15.05.2014

Bildungsspecial 

Die besten Schulen Deutschlands

Maike Rademaker

Schule ist nicht gleich Schule, das wissen Eltern, Lehrer und Schüler am besten. Aber was macht eine gute Schule aus? Und wie kan man sie finden? Die Robert-Bosch-Stiftung und die Heidehof-Stiftung haben eine Strategie gefunden: Sie identifizieren gemeinsam seit 2006 jedes Jahr sechs Gewinner für den „Deutschen Schulpreis“. Die damit geadelten Schulen bekommen durch den Preis nicht nur viel Geld und Aufmerksamkeit – der Hauptgewinn beträgt 100.000 Euro und die Ehrung wird im Fernsehen übertragen – sondern auch ein Renommee, das sich in Zeiten sinkender Schülerzahlen gut einsetzen lässt. Wer sich dem Wettbewerb stellt, und das sind jedes Jahr über 100 Schulen, muss in sechs Qualitätsbereichen gut, und in mindestens einem Bereich sehr gut sein. Es dürfen sich sowohl staatliche als auch private Schulen bewerben. In der Jury sitzen Vertreter bisheriger Preisträger und renommierte Bildungs- oder Erziehungswissenschaftler aus dem In- und Ausland. Beispiele aus den vergangenen Jahren:

Die Erfurter Fachschule für Wirtschaft, Preis der Jury 2013 Fünf Schulen von 15 nominierten Kandidaten erhalten jedes Jahr den klassischen Schulpreis – eine aber erhält immer den mit 25.000 Euro dotierten „Preis der Jury“. 2013 war das eine ganz besondere – die private Fachschule für Wirtschaft und Soziales in Erfurt. Ungewöhnlich ist nicht nur, dass damit erstmals eine staatlich anerkannte berufsbildende Schule in freier Trägerschaft den Preis erhielt. Auch nicht, dass die rund 1300 Schüler, die an fünf Standorten in Thüringen soziale Berufe wie Erzieherin lernen, mitunter schwierige Lebenserfahrungen hinter sich haben. Oder dass die Schüler mitunter über 40 Jahre alt sind und damit so alt wie viele der sehr engagierten Lehrer. Ungewöhnlich ist vielmehr, dass fast alle Absolventen trotz dieser schwierigen Umstände in der Regel sofort eine Arbeitsstelle finden, und das nicht nur in Thüringen, sondern bundesweit.

Die Sophie-Scholl-Schule für kranke Kinder, Hauptpreisträger 2010 Auch kranke Kinder müssen lernen, vor allem die chronisch Kranken. Für die Sophie-Scholl-Schule in Bad Hindelang-Oberjoch, eine private Schule in der Alpenklinik in Hindelang, ist das eine große Herausforderung. Denn sie betreut Kinder aller Altersstufen und Schularten, die nicht nur krank sind, sondern auch unterschiedlich lange in der Klinik bleiben. Geregelter Unterricht ist schwierig, sie müssen schließlich zwischendurch zur Behandlung. Trotzdem hat diese kleine Schule – elf Lehrer, 200 Schüler – 2010 den Hauptpreis gewonnen. „Punktgenaues Einsetzen unterschiedlicher Materialien und Methoden“ loben die Juroren. Die Kinder erhalten individuelle Wochenpläne, lernen aber gemeinsam und unterstützen sich gegenseitig. Für Lehrer und Sozialpädagogen bedeutet das schonmal eine 50-Stunden-Woche. Zudem muss jede Schule, die den Hauptpreis bekommen hat, anderen Schulen ihre Erfahrungen weitergeben.

Grundschule Kleine Kielstraße in Dortmund, Hauptpreis 2006 Sie war die erste, die den Deutschen Schulpreis bekommen hat – die Schule mitten in einer Wohngegend, die häufig den Beinamen sozialer Brennpunkt bekommt: viel Arbeitslosigkeit, viele Ausländer ohne Deutschkenntnisse, viele Probleme. Doch die Schule stellt sich den Problemen des Viertels. Die Lehrer entwickeln individuelle Wochenpläne, es gibt Unterricht in der Muttersprache, und – ganz wichtig – viel Zusammenarbeit mit den Eltern. Sie ist Anlaufstelle für weitere Initiativen im Viertel und versucht Einfluss zu nehmen auf die Entwicklung in der Dortmunder Nordstadt. Die Kinder danken es ihnen: Die Übergangsquote auf das Gymnasium betrug 2011 über 40 Prozent – der bundesweite Durchschnitt liegt bei 19 Prozent.

Preis für Integration Waldhofschule, Schulpreis 2010 Inklusion ist das neue Zauberwort in der Bildungslandschaft, und viele Schulen versuchen derzeit, Schüler mit geistigen oder körperlichen Behinderungen mitzunehmen. Die private Waldhofschule im uckermärkischen Templin ist quasi den anderen Weg gegangen – was vormals eine Schule nur für geistig Behinderte war, ist heute eine Grundschule mit hälftig Kindern mit sonderpädagogischem Betreuungsbedarf und hälftig ohne. Erst ab der 7 Klasse konzentriert man sich wieder ganz auf die Behinderten. Das Konzept für die 260 Schüler beinhaltet nicht nur eine intensive Betreuung durch viele Lehrer und Sonderpädagogen, sondern viele weitere Elemente wie Teamklausuren, wissenschaftliche Begleitung und Elterngespräche, individuelle Lernpässe und Präsentationen mit Geduld für Schnelle und Langsame. Und ganz ungewöhnlich: ein 730-Hektar-Pachtwald mit einem richtigen Förster.

Leistungslohn für das Gymnasium Schloss Neuhaus (GSN), Schulpreis 2008 Mit dem Rektor eine Woche privat in Urlaub fahren, und sich dann auch noch erstklassig benehmen – in wenigen Schulen würde das zu vielen Bewerbungen bei Schülern führen. Im Gymnasium Schloss Neuhaus schon, da wird Leistung groß geschrieben, auch gutes Benehmen. Aber nicht nur diese Leistung: Einen der beliebten „GSN-Awards“ erhält man auch für soziales Engagement, und Lernpatenschaften sind Usus bei den rund 1370 Schülern. Ebenso wie viele Reisen ins Ausland, Gastaufenthalte von Lehrern und zahlreichen Patenschaften mit Schulen im Ausland. Eine wahrhaft europäische Schule, deren Offenheit bildet: Die Schüler fielen schon vor der Preisvergabe 2008 durch überdurchschnittliche Leistungen in Vergleichsarbeiten auf.

Hirngerechtes Lernen an der Georg Christoph Lichtenberg Gesamtschule (IGS) in Göttingen, Hauptpreis 2011 Dass Schüler von Sozialpädagogen begleitet werden, ist keine Neuigkeit. Aber dass sich ein Hirnforscher einer Schule annimmt wie der renommierte Wissenschaftler Gerald Hüther ist dann doch eher selten. Der Grund dafür? An der IGS in Göttingen gebe es „hirngerechtes Lernen“, ließ Hüther sich zitieren, weil die Schüler konstant zu selbstständigem Lernen erzogen und in ihren Zielen kontinuierlich unterstützt werden. So gibt es bis zur 8. Klasse keine Noten, aber die Tischgruppen haben regelmäßig Lernzielkontrollen. Und diskutieren ihren Stoff und den Schulalltag nicht nur untereinander und mit den Lehrern, sondern auch zu Hause, bei privaten Elternabenden, in denen Lehrer, mehrere Schüler und Eltern gemeinsam durchgehen, was, wie und warum gelernt wird. Der Erfolg macht stark, insgesamt gehört die IGS zu den besten fünf Prozent der gymnasialen Oberstufen in dem Bundesland.

Widerstände überwinden mit der Montessori Oberschule in Potsdam, Schulpreis 2007
Die in Westdeutschland weit verbreitete Montessori-Pädagogik hatte es im Osten nach der Wende nicht leicht. Aber an der Montessori-Oberschule in der brandenburgischen Hauptstadt gelang es Lehrern und Eltern gemeinsam, sich durchzusetzen. Unter schwierigen Bedingungen gelang der Schule, die 1991 schon vor dem Aus stand, der innere Umbau, auch wenn dafür fast alle ehemaligen Lehrer die Schule sukzessive verlassen haben. Für die Schüler hat es sich in jedem Fall gelohnt, bei Abschlussprüfungen und Vergleichsarbeiten in Brandenburg landet die Montessori-Schule häufig auf den ersten Plätzen. Der Jury war diese gemeinschaftlichen Anstrengung der Eltern und Lehrkräfte, die Schule von „ideologischem Zwang und pädagogischer Verwahrlosung“ zu befreien, 2007 ein deutscher Schulpreis wert.

Von Maike Rademaker

Erschienen in Rotary Magazin 5/2014

Maike Rademaker
Maike Rademaker ist freie Wirtschaftsjournalistin und
Moderatorin.

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