremismus und Fundamentalismus ein äußerst erstrebenswertes Ziel dar, aber könnte vielleicht die Vermittlung der Evolutionslehre bereits in der Grundschule nicht eine Alternative darstellen, um gerade Schüler mit Migrationshintergrund bzw. aus einem bildungsfernen Elternhaus gegen die religiösen Einflüsse ihres Umfelds zu stärken?

Solange Theologie allerdings immer noch als Wissenschaft angesehen wird, und die etablierten Parteien (davon eine sogar mit dem Zusatz „C“ im Namen) nicht den Mut aufbringen, die Bedürfnisse einer Mehrheit (in Deutschland stellen konfessionsfreie Menschen die größte weltanschauliche Gruppierung dar) sowie vor allem das Grundrecht auf negative Religionsfreiheit zu akzeptieren, wird sich so schnell nichts ändern. Wenn aber ein Magazin seinen Lesern, für die die Frage „Ist es wahr?“ eine besondere Bedeutung darstellt, nur unzureichende Informationen zur Verfügung stellt, ist das einfach ärgerlich.

Literaturhinweis: Michael Schmidt-Salomon, Die Grenzen der Toleranz: Warum wir die offene Gesellschaft verteidigen müssen; weitere Informationen: Institut für Weltanschauungsrecht
weltanschauungsrecht.de

Jörg Klein
RC Heidelberg-Schloss

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 Zum Titelthema, "Integration oder Exlusion?", Heft 2/2021

Dem informativen, ausgewogenen Artikel über den Religionsunterricht von Heike Schmoll möchte ich zwei Anmerkungen hinzufügen. Über die Vorgaben des Lehrplans hinaus sollte das Fach Religion so flexibel sein, um beispielsweise auf die folgenden aktuellen Themen einzugehen.

Mit der Rückkehr des Islam nach Europa hat sich die religiöse Situation bei uns radikal verändert. Anspruchsvoller Religionsunterricht sollte dieses Faktum in unserem eigenen Interesse aufgreifen. Wo sonst als im Fach Religion könnten die Glaubensinhalte der Weltreligionen angemessen behandelt werden? Das könnte fundamentalistischen Tendenzen entgegenwirken und einen sinnvollen Dialog mit dem Islam begünstigen.

Wenn wir eine europäische Identität anstreben, kommen wir an den christlichen Grundlagen unseres Kulturkreises nicht vorbei. Exemplarisch seien die Bedeutung der Feiertage für den gesellschaftlichen Zusammenhalt oder die Werte der Menschenwürde in unseren Sozialsystemen genannt. Die Diskussion über die Priorität von Kranken und Alten in der gegenwärtigen Impfstrategie unterstreicht dies.

Fazit: Unsere humane Kultur in Europa wurzelt tiefer als im wirtschaftlichen Vorteilsdenken oder in populistischen Parolen. Der Philosoph Max Horkheimer gab vor etwa siebzig Jahren Folgendes zu bedenken:“ Religion bedeutet die Sehnsucht danach, dass es bei dem Unrecht in der Welt nicht bleiben soll. Diese Sehnsucht gehört zum wirklich denkenden Menschen.“

Uwe Röser
RC Westerwald

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 Zum Titelthema, "Integration oder Exlusion?", Heft 2/2021

Sehr  geehrte Damen und Herren der Rotary-Redaktion, 

 
zunächst möchte ich mich dafür bedanken, dass Sie in jeder Ausgabe ein informatives Panorama zu gesellschaftlich relevanten Themen mit herausragend kompetenten Autoren bieten. Als Theologe, Religionslehrer und kath. Ex-Priester hat mich die Februarausgabe natürlich besonders interessiert. Ich bin bei meinen Studien zum historischen Jesus auch der Frage nachgegangen, warum Jesus mit seiner Mission so erfolglos war und am Kreuz hingerichtet wurde, während Mohammed als König von Arabien in den Armen seiner Lieblingsfrau starb - und das bei durchaus vergleichbaren Ausgangskonditionen. Die Antwort fand ich in der Soziologie, die hier den übergeordneten Standpunkt einnimmt. Aus diesem Blickwinkel habe ich folgenden Leserbrief verfasst, vielleicht passt er. 

Beste Grüße
Markus Zehetbauer, Uffing
RC Weilheim
 
 
Jede Religion wirkt grundsätzlich gemeinschaftsbildend und zwar umso effektiver, je umfassender sie das Leben der Gläubigen bis in den Alltag hinein bestimmt.  Die Definition Jan Assmanns, das Judentums sei eine „Religion der Selbstausgrenzung“ gilt mutatis mutandis auch für Christentum und Islam. Ob Kehillah, Gemeinde oder Umma, je geschlossener die Gemeinschaft, desto größer der Zusammenhalt und der soziale Gewinn für jedes Mitglied. Zugleich gilt aber auch das Diktum des  Soziologen Talcott Parsons, dass jeder Inklusion „wie ein logischer Schatten“ die Exklusion folgt.

Das „Wir“ gibt es nicht ohne das „Ihr nicht“. Es ist im Hinblick auf die Geschichte der Religionen, in der keine ohne Schismen, konfessionelle Spaltung und gewaltsame Auseinandersetzungen geblieben ist, doch sehr die Frage, ob Religion das richtige Mittel für den heute so nötigen gesellschaftlichen Kitt ist. Die inzwischen friedliche Koexistenz der christlichen Kirchen ist eher ihrer zunehmenden gesellschaftlichen Bedeutungslosigkeit  geschuldet als dem ökumenischen Fortschritt (da waren wir schon mal weiter). Eine umgekehrte Entwicklung sehen wir in muslimisch geprägten Ländern: Je mehr dort die Religion an Einfluss gewinnt, desto intoleranter wird die Gesellschaft – beschwörende Behauptungen wie „der Islam steht für Vielfalt“  sind reines Wunschdenken. Wenn selbst Christen, in deren Urkunde immerhin Gewaltfreiheit und Feindesliebe gefordert wird, gesellschaftlich so versagen konnten wie im Nationalsozialismus, dann sehe ich auch im Islam nicht den besseren Weg zu Integration und Toleranz. 

Markus Zehetbauer
RC Weilheim

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 Zum Titelthema, "Integration oder Exlusion?", Heft 2/2021

Es gab Zeiten, in denen ich mich jeden Monat auf das Rotary Magazin gefreut habe. Warum nicht mehr, was hat sich gewandelt. Oder will ich nur meckern. Schon seit einer ganzen Weile hat mich die Freude verlassen. Ich habe mir den Unmut verkniffen. Doch das Magazin für Februar 2021 verbietet mir ein weiteres Schweigen.

„Integration oder Exklusion?“ lautet das große Thema des Magazins. Muss das wirklich sein, muss sich Rotary, soll ich mich mit dem Thema befassen? Um keine Irrtümer oder dunklen Vermutungen aufkommen zu lassen, ich bin bekennender Christ, steuerzahlendes Mitglied der evangelischen Kirche. Ich war über Jahre Mitglied des Vorstandes einer großen Innenstadtgemeinde meines Wohnortes. Ich habe mich während dieser Zeit für eine aus Algerien gekommene Flüchtlingsfamilie mit vier Kindern eingesetzt. Ich habe für den Schutz der Familie – contra legem – gesorgt, mit Kirchenasyl und anschließendem dauerhaftem Bleiberecht.

Ich hatte dabei nicht allein das christliche Gebot der Nächstenliebe vor Augen, nein, gleichwertig galt das rotarische Motto des „service above self“. Na und, wird man sagen, was hat das mit dem aktuellen Rotary Magazin zu tun. Eine ganze Menge. Denn das aktuelle Magazin erhebt ein Thema, über das ein jeder von uns, wenn es ihn denn interessiert, längst lang und breit als Abonnent einer großen deutschen Wochenzeitung informiert ist, auf einen überhohen gesellschaftlichen Gipfel. Und zudem, was könnte ich als Rotarier mit diesem Thema bewirken. Zugegeben, böse formuliert, sechs ganze Seiten des Magazins wurden obendrein für mindere Plakatmalerei verschwendet. Was hätte man alles auf diesen Seiten über Rotary berichten können?

So komme ich zu einem Appell, mehr Besinnung auf rotarische Grundsätze, mehr „service above self“ wagen.

Hans-Eckhard Tribess
RC Lübecker Bucht/Timmendorfer Strand

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Zum Thema, "Schmutzige Geschäfte", Heft 2/2021

Ja, die Vermüllung mit Plastikmüll ist ein Problem. Aber dieses Problem kann man ganz anders, und vermutlich effizienter, angehen als die Autorin und ihre Organisation dies angeht. Zunächst sollte man fragen, warum Plastikmüll entsteht. Da Plastikverpackungen Geld kosten und die verpackten Produkte verteuern, müssen sie Vorteile bieten, die die Mehrkosten rechtfertigen. Zum Beispiel die Erfüllung von Hygienevorschriften, der Schutz vor vorzeitigem Verderben oder geldwerte Erleichterungen bei der Logistik. Plastikverpackungen tragen also u.a. zur Gesundheit der Verbraucher, zur Vermeidung von  Lebensmittelvernichtung und zur Vermeidung von Schäden auf dem Weg vom Erzeuger zum Verbraucher bei. Sie sind daher für die Versorgung von nahezu acht Milliarden Menschen über teilweise große Distanzen unentbehrlich und ihr Verbot, das von Fundamentalisten zuweilen gefordert wird, indiskutabel. Da sie, grob gesagt, aus verarbeitetem Erdöl bestehen, wäre die nächstliegende Entsorgungsmöglichkeit, ohne lange nationale und internationale Transportwege, die ortsnahe Verbrennung zur Herstellung von Strom und Fernwärme in einer modernen Verbrennungsanlage, deren Abgase sich bezüglich Schadstoffen heutzutage kaum von der Umgebungsluft unterscheiden.  Genau dies ist aber infolge von Verboten oder Fehlen geeigneter Anlagen nicht oder nur in sehr geringem Umfang möglich. Man könnte also argumentieren, dass die internationale Müllverschiebung und Vermüllung leider das folgerichtige Ergebnis der verbreiteten – und auch von der Organisation der Verfasserin vertretenen – Weigerung ist, ortsnahe High-Tech-Verbrennung zuzulassen. Die dabei entstehende CO2-Menge ist, gemessen an den China und Indien im Pariser Vertrag bis 2030  zugestandenen Emissionssteigerungen  vernachlässigbar gering.

Recycling erfordert, abgesehen von der Sammel- und Trennlogistik, zusätzliche Energie- und Produktionskosten und führt selten zu höherwertigen Produkten, taugt also höchstens als Nischenlösung. Eine Umerziehung von Milliarden Menschen sollte gar nicht erst versucht werden.

Jürgen Althoff
RC Neunkirchen/Saar

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 Zum Thema "Die Marke Rotary", Heft 2/21

In dem sehr interessanten Marketingartikel werden Voraussetzungen beschrieben, damit aus einer Marke eine starke Marke werden kann. Der in meinen Augen wichtigste Grund für einen Markenerfolg wurde in dem
Artikel leider nicht erwähnt und behandelt:

"Das Alleinstellungsmerkmal/der Markenkern einer Marke"

Bezogen auf Rotary: Was ist das Besondere an Rotary? Wodurch unterscheidet sich Rotary von anderen Serviceclubs? Was verbindet ein Außenstehender mit dem Namen Rotary?

Wir kümmern uns mit unseren Projekten um alles Mögliche: Frieden und Konfliktvermeidung/Krankheitsvorsorge/Gesundheit von Mutter und Kind/Elementarbildung/Wasser und Hygiene/Wirtschaft und Kommunalentwicklung und seit neuestem auch noch um Umweltschutz. Dabei ist Umweltschutz in den Augen der Öffentlichkeit schon mit Greenpeace besetzt, genauso steht Amnesty International für Menschenrechte, die UNESCO für Bildung und Kultur, UNICEF für Kinderhilfswerk - und für was steht Rotary?

Heute ist Rotary als Serviceclub nur einer unter vielen. Daher auch oft die Gegenfrage auf die Frage, was Rotary ist: "So was wie Lions?"

Dabei haben wir ein Alleinstellungsmerkmal, das allerdings zunehmend bei den Mitgliedern aus dem Focus geraten ist. Das bestätigt auch der Untertitel zur Überschrift "Die Marke Rotary", wo es fälschlicherweise heißt: "Was als Service-Idee im Jahr 1905 in Chicago begann . . ."; oder etwas später: "Paul Harris war mit seiner Serviceclub-Idee 1905 ebenfalls ein echter Marken-Pionier". Falsch, Euer Ehren, ganz falsch. Wie die Autoren selbst am Anfang richtig schreiben ist Rotary als Wertegemeinschaft gegründet worden mit dem Ziel, andere zu veranlassen, sich im Beruf anständig, fair und freundschaftlich zu verhalten. Heute könnte diese Einstellung unter dem Begriff "Berufsethik" subsummiert werden und findet in der 4-Fragenprobe seinen konzentrierten Ausdruck.

Das ist es, was Rotary auszeichnet und von anderen NGOs unterscheidet. Der Service ist die Folge dieser Einstellung, nicht aber der Anlass für die Gründung von Rotary.

Es wäre für Rotary sehr hilfreich, wenn Marketingfachleute Ideen entwickeln könnten, wie unser Markenkern nach außen hin "vermarktet" werden kann, auch in Verbindung mit großartigen Projekten wie "End Polio Now". Nur wenn diese Identifikation gelingt, kann sich M.E. Rotary aus der Masse herausheben und Menschen animieren, sich für Rotary und für keine andere Serviceorganisation zu engagieren.

Frank Ehlers
RC Uelzen

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Zum Thema "Die Marke Rotary", Heft 2/21

Sehr geehrte Damen und Herren,
die beiden Beiträge im Rotary-Magazin 2/2021 stoßen eine wichtiges Thema an, das für die Identifikation eines jeden Rotariers mit unserer Gemeinschaft unentbehrlich ist. Ich möchte einen Gesichtspunkt hinzufügen: Die zahlreichen nationalen und internationalen Projekte sind unzweifelhaft ein Bestandteil des rotarischen Selbstverständnisses. Um aber die “Marke Rotary” vor Ort deutlicher zu vermitteln, bedarf es eines noch stärkeren Engagements in unseren Städten. Wobei neben den sozialen Projekten sicht- und erlebbare kulturelle Aktivitäten stärker in den Vordergrund treten sollten; sie sind nicht "minderwertiger" als die sozialen.

Wenn jeder Präsident in “seinem” Jahr einen Beitrag zu Kultur, Geschichte, Musik, Literatur,Baustruktur...seiner Stadt leistet und DIESE in die Öffentlichkeit vermittelt, z.B. mit unserem Rad, wie es Freundin Dusberger empfiehlt, sind wir einen Schritt weiter. Viele Clubs geben Beispiele in diese Richtung. Sie sollten auch Erwähnung finden im Magazin.

Ferdinand Scherf
RC Mainz 

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Zum Thema "Sowas wie die Lions?", Heft2/21

Liebe Redaktion,
der Artikel unserer rot. Freundin Nadine Dusberger spricht mir/uns aus dem Herzen. Ja, wir müssen bei Rotary unbedingt in unsere „Markenbildung“ mehr investieren. Wir alle gemeinsam müssen für mehr „Bekanntheitsgrad“ für Rotary sorgen.

Oft „missverstehen“ die rotarischen Mitglieder die Bildung von „offiziellen Vorstands-Gremien“ wie z.B „Öffentlichkeits-Ausschüsse“ dahingehend, dass nur diesen die Öffentlichkeitsarbeit obliegt.  Das entspricht aber nur der „offiziellen“ Zuständigkeit für die Club-Arbeit- und die Club-Außendarstellung.

Daneben hat jedes einzelne rot. Mitglied im Prinzip die Verantwortung und Plicht, selbst „persönlich/privat“ als Rotarierin und Rotarier im Rahmen der eigenen Möglichkeiten in wahrheitsgemäßer und geeigneter Form dafür zu sorgen, dass Rotary allgemein und der eigene Rotary Club in der Region bestmögliche und positive Aufmerksamkeit erhalten.

Dabei ist das regelmäßige Tragen der rotarischen Nadel noch die einfachste Möglichkeit. 

Daneben aber gibt es „zig-fache“ Möglichkeiten jedes einzelnen Rotary-Mitgliedes, in seinem direkten und beruflichen Umfeld sich „konsequent“ für die Bekanntheit von Rotary einzusetzen und stark zu machen.

Es gibt genügend „Positives“ bei Rotary und in jedem einzelnen Club, über das man vielfältig im eigenen Umfeld berichten könnte.

Unsere „PR-Lieblings-Rechnung“ lautet z.B. für einen Club mit 40 Mitgliedern:
1 x „offizielle“ PR-Arbeit durch Öffentlichkeits-Ausschuss (Basis-PR-Arbeit des Clubs) + 40 x „persönliche“ Bekanntmachungs-Arbeiten aller Mitglieder (flankierende/multiplizierende PR-Arbeit der Mitglieder)
--------------------------------------------------------------------------------------
  =  41 x „Chancen/Anstöße“ für mehr Bekanntheit von Rotary

An dieser schon rein rechnerischen  „Chancen-Explosion“ kann man leicht erkennen, was in jedem Rotary-Club möglich wäre, wenn sich neben den „offiziellen  Gremien“ auch alle einzelnen Mitglieder „in der persönlichen Verantwortung sehen würden“, sich für mehr Bekanntheit von Rotary aktiv einzusetzen.

Leider befinden sich viele offizielle Club-Gremien eher in einer „Bremser-/Reglementierungs-Funktion“ statt in einer „Motivierungs-/Förderungs-Funktion“, sodass es meistens bei einem recht bescheidenen PR-Ausstoß der Clubs zwangsläufig bleiben muss. 

Das ist ein sehr bedenkenswerter Zustand, eine reine Ressourcenverschwendung, die sich ROTARY im Prinzip im „Kampf um Aufmerksamkeit“ gar nicht leisten kann.

Frau Nadine Dusberger hat absolut recht, wenn Sie schreibt: „Ich bin davon überzeugt, dass wir unsere Haltung ändern und in unsere Markenbildung investieren sollten. Weil unsere Arbeit es wert ist, bekannter zu sein. Weil wir neue Mitglieder gewinnen wollen, um noch mehr Ressourcen für soziale Projekte zu gewinnen. Weil wir neue Impulse und Ideen erhalten wollen, damit uns die Projekte und Spenden nicht ausgehen. Und am Ende auch deshalb, weil wir es den nachfolgenden Generationen schuldig sind, ihnen aktive und lebendige Clubs zu hinterlassen und keine inaktiven und sterbenden.“

Michael Roos
RC Tholey-Bostalsee

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 Zum Thema "Up and down", Heft2/21

Sehr geehrte Damen und Herren,
natürlich ist Prof. Depkat zuzustimmen, wenn er darauf verweist, dass die Krise der amerikanischen Demokratie etwas mit sozialen Verwerfungen zu tun hat. Wenn er hierfür aber als eine der wesentlichen Ursachen die ‚Pluralisierung der Lebensstile‘ bezeichnet, ist mir das zu vordergründig. M.E gibt es mehrere Ursachen. Eine wesentliche davon ist, dass bestimmten Minderheiten seit Jahrzehnten – den Schwarzen seit Jahrhunderten – in der Verfassung verbriefte Rechte teils brachial, teils subtil vorenthalten werden. Eine weitere besteht darin, dass der von Herrn Depkat angesprochene wirtschaftliche Strukturwandel aus ideologischen Gründen nicht sozial abgefedert wurde. Skrupellose Medien profitieren von der beschränkten Weltsicht ihrer Nutzer, indem sie Fehlinformationen verbreiten, die dann helfen, Politiker mit einem ebenfalls stark ideologisch verengten Weltbild an die Macht zu bringen. Schließlich kann man sich auch fragen, ob das Maß an sozialer Ungleichheit in den USA mit einer funktionierenden Demokratie noch vereinbar ist. Wer glaubt, all dies sei eine Entwicklung der jüngsten Zeit, lese Hans Habe: ‚Tod in Texas‘. Kurz nach Kennedys Ermordung geschrieben, bekommt man einen guten Eindruck von den Versäumnissen der US-Innenpolitik der vergangenen 60 Jahre.

Um nicht missverstanden zu werden: die USA bleiben der unverzichtbare Partner Europas. Es wäre einfach zu „dünn“ einseitig ein „gutes Bündnis mit Russland“ anzustreben, um Rot. Werner zu zitieren. Aus mehreren Gründen:

1. Deutschland wäre angesichts des militärischen Machtverhältnisses nur Juniorpartner. Die Umsetzung deutscher Interessen hinge vom Wohlwollen des Kreml ab.

2. 70 Jahre Bemühungen, das durch zwei Weltkriege erschütterte Vertrauen der Nachbarn in die deutsche Politik wieder zu festigen, wäre sofort zerstört. Die Warnung von Frau Thatcher, Deutschland sei per se eine destabilisierende Kraft, würde sich bewahrheiten.

3. Die enge Zusammenarbeit in EU und NATO wäre Vergangenheit. Wenn ich auch Rot. Werners Meinung für abwegig halte, begrüße ich es doch sehr, wenn im Rotary-Magazin kontroverse Zuschriften veröffentlicht werden.

Hierfür herzlichen Dank.

Hans-Joachim Weyres-von Levetzow
RC Holzkirchen

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Zum Thema "Gescheitert", Heft 2/2021

Dieser Artikel widerspricht dem, wofür Rotary steht! Wenn es um Fragen der Meinungsvielfalt geht, halte ich es mit den Briten: „Your last issue contained many articles and opinions I profoundly disagree with – keep on going.“ Der Artikel "Gescheitert" von Susanne Schröter jedoch steht in fundamentalem Gegensatz zum rotarischen Geist und, konkreter, zu unserem Kompass, der Vier-Fragen-Probe. Es hat mich daher erschreckt, dass er es in das Rotary-Magazin geschafft hat. Viele der Beispiele, die Susanne Schröter hier zusammenträgt, sind inhaltlich sicherlich richtig. Auch die meisten ihrer Schlussfolgerungen sind zumindest diskussionswürdig. Sie fasst ihre Beispiele jedoch in einer Weise zusammen, die eine Allgemeinverbindlichkeit suggeriert. Das macht ihre Ausführungen zu Stimmungsmache und lässt sie spalterisch wirken. So insinuiert zum Beispiel der Satz „Das betraf auch die Länder Europas, in denen die Muslime (...) so zahlreich geworden waren, dass sie jetzt selbst dschihadistische Zellen ausbilden konnten.“, dass Menschen muslimischen Glaubens nur darauf warten, genügend Glaubensbrüder um sich zu versammeln, um dschihadistische Zellen formen zu können.

Damit ruft sie Bilder im Kopf hervor, die nicht den Islam sondern auch unsere muslimischen Mitbürger, Nachbarn, Kollegen und (rotarischen) Freunde unter Generalverdacht stellen und damit Gräben aufwerfen. Das muss, bin ich überzeugt - insbesondere bei Rotary – differenzierter gehen!

Frank Wiehler
RC Nürnberg-Connect

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Zum Heft 2/2021

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich wundere mich, daß in den drei letzten Ausgaben des Rotary-Magazins über nur drei Projekte mit Bezug auf die größte Katastrophe seit dem zweiten Weltkrieg berichtet wurde. Dabei sollen Ihre Beiträge und die aus den Distrikten doch Anstöße geben. Fehlt es an Pandemie-Projekten oder werden sie nur nicht veröffentlicht? Wer keine eigenen Ideen dazu hat, möchte vielleicht Vorlagen haben. Und vielleicht gemeinsam mit Nachbarclubs im Netzwerk aktiv werden. In diesen Zeiten, wo der Staat nicht alles richten kann, sind Service-Clubs mit ihrem Wirken, ihren Kontakten und finanziellen Mitteln gefordert. Da ist alles andere doch zunächst Nebensache!

Jürgen Schwerter
RC Iserlohn-Waldstadt 

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2021, januar, leserbriefe

Zum Heft 1/2021

Hallo Rotary Magazin, guten Morgen Redaktionsteam!

Sonntag früh Zeit nehmen und unser Magazin lesen, nach dem Motto:

Wann habe ich das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht? Das Januar-Heft ist klasse. Danke! Hat Spaß gemacht und Impulse gegeben und Kopf befüllt. Gutes 2021 und uns allen möglichst bald viel von dem Alltag zurück, über den wir in Zukunft sicher gerne „stöhnen“. Take care!

Florian Schuch
RC Erlangen-Schloß

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Zum Titelthema "Fremde Nachbarn", Heft 1/2021

Vielfalt und Qualität der Beiträge zum Verhältnis Russlands zu Europa und Deutschland haben die Lektüre der Januarausgabe des Rotary Magazins zu einem Leseerlebnis werden lassen. Der Teilaspekt „Kultur“ verdient indessen eine Ergänzung, die in kulturhistorischen Retrospektiven häufig zu kurz kommt: Es geht um die Berufung deutscher und europäischer Forscher an die Russische Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg zur Zarenzeit und ihre Bedeutung für die Erforschung des russischen „Fernen Osten“.  – Daniel Gottlieb Messerschmidt bereiste von 1720 – 1727 unter abenteuerlichen Bedingungen Sibirien. Er erkundete die Region vom nördlichen Eismeer bis in die Gebirge Transbaikaliens an der Grenze zur Mongolei. Seine landeskundlichen Aufzeichnungen, Beobachtungen zu Flora und Fauna sowie seine Aufzeichnungen zur Sprache der sibirischen Ethnien stellten eine wissenschaftliche Basis für alle nachfolgenden Forschungen dar.

Die erste Expedition des Dänen Vitus Bering zwischen 1725 und 1730 erbrachte erste gesicherte Erkenntnisse über die Beringstraße und das Verhältnis der Landmassen Asiens und Nordamerikas zueinander. Die deutschen Naturforscher Johann Georg Gmelin und Georg Wilhelm Steller nahmen an der sog. Zweiten Kamtschatka Expedition von 1733-1743 teil. Im Rahmen dieser Forschungsreise verfasste der deutsche Historiograph Gerhard-Friedrich Müller eine erste umfassende Geschichte Sibiriens. Die Zarin Katharina II entsandte die deutschen Naturforscher Peter Simon Pallas und Johann Gottlieb Georgi von 1768 bis 1774 auf die Fernost-Akademie-Expedition. Auch die erste russische Weltumseglung mit dem Ziel des „Fernen Ostens“  von 1803 bis 1806 fand unter der Leitung des Deutschbalten Adam Johan von Krusenstern statt. An dieser Reise war auch der deutsche Arzt und Naturforscher Georg Heinrich von Langsdorff beteiligt, der sich besondere Verdienste um die Würdigung der Kultur der Ethnien Kamtschatkas und der Aleuten erwarb. Nicht zu vergessen ist die  Westsibirien-Expedition Alexander von Humboldts im Jahre 1829, die ihn bis in den kirgisischen Alatau führte. Neben weiteren  europäischen Gelehrten an der Russischen Akademie der Wissenschaften ist der Geodät Constantin von Scharnhorst zu nennen, der im Auftrag Zar Nikolaus‘ russisch Zentralasien bereiste, diese Region systematisch vermaß und magnetische Anomalien kartierte. – Das 18. Und 19. Jahrhundert stellen eine Periode des fruchtbaren Wirkens europäischer, insbesondere deutscher Wissenschaftler in Russland dar, die dazu beitrugen unsere russischen Nachbarn an den Erkenntnisstand Europas heranzuführen.

Rainer Springhorn
RC Waldshut-Säckingen

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Zum Titelthema "Fremde Nachbarn", Heft 1/2021

Mit großem Interesse habe ich die Artikel gelesen, die sich mit unserem Verhältnis zu Russland auseinandersetzen. Hier ist viel von der Entfremdung unserer Länder die Rede, die ja durch das in mehreren Fällen aggressive Vorgehen des Landes gefördert wurde. Erinnert wird an den russischen Hacker-Angriff auf den Deutschen Bundestag 2015, den Mord im Berliner Tiergarten und den Mordversuch an Alexej Nawalny. Jede dieser Aktionen war ein verurteilungswürdiger Rückgriff auf den kalten Krieg, den wir glaubten, überwunden zu haben.

Allerdings beschränkte sich unsere Reaktion auf Protestnoten und öffentliche Medien. Trotz russischer Attacken hielten wir an der Nord-Stream-2-Pipeline fest, obwohl die USA das sehr verurteilten, weil wir uns damit in russische Energie-Abhängigkeit begeben. Mir missfällt an der deutschen Vorgehensweise, dass es keine diplomatische Initiative gibt, um strittige Fragen zwischen unseren Ländern zu bereinigen. Dazu wäre ein persönliches Treffen von Merkel mit Putin oder mindestens auf der Ebene der Außenminister angezeigt. Nur im Gespräch – Auge in Auge – lassen sich Probleme wie diese lösen oder mindestens reduzieren. Und nur auf diesem Weg lässt sich Vertrauen wiederaufbauen und verhindern, dass sich Putins Blick zu sehr auf China und die Türkei konzentriert! Unser Ziel sollte also sein, das Verhältnis unserer beiden Staaten wieder auf eine vertrauensvolle Basis zu stellen und nach Wegen für eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zu suchen.

Im Artikel „Botschafter des Friedens“ wird vom Plan der Gründung eines deutsch-russischen Jugendwerkes berichtet, der den Jugendaustausch zwischen unseren Ländern organisieren soll. „Das russische Interesse ist immens hoch, den Austausch noch zu intensivieren“. Eine „Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch“ wird als Initiator im Rotary Magazin genannt. Ich meine, ich hätte schon mal was gehört von der weltweit größten Jugendaustausch-Organisation namens Rotary, über die jedes Jahr über 8.000 junge Menschen in andere Länder geschickt werden. Was hindert uns Rotarier daran, Russland in diesen weltweiten  Austausch endlich mal mit einzubauen? Diese Maßnahme wäre ein wichtiger Mosaikstein zur Verbesserung der Beziehungen unserer Länder und damit zur langfristigen Friedenssicherung.

Robert Laschke
RC Furtwangen-Triberg

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Zum Titelthema "Fremde Nachbarn", Heft 1/2021

Glückwunsch zu Ihrer Berichterstattung über Russland!

Als langjähriger Rotarier vermisse ich diese Betrachtungen. Auch in den Clubs! Es kann nicht sein, dass wir die Welt nur sozial und kulturell betrachten. Und es kann auch nicht sein, dass wir alles, was uns Amerika und der Mainstream vorgibt, wir kritiklos hinnehmen müssen.

Wenn wir schon der Pudel Amerikas sind (s. Beitrag), so dürfen und müssen wir dennoch offen denken dürfen. Es kann doch nicht sein, dass uns vorgeschrieben wird, wie wir unsere Energieversorgung gestalten dürfen, wie wir unser Verhältnis zu Russland führen sollen und an welchen Stellvertreterkriegen wir uns beteiligen müssen.

Ihre Berichte sind politisch korrekt geschrieben! Aber wahr ist auch, dass die Kluft zwischen dem Westen und Russland kein Zufall ist. Und natürlich ist Amerika der Akteur, der auf allen Ebenen eine Annäherung von Deutschland an Russland verhindert. Es ist in Washington kein Geheimnis, dass das größte Land der Erde klein gehalten werden muss! Alle Denkfabriken und diverse Treffen proklamieren das.

Der Erfindungsreichtum der Deutschen verbundenen mit Fleiß und Zuverlässigkeit stellen für die Weltmächte eine große Konkurrenz dar. Verbunden mit den großen Ressourcen von Russland, wäre das der Super-Gau!

Was ist zu tun? Politisch und teilweise wirtschaftlich tanzen wir weiterhin nach der Pfeife Amerikas. Wir sollten mit unseren beschränkten Mitteln das Thema wachhalten. Gerade auf kulturellem Gebiet. (Vorträge, Besuche, Jugendaustausch) Bitte versuchen Sie  weiterhin als Redaktion das Thema wachzuhalten! Auch das ist ein gutes Werk. Für unsere Zukunft in Deutschland und Europa!

Mit freundlichen Grüßen

A. Schnieder
RC Datteln-Lippe

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Zum Titelthema "Fremde Nachbarn", Heft 1/2021

Vielen Dank für Ihr Januarheft. Allerdings: Solange wir in Ländern, Nationalitäten, Ethnien, Religionen, Weltanschauungen, Systemen, ....... denken und nicht ´in Menschen´ werden wir weiterhin Schubladen öffnen und schließen, aber keine wirkliche Verständigung und keine Achtung vor dem Leben erreichen.

Martin Haide
RC Ulm

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Zum Titelthema "Fremde Nachbarn", Heft 1/2021 

Die Beiträge zum Schwerpunktthema Russland waren sehr interessant und angenehm kontrovers. Was die russische Literatur angeht, hätte ich mir mehr Empfehlungen von Autoren des 20. Jahrhunderts gewünscht. Allen voran Vladimir Nabokov: Speziell seine Lebenserinnerungen ("Erinnerung-sprich")  und sein großartiger Roman "Pnin". Letzterer ist nicht durch Zufall auf der Liste der besten Romane des 20. Jahrhunderts, die M. Reich-Ranicki erstellt hat, ziemlich weit vorne gelandet. Als ich einmal mit einer "studierten" russischen Literaturwissenschaftlerin über die Schwierigkeiten von Professor Timofei Pnin in der westlichen Welt sprechen wollte, sagte sie mir nur: "Große Literatur, aber nur für Ausländer. Nicht für Russen – er charakterisiert uns zu gut, trifft uns mitten ins Herz". Das war für mich als nicht-russischen Leser gut nachvollziehbar. Einen unmittelbaren literarischen Zugang zum Rotary Magazin, zum Beitrag von Hermann Krause: "Nawalny-ein sakrales Opfer", findet sich, wenn man Michail Bulgakows rätselhaftes Werk "Meister und Margarita" gelesen hat (z. B. in der ambitionierten Übersetzung von Alexander Nitzberg). Beim Lesen des Artikels fühlt man sich fast unvermeidbar in den Roman "zurückversetzt"- und alle Ereignisse und Spekulationen erscheinen realistisch, zumindest möglich und – natürlich – unbeweisbar. Ebenso wie im Roman. Ein phantastischer Roman, einige Jahrzehnte alt und die Realitäten des 21. Jahrhunderts: Nein, mehr kann man von der Literatur kaum erwarten!

Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass auch zumindest zwei "klassische kommunistische" Autoren sehr lesenswert sind: Maxim Gorki (z. B. "Nachtasyl", "Meine Universitäten") und Valentin Katajew. Von Letzterem ist in Deutschland der Helmut Käutner Film: "Valentin Katajews chirurgische Eingriffe in das Seelenleben des Dr. Igor Igorowitsch" vielleicht nicht nur Neurochirurgen in Erinnerung bzw. ein Begriff. Er hat jedoch auch mit dem Roman "Es blinkt ein einsam Segel" oder mit Erinnerungen, z.B. "Das Gras des Vergessens" großartige, poetische Werke hinterlassen. Alle drei o.g. Autoren stehen auch dem westlichen Europa nahe: sie gehören dazu!

Tolstoi, Dostojewski und Puschkin sind literarischen Größen, die für die Bedeutung Russlands in der europäischen Kultur stehen. Man kann sie immer wieder mit Vergnügen zu lesen und sie sind immer eine Empfehlung wert. Für das Verständnis Deutschlands des ausgehenden 20./ beg. 21. Jahrhundert hätte man aber auch mit Goethe, Heine oder Fontane sicher nicht den optimalen "Einstieg".

Friedrich Lübbecke
RC Uelzen

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Zum Titelthema "Fremde Nachbarn", Heft 1/2021 

Ich habe mich gefreut, dass man einmal das Thema Russland aufgreift, es ist längst überfällig. Leider sind alle Artikel (außer dem von Herrn Lukjanow) von einer politischen und wirtschaftlichen Oberflächlichkeit gekennzeichnet. Ich möchte mich gar nicht im Einzelnen darüber auslassen, es ist einfach zu dünn. Es wäre eine erneute Betrachtung der Redaktion notwendig, und ich erlaube mir darauf hinzuweisen, dann nochmals zu eruieren, welche gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Interessen Europas in Bezug auf Russland in den Vordergrund rücken, wenn man in die Zukunft schauen muss. Ich war mehrmals geschäftlich und mit Delegationen in Russland, und kann berichten, dass die Menschen und Firmen sehr gern mit Deutschland und der EU zusammenarbeiten wollen würden. Sie dürfen nur nicht. Die Sanktionen bringen der EU gar nichts. Sie beflügeln die einheimische russische Wirtschaft und Importe aus der Türkei, Korea, Japan und China und den USA. Deswegen möchte ich mir erlauben, einen geostrategischen Blick auf die Weltkarte zu werfen. Europa ist in vielen Belangen abgehängt und hat die Blütezeit hinter sich. Wir bewegen uns grob gesagt, zwischen Amazon und Alibaba, zwischen einer Demokratie zweier Parteien und einer Diktatur einer Einheitspartei. Ein gutes Bündnis mit Russland, welches weder China noch die USA will, wäre unsere Chance, wieder mit den USA und China auf Augenhöhe zu reden.

Hans-Ullrich Werner
RC Chemnitz

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Zum Titelthema "Fremde Nachbarn", Heft 1/2021 

Immer wieder wird das Verhältnis zwischen Rußland und dem Westen zum Thema. Das ist wichtig und gut. Rotary Magazin 10/2015 (Ukraine) „Russlands europäische Identität“ Nach dem Zerfall der Sowjetunion war die russische Politik auf europäische Integration ausgerichtet (Igor Grezkij). Rotary Magazin 05/2018 (Skripal) „Schlafwandler wie 1914- Über das Gefahrenpotential des aktuellen Konflikts zwischen dem Westen und Russland (Harald Kujat). Rotary Magazin 01/2021 (Nawalny) „Kalte dunkle Einsamkeit – Putins Rußland hat den Westen verlassen“ (Katja Gloger). Besser kann man die Entwicklungslinien kaum nachzeichnen. Putins Rußland ist zur Bedrohung geworden. Wer meint, man dürfe nicht in Denkmuster des kalten Krieges verfallen, dem sei Gabriele Krone-Schmalz „Eiszeit“ empfohlen. Wem „GKS“ realitätsfremd vorkommt, der lese Udo Lielischkies „Im Schatten des Kreml“.

Eckhard Groß
RC Bielefeld

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Zum Titelthema "Fremde Nachbarn", Heft 1/2021

„Rotary ist unpolitisch“, ich habe nicht gezählt, wie oft ich in den jetzt mehr als 35 Jahren der Zugehörigkeit zur weltumspannenden Organisation von ROTARY diese Worte gehört habe. Und dann das, ein Rotary Magazin mit einem auf immerhin 27 Seiten behandelten Titelthema zu und über Russland und sein Verhältnis zu Europa. Und das ist gut so! Es trifft zunächst nicht zu, Rotary ist nicht unpolitisch. Rotary ist eine Vereinigung von Menschen und natürlich sind diese als soziale Wesen politisch. Es gibt auch entgegen der verbreiteten Meinung keine Regelung, welche von den rotarischen Freundinnen und Freunden eine unpolitische Haltung fordert. Einzig in Art. 16 Abs. der 3 der einheitlichen Satzung aller Rotary Clubs –weltweit- ist von einer „unpolitischen Haltung“ die Rede. Doch wie so häufig im Leben, man muss weiter lesen, um zu erfahren, worum es geht. Beschlüsse und Stellungnahmen in internationalen Angelegenheiten politischen Inhaltes werden danach von den Clubs nicht gefasst und Aufrufe, Rundschreiben, Ansprachen oder Vorschläge für die Lösung bestimmter internationaler Probleme politischen Charakters werden von den Clubs nicht in Umlauf gebracht, so etwa wörtlich die angeführte Regelung.
Es trifft zudem zu, dass eine dem Frieden verpflichtete, weltweit vertretene Vereinigung wie Rotary alles unternehmen muss, um dem gesetzten Anspruch gerecht zu werden, Völkerverständigung und Frieden durch eine im Ideal des Dienens vereinte Weltgemeinschaft zu fördern.
Und dennoch, das Thema ist zu vielschichtig, zu gewichtig, kann in einem Monatsmagazin nur angerissen werden. Herausragend der Beitrag des britischen Historikers Orlando Figes. Russland als kulturelles Herzstück Europas (in zurückliegender Zeit) zu bezeichnen, dürfte allerdings das Ergebnis einer verklärten Betrachtungsweise sein.

Hans-Eckhard Tribess
RC Lübecker Bucht/Timmendorfer Strand

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Zum Text "Goethe - Netzwerker, Influencer, Rotarier ", Heft 1 /2021

Goethe für Klugscheißer

Der Buchtipp unserer rotarischen Freundin und ihres Co-Autors, „Goethe für Klugscheißer“, ist originell und macht neugierig. Ebenso die im Rotary Magazin aufgeworfene Frage, ob Goethe heutzutage wohl Rotarier, Netzwerker oder Influencer wäre. Der Beitrag provoziert aber auch Rotarier aus der Goethestadt Weimar sich mit dieser Frage zu beschäftigen. Zur Beantwortung hat das Autorenteam leider nicht versucht, Goethes Schaffen, sein Werk und Verhalten unter „Service Above Self“ oder die „Vier-Fragen-Probe“ zu subsumieren. Stattdessen vermittelt geschildertes Erleben Goethes den Eindruck, er habe mit und in RC vergleichbaren Organisationen gelebt, ja diese gar gegründet und deren Mitglieder ge- und befördert. Richtig ist wohl, dass er sich in der damals 6000 Einwohner umfassenden Stadt nach Intellektuellen sehnte, zumindest solange diese ihn bewunderten. Das trifft auf die fast eine Generation jüngeren Humboldt Brüder und Hufeland zu. Aber gerade diese im Artikel Genannten bedurften keiner Förderung durch Minister Goethe. So erhielt Hufeland keineswegs wegen seines rotaryähnlichen Vortrags bei Goethe die Professur in Jena, er war nämlich bereits ein Jahr zuvor Mitglied der Leopoldina in Halle. Spätere Berufungen nach Padua und Moskau lehnte er zugunsten Weimars/Jenas ab. Dem gegenüber Goethe 18 Jahre jüngeren Alexander von Humboldt, mit dem er in Jena über Wochen nahezu täglich im Anatomiesaal (besser „Turm“) sezierte hat er „seine Entdeckung“ des Zwischenkieferknochens zu verdanken. Wilhelm Humboldt lebte „zufällig“, nämlich heiratsbedingt, im Herzogtum und suchte ebenfalls geistigen Austausch. Dass er einmal die politischen Geschicke der Hegemonialmacht Preußens beim Wiener Kongress 1815 vertreten würde, war bei seinem Vortrag 20 Jahre zuvor nicht absehbar und hat er sicherlich zuvorderst seine Fähigkeiten und nicht Goethe zu verdanken. Auf die Erhebung Weimars zu Großherzogtum hatten beide keinen Einfluss. Das hat Herzog Carl August schon selbst geschafft. Weder Goethes Einfluss noch sein Netzwerk sind, an heutigen Maßstäben gemessen, besonders. Auch bei Rotary sehe ich ihn bei meiner Subsumtion unter unsere Fragen nicht. Aber das auszuführen bedürfte eines eigenen Aufsatzes.

Bernhard Oedekoven
RC Weimar

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Zum Text  "Energiewende", Heft 1/2021

In Ergänzung zu den wichtigen Beiträgen der rot. Freunde Thomas Unnerstall (Rotary-Magazin vom August 20) und Roland Farnung (RM Jan. 21) zum Thema Energiewende und Energiekrise sollte jetzt eine ausführliche Besprechung des neuen Buchs der unabhängigen Wissenschaftler Fritz Vahrenholt und  Sebastian Lüning “  Unerwünschte Wahrheiten ( was Sie über den Klimawandel wissen sollten)”  folgen. Nach Meinung dieser Wissenschaftler kann von einem Klimanotstand keine Rede sein, es bleibt vielmehr ausreichend Zeit, um die fossilen Energieträger ohne Wohlstandsverlust und Naturzerstörung abzulösen.

Tilmann Herbolzheimer
RC Amberg

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Zum Text "Energiewende", Heft 1/2021

Der Artikel von Freund Farnung zeigt die Realität der Energiewende. Ich kann nur in allen Punkten zustimmen. Noch nie in der Geschichte gab es einen Energiewechsel bevor eine andere lukrativere Energie zur Verfügung stand. Das ist einfach zu erklären, weil ein Wechsel stets von der Wirtschaft gewollt und von Fachleuten umgesetzt wurde und nicht, wie es zurzeit der Fall ist, von Politikern bestimmt wird. Als in England das Holz knapp wurde, kam die Kohle und mit ihr die Dampfmaschine. Die Nuklearindustrie sollte so ein Wechsel sein, aber die überzogene Angst von der „Ewigstrahlung“ des Abfalls etc. , hat diese Technologie begraben, bevor sie sich überhaupt so richtig entwickeln konnte. Ich habe u.a. auch beim Bau des ersten, mit deutscher Technologie entwickelten  Atomreaktors, dem AVR (Atom Versuch Reaktor) in Jülich, als Bauleiter mitgewirkt und  habe zuvor an  einer Spezialschulung für Reaktorbau  teilgenommen. Der von Prof. Schulten entwickelte Kugelhaufen Reaktor hätte Zukunft haben können, wurde auch in Hamm gebaut, aber schon in der Anlaufphase haben die Grünen es fertiggebracht, den Reaktor stillzulegen. Vor einiger Zeit vernahm ich allerdings aus der Presse, dass ein solcher Reaktor, unter Mitwirkung von Prof. Schulten, in Südafrika gebaut werden soll. Was daraus geworden ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich bin aber fest der Meinung, dass bei einer Weiterentwicklung der Nukleartechnik in Deutschland auch eine Lösung der Sicherheitsfrage und der Entsorgung gefunden worden wäre. Entwicklung funktioniert nur, wenn man auch Rückschläge in Kauf nimmt.

Der  Autor des Artikels  betrachtet allerdings nur die wirtschaftliche Seite der Wende, demnach  bewirkt Deutschlands  selbst gesetztes Ziel der CO2-Einsparung global kaum etwas, außer den Ehrgeiz Musterschüler zu sein. Dafür ist aber der finanzielle Aufwand von 1.170 Milliarden Euro entsetzlich Zuviel. Global ist unser Beitrag zur CO2-Einsparung nur magere 0,5 Prozent . Da drängt sich doch die Frage auf, welchen Anteil hat den das vom Menschen gemachte anthropogene CO2 an der Klimaänderung überhaupt? Dazu gibt es kaum offizielle Antworten, aber Vorschläge, wie man CO2 reduzieren kann gleichen oft einer Lachnummer, die man kaum ernst nehmen kann. Wie etwa bei der Tierhaltung, man könnte den Rindern Methanpillen verabreichen. Na, guten Appetit ihr Steakesser.

Bruno F. Forster
RC Zell am See

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Zum Text "Energiewende", Heft 1/2021

Ich teile Ihre Bedenken zur Energiewende. Ich war selber von 1971 bis 2015 in der Energiewirtschaft tätig, bei Shell, Gasunie, RWE (für das kommerzielle Gas mit damals 40 Mrd. m3/Jahr) und zuletzt als Berater für die größte Gasproduzenten in der Welt in Berlin. Von 2011 an war ich auch sechs Jahre lang Vorsitzender von RDG, also der Rotary Foundation für Deutschland. Als Energieexperten sollten wir alle aber allmählich offen anerkennen, dass die Energiewirtschaft nicht so kostengünstig bleiben kann wie sie war ohne riesige Schäden für den Umwelt und damit für die Welt. Je schneller man versteht, dass Energie teurer werden wird, um nachhaltig zu sein, je besser.

Sybe Visser
RC Dortmund Hoerde (Ehrenmitglied)

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Zum Text "Energiewende", Heft 1/2021

Der Artikel von Freund Farnung zeigt die Realität der Energiewende. Ich kann nur in allen Punkten zustimmen. In meinem Schreiben an die Redaktion vom 9. 12. 2020, das Sie leider nicht veröffentlicht haben, habe ich  schon die Meinung von Dr. Unnerstall in vielen Punkten widerlegt. Noch nie in der Geschichte gab es einen Energiewechsel bevor eine andere lukrativere Energie zur Verfügung stand. Das ist einfach zu erklären, weil ein Wechsel stets von der Wirtschaft gewollt und von Fachleuten umgesetzt wurde und nicht, wie es zurzeit der Fall ist, von Politikern  bestimmt wird. Als in England das Holz knapp wurde kam die Kohle und mit ihr die Dampfmaschine. Die Nuklearindustrie sollte so ein Wechsel sein, aber die überzogene Angst von der "Ewigstrahlung" des Abfalls etc., hat diese Technologie begraben, bevor sie sich überhaupt so richtig entwickeln konnte. Ich habe u.a. auch beim Bau des ersten, mit deutscher Technologie entwickelten Atomreaktors, dem AVR (Atom Versuch Reaktor) in Jülich, als Bauleiter mitgewirkt und  habe zuvor an  einer Spezialschulung für Reaktorbau  teilgenommen. Der von Prof. Schulten entwickelte Kugelhaufen Reaktor hätte Zukunft haben können, wurde auch in Hamm gebaut, aber schon in der Anlaufphase haben die Grünen es fertiggebracht den Reaktor stillzulegen. Vor einiger Zeit vernahm ich allerdings aus der Presse, dass ein solcher Reaktor, unter Mitwirkung von Prof. Schulten, in Südafrika gebaut werden soll. Was daraus geworden ist entzieht sich meiner Kenntnis. Ich bin aber fest der Meinung, dass bei einer Weiterentwicklung der Nukleartechnik in Deutschland auch eine Lösung der Sicherheitsfrage und der Entsorgung gefunden worden wäre. Entwicklung funktioniert nur, wenn man auch Rückschläge in Kauf nimmt.

Der Autor des Artikels betrachtet allerdings nur  die wirtschaftliche Seite der Wende, demnach  bewirkt Deutschlands  selbst gesetztes Ziel der CO2 Einsparung global kaum etwas, außer den Ehrgeiz Musterschüler zu sein.  Dafür ist aber der finanzielle Aufwand von 1.170 Milliarden Euro entsetzlich Zuviel. Global ist unser Beitrag zur CO2 Einsparung nur magere 0,5%. Da drängt sich doch die Frage auf welchen Anteil hat den das vom Menschen gemachte anthropogene CO2 an der Klimaänderung überhaupt? Dazu gibt es kaum offizielle Antworten, aber Vorschläge wie man CO2 reduzieren kann gleichen oft einer Lachnummer, die man kaum ernst nehmen kann. Wie z.B. bei der Tierhaltung, man könnte den Rindern Methanpillen verabreichen. Na, guten Appetit ihr Steakesser.

Bruno F. Forster
RC Zell am See 

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Zum Text "Energiewende", Heft 1/2021

In einer Replik zu meinem Beitrag im Rotary Magazin 8/2020 über Technologien, Kosten und Perspektiven der Energiewende hat Roland Farnung folgende Aussage als „nicht nachvollziehbar“ kritisiert: „Wissenschaftliche Ergebnisse zeigen, dass die Energiewende… sogar lukrativ sein kann“. Herr Farnung suggeriert damit, dass ich mit dieser Aussage die wissenschaftlichen Ergebnisse insbesondere der Studie des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI) „Klimapfade für Deutschland“ von 2018 falsch oder irreführend wiedergegeben hätte; und er unterstellt in seinem Schlussabsatz, die Einschätzung, dass die Erfüllung des Ziels Klimaneutralität lukrativ sei, stamme von mir selbst.

Dies ist nicht richtig. Richtig ist vielmehr, dass die BDI-Studie auf Seite 101 folgende Aussage trifft: „Die volkswirtschaftliche Modellierung zeigt in 2050 über alle betrachteten Klimapfade und Szenarien hinweg einen positiven BIP-Effekt von plus 0,4 bis 0,9 Prozent. Auch Beschäftigung und Haushaltseinkommen profitieren langfristig von den klimapolitischen Maßnahmen“. Im Einzelnen prognostiziert die Studie für 2050 durch die Energiewende bei 95 Prozent CO2-Senkung im Vergleich zum Referenzszenario ohne Energiewende ein um 0,9 Prozent höheres Bruttoinlandsprodukt und eine um 43.000 höhere Zahl von Arbeitsplätzen (S.102/103).
Genau dies habe ich in meinem Artikel zusammenfassend wiedergegeben. (Der eingangs zitierte Satz und der Begriff „lukrativ“ stammen übrigens nicht von mir, sondern von der Redaktion des Rotary-Magazins – dies ist jedoch eine aus meiner Sicht eindeutig zulässige redaktionelle Zusammenfassung).

Dr. Thomas Unnerstall
RC Frankfurt-Flughafen

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Zum Text " Eine gesunde Umwelt ist ein Vermächtnis", Heft 1/2021

Lieber rotarischer Freund  Ravindran, Du hast Deiner Heimat keinen guten Dienst erwiesen. Wenn Länder wie Sri Lanka den Lebensstandard der allgemeinen Bevölkerung verbessern wollen, dann braucht es in erster Linie bezahlbaren Strom. Die Population der Pottwale spielt dabei keine Rolle. Moderne Kohlekraftwerke werden schon seit den achtziger Jahren mit einer Entschwefelungs und Entstickungsanlage gebaut. Die Kosten der beiden Anlagen sind allerdings genauso hoch wie die Kosten des Kraftwerkes. Das ist aber kein ökologisches Handicap, sondern ein finanzielles. Wenn Meerwasser entnommen wird, dann wird es für die Kühlung des Abdampfes der Turbinen gebraucht und nicht weiter kontaminiert. Den Pottwalen sollte das Rückwasser, das ins Meer zurückgeleitet wird,  jedenfalls nichts ausmachen, Bei Kraftwerken an Flüssen ist es anders, dort kann allzu warmes Rückwasser die Fauna und Flora schädlich beeinflussen. Aber auch das kann man beherrschen. Bei Meerwasser ist das schon wegen der Wassermenge ausgeschlossen!

Was aus den Kohlekraftwerken schließlich noch entweicht ist das verteufelte CO₂. Aber über den Anteil des CO₂ am Klimawandel scheiden sich die Geister, auch Nobelpreisträger haben eine andere Meinung über den Einfluss von CO₂ auf unser Klima. Paul Crutzen z.B. ist der Meinung, dass in vielen Spektralbereichen unserer Atmosphäre die Aufnahme von CO₂ bereits gesättigt ist und zusätzliches CO₂ keine große Rolle mehr spielt. Der Leibniz-Preisträger Jan Veizer hat festgestellt, dass am so genannten Treibhauseffekt der Wasserdampf mit 80 Prozent beteiligt ist, von den verbleibenden 20 Prozent hat das CO₂ auch nur einen Anteil. Den Wasserdampf besorgen uns aber die Ozeane und die können vom Menschen nicht beeinflusst werden,  damit sind sie für die Politik uninteressant. Vom gesamten CO₂-Haushalt ist das anthropogene CO₂, das vom Menschen gemachte, ohnehin  nur mit ca. 2,5 Prozent beteiligt, der Rest kommt aus der Natur. Jan Veizer hat die CO₂-Theorie  auf den Punkt gebracht: "Sonne und Wolken zusammen machen über den Wasserkreislauf das Klima, außer man glaubt, dass CO₂ die ganze Galaxie treibt."

Bruno F. Forster
RC Zell am See

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Zum Titelthema „Glocken“, Heft 12/2020

Mit der Dezemberausgabe des Rotary Magazins haben Sie mir viel vorweihnachtliche Lesefreude bereitet. Insbesondere hat es mir das Titelthema angetan. Mit zwei geöffneten Endgeräten (eins für das PDF mit der Konfiguration, eines für den Sound) habe ich Geläute zusammengestellt und die „Stimmen des Himmels“ erklingen lassen. Noch immer habe ich nicht alle interaktiven Links ausprobiert und erkundet. Corona wird mir die nötige Zeit für solche Expeditionen „schenken“. Vielen Dank für eine wunderbare Zeit mit diesem liebevoll, recherchierten Thema.

Gabriele Arndt-Sandrock
RC Rehburg-Loccum 
am Kloster 

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Zum Titelthema „Glocken“, Heft 12/2020

Das ist ja eine tolle Idee, liebe Freundin Eichenauer, uns
als Hörer über die QR-Codes am Klangerlebnis teilhaben zu lassen und uns, nicht mehr allein nur Leser, mit diesen klingenden Seiten im Rotary Magazin zu erfreuen. Herzlichen Glückwunsch dazu und Dank!

Klaus-Peter Schulz
RC Cloppenburg-Quakenbrück

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Zum Titelthema „Glocken“, Heft 12/2020

Ich möchte mich für die tolle Ausgabe bedanken. Die Idee mit den vielen QR-Codes zu den Glocken fand ich super!

Felicia Sternfeld
RC Lübeck-Holstentor

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 Zum Artikel „Macron hat recht, der Islam befindet sich in der Krise“, Heft 12/2020

Erstaunt und sehr erfreut stelle ich fest, dass unser Magazin zum so drängenden Problem, dem gewalttätigen Islamismus, so klar Stellung bezieht, beziehungsweise Ruud Koopmans so eindeutig zu Wort kommen lässt. Alle gutgemeinten Dialoge mit muslimischen Vertretern werden immer wieder von Gewaltexzessen im Namen des Propheten konterkariert. Und danach rücken meist wohlmeinende „Versteher“ aus, die die Untaten der Mörder mit dem tristen Umfeld in der muslimischen Parallelwelt zu erklären versuchen. Und jene Wenigen, die das Kind beim Namen nennen, dass der Islam zur Gewalt neigt, werden mit Drohungen eingeschüchtert, beziehungsweise als islamophob denunziert.

Ich danke Ihnen jedenfalls, dass Sie diesen Artikel zugelassen haben und hoffe sehr, dass auch in der rotarischen Welt das Thema vermehrt diskutiert wird. Auch Rotary, als wichtiger Teil der demokratischen Gesellschaft, muss Stellung beziehen, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, dass unsere christlich-abendländischen Werte durch radikal-muslimische Parallelwelten untergraben werden. Unsere Enkel sollen uns nicht wieder den Vorwurf machen müssen, dass wir die Gefahr wohl erkannt haben, aber nicht entschlossen dagegen aufgetreten sind, oder einfach den Kopf in den Sand gesteckt haben.

Harald Marschner
RC Enns

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 2020, monat, magazin, november

Zum Artikel "Mitstreiter gesucht", Heft 11/2020

Im Artikel über Malaria und die Rotary Action Group „Rotarians Against Malaria“ fehlt ein Hinweis auf die Homepage von RAM: www.ram-global.org

Dafür steht beim Aufruf über Google eine Übersetzung auf Deutsch zur Verfügung. In einem kurzen Video wird RAM-Global präsentiert: https://youtu.be/BuPIUz02gFQ

Die Welt ist gegenwärtig mit der Bekämpfung der Coronapandemie beschäftigt. Doch wir Rotarier dürfen dabei die anderen großen Gesundheitsprobleme der Welt nicht vergessen. Die WHO erwartet, dass sich in diesem Jahr wegen der Lockdown-Maßnahmen die Zahl der Todesfälle durch Malaria von bisher etwa 400 000 verdoppeln wird. Im Kampf gegen Malaria ist der finanzielle Beitrag von Rotary eher bescheiden. Aber die bewährten Strukturen der Mitarbeiter im Kampf gegen Polio und HIV sind in der Prävention von Malaria sehr bedeutend. Wer über rotarische Projektarbeit in Afrika mehr erfahren möchte, kann im November-Magazin „The Wave“ für Uganda/Tansania (Seite 54) Details nachlesen:  HIER - "Rotarians against Malaria: For a Malaria-free world (Rotarian Regional Magazin "The Wave").

Wir sind eine engagierte Rotary Action Group und hoffen auf die Mitarbeit weiterer Freunde. Über RAM können wir Verbindung zu Clubs in Afrika herstellen.

Dr. Konrad Meyfarth
RC Berlin-Brücke der Einheit

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Zum Artikel „Die Zukunft der Innenstädte“, Heft 11/2020

Der Artikel von Dieter Hoffmann-Axthelm über die Zukunft der Innenstädte, der sich leider mehr mit der eigenen Form als mit dem Inhalt seiner Aussagen beschäftigt, motiviert mich, den Themenkomplex Innenstadtentwicklung für das Rotary Magazin anzuregen.

Selbst Herr Altmaier hat inzwischen erkannt, dass Innenstädte einer der wesentlichen Identifikationsfaktoren für eine Stadt sind. Deren Mix aus Handel, Gastronomie, Dienstleistern ist oft wichtiger als die Bausubstanz. Als Einzelhändler mit mehreren Filialen beschäftigt mich das Thema naturgemäß seit vielen Jahren und es gibt viele gute, aber auch sehr viele schlechte Beispiele für Innenstadtentwicklung.

Hier spielen Faktoren wie veränderte Mobilitätsanforderungen, Wohnsituationen, Aufenthaltsqualität, Veranstaltungen, Sauberkeit und Sicherheit, aber natürlich auch die Qualität und der Sortimentsmix in Handel und Gastronomie eine Rolle. Dass diese Strukturen sich in Zeiten von Covid-19 gravierend verändern, haben inzwischen viele Menschen verstanden. Was man allerdings tun kann, um den Prozess aktiv zu steuern, ist dann leider oft unklar. Und es sollte spätestens jetzt überall ein solcher Prozess gestartet werden, wenn man noch eine Chance haben möchte, mit „seiner“ Innenstadt im zunehmenden Wettbewerb mit anderen Städten, aber natürlich auch mit Online-Angeboten zu bestehen.

Jens Koch
RC Hildesheim

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Zum Titelthema, Heft 11/2020

An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich das tolle Design und die Masken-Illustrationen der November-Ausgabe loben. Ich war beim Betrachten amüsiert und betroffen zugleich. Da ich in den vergangenen Monaten an der Beschaffung von persönlicher Schutzausrüstung für das hessische Gesundheitswesen beteiligt war, ist dieser kreative Umgang mit einer OP-Maske für mich eine wunderbare Abwechslung gewesen.

Katharina Storck 
RAC Wiesbaden

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Zum Titelthema, Heft 11/2020

So lange der Sinn des Virus, der als notwendige Demut und überlebensnotwendige Nachhaltigkeit hervorlugt, nicht die genügende Beachtung findet, bleiben wir nach wie vor grundsätzlich ausgeliefert. Dazu gehört die Einsicht, dass die menschliche Hybris – wir kriegen alles hin – ein Trugschluss ist. Der zweite Sinn ist die Notwendigkeit einer nachhaltigen Ökonomie. Diese ergibt sich allein schon aus den Bildern der NASA, die nach einer Woche Lockdown über Wuhan/Hubei seit zehn Jahren dort mal wieder blauen Himmel zeigten. Dies und nichts anderes bedeutet das Virus. Also, bitte!

Werner Dinkelbach
RC Remagen

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Zum Titelthema, Heft 11/2020

Mit großem Interesse habe ich die Analyse in dem Beitrag „Querfront der Querdenker“ gelesen. Ich würde diese zum großen Teil mitgehen, möchte aber dennoch einige wichtige Aspekte zu bedenken geben. Der Begriff des institutionalisierten Misstrauens ist, denke ich, korrekt. Die Schlussfolgerung, dies hätte etwas mit Paranoia zu tun, halte ich jedoch für gefährlich. Wir sind uns wohl einig, dass es zu bezweifeln ist, dass alle diejenigen, die bei Querdenkern mitlaufen, Aluhutträger im Geiste sind.

Es ist auch eher unwahrscheinlich, dass alle, die sich heute aus verschiedenen Gründen der AfD nahe fühlen, politisch rechts eingestellt sind. Genau so wenig sind Menschen (bis auf wenige Ausnahmen), die heute gegen die Einschränkungen der Grundrechte auf die Straße gehen, Coronaleugner. Es ist jedoch ein Effekt der aktuellen medialen Berichterstattung, dass genau dies vielen unterstellt wird.

Mich regt dies zum Nachdenken an. Eine offene Frage: Wäre eine ZDF-Reporterin vorstellbar, die sich positiv zu Querdenkern äußert? Welche Auswirkungen auf ihre Karriere müsste sie befürchten? Wirklich keine?

Der Vorwurf an Politik und Mehrheitsmeinung: Kritik an der Richtigkeit von Maßnahmen werde herabgewürdigt und Einheitsmeinungen vertreten. Gering geworden sei die Zahl derer, die sich dem nicht anschließen, da diese Zeitgenossen doch gesellschaftliche Ächtung oder zumindest eine Versetzung riskieren könnten. Leider gibt es diese Beispiele tatsächlich und sie haben eine fatale Signalwirkung. Die stramme Ausrichtung der Medien, der Politik und fast aller allgemein anerkannten Meinungsbildner ist inzwischen frappierend geworden. Abweichende Meinungen und Argumente werden in breiten Kreisen teils nicht mehr toleriert und auf unterschiedliche Weise abqualifiziert. In meinem Bekanntenkreis gibt es Menschen (sicher keine Aluhutträger), die inzwischen berufliche und gesellschaftliche Nachteile befürchten, wenn sie ihre Meinung frei äußern. Wirklich Paranoia?

Ist das, was wir in öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen sehen und hören, tatsächlich eine objektive Berichterstattung? Der, der die Tonalität, die Wortwahl und die Bildauswahl einmal bewusst wahrnimmt, wird sich manchmal fragen, ob so mancher Journalist/In als Teil der fünften Gewalt im Staate ihre/seine Aufgabe noch in objektiver Berichterstattung sieht, oder eher in einer erzieherischen Rolle für das breite Volk. Diese Befürchtung macht sich in weiten Teilen der Gesellschaft breiter und breiter. Eine wachsende Zahl von Menschen fühlt sich in Parteien und Medien der sogenannten Mitte nicht mehr vertreten. Bereits vor vier Jahren hat dies zur Wahl von Donald Trump beigetragen.

Das ganz aktuell vorgelegte Gesetz zum Schutz der Bevölkerung durch die Erleichterung von Grundrechtsbegrenzungen im Krisenfall (im Zusammenhang mit dem Infektionsschutz) wird diese Gruppen insofern weiter gedanklich isolieren, geradezu in Richtung Populismus treiben und den gesellschaftlichen Konsens langfristig auf eine harte Probe stellen. Denn auch wenn die Pandemie eines Tages vorbei sein sollte, das Gesetz bleibt und verändert die Liberalität unseres Rechtsstaats und unserer Gesellschaft.

Demokratie heißt auch, Minderheiten (umso mehr, wenn es um große Minderheiten geht) ernst zu nehmen. Dies gilt für Querdenker genauso wie für Trump-Unterstützer (immerhin ca. 70 Mio. Wähler). Wir alle sollten nicht plakativ auf Aluhüte und den (ehemaligen) US-Präsidenten hinab schauen sondern die Menschen ernst nehmen, die mit ihnen laufen und ihre Beweggründe. Es ist zu leicht geworden, als Anhänger der Mehrheitsmeinung eines beliebigen Politikfeldes Andersdenkende zu überrollen. 

Vor allem die Medien sollten sich auf ihre Rolle der Förderung eines politischen Diskurs zurück besinnen und Objektivität wahren. Deutschland riskiert sonst, den konfliktreichen Weg einer völligen Polarisierung der Gesellschaft einzuschlagen. Es ist, wie in den USA, auch hierzulande möglich, dass die Spaltung noch größer wird. Populisten erreichen ihr volles Stimmenpotenzial gerade deshalb noch nicht, weil ihre politisch rechte DNA vielen Wählern am Ende dann doch noch zuwider ist. Nach meiner Wahrnehmung hätte ein politischer „Rattenfänger“ mit mehr Geschick als die AfD heute jedoch leichtes Spiel und die nun fast unausweichlichen wirtschaftlichen Verwerfungen werden diese Tendenz verstärken.

Thomas Dorbert
RC Frankfurt-International

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Zum „Standpunkt“, Heft 11/2020

Kontinuität hat Priorität? Wo es um enge Abstimmung, Informationsübergabe und Erfahrungsaustausch geht, können informelle Gruppen wie Stafetten hilfreich sein. Aber Kontinuität allein reicht nicht. Auch Disruption gehört zu einem Lebensprozess, denn ohne Störung gibt es keine Weiterentwicklung und keine Innovationen. Was Joseph Schumpeter für den Wirtschaftsprozess postuliert hat, gilt sicherlich auch für den rotarischen Prozess. Manchmal überwiegt allerdings eine ganze Zeit lang die Kontinuität. Vielleicht sind die Rotary Distrikte in Deutschland hierfür ein gutes Beispiel:

Vor mehr als 20 Jahren hat Rotary International Assistant Governors und damit eine wichtige Mittlerfunktion zwischen Clubs und Distrikt geschaffen. Zwar hat man AGs (weisungsgemäß?) installiert, aber nicht mit Leben gefüllt; ihr Potenzial kommt deshalb bis zum heutigen Tage nicht optimal zum Tragen.

In den District Leadership Plans, deren Notwendigkeit gleichzeitig eingeführt wurde, scheinen die Distrikte die schon seinerzeit geübte Praxis bei der Governorwahl festgeschrieben zu haben. Obgleich Rotary International Demokratisierungsprozesse unterstützt und für die Clubsverschiedene Möglichkeiten zur Mitbestimmung bereithält, verharren wir in einem scheinbar unveränderlichen Zustand. Jeder Distrikt möge insoweit prüfen, wie viele der von den Clubs vorgeschlagenen Kandidaten tatsächlich zu einem Governor nominee ernannt wurden und wo Nachfolger unter Beteiligung von Clubs ausgewählt werden. Im Distrikt 1900 treten wir zu diesen Themen jetzt in die Diskussion ein.

Die genannten Beispiele veranschaulichen aus meiner Sicht, dass es nicht reicht, Kontinuität mithilfe von Governorstafetten abzusichern. Wir müssen uns weiterentwickeln, so wie die Gesellschaft sich
weiterentwickelt.

„And even if some fellow Rotarians will complain, that it does not look like their old Rotary: We have to change!“, hat Holger Knaack die Acting Governors auf der Assembly in San Diego zum Change aufgefordert und damit jedem einzelnen seine ganz persönliche Verantwortung vor Augen geführt.

Anke Schewe
Distriktgovernorin 1900
RC Essen-Gruga

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Zum Standpunkt, Heft 11/2020

Nachdem sich kein Leser zu einer Äußerung geoutet hat, könnte der Eindruck entstehen, als ob jeder mit der vertretenen rotarischen Wachstumsphilosophie einverstanden wäre. Ich bin es nicht. Sie mag für Länder mit großem Bevölkerungswachstum gelten. Für uns in Deutschland reicht zur Stabilisierung der Lebensfähigkeit m.E. die ungefähre Erhaltung der Clubstärke oder nach Wunsch Aufstockung. Wachstum um jeden Preis mag ökonomischen Zielen entsprechen, an andere Stelle hat es Drogencharakter. Im übrigen sollten wir uns im Rotary MAGAZIN linguistische, begrifflich dort undefinierte Ausflüge ersparen („Intrinsische Motivation”, S. 14), die dem deutschen Durchschnittsrotarier ungeläufig sind.

Dr. Norbert Hahn
RC Lübeck

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Zum Artikel „Allein um die Welt“, Heft 11/2020

Da ich mich sehr fürs Segeln interessiere, habe ich mit viel Interesse die Geschichte über Boris Herrmann gelesen. Eines ist mir aufgefallen: Einen ganz wichtigen Punkt hat der Autor Andreas Wolfers völlig vergessen – und die Redaktion hätte das beim Redigieren hineinnehmen müssen: Herrmann war der Skipper von Greta Thunberg bei ihrer Atlantik-Überquerung. Das hätte die Geschichte aufgepeppt.

Hedwig Schneid
RC Wien-Stadtpark

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Zu „Im Fokus“, Heft 11/2020

Nachdem sich kein Leser zu einer Äußerung geoutet hat, könnte der Eindruck entstehen, dass jeder mit der vertretenen rotarischen Wachstumsphilosophie einverstanden wäre. Ich bin es nicht. Sie mag für Länder mit großem Bevölkerungswachstum gelten. Für uns in Deutschland reicht zur Stabilisierung der Lebensfähigkeit m.E. die ungefähre Erhaltung der Clubstärke oder nach Wunsch Aufstockung. Wachstum um jeden Preis mag ökonomischen Zielen entsprechen, an anderer Stelle hat es Drogencharakter. Im Übrigen sollten wir uns im Rotary Magazin linguistische, begrifflich dort undefinierte Ausflüge ersparen („Intrinsische Motivation“, Seite 14), die dem deutschen Durchschnittsrotarier ungeläufig sind.

Norbert Hahn
RC Lübeck

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Zu „Peter Peter“, Heft 11/2020

Herr Peter greift ein Thema über unsere Brotkultur auf, worüber nachzudenken es sich lohnt. Bekanntlich ist Brot in unserer Kultur tiefverankert, denn es vermittelt mehr als reine Lebensmittel-Kalorien. Begriffe wie Säen und Ernten, Mahlen und Backen liegen nahe. Brot vermittelt religiöse Inhalte oder erinnert an Hunger und Not. Brot war in älteren Zeiten immer auch Teil künstlerischer Darstellungen, die heute nur noch selten zu finden sind. Der heutige Nimbus von Brot hat sich sehr stark gewandelt und wird vom Verbraucher eher als „normales“ Lebensmittel wahrgenommen. Brot als Träger und Vermittler von Geschmack und Genuss gerät demnach viel zu schnell und viel zu oft in den Hintergrund und lässt qualitative und kultivierte Wünsche offen.

Länder wie Deutschland, Polen, Rußland, Ukraine auch Österreich waren noch vor ca. 70 Jahre überwiegend Roggen-Länder. Heute liegt der Roggenanteil für die Brotherstellung in Deutschland nur noch bei ca. 10 %. Ähnliche Tendenzen – etwas weniger ausgeprägt – findet man u.a. auch in Polen oder Rußland. Das Baguette, die Pizza, der Hamburger Bun, das Sandwich-Brot oder auch der Donut sind kulinarische Indikatoren westlich geprägter Länder. Daran mag man u.a. einen beachtlichen kulturellen und in der Folge kulinarischen Wandel erkennen, der sich in nur wenigen Jahrzehnten manifestiert hat.

Autor Peter hebt in seinem Beitrag offenbar auf Roggenbrot bzw. überwiegend roggenhaltigen Broten ab (Graubrot, Vierpfünder etc.), indem er u.a. von einem „Faszinosum altdeutscher Laibe“ spricht und dieses verbindet mit einer vermeintlichen „Wiederentdeckung“ einer „echten Brotkultur“ oder von „ehrlichem Graubrot“ etc. Dazu seien kritische Anmerkungen gestattet: Derartige Brote wurden und werden nicht mit „Backtriebmittel“ (chemische Teiglockerung z.B. Backpulver) hergestellt. Der Autor verwechselt diesen Begriff mit einem ähnlichen Begriff den sog. „Backmitteln“. Beide Begriffe sind u.a. juristisch anders definiert. Und Melasse dient selbstverständlich nicht der Verbrauchertäuschung, gemeint ist wohl eher eine verbraucherseitige Einschätzung dazu.

Niemand wird vermutlich analog auf die Idee kommen, etwa Malz oder Hefe (vor ca. 200 Jahren kannte man z.B. noch keine Hefe) als bekannte Zutaten bei Brot in Richtung einer Verbrauchertäuschung zu interpretieren. Wenn Herr Peter von echter Brotkultur spricht, die nach seinen Ausführungen wiederentdeckt werden würde, dann sind das eher romantisierende Eindrücke. Denn in „alten Zeiten“ (noch bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts) charakterisierte sich das vorhandene Brot-Getreide (namentlich der Roggen aber auch der Weizen) qualitativ eher in der Nähe von Futtergetreide. Die Qualität vor allem des Roggens war z.T. so schlecht, dass eine Backfähigkeit nicht oder zu selten gegeben war (Auswuchs bei Roggen). Auch war die Intoxikation namentlich von Roggen in manchen Erntejahren u.a. mit Mykotoxinen derart hoch (Mutterkorn-Alkaloide), dass gerade durch den Verzehr von Roggenbroten vor allem im Mittelalter entsprechende Epidemien wüteten (Ergotismus, St. Antonius Feuer). Hieronymus Bosch und Pieter Brueghel d.Ä. haben dazu zahlreiche bildliche Darstellungen
vorgelegt.

Epidemien dieser Art traten noch Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in Rußland auf oder Mitte der fünfziger Jahre im selben Jahrhundert in der Provence. Noch in den dreißiger und vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde durch den deutschen Staat mithilfe von Beimischungs-Anordnungen u.a. für Roggenbroten dafür gesorgt, dass die Volksernährung gesichert wird. Es ging um Backfähigkeit und Autarkie. Es ging seinerzeit schlicht nicht ohne den Einsatz z.B. von sog. Backmitteln (z.B. Kartoffelmehl, Maismehl, Weizenstärke, Milchsäure, Lezithin), um überhaupt ansprechende und verdauliche Backwaren herstellen zu können. Getreide-Mehl ist eben weit mehr als „weißes Pulver“, das automatisch immer gleichgut anfällt und daher nur „richtig“ verarbeitet werden müsse. Die heutigen Züchtungen und Aufwüchse sind so anders, so viel besser backfähig, dass es aufgrund dieser Situation den Backbetrieben überhaupt erstmals möglich ist, ohne viel Drumherum gute bis sehr gute Backwaren erzeugen zu können. Die moderne Müllerei-Technologie ist darüber hinaus in der Lage mit Mutterkorn befallenes Getreide (primär Roggen) nahezu vollständig zu beseitigen, so dass die heutigen Aufwüchse diese o.g. Probleme mit Mykotoxinen nicht oder fast nicht mehr kennen.

Dieses und mehr meint der Autor Peter vermutlich nicht, wenn er romantisierend von einem „verlorenen Wohlgeschmack des Brotes“ spricht“ und subkutan vermittelt, diese Attribute aus früheren Zeiten wiederentdecken zu können. Es ist das Zusammenspielt von neuartigen Züchtungen bei Getreide und der modernen Müllerei-Technologie, die es heutigen Backbetrieben erlaubt, sehr gut backfähige Getreide-Sorten zur Verfügung zu stellen, die auch ohne viel Additive , gepaart mit bäckerischem Geschick, ein wohlschmeckendes und nutritiv wertvolles Backwerk überhaupt erst zulassen.

Die heutigen Sorten sind überdies so geartet, dass es ohne lange Teigführungen gar nicht ginge. Würde man ein Roggenmehl z.B. aus dem Jahre 1970 mit heutigen Verfahren der langen Teigführung herstellen wollen, so würde mit sehr großer Wahrscheinlichkeit kein ansprechendes, kein schmackhaftes und kaum ein gut verdauliches Brot entstehen können.

Klaus Lösche
RC Bremerhaven-Wesermünde

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 Zur Bröckedde-Folge „Der Fremde im Zug“, Heft 11/2020

Fast bin ich geneigt, zuerst die letzte Seite des Rotary Magazins aufzuschlagen, um das neue Abenteuer des RC Bröckedde zu lesen. Kompliment an den Autor Alexander Hoffmann, dem immer wieder eine neue Episode einfällt. Besonders über die vom ihm kreierten Namen kann ich mich amüsieren. Da ich nicht weiß, ob der Autor den wahren Ort Oberholzklau im Siegerland kennt, hier ein kurzer Hinweis. In meinem Heimatort Hörstel im nördlichen Münsterland entstand Anfang des vergangenen Jahrhunderts im ehemaligen Zisterzienserinnenkloster Gravenhorst eine Eisenhütte. Da die Bewohner dieses Landstrichs den Arbeitsprozess der Verhüttung nicht kannten, wurden Arbeitskräfte aus dem Siegerland angeworben. Einige dieser Arbeiter blieben hier am Ort und wurden später auch dort begraben – eben ein Christian Richard Becher aus Oberholzklau, wie ein Grabstein von 1861 beweist.

Klaus Offenberg
RC Tecklenburger Land

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 2020, leserbriefe, leserforum, leser, rotary magazin, reaktion

Zum Titelthema, Heft 10/2020


Zu dem Heft Oktober 2020 „Stolz und Vorurteil“ kann ich nur gratulieren. Insbesondere das Gespräch von Johann Michael Möller mit Klaus-Dieter Lehmann verdient eine besondere Hervorhebung. Den Darlegungen von Herrn Lehmann kann ich Satz für Satz nur zustimmen. Von Anfang 1992 bis Ende 1996 war ich an der Universität Jena und habe exakt die von Herrn Lehmann beschriebenen Erfahrungen gemacht. Es war ein Lernprozess auch für die, die frisch 
in den Osten kamen. Warum sind sie überhaupt gekommen? Weil man die Einheit nicht begrüßen kann, um dann vor dem Neuaufbau zu kneifen. Natürlich spielen da auch, wie Herr Lehmann korrekt beschreibt, familiäre Wurzeln im Osten eine Rolle, aber de facto war es doch die neue Herausforderung. Warum ging ich dann Ende 1996 zurück nach Bonn? Dazu gäbe es viel zu erzählen, aber ein gewichtiger Faktor war die scheußliche Äußerung von Dieter Simon, von 1989 bis 1992 Vorsitzender des Wissenschaftsrats, der öffentlich mitteilte, an die Ost-Universitäten hätten sich nur die „Flaschen“ aus dem Westen beworben. Da ich mich in Jena auch im Gespräch mit den Ost-Kollegen sehr wohl fühlte, hatte ich es gar nicht vor, mich wieder woanders zu bewerben. Aber nach der Äußerung von Simon bin ich sofort zu unserem Kanzler Dr. Klaus Kübel gegangen und habe ihm gesagt, dass ich durch Simon geradezu gezwungen bin, es wieder zu versuchen. Dann also Bonn. Es gibt Schlimmeres. Vielen Dank noch einmal für das ausgezeichnete Heft.

Wolfram Hogrebe
RC Düsseldorf

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Zum Titelthema, Heft 10/2020

 

Im Oktoberheft las ich mit großem Interesse die Beiträge zur einzigartigen Erfolgsgeschichte. Richard Schröders Artikel gefällt mir gut. Als ein Defizit empfinde ich die einzigartige Erfolgsgeschichte der Demilitarisierung der ehemaligen DDR durch das Bundeswehrkommando Ost in Strausberg ab 1990 ohne Blutvergießen. Damit war auch die Überwachung und Unterstützung der Westgruppe der sowjetischen Truppen über die Befehlsstelle Wünsdorf durch das Bundeswehrkommando Ost verbunden. Die ersten Wehrpflichtigen aus den neuen Ländern des Beitrittsgebietes wurden durch anfängliche Ausbildung in westdeutschen Standorten und Rückversetzung integriert. Letztlich spielte sich hier auf dem Boden des beigetretenen Gebietes das größte Stück der größten europäischen Abrüstung der Geschichte ab. Schade, dass dieser Teil des Vereinigungsvorgangs fast überall in Vergessenheit geraten ist.

Werner von Scheven
RC Potsdam

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Zum Artikel „Der Trumpismus hat viel verändert“, Heft 10/2020

Die Spaltung der Gesellschaft in den USA, die angesichts der Präsidentschaftswahlen als oftmals unüberbrückbar angesehen wird, beunruhigt mich ungemein. Ich denke an die rotarischen Freunde in den Clubs in den Vereinigten Staaten. Von ihnen haben wir viele unserer Ideale des Zusammenlebens übernommen. Macht sich die Spaltung in den USA auch bei Rotary bemerkbar? Oder gibt es Clubs mit gemischter politischer Anhängerschaft? Was wird aus den deutschen Clubs, wenn der Satz Geltung bekommen könnte: „Von den Amerikanern lernen, heißt Gutes lernen?“

Alfred Wegewitz
RC Fürstenwalde

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Zum Artikel „Schuld und Tragik eines Rotariers“, Heft 10/2020

Mit den Beiträgen im Oktober-Heft des Rotary-Magazins haben Sie es wieder einmal geschafft, unterschiedliche respektive gegensätzliche Sichtweisen auf ein bedeutendes Geschehen der Deutschen Geschichte zu verdeutlichen.

Der Beitrag von Freund Josef Kraus zur Gender-Sprache wäre es wert, einer breiten Öffentlichkeit nahegebracht zu werden, ebenso der Beitrag von Freund Richert zu unseren kulturellen Wurzeln.

Besonders berührend und sehr nachdenklich stimmend ist jedoch der Artikel „Schuld und Tragik eines Rotariers“. Nachdenklich stimmend deshalb, weil es – wie die Ausführungen von Freund Erdmann zeigen – offensichtlich möglich ist, völlig gegensätzliche Weltanschauungen mittels des Herausstellens einzelner Faktoren zu einer scheinbar gemeinsamen Basis zusammenzuführen. Insbesondere in Zeiten des Internets und der damit einhergehenden Fake-Nachrichten-Flut stellt sich die Frage, inwieweit dies auch heute (sehr viel leichter?) möglich wäre.

Ernst W. Bergmann
RC Erfurt-Krämerbrücke

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Zum „Standpunkt“, Heft 10/2020
Bitte nicht unsere Sprache verhunzen!

Vielen Dank für diesen hervorragenden Beitrag zur aktuellen Sprachentwicklung:

Die Artikel in der deutschen Sprache, damit die grammatikalische Geschlechterzuordnung ist so logisch wie die Kombination des weiblichen Artikels mit der männlichen Form von Personengruppen in der Mehrzahl. Für jeden Fremdsprachler entzieht sich irgendein logischer Sinn darin, dass es „die Sache“ und „das Weib“ heißt (ein absurder Widerspruch zwischen Artikel und inhaltlichen Begriff), im letzten sogar fast ein Bild für das männliche Verhalten bei „me too“, genau so wie die Formung von Adjektiven aus Mann und Herr (männlich, weiblich) im Vergleich zu Frau und Dame (fraulich, …..).

Im deutschen rotaryschen Alltag ist das in der englischen Sprache viel unverbindlichere Wort „friend“ als „Freund/in“ für jedes Mitglied im Club zunächst gewöhnungsbedürftig, suggeriert eine „Verbrüderung“ und wird als „verschworene“ Gemeinschaft fehlinterpretiert (oder auch nicht?). Verschwisterung hat eine andere Bedeutung, Worte mit gender-Bezug zur Differenzierung von gesellschaftlichen Gruppen. Unter dem (der) deutschen Freund(in) versteht sich im sozialem Umgang ein stärkere menschliche Bindung als mit  friend in der englischen Sprache, darum gibt es im angloamerikanischen auch die Adnexe (girl-/boy-) friend, wenn es heute nicht zu guy oder lover verfremdet (verkommen) ist. Problematischer empfinde ich noch die Begrifflichkeit für die wichtigste Funktion im Club: Sekretär(in).

In der  englischen Muttersprache aufgewachsene (gebildete) Bürger kann you/You unterschiedlich intonieren. Im deutschen ist mit der schriftlichen Formulierung „du, Du, Sie“ (warum ist letzteres der groß geschriebene weibliche Artikel?)  eine klare soziale Anrede zwischen höflich und korrekt möglich, die direkte Ansprache „du“ hat eine Bandbreite zwischen vertraut und vulgär, ist aber selten diskret.

Vielleicht hilft Gelassenheit im Umgang mit der gewachsenen Sprache genauso wie der Respekt vor der Ästhetik unserer Literatur von (meist männlichen) Dichter und Denker. Oder müssen wir nun klassische Texte auch gendern: Schiller (Wilhelm Tell): „Wir wollen sein einzig Volk von Brüdern (und Schwestern), in keiner Not uns trennen und Gefahr“. Schade um die Metrik.

PD Dr. Rüdiger Kreusch-Brinker
RC Berlin-Spree

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2020, september, leserbriefe

Zum Standpunkt, Heft 9/2020
 

Duzen oder siezen?

Wir leben in einer Zeit permanenter Veränderungen. Christof von Dryander spricht einen Aspekt dieser Veränderungen an und plädiert für Anpassung der rotarischen Gepflogenheiten an das, was er in Teilen der Gesellschaft beobachtet hat. Nicht das „Sie“ solle bei der ersten Begegnung der Rotarier stehen, sondern gleich das „Du“. Bislang hat man zunächst eine gewisse Distanz gewahrt; allerdings hat sich das „Du“ in der Regel im Laufe der Zeit ergeben, eine Regelung, die ich als elegant bezeichnen möchte. Ich vermute, dass die Frage nach dem „Du“ einige Gemüter bewegt und deshalb ist es wichtig, sich darüber auszutauschen. Im Übrigen bin ich davon überzeugt, dass ein „Du“ keinerlei Einfluss auf unsere Bemühungen um neue Mitglieder haben wird. Um für neue und junge Mitglieder attraktiv zu sein, ist die Atmosphäre im Club entscheidend. Und die hat auch etwas mit Stil zu tun. Für einen jungen Menschen jedenfalls, der sich interessiert, muss nach einer ersten Cluberfahrung das „ja, ich will“ feststehen. Die Handhabung des „Du“ ist dabei unbedeutend.

Lutz Vorbach
RC Heinsberg


Zum Standpunkt, Heft 9/2020

Ich glaube, der Brauch, neue Clubfreunde per Sie anzusprechen, sollte beibehalten werden. Es kann doch nicht sein, einen zunächst völlig Unbekannten in den „Du“-Kreis aufzunehmen. Da denke ich an die im Englischen gegebene Möglichkeit, den Neuen als Fellow zu befinden, der sich erst nach näherem Kennenlernen zum Friend entwickeln kann.

Anton Wagner
RC Linz


Zum Standpunkt, Heft 9/2020

Zugegeben: In Gewerkschaftskreisen und in der SPD ist das Duzen ein Muss. Und auf dem Fußballplatz auch! Und doch wundere ich mich und bisweilen ärgert es mich auch, wenn ich ohne meine Zustimmung mir nichts dir nichts geduzt werde. Auch und gerade bei Rotary! Das empfinde ich als eine allzu nassforsche Hemdsärmeligkeit, die heute zwar populär, aber deswegen nicht weniger stillos ist. Ich halte es immer noch für einen Ausdruck guter Umgangsformen, wenn der Wechsel vom „Sie“ zum „Du“ untereinander verabredet und dem jüngeren vom älteren Freund oder Freundin angetragen wird. Mir ist dieser Moment wichtig und erfreulich in seiner (winzigen, aber doch spürbaren!) atmosphärischen Veränderung zwischen zwei Menschen.

Gerhard Herrenbrück
RC Bentheim (Grafschaft)


Zum Standpunkt, Heft 9/2020

Ein gutes Thema, das man wirklich angehen sollte. Die Begrüßung unter Rotariern mit „Freund“ und „Sie“ ist emotionslos, um nicht zu sagen kurios. Wird im Meeting vermeldet, Freund Müller ist krank, wünscht der Präsident pflichtgemäß gute Genesung. Erfahren die Freunde aber, dass ihr Freund Hans Müller krank geworden ist, rufen mit Sicherheit mehr Freunde bei Hans an und fragen ihn, ob sie ihm irgendwie behilflich sein können. Das „Du“ schafft Emotionen, das „Sie“ bewirkt Distanz.

Hans Eike Rall
RC Nürnberg-Fürth


Zum Standpunkt, Heft 9/2020

Dieser Standpunkt und eine solche generelle Aufforderung für Rotary entspricht nicht unserer gelobten Vielfalt, berücksichtigt nicht den individuellen Wunsch, den „Weg vom Sie zum Du“ zu wählen. Ein verordnetes „Du“ von vornherein ist kein Gewinn an Intimität, kein Kennzeichen einer wachsenden Freundschaft, sondern eher Ausdruck von Gleichmacherei, ein Zuwachs von Verdinglichung und Gleichgültigkeit.

Der Kurswert der vertraulichen Anrede sinkt durch diesen Vorschlag. Wir sollten ihn aufwerten, indem wir sorgfältig und überlegt damit umgehen.

Ties Möckelmann
RC Lüneburg


Zum Präsidentenbrief, Heft 9/2020

Panem et circenses

RI-Präsident Holger Knaack weiß, wovon er spricht. Er hat sich in der Zeit seiner Zugehörigkeit zur Organisation von Rotary immer der Jugend zugewandt. Diesen Geist hat Marianne Broska mit ihrer Begleitung aufgenommen. Zweifellos müssen wir Rotary zukunftsfähig machen, denn nicht wenige Clubs verstehen sich nach etlichen Jahren ihres Bestehens, bei manchen reichen fünf Jahre, als „Freundschaftspflegeverein“ für gutes Essen und vor allem Spaß.

Die Aufrechterhaltung eines solchen Verständnisses bewegt sich sehr nah am Rande des Untergangs. Brot und Spiele ist zu wenig, das reißt keinen jungen Menschen vom Hocker. Das wird ihm an jeder Ecke geboten.

Nein, Rotary ist weitaus mehr. Wir müssen Projekte durchführen wollen und vor allem machen, und das uneigennützig. Das ist es, was junge interessierte Menschen anspricht.

Hans-Eckhard Tribess
RC Lübecker Bucht/ Timmendorfer Strand


Zum Thema" RI-Präsidentin nominee Jennifer Jones", Panorama, Heft 9/2020

Die Damen Jones

2005 wurde Carolyn Jones, Alaska, USA, als erste Rotarierin zum Trustee in die Rotary Foundation gewählt. 2022 wird als erste Rotarierin Jennifer Jones, Ontario, Kanada, Präsidentin von Rotary International werden. Beide Frauen schreiben Rotary-Geschichte. Mein Wunsch und meine Hoffnung ist, dass, wenn das Buch über das 2. Jahrhundert von Rotary International geschrieben wird, Jennifer Jones nicht vergessen wird, was der Fall bei Carolyn Jones war, als das Buch über die ersten 100 Jahre der Rotary Foundation ,,Doing Good in the World” publiziert wurde.

Carl-Wilhelm Stenhammar
RC Göteborg, PRIP 2005/06

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2020, leserbriefe, august, balken

Zum Titelthema "Die Kunst des Angelns", Heft 8/2020

Die Fische und ihre Feinde

Für jeden Fischer war das letzte Rotary Magazin ein Genuss. Danke für die ausführliche Beleuchtung des Themas. Eine Ergänzung finde ich dennoch notwendig: Zumindest im alpinen Raum ist die Population von Salmoniden, Bachforelle und Bachsaibling, in höchstem Maß durch eine in den letzten Jahren ungeheuer angewachsene Zahl von Fressfeinden gefährdet. Die Gebirgsbäche der österreichischen Alpen und die kleineren Fließgewässer im Alpenvorland sind nahezu fischleer. Das ist keine Übertreibung: Viele über Jahrzehnte geführte Fang-Statistiken weisen nach, dass der Bestand an Forellen und Saiblingen auf zehn, oft auf fünf Prozent, häufig bis auf Null zurückgegangen ist. Die Bäche sind ausgefressen! Dramatisch ist vor allem, dass laichreife Elternfische fehlen und eine Erholung der Population auf natürliche Art nicht mehr geschehen kann. Diese Entwicklung ist auf die explosionsartige Vermehrung des Fischotters zurückzuführen. Und die lässt sich damit erklären, dass Otter aus Pelztierfarmen in großer Zahl freigesetzt beziehungsweise aus großen Teichgebieten übergesetzt wurden und der Otter laut EU-Recht absolute Schonung genießt. Er darf nicht bejagt werden. Wir stehen vor dem Problem, dass durch strenge Schonung einer Tierart, einer anderen Art das endgültige Aussterben droht.

Der Tierschutzgedanke – so wertvoll er ist – tendiert oft in eine einseitige Richtung. Wirklicher Tierschutz darf jedoch nicht Bevorz gung einer Art zum Nachteil anderer bedeuten. Die Fische unserer Gewässer hatten seit jeher ihre Feinde: Vom Kormoran über den Gänsesäger, vom Graureiher bis zum Schwarzstorch hatten sich alle am nie versiegenden Fischreichtum bedient. Auch dem Otter sei sein Anteil gegönnt. Jetzt allerdings verlangt der Schutz der vom Aussterben bedrohten Fischarten, dass die Anzahl der Fischotter reduziert wird – wahrscheinlich um die Hälfte des Bestandes. Diese Mahnung gehört zu jedem Gespräch beziehungsweise Schreiben über Fische und Angeln.

Horst-Sigbald Walter
RC Leoben

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Zum Forum-Text „Keine andere Wahl“, Heft 8/2020

Alternativlos?

Die Beiträge im Rotary Magazin zeichnen sich meist durch eine sorgfältige Abwägung von Pro und Kontra aus. Dies ist im Artikel „Keine andere Wahl“ wohl weniger das Ziel des Verfassers. Eine Energie- wende ist demnach unabwendbar, die Kapazitäten von Wind- und Solarstrom müssen verdreifacht werden, weil anderenfalls die Konsequenzen „unendlich viel leidvoller als bei Corona“ sein werden. Schon Kanzlerin Merkel musste die Erfahrung machen, dass man in einer Demokratie mit angeblich alternativlosen Entscheidungen Widerspruch provoziert. Selbstverständlich hat sich die Politik erkennbaren Problemen zu stellen, selbst wenn deren Konsequenzen noch nicht genau vorhergesehen werden können. Europa sollte sich deshalb nicht nur aus völkerrechtlichen Gründen an das Pariser Klimaschutzabkommen halten, zumal rund acht Milliarden Menschen Umwelt und Atmosphäre fraglos mehr belasten als die eine Milliarde vor Beginn der Industrialisierung – dem Ausgangspunkt der bis heute ermittelten Klimasteigerungen. Allerdings kann es, wie die Klimageschichte zeigt, auch ganz anders kommen, als Meteorologen es heute prophezeien.

So herrschte im Hochmittelalter ein noch milderes Klima als heute. Historiker sehen hierin einen Grund für die Hochblüte von Kultur (Romanik, Gotik, Minnesang) und das Wachstum der Bevölkerung samt vieler Städtegründungen. Auch Meteorologen sprachen von einem Klimaoptimum. Es folgten deutlich kältere und auch wieder wärmere Perioden, verursacht durch terrestrische und/oder kosmische Vorgänge, auf die der Mensch kaum Einfluss hat. So fiel im Jahr 1816 infolge eines gewaltigen Vulkanausbruchs, der sich jederzeit wiederholen kann, der ganze Sommer aus mit der Konsequenz einer katastrophalen Hungersnot.

Unsere Bemühungen um den Klimaschutz werden leider nicht den erhofften Nutzen bringen, wenn bevölkerungsreiche Staaten wie China, Indien, USA und Brasilien, wo man den Regenwald abholzt, das Pariser Abkommen aufkündigen oder sich nicht mehr darum kümmern. Wir müssen uns deshalb vorsorglich auf weitere Hitze und Trockenheit einstellen, womit unter anderem Land- und Forstwirtschaft bereits begonnen haben. Auf diesem Weg kann dann auch die in dem Artikel hervorgehobene Generationengerechtigkeit Berücksichtigung finden. Hierbei sei mir aber der Hinweis gestattet, dass es noch keiner jüngeren Generation im Durchschnitt gesehen wirtschaftlich besser ging als der heutigen, und dies bei einer von Statistikern prognostizierten wesentlich höheren Lebenserwartung.

Edgar Wais
RC Reutlingen-Tübingen-Süd

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Zum Standpunkt „Etwas weniger Alpha, bitte“, Heft 8/2020

Wenig überzeugend

Die Autoren setzen sich vornehmlich damit auseinander, wie man als neu gewähltes Vorstandsmitglied seinen Willen auch gegen den ausdrücklichen Wunsch der Mitglieder durchsetzen kann. Dazu werden die unterschiedlichsten Möglichkeiten der Mediation aufgezeigt. Diejenigen Mitglieder, die sich diesem Diktat nicht unterwerfen wollen, werden als ewig gestrige, nicht Neuerungen zugewandte Clubdienst „Bedenkenträger verunglimpft. Keine Rolle spielt in den Betrachtungen der beiden Autoren, was der Wunsch der Mehrheit der Mitglieder des Clubs ist. Es fehlt auch der Fingerzeig, wie man konfliktfrei die Mitglieder auf neue Wege mitnimmt und sie von den eigenen Ideen überzeugt. Auch ist von der dienenden Funktion eines Vorstandes nicht die Rede. Aufgeführte Beispiele sind wenig überzeugend. „Die einstimmig vom Aufnahmeausschuss und vom Vorstand beschlossene Aufnahme einer jungen Freundin löst kulturkampfähnliche Kampagnen aus“, das zeugt von wenig rotarischem Verständnis, weil es nicht darum gehen kann, den Wunsch des Vorstandes durchzuboxen, sondern die Mitglieder zu überzeugen, dass die Kandidatin mit ihrer Persönlichkeit und Einsatzbereitschaft richtig gut in den Club passt. Man sollte schließlich davon ausgehen, dass diese Einsprüche
sehr wohl überlegt und abgewogen sind.

In meiner über 30-jährigen rotarischen Mitgliedschaft – nach diesen Zeilen sicherlich zum Clubdienst „Bedenkenträger“ zählend – und in vier verschiedenen Clubs, auch außereuropäisch, habe ich bisher keinen Mediator erlebt. Ich habe auch keinerlei Sehnsucht danach, so etwas zu erleben. Offensichtlich haben es „meine“ Clubs und hier vor allem die Vorstände bisher immer verstanden, das Miteinander in den Vordergrund zu stellen und sich immer wieder zu fragen, wie die Mitglieder auf dem Weg zu neuen Zielen mitgenommen und überzeugt werden können.

RI-Präsident Holger Knaack hat das im selben Heft, nur eine Seite später, sehr treffend formuliert: „Können wir ehrlich beantworten, ob wir alles für unsere Mitglieder tun, was wir können, und repräsentieren wir wirklich das Gemein- wesen, dem wir dienlich sein wollen?“ Man möchte den Autoren zum Schluss zurufen: „Etwas weniger Alpha bitte, dafür mehr Zusammenarbeit“.

Christian-Peter Prinz zu Waldeck
RC Berlin-Nord


Zum Thema Energiewende, Text „Keine andere Wahl“, Heft 8/2020

Ruin statt Modernisierung?

Im Gegensatz zum Autor bin ich der Meinung, dass wir mit unserem absoluten Weg der kompletten Energiewende allein auf der Welt sind und unsere Wirtschaft nicht modernisieren, sondern ruinieren.

Peter Rohrer
RC Berlin-Kurfürstendamm


Zum Thema Energiewende, Text „Keine andere Wahl“, Heft 8/2020

Was bringen die Umweltbemühungen von zehn Prozent der Weltbevölkerung, wenn die verbleibenden 90 Prozent nicht wollen oder können? Weil sie sonst ihre Existenzgrundlage verlören, Hunger und Elend die Folgen wären. Warum fragt niemand von der anderen Seite: Wie viele Menschen verträgt die Erde?

Heinrich Zettler
RC Vilsbiburg

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Leserbriefe, 2020, Ausgabe, Balken

Zum Titelthema "Ach, Italien", Heft 7/2020
 

Viva Italia!

Nachdem ich mehr als zehn Jahre als ARD-Auslandskorrespondent aus Italien, Griechenland, Malta und dem Vatikan berichtet habe, war es klar, dass ich das neue Rotary Magazin sofort lesen musste. Neben vielen klassischen Vorurteilen über Italien bot das Heft, journalistisch gut gemacht, jede Menge Information und Unterhaltung. Doch eine Wahrheit muss ganz klar ausgesprochen werden: Italien geht es seit Jahren wirtschaftlich und gesellschaftlich schlecht und schlechter und die politische Klasse des Landes ist oft nicht willens und oft auch nicht in der Lage, einen Konsens zum Besseren herzustellen. Meine Bilanz heisst: Italien ist kein Traumland mit Problemen, sondern das (!) Problemland mit (falschen) Träumen. Italien ist das Krisenland Europas und die neuesten Entwicklungen deuten eher auf eine Verschärfung der Krise, als auf eine rasche Besserung. Trotzdem: Gerade jetzt sollten die Chancen genutzt werden, die Beziehungen in der Wirtschaft, der Politik und der Kultur zu stärken. Viva Italia!

Bernhard Wabnitz
RC Trier

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Zum Titelthema "Ach, Italien", Heft 7/2020

Giulia Caminito beschreibt die italienischen Verhältnisse der gut gebildeten Italiener mit Hochschulabschluss. Nämlich chancenlos zu sein auf eine adäquate berufliche Tätigkeit und auf ein gedeihliches, planbares Auskommen. Und die Hochschulabsolventen in Deutschland sind nicht besser dran. Schaut man sich nur mal die Geisteswissenschaftler, aber auch die Künstler an: Sie hangeln sich von Befristung zu Befristung ihrer Arbeitsverträge. Wie soll dieser Personenkreis seine Zukunft planen? Im Zwei-Jahres-Rhythmus? Familienplanung Fehlanzeige. Hier muss die Gesellschaft (Staat, Unternehmen, Kirchen) Lösungen finden. Das ist dringender denn je, der Zustand währt ja nicht erst seit gestern – der Exodus ist in vollem Gange. Sie flüchten nicht nur ins Ausland, sondern auch in Berufe, die ihrer Qualifikation nicht entsprechen.

Hans Pütz
RC Ingolstadt

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Zum Titelthema "Ach, Italien", Heft 7/2020

Das neue Heft mit seinem Thema, seinem Titelbild und vor allem dem fantastisch knappen Stichwort, das so vieles ausdrückt, was viele empfinden: „Ach, Italien“. Genial auf den Punkt gebracht. Bis hin zum Komma. Der teutonische Seufzer schlechthin. Unerfüllte Liebe und stetige Verheißung trotz Chaos und Desaster. Mille grazie!

Martin Hambrecht
RC Darmstadt Bergstraße

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Zum Titelthema "Ach, Italien", Heft 7/2020

Mit dem Italienschwerpunkt ist Ihnen wieder ein Volltreffer gelungen. Ich nehme das zum Anlass, für die Arbeit der Redaktion zu danken, der es immer wieder gelingt, aktuelle Themen vielfältig zu zeigen, so dass die Lektüre zum Vergnügen wird. Italien hat, bei allen Schattenseiten, diese sympathische Darstellung in Zeiten plakativer Schuldzuweisungen verdient.

Hansjörg Jäger
RC Innsbruck

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Zum Titelthema "Ach, Italien", Heft 7/2020

Ein melancholischer Jüngling mit einer Träne im Gesicht blickt uns an der Welt zweifelnd an. Man denkt eingangs an den ersten Liebeskummer eines pubertierenden Knaben. Dann erinnert man sich an den David des Michelangelo, aber kann dieser Knabe einen Goliath besiegen? Des Rätsels Lösung ist eine sinnverändernde Bearbeitung eines Fotos der berühmtesten Skulptur des Abendlandes. Die gestalterische Änderung unterstreicht die Titelzeile „Ach, Italien“ und stellt wohl einen schöpferischen Akt dar. Jedoch, müsste diese Bildbearbeitung für den Leser nicht eindeutig benannt werden? Wie würde ein Richter eine resultierende Klage des Michelangelo bezüglich seines Urheberrechts bewerten?

Karlheinz Rothenberger
RC Landshut-Trausnitz

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Zum Text „Wettlauf um die Digitalisierung“, Heft 7/2020

Kulturwandel muss her

In seiner scharfen Analyse stellt der Autor die Innovationsfähigkeit Deutschlands im Wettlauf um die „Digitalhoheit“ mit den USA und China in Frage. Volle Zustimmung, auch zu seinem Fazit: Ein Kulturwandel muss her. Da bin ich sehr zuversichtlich und setze auf die junge Generation und deren weit verbreitetes Mindset, etwas bewegen und die Welt zu einem besseren Ort machen zu wollen. Diese Haltung kann der Schlüssel sein für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Dabei ist das Augenmerk zu legen auf die Stärkung zweier Gruppen unter den jungen Talenten: denjenigen mit dem Unternehmer-Gen und die große Anzahl exzellenter Wissenschaftler*innen. Wenn diese Gründer-Typen und Tech-Talente vernetzt werden in unternehmerischen Ökosystemen, können künftig die disruptiven, marktschaffenden Innovationen wieder aus Deutschland kommen. Ein vielversprechender Ansatz dazu ist die Agentur für Sprunginnovationen SPRIND, weil die Initiatoren aus Politik und Wissenschaft sich zurücknehmen und die Freiheit lassen, die Agentur unternehmerisch zu führen – vielleicht der wichtigste Erfolgsfaktor. Eine Parallele zu Rotary drängt sich auf: So wie junge Innovatoren die Zukunft für den Wirtschaftsstandort Deutschland sind, sind es Rotaracter*innen für Rotary.

Axel Friese
RC Köln-Ambassador

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Zum Text „Amerikanische Selbstzerstörung“, Heft 7/2020

Schwarz-Weiß-Denken greift zu kurz

Amerika ist die einzige Welt- macht, die unserem Wertesystem nahesteht. Das Land verdient es daher, von uns differenziert beurteilt zu werden. Die Darstellung von Konrad Jarausch, die USA seien strukturell rassistisch und Präsident Trump an allem schuld, wird dem kaum gerecht. Das Studium der amerikanischen Verfassung und Bundesgesetzgebung macht deutlich, dass es institutionelle, sprich staatlich verankerte Diskriminierung auf dieser Ebene praktisch nicht gibt. Die Probleme sind komplexer, weil im kulturellen Selbstverständnis und Lebensalltag größerer Teile der Bevölkerung und lokaler Mandatsträger verwurzelt. Die amerikanische Gesellschaft lebt in vielen Teilen ein Modell der sozialen Selbst-Abgrenzung, in dem Weiße, Schwarze, Latinos und erst recht die vergessenen First Nations weitgehend unter sich bleiben. Das zerstört Lebenschancen junger Menschen. Teil der Selbstabgrenzung ist, dass wohlhabendere, oft nicht-schwarze Bevölkerungskreise alles tun, um ihre Kinder in private, teure High Schools und Colleges zu schicken. Daraus resultieren berufliche, karriererelevante Netzwerke, die für die nicht minder intelligenten Absolventen von Public Schools oft verschlossen sind. Bleibt das Problemfeld Polizei: Sie rekrutiert sich nicht zuletzt aus Veteranen amerikanischer Wüstenkriege, ist auch zum Selbstschutz in einer waffentragenden Gesellschaft mehr auf Gewalt denn Deeskalation trainiert und überdurchschnittlich weiß. Wer glaubt, mit populistischen Forderungen nach „Defund the Police“ hier Abhilfe zu schaffen, dürfte sich zulasten der Menschen in den sozialen Brennpunkten irren.

Hans Obermeier
RC Bad Homburg v.d.H.

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Zum Standpunkt, Heft 7/2020

Attraktivität hat nachgelassen

Im Urlaub an der See oder beim Skifahren machte ich immer von rotarischen Gastrecht Gebrauch. Heute aber treffe ich dort bei Meetings nur auf wenige Freunde. Vielmehr sitzen bekannte Rotarier mit ihren Freunden im gleichen Lokal an einem anderen Tisch, um den Abend mit Bekannten zu genießen. Präsenzpflicht und -recht sind dann Fremdworte. Die Attraktivität, Gast in einem anderen Club zu sein oder sein zu dürfen, hat erheblich nachgelassen. Man muss diesem Verlust aber auch nicht nachtrauern, denn ohne Aufweichung der Präsenzregeln hätte Rotary in der heutigen Zeit einen schweren Stand.

Ulrich Ehlers
RC Lemgo-Sternberg

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Leserbriefe, 2020, Ausgabe, Balken, juni

Zum Titelthema "Globalisierung", Heft 6/2020
 
"Weg mit den ideologischen Scheuklappen"
 
Leider haben in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern Bevölkerungswachstum und Bedarf an Devisen aus Agrarexporten den Druck  auf die Intensivierung der Landwirtschaft im Übermaß erhöht und zu Raubbau und Rodung von Flächen geführt. Obwohl die europäische Landwirtschaft hoch subventioniert ist, schaffen wir es in der EU nicht, uns selbst mit Agrargütern zu versorgen, und importieren „netto“ immer noch die Erträge von circa 16 Millionen Hektar (nahezu der Agrarfläche Deutschlands) aus dem Rest der Welt. Wir stören zwar einzelne Agrarmärkte in der Dritten Welt mit unseren Exporten, das viel größere Problem aber ist, dass wir durch die Importe vielen Ländern die Nahrungs- und Futtermittel wegkaufen und Rodung und Raubbau vorantreiben. Wie der Autor sehen viele in Bio das Allheilmittel für Landwirtschaft und Umwelt. Doch Bio entpuppt sich eher als Scheinriese. Trotz medialen Rückenwinds und staatlicher Förderung stammten 2018 nur 5,5 Prozent der Einnahmen unserer Landwirte aus Bio, obwohl sie circa neun Prozent der Fläche dafür einsetzten und die Bioprodukte teurer sind. Für den gleichen Ertrag beansprucht Bio nahezu die doppelte Fläche. Das macht Bio unnötig teuer und relativiert den Vorteil für den Artenschutz. Für jeden Hektar Acker, der zu Bio wechselt, fehlen drei bis fünf Tonnen Getreide oder Futtermittel, die in der Regel zusätzlich importiert werden. Das führt zu Intensivierungen und Rodungen im Ausland und verhagelt die Öko- und Klimabilanz von Bio, sodass sogar der Weltklimarat und auch das renommierte „World Resources Institute“ nachhaltige Ertragssteigerungen mit Einsatz konventioneller Mittel und nicht das vom Autor hochgelobte Bio zur Bewältigung der Klimakrise empfehlen. Selbst wenn es für viele plausibel klingt, dass die konventionelle Landwirtschaft der Hauptverursacher des Artensterbens sei, fehlen nach wie vor die Beweise. Wahrscheinlich haben andere Ursachen, wie beispielsweise der Klimawandel, größeren Einfluss. Ein Indiz dafür ist, dass in der Vergangenheit über Jahrzehnte teilweise mehr und „schlimmere“ Pestizide eingesetzt wurden als heute, ohne die Artenvielfalt auch nur annähernd vergleichbar zu schmälern. Das pauschale „Bauernbashing“ ohne genauere Prüfung der komplexen Zusammenhänge ist sehr kurzsichtig. Vor allem fürchte ich, dass wir leichtfertig unsere leistungsfähige Landwirtschaft demontieren und in unsolidarischer Weise durch mehr statt weniger Nettoimporte zunehmend die Weltagrarmärkte belasten und über höhere Preise zu mehr Hunger und noch mehr Raubbau beitragen – und dies vor dem Hintergrund weltweit schrumpfender Agrarflächen und steigender Ertragsdepressionen durch Klimawandel. Wie in vielen anderen Lebensbereichen kann Chemie in der Landwirtschaft sowohl zum Nutzen für Ertrag, Umwelt und Nachhaltigkeit als auch zu deren Schaden eingesetzt werden. Ein intelligenter Einsatz ist allemal besser als ein Weglassen oder ein Zurück zu Bio. Die konventionelle Landwirtschaft hat durch Chemie und moderne Züchtung mehr Optionen als Bio für eine ertragreiche und ökologisch nachhaltige Landwirtschaft. Diese Optionen sind mithilfe von Forschung und Entwicklung gezielt zu prüfen und mithilfe gesetzlicher Vorgaben konsequent umzusetzen.

Wir müssen sorgfältiger mit Nahrungsmitteln und Fleischkonsum umgehen und unsere Landwirtschaft und Ernährung auf breiter Basis ökologisieren, aber auf der Grundlage von Messen und Wiegen – ohne die ideologischen Scheuklappen des Biolandbaus, von dem aber Erfahrungen, vor allem in Sachen Tierwohl, übernommen werden sollen.

Herbert Ströbel
RC Ansbach

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Zum Titelthema "Globalisierung", Heft 6/2020

Erfrischend, dass auf dem Hintergrund der aktuellen dystopen Untergangsszenarien nicht reflexartig die üblichen Phrasierungen romantisierter Utopien als „neues Denken“ hervorgekramt werden. Anders Indset spricht aus, „was ist“, und nicht, was wir uns wünschen. Globalisierung, Automatisierung und Digitalisierung schreiten voran und sind nicht aufzuhalten. Wir sollten diese drei Felder aktiv fördern, gestalten und nutzen. Aus dieser optimistischen Grundhaltung heraus lassen sich Umweltprobleme und soziale Verwerfungen eher lösen als durch Rückzug in Sozialromantik und verklärende Naturverehrung.

Wolfgang Kühl
RC Kevelaer

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Zur Debatte um Achille Mbembe, Heft 6/2020

Am Kern vorbei?

Die Autoren bewegen sich auf teilweise hohem, fast philosophischem Niveau, an manchen Stellen etwas abgehoben vom eigentlichen Kern der Debatte.

Es fällt auf, dass nur wenig zum Thema Israel-Palästina gesagt wird, obwohl ja Mbembes Haltung ganz wesentlich darauf beruht. Damit wird aber der Kern des Problems umgangen. Seine Äußerungen belegen, dass er israelkritisch ist und auch, dass er die BDS-Bewegung unterstützt. Kann man ihm deswegen Antisemitismus vorwerfen? Dies unbefangen zu diskutieren ist in Deutschland besonders schwierig, da auch noch so berechtigte Kritik
an Israels Palästina-Politik rasch mit der Vielzweckwaffe Antisemitismus gleichgesetzt wird. Aufgrund der bis heute andauernden und seit Jahrzehnten fortschreitenden völkerrechtswidrigen israelischen Besatzungs-/Besiedlungs-/ Unterdrückungs- und Entrechtungspolitik in den palästinensischen Gebieten ist Israel- Kritik im Sinne Mbembes berechtigt. Es sei daran erinnert, dass die fundierteste, vehementeste Israel-Kritik von renommierten, gebildeten Juden wie Felicia Langer, Ilan Pappé, Shlomo Sand, Norman Finkelstein, Miko Peled und anderen kommt. Ihnen kann man kaum Antisemitismus vorwerfen! Dass Michael Wolffsohn sich für Israel einsetzt, ist sein gutes Recht. Dass er aber in seinem letzten Abschnitt versucht, den Eindruck zu erwecken, dass Palästinenser unter israelischer Herrschaft besonders gute Perspektiven hätten, ist befremdlich.

Hael Mughrabi
RC Nürnberg-Kaiserburg

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Zum Text „Déja vu, déja lu, wilde Vergleiche“, 6/2020

Hybris lässt grüßen

Es ist gleichermaßen interessant und amüsant zu lesen, dass Michael Wolffsohn der Überzeugung ist, anderen ein Weltbild zuschreiben zu können, von dem sie selbst glauben, gerade dieses nicht zu haben. Hybris lässt grüßen. Die Hälfte seines Beitrags verwendet er darauf, einen wahrscheinlich nicht gerade geringen Teil unserer Bevölkerung pauschal des Antisemitismus zu bezichtigen. Seine „Argumentation“ fußt dabei einzig und allein auf der Formel: Kritik an der Politik des Staates Israel bedeutet automatisch Antisemitismus. Diese Formel ist nicht nur wenig klug, sie ist schlichtweg falsch und unbegründet.

Dennis Böhme
RC Garching-Ismaning

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Zum Standpunkt, Heft 6/2020

Nicht um jeden Preis

Den sehr begrüßenswerten Artikel von Peter Lausmann sollten alle Rotarier lesen. Was passieren kann, wenn sich einseitig orientierte Ideologen, welche die Aufnahme von Frauen um jeden Preis durchsetzen wollen, der Sache annehmen, sei kurz am Beispiel unseres Clubs geschildert: Im letzten Jahr wurde erstmalig eine Dame zur Neuaufnahme vorgeschlagen. Die Kandidatin hielt einen Vortrag, der weitgehend negativ beurteilt wurde, aber die Mehrheit wollte partout die Aufnahme einer Frau. Lediglich einige Freunde, keineswegs Gegner der Aufnahme von Frauen, wollten sich dieser Auffassung nicht anschließen. Gegen den Aufnahmevorschlag wurde Einspruch eingelegt und damit satzungsgemäß die Aufnahme verhindert. In der Folge verließen sieben von 24 Mitgliedern den Club, darunter mehrere Vorstandsmitglieder wie Alt- und Vizepräsident. Drei von ihnen traten benachbarten Rotary Clubs bei, vier verließen Rotary ganz, darunter einer, Rotarier seit 1979, der die hasserfüllten Tiraden eines Altpräsidenten gegen den vermeintlichen Organisator der Aufnahmeverhinderung nicht ertragen konnte. Weitere Freunde traten nicht aus, aber nehmen am Clubleben nicht mehr teil. Wir Hinterbliebenen bemühen uns nun, den Club wieder aufzubauen, gern auch durch die Aufnahme wirklich qualifizierter Frauen.

Wilhelm Senftleben
RC Ahrensburg-Schloss

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Zur Debatte um Bill Gates und die WHO , Heft 6/2020

Audiatur et altera pars (Man höre auch die andere Seite) – zum Beispiel die, die warnend die Stimme erheben – oder lange erhoben? Neigt die Rotary-Führung nicht dazu, in blinder Verehrung der Milliarden dieses zweifellos erfolgreichen Mannes (Bill Gates, d. Red.) mit zweifel- hafter Biografie die Schatten- seiten zu ignorieren und damit Missstände der WHO zu unterstützen? Könnte dies unserer rotarischen Idee auf Dauer nicht mehr schaden als nützen? Zumindest eine Diskussion über für und wider sollte angestoßen werden (dürfen).

Peter Forster
RC Salzburg-St. Rupert

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Die hier und im Rotary Magazin veröffenlichten Meinungen geben nicht unbedingt die Meinung von Rotary International oder der Rotary Foundation wieder. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Autors, nicht unbedingt der der Redaktion wieder.