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Brief des Präsidenten

Liebe Rotarierinnen & Rotarier!

Brief des Präsidenten - Liebe Rotarierinnen & Rotarier!
Ravi Ravindran, Präsident RI © Bild: Rotary International

30.04.2016

Eine wohlmeinende Entwicklungsorganisation wollte in der Kano-Ebene von Kenia die Wasserversorgung für eine ländliche Gemeinde verbessern. Dazu wurden Ausschüsse gebildet, Treffen abgehalten und  örtliche Vertreter konsultiert. Als Hauptbedarf wurde die Wasserversorgung für Viehzucht und die Bewässerung der Felder ausgemacht. Der Plan wurde erstellt, und die Arbeiten begannen.

Doch dann erhoben sich Proteste der örtlichen Frauen, die so weit gingen, dass sie die Bauarbeiten für die Bewässerungskanäle blockierten. Warum? Weil das für die Landwirtschaft abzuzweigende Brauchwasser aus der einzigen Quelle komme, aus der auch Dutzende von Familien ihr Trinkwasser beziehen müssten. Das gesamte Projekt wurde gestoppt.

Niemandem aus den ausschließlich männlichen Teams war eingefallen, die örtlichen Frauen zu befragen. In jeder Planungsphase wurde angenommen, dass die Männer am besten über das Gemeinwesen Bescheid wüssten und im Namen der Kommune sprächen. Doch offensichtlich war nichts ferner von der Realität. Denn es waren die Frauen, die um die Bedürfnisse und die vorhandenen Ressourcen wussten - doch sie wurden nie gefragt!
Frauen bei Rotary gibt es erst seit dem letzten Viertel unserer Organisationsgeschichte - doch es kommt nicht von ungefähr, dass diese Jahre auch unsere produktivsten waren. Es ist eigentlich ganz einfach: Wenn wir unser Gemeinwesen repräsentieren wollen, müssen wir auch sicherstellen, dass Frauen voll in Rotary repräsentiert sind.
Die Rotary-Richtlinien zur Gleichberechtigung sind da absolut klar. Und doch gibt es noch fast ein Fünftel an Clubs, die sich weigern, Frauen aufzunehmen – normalerweise mit dem Vorwand, dass es unmöglich sei, qualifizierte Damen zu finden. Ich meine, dass jeder Rotarier, der diese Meinung vertritt, über zwei wesentliche Qualifikationen für eine Mitgliedschaft in Rotary selbst nicht verfügt, nämlich Aufrichtigkeit und gesunden Menschenverstand.

Ein Club, der sich Frauen verschließt, schließt die Hälfte des Potenzials aus, das er erreichen könnte. Damit schädigt der Club nicht nur sich selbst, sondern die gesamte Organisation – indem er genau die Stereotype verstärkt, die uns am meisten limitieren. Ein solches Verhalten führt auch dazu, dass unsere Partner uns nicht ganz ernst nehmen, und es schreckt potenzielle Mitglieder  ab, vor allem jüngere Menschen, die wir dringend brauchen.

Wenn wir Frauendiskriminierung tolerieren, dann verdammen wir unsere Organisation damit zur Irrelevanz. Wir können uns nicht einfach vormachen, dass wir immer noch in den Zeiten von Paul Harris leben. Denn wie sagte er dazu: „Die Geschichte von Rotary muss immer wieder aufs Neue geschrieben werden.“ Lassen Sie uns daher zusehen, dass er auch heute noch stolz auf sein Rotary sein könnte.