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Brief des Präsidenten

Liebe Rotarierinnen & Rotarier

Brief des Präsidenten - Liebe Rotarierinnen & Rotarier
Ravi Ravindran, Präsident RI © Bild: Rotary International

01.04.2016

Vor vielen Jahren hatte ich in Kolkata die Gelegenheit, Mutter Teresa zu treffen. Sie war eine unglaubliche Frau mit einer unglaublich starken Persönlichkeit. Wenn sie die Straße entlangging, teilte sich vor ihr die Menschenmenge. Doch wenn man sich mit ihr unterhielt, wenn man die enormen Dinge erwähnte, die sie geleistet hatte, dann ging sie darauf kaum ein. Laut zahlreicher Berichte antwortete sie auf die Frage, was ihre größte Errungenschaft sei, stets mit dem Satz: „Ich bin Expertin im Toilettenputzen.“

Die Antwort war amüsant und doch vollkommen ernst gemeint. Ihr Geschäft war es, sich um andere zu kümmern. Toiletten mussten geputzt werden – und so putzte sie diese. Keine Arbeit war ihr zu niedrig. Ihre Aufgabe war es, Menschen zu helfen, die Hilfe benötigten – nichts hatte mehr Bedeutung.

Eines Tages kam ein elegant gekleideter Mann nach Kolkata und fragte nach Mutter Teresa. Die Nonnen, die ihm die Tür öffneten, sagten ihm, dass sie hinten im Haus sei und die Toiletten putze. Sie zeigten in ihre Richtung, und dort fand er tatsächlich Mutter Teresa vor, wie sie Toiletten schrubbte. Sie sagte hallo, nahm an, dass er ein freiwilliger Helfer sei, und begann ihm zu erklären, wie er die Toilettenbürste richtig halten müsse, um kein Wasser zu verschwenden. Dann gab sie ihm ihre Bürste und ließ ihn in seinem teuren Anzug im Toilettenraum stehen.

Als der Mann später wieder herauskam und Mutter Teresa fand, sagte er: „Ich bin fertig mit Putzen. Kann ich jetzt mit Ihnen sprechen?“ „Ja sicherlich“, sagte sie. Er nahm einen Umschlag aus seiner Jackentasche und sagte: „Mutter Teresa, ich bin der Direktor der Fluggesellschaft. Hier sind Ihre Flugtickets. Ich wollte sie Ihnen persönlich vorbeibringen.“

Der Direktor der Fluggesellschaft erzählte diese Geschichte immer und immer wieder. Er sagte, dass die 20 Minuten, die er mit Toilettenputzen verbracht habe, ihm mehr Freude bereitet hätten als alles andere zuvor. Indem er Mutter Teresa geholfen hatte, war er ein Teil ihrer Arbeit geworden. In diesen 20 Minuten kümmerte er sich genauso um die Kranken wie sie: mit seinen eigenen Händen, im Schweiße seines Angesichts.
Genau diese Möglichkeit bietet uns auch Rotary. Wir vermögen vielleicht nicht das zu tun, was Mutter Teresa getan hat – unser Leben, unser Zuhause, unsere Familien aufgeben. Doch für 20 Minuten, 20 Stunden, 20 Tage im Jahr können wir so sein wie sie.

Wir können mit unseren Händen, unserem Herzen, unserem körperlichen Einsatz und unserer Hingabe die Arbeit verrichten, die andere nicht tun. Und dabei wissen wir, dass das, was wir tun, die wichtigste Arbeit der Welt ist.