Trier
Schulranzen für Schulanfänger

Rund 100 Schulranzen wurden an Schulanfänger und ältere Schüler übergeben – Eine Aktion der Rotary Clubs in der Region zusammen mit den Vinzentinern.
Die Flutwelle am 15. Juli zerstörte im Stadtteil Trier-Ehrang etliche Gebäude. Darunter auch den Jugendtreff. Der Rotary Club Trier-Porta sprang in die Bresche, finanzierte dem Trägerverein mehrere Container, damit der die Jugendarbeit fortführen konnte. Jetzt wurde die rotarische Familie in der Region, dieses Mal in Zusammenarbeit mit dem Vinzentiner Orden, erneut aktiv: Gut 100 Ehranger Schüler, darunter viele Erstklässler, erhielten neue Schulranzen, gefüllt mit allen für den Unterricht erforderlichen Materialien.
Wer Kinder hat, weiß, wie teuer heute eine Erstausstattung für den Unterricht ist. Zwischen 200 bis 250 Euro müssen dabei alleine für den Schulranzen aufgebracht werden. Dazu kommen Hefte, Stifte, Spitzer, Farbkasten, Pinsel und was noch alles dazu gehört. Wenn eine Familie gleich zwei Schulpflichtige hat, stellt das manche Familienkasse vor ein ernst zu nehmendes Problem. Ein Problem, das noch größer wird, wenn die Familie zuvor Opfer der Naturkatastrophe war.
Pater Andreas Müller von den Vinzentinern in Trier kennt aus seiner geistlichen Tätigkeit solche Nöte. Über die Notfall-Seelsorge war der Pater gleich zu Beginn der Katastrophe nach Ehrang gekommen. Er erlebte mit, wie viele Menschen plötzlich einen Großteil ihrer Habe verloren: „Mir und meinen Mitbrüdern war klar, dass wir hier helfen mussten.“
Eine erste Hilfe bestand darin, unverschuldet in Not geratenen Familien zu neuen Waschmaschinen und Hausgeräten zu verhelfen. „Dann dachten wir daran, dass mit dem kommenden Schulbeginn viele Kinder und Jugendliche plötzlich keine Schulsachen mehr haben und dass zudem auch viele neue Grundschüler ausgestattet werden müssen.“
Und hier kommen die Rotarier ins Spiel. In einem Gespräch mit Marc Beitzel, dem Präsidenten des Rotary Clubs Trier, berichtete Pater Andreas von dem Einsatz der Vinzentiner vor Ort. Dabei wurde spontan die Aktion „Rotary macht Schule“ geboren und die Kräfte der Vinzentiner mit denen der Rotarier gebündelt. Da die Rotary Clubs der Region Trier sowie der Inner Wheel Club Trier im Vorfeld beschlossen hatten, gemeinschaftlich den Katastrophenopfern zu helfen, stellte der Rotary Club Trier den übrigen Clubs seine Initiative „Rotary macht Schule“ vor, so dass diese umgehend Ihre Bereitschaft zur Mithilfe signalisierten.
Pater Andreas Müller hatte im Vorfeld ermittelt, dass ein Bedarf von rund 100 Schulranzen besteht. Bei einem Stückpreis von rund 250 Euro kein Pappenstiel. Also wurde kurzerhand die gesamte rotarische Familie der Region mobilisiert. Neben den Rotary Clubs Trier und Trier-Porta signalisierten die Clubs Trier-Hochwald, Saarburg, Schweich-Römische Weinstraße und Mittelmosel-Wittlich sowie sofort ihre Bereitschaft zur Mithilfe. Damit nicht genug: Die Clubs der Frauenvereinigung Inner Wheel aus Trier, Koblenz und Frankfurt am Main sowie weiteren deutschen Städten meldeten ebenso spontan ihre Mithilfe an wie auch der Trierer Club der Jugendorganisation Rotoract.
Die Unterstützung war damit gesichert. Aber wie geht man nun vor? Pater Müller nahm Rücksprache mit der Schulleitung und betroffenen Ehranger Bürgern: „Wichtig war uns, dass die Unterstützung den Menschen zukommt, die wirklich darauf angewiesen sind.“ Und noch etwas galt es zu bedenken: „Nicht jeder will sofort Hilfe annehmen. Darum ist es einfacher, wenn man zu den Menschen geht und in Ruhe mit ihnen spricht.“ Für den Geistlichen ist das eine besondere Form der Seelsorge: „Die Menschen wollen nicht als Bittsteller auftreten, wollen nicht betteln. Bei einem Gespräch sind sie aber bereit, ihre Sorgen und Nöte zu artikulieren.“
So konnte eine Liste erstellt und an die Rotarier weitgeleitet werden. Wiebke Linnert vom Inner Wheel Club Trier erläuret das weitere Vorgehen: „Wir haben in der Folge ein Anschreiben verfasst, das an die Eltern der Kinder ging. Damit konnten sich die Kinder zusammen mit ihren Eltern einen Schulranzen bei der ‚Koffer-Ecke‘ in Trier aussuchen.“ Hintergrund: Die Firma Lederwaren Ludwig hatte sich angeboten, die Hilfe durch deutlich subventionierte Preise mit zu unterstützen. „Die Begeisterung in den Augen der Kinder beim Aussuchen der Schulranzen und auch die spürbare Erleichterung bei den Eltern, dass dieses Problem schon mal gelöst ist, waren Antrieb und Dank für unser Engagement“, sagen die Inhaber, Sabrina und Dominik Niedenführ.
Nachdem jedes Kind seinen Ranzen ausgesucht hatte, übernahmen die Damen des Inner Wheel Clubs Trier die Befüllung. Das Material dazu kam aus Schweich vom Bürobedarf Diederich, der ebenfalls mit stark subventionierten Preisen zum Gelingen der Aktion beitrug.
Am Samstag, 28. August, war es so weit. Gut 100 Mädchen und Jungen konnten rechtzeitig vor dem ersten Schultag vor der Grundschule Trier-Ehrang ihre Erstausstattung entgegennehmen.
Rolf Lorig