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Beste Aussichten

Deutsch-rumänischer Jugendworkshop entwickelt gemeinsame Zukunft

Beste Aussichten - Deutsch-rumänischer Jugendworkshop entwickelt gemeinsame Zukunft
Die deutschen und rumänischen Teilnehmer/innen des Workshops sowie einen der Betreuer, Prof. Dr. Hartmut Zschiedrich. © privat

Hätten Sie gewusst, dass Rumänien der größte „Exporteur“ von Ärzten nach Deutschland ist? Verblüffende Erkenntnisse, gelungenes Teamwork und packende Visionen - diese rundum positive Bilanz steht am Ende des ersten deutsch-rumänischen Jugendworkshops. Die einwöchige internationale Begegnung von Studierenden aus beiden Ländern hatte der Rotary Club Bremen-Neuenlande im Rahmen seiner Partnerschaft mit dem Club in Cluj-Napoca (Klausenburg) organisiert, ko-finanziert durch den regionalen Rotary-Distrikt 1850.

15.10.2014

Im Mittelpunkt des umfangreichen Besuchsprogramms vom 31. August bis zum 7. September mit Daimler-Werksbesichtigung, Brauereibesuch, Rundflug und Stadttour stand natürlich der dreitägige Workshop im Birgittenkloster (Schnoor). Dort waren die zwölf Studentinnen und Studenten untergebracht und dort haben sie gemeinsam mit einem Trainer- und Expertenteam verschiedene Arbeitsgruppen zu den Themen „Arbeitsmarkt“ und „Drogen“ gebildet.

Zunächst kam der intensive Input: Zur Suchtproblematik, insbesondere zu den synthetischen Drogen wie Crystal Meth, sprach Carsten Witt von der Bremer Kriminalpolizei. Von rumänischer Seite wurde das Thema von Andra Diaconescu und Magdalena Moldovan in Form von spannenden Kurzreferaten aufbereitet. Außerdem gab es einen spannenden Ausflug an das Institut für Klinische Pharmakologie im Klinikum Mitte, wo die Ärztin Kerstin Boomgarden-Brandes anschaulich aus der toxikologischen Praxis informierte.

Intensive gemeinsame Workshops

Nach vielen weiteren Übungen und Diskussionen haben die Workshop-Teilnehmer schließlich ein eigenes Modell für den Umgang mit dem grenzüberschreienden Drogenproblem entworfen: Eine ganzheitlich arbeitende Tagesklinik für Süchtige, in der professionelle und ehrenamtliche Strukturen kombiniert werden. Mit Angeboten von Therapie bis Kultur sollen nicht nur die unmittelbar Betroffenen erreicht werden, sondern auch deren familiäres Umfeld.

Auch beim Thema Arbeitsmarkt ging es zunächst einmal um die Recherche: Heike Borgmann, Zentrale Auslands- und Fachvermittlung / Bundesagentur für Arbeit erläuterte Chancen und Hindernisse für einen gemeinsamen Job-Markt aus deutscher Sicht. Der rumänische Ingenieur und Unternehmer Alexandru Galos rundete das Bild ab, indem er seine Erfahrungen an die jungen Menschen weitergab. Die Recherche der Studierenden selbst förderte verblüffende Erkenntnisse zutage. Beispiel: In Deutschland arbeiten etwa 3.000 rumänische Ärzte – mehr als aus jeder anderen Nation.

Schließlich kristallisierten sich zwei Felder heraus, auf denen sich ein gemeinsamer Arbeitsmarkt entwickeln ließe: der IT-Sektor und der Medizin-Bereich. Auf beiden Märkten gibt es hoch qualifiziertes Personal in Rumänien, während in Deutschland ein großer Bedarf herrscht: Informatiker, Ärzte, Pflegepersonal. Allerdings existieren noch einige Hürden, was Informationen und Formalien betrifft. Deshalb schlagen die Workshop-Teilnehmer spezifische Onlineplattformen für den Informatik- und für den Medizin-Arbeitsmarkt vor. Durch diese Informations- und Job-Portale kann der wechselseitige Bedarf besser koordiniert und befriedigt werden.

Das öffentliche Bild von Rumänien

Soweit die Visionen. Allen Beteiligten war gleichzeitig bewusst, dass vor allem das öffentliche Bild noch sehr von Problemen und Vorurteilen im deutsch-rumänischen Verhältnis geprägt ist. Europäische Integration und Arbeitnehmer-Freizügigkeit werden vielfach noch als bedrohlich empfunden. Das Gegenrezept der jungen Leute ist ebenso einfach wie überzeugend: „Kommunikation und Kooperation“.

Die Präsentation der Workshop-Ergebnisse im Parkhotel Bremen durch die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer war zweifellos ein Höhepunkt der Besuchswoche. Neben zwei multimedialen Vorträgen zu den Hauptthemen gab es noch ein kleines Flötenkonzert der deutschen Workshop-Teilnehmerin Katrin Schubert, einer vormaligen Preisträgerin des Wettbewerbs „Jugend musiziert“. Mit ihrem Programm konnten die jungen Menschen schließlich alle geladenen rumänischen und deutschen Gäste für gemeinsame Visionen begeistern.

So zeigte sich der Präsident des Rotary Clubs Cluj-Napoca (Klausenburg /Siebenbürgen) sehr angetan von der Veranstaltung. „Ich bin mir sicher, dass wir diese schöne Zusammenarbeit auch in Zukunft fortsetzen können und werden“, sagte Alexandru Marcu. Der besondere Schwerpunkt von jährlichen gemeinsamen Aktionen der beiden Clubs solle weiter auf der Jugendförderung legen.

Stipendien für Studenten aus Osteuropa

Ebenfalls erfreut reagierte Natalie Burwitz vom regionalen Rotary-Distrikt 1850, auch weil auf deutscher Seite Teilnehmerinnen und Teilnehmer des „Deutschland-Stipendiums“ eingebunden werden konnten. Außerdem verwies Frau Burwitz auf die Möglichkeit spezieller Stipendien einer rotarischen Stiftung für osteuropäische Studenten.

Schließlich war auch der Präsident des RC Bremen-Neuenlande, Cornelius Neumann-Redlin begeistert vom Ergebnis der aufwändigen Aktion: "Es war toll zu erleben, wie diese ganz unterschiedlichen jungen Menschen schließlich zu einem deutsch-rumänischen Team zusammengewachsen sind. Dazu hat sicher auch die sehr positive Atmosphäre des Birgittenklosters im Schnoor beigetragen, “ sagte Neumann-Redlin.

Für die Organisation des Ereignisses waren die Bremer Rotarier Veit-Georg Schmidt und Horst Fröhlich verantwortlich. Die beiden – und nicht nur sie – waren am Ende hochzufrieden mit dem Lohn der Anstrengung.

 

(Von Dirk Hansen)