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Distrikt

Zukunft und Stabilität für Flüchtlingskinder

Distrikt - Zukunft und Stabilität für Flüchtlingskinder
Die kleine Malika genießt es, zum ersten Mal in ihrem Leben in einem friedlichen Umfeld zu spielen - die zentrale Idee der SOS-Kinder.Welt. © SOS-Kinder.Welt (SOS-Kinderdorf) - 4 Fotos

Das Tiroler Pilotprojekt zur Integration von Flüchtlingskindern wurde nach drei Jahren erfolgreich und vor allem nachhaltig abgeschlossen

01.05.2020

"Kriege und bewaffnete Konflikte haben fast 60 Millionen Menschen dazu gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Mehr als die Hälfte dieser Flüchtlinge und Vertriebenen sind Frauen und Kinder. Jedes zehnte Kind wächst im Krieg auf" (UNICEF-Report 2015, https://www.unicef.de/report2015).

2017 kam die kleine Malika mit ihren Eltern nach einer gefährlichen Flucht aus Afghanistan im Innsbrucker Flüchtlingsquartier an. Damals waren über 800 Kinder und Jugendliche in Tiroler Flüchtlingsquartieren untergebracht. Soziale Isolation, beengte Unterbringung, Angst, Unsicherheit und fehlende Zukunftsperspektiven prägten den Alltag.

Die zumeist selbst traumatisierten Angehörigen konnten diesen Kinder auch bei bestem Wollen kein geborgenes und liebevolles Zuhause geben.

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Bas freiwillige Personalkomitee des RI EAO führte eine Spendenaktion mit dem Titel "Raising for Refugees" durch und unterstützte auch das Tiroler Pilotprojekt. © RI Europa und Africa Office

In dieser akuten Notsituation entwickelten alle 14 Tiroler Rotary Clubs und der Schweizer RC Appenzell Alpstein in Kooperation mit SOS-Kinderdorf ein Pilotprojekt, um diesen Kindern einen sicheren Raum zu bieten. Unter der Federführung des RC Innsbruck-Alpin konnte so das Tiroler Global-Grant-Projekt SOS-Kinder.Welt (GG1747200), ausgestattet mit rund 100.000 US-Dollar, starten. Finanzielle Unterstützung kam dabei auch vom RI Europa and Africa Office (RI EAO) in Zürich.

Heute zählt das erfolgreiche Projekt über 10.000 Besucherkontakte bei rund 250 Besuchen pro Monat. Durchschnittlich kamen 70 Menschen (hauptsächlich aus Afghanistan, Somalia, Syrien) pro Woche in die SOS-Kinder.Welt.

Das Betreuungsprogramm der SOS-Kinder.Welt ist mit den Kindern gewachsen und hat in den letzten drei Jahren ein vielfältiges Angebot an interaktiven Spielen, Lernmöglichkeiten und -unterstützung für maximal 20 Kinder pro Nachmittag an fünf Tagen pro Woche entwickelt.

Während die Kinder verschiedensten Aktivitäten nachgingen, bekamen insbesondere Mütter die Möglichkeit, einen professionellen, niedrigschwelligen Deutschkurs zu belegen und an Programmen zur Stärkung von Frauen teilzunehmen.

Über die letzten drei Jahre stellte die Initiative SOS-Kinder.Welt ein tägliches Angebot für Kinder und Erwachsene auf die Beine, mit dem Ziel, eine grundlegende Haltung des Respekts und der Wertschätzung gegenüber dem "Anderen" – sei es eine andere ethnische Zugehörigkeit, eine dunklere Hautfarbe, das andere Geschlecht oder eine andere Sprache – zu vermitteln. Im Rahmen von einfachen Touch-Spielen, Teambuilding-Übungen und Rollenspielen wurden insbesondere Mädchen gezielt gestärkt.

Mehrere Workshops mit professionellen Partnern und aktiven Rotariern wurden für die Erwachsenen in der sicheren und vertrauten Umgebung der SOS-Kinder.Welt angeboten. Dabei standen zum Beispiel die Themen Gesundheit, Schwangerschaft und Empfängnisverhütung in drei Workshops im Mittelpunkt:

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In mehreren Workshops (mit Dolmetschern,) jeweils getrennt für Frauen und Männer, konnten viele medizinische Fragen beantwortet werden.

Die Betreuerinnen der SOS-Kinder.Welt waren oft die ersten Ansprechpartner, die erkannten, dass ein Kind besondere Unterstützung in bestimmten Bereichen (sprachlich, motorisch, psychisch etc.) benötigt. In Zusammenarbeit mit Spezialisten, Kliniken und anderen Einrichtungen / Institutionen vor Ort konnte professionelle Hilfe angeboten werden.

Während der gesamten Projektlaufzeit erhielten mehr als 60 Freiwillige und PraktikantInnen die Möglichkeit, die Arbeit mit Kindern in diesem besonderen, multikulturellen Umfeld in der SOS-Kinder.Welt zu erleben. Sie erhielten eine spezielle Ausbildung in Kooperation mit SOS-Kinderdorf und kontinuierliche Unterstützung, um diese Aufgabe professionell und mit hoher Qualität ausführen zu können.

Im Oktober 2019 wählten die Rotary Foundation Trustees das Tiroler Integrationsprojekt für eine umfassende Evaluierung aus, und Hilary Leav, Managerin für Forschung und Evaluation bei Rotary International in Evanston, besuchte den RC Innsbruck Alpin und die SOS-Kinder.Welt für drei Tage. Das Tiroler Flüchtlingsprojekt wurde äußerst positiv bewertet.

Das SOS-Kinder.Welt-Projekt ist nachhaltig: Die Stadt Innsbruck und das Land Tirol haben eine weitere finanzielle Unterstützung des Projekts zugesagt.

Die kleine Malika hat sich inzwischen sehr gut in Tirol eingelebt, spricht fließend Deutsch und wird bald den Kindergarten besuchen. Ihre kleine Schwester kam vor zwei Jahren in Tirol zur Welt, und RC Innsbruck Alpin unterstützte den jungen Familienvater in seiner Ausbildung zum Koch, die er 2019 erfolgreich abschließen konnte.

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Der RC Innsbruck Alpin freut sich, dass Malika und ihre Familie in Tirol glücklich sind. © privat

Die Familie bedankte sich beim RC Innsbruck Alpin für die großartige Unterstützung im Rahmen des Tiroler Integrationsprojekts mit selbstgekochtem Essen. Es war ein ergreifender Abend, an dem die Freundinnen und Freunde des RC Innsbruck Alpin viel über die dramatischen Zustände in Afghanistan und die Fluchtgeschichte der Familie erfahren haben.

Und so ist auch für die kleine Malika und ihre Familie der erste Schritt in eine selbstständige und hoffentlich friedliche Zukunft getan.

Doris Steinmüller-Nethl