Lissabon - Entdecken Sie Portugals HauptstadtFotostrecke: Lissabon - Stadt der diesjährigen RI Convention

Die Sonne taucht die Cascais Bay in einzigartiges Licht. Die Bucht lädt mit ihrem schönen Strand und dem steinigen Kliff zum Verweilen ein. © RI

11.06.2013

Lissabon

Entdecken Sie Portugals Hauptstadt

Paris, London, Rom, Prag... Lissabon? Manchmal scheint es, als würde diese wunderbare Stadt etwas abseits der Pfade der Europatouristen liegen, doch ist sie ein Geheimtipp für alle, die Inspiration suchen. Diesen Monat hat sie nun auch die Rotarier der Welt zur RI Convention zu Gast.

Von John Rezek

Portugal – letzte Station vor dem großen Ozean. Das Land mit so vielen Gesichtern und einem unverschämten Schatz an malerischen Küsten. Das milde Klima in den Bergen. Und Lissabon, die Perle. Eine Stadt mit vielen eklektischen Einflüssen. Eine Stadt, in der sich idyllische Rotschindeldächer und die Moderne einzigartig verbinden, mit kleinen Gassen, die sich über die vielen Hügel der Stadt hinwegwinden. Nachbarschaften, in denen seit sechs Jahrhunderten die Zeit stillzustehen scheint. Viele der Gebäude sind mit den typischen blauen Kacheln gekachelt, Kirchen, Klöster, Brunnen, Häuser, Bahnhöfe. Und doch wird man ihres Anblicks nicht müde. Eigentlich heißt dieses Baumaterial „azulejos“, was in Arabisch so viel heißt wie „polierter Stein“ – Zeugnis der maurischen Präsenz auf der Iberischen Halbinsel. König Manuel war so beindruckt von der Alhambra im spanischen Granada, dass er seinen Palast in Sintra ähnlich ausstatten ließ. Die Kacheln der Zeit waren farbig, in Blau-, Gelb-, Grün- und Weißtönen, jedoch – streng nach islamischem Gesetz – ohne figurale Abbildungen oder Motive. Doch im 17. Jahrhundert stießen asiatische Einflüsse dazu, insbesondere aus der Ming-Dynastie, und es entstanden ganze Kachelgemälde. Wer heute noch auf der Suche nach fantastischen und recht erschwinglichen Kachelexemplaren ist, dem seien Elisabete Silva und Dina Nunes im Alfama-Viertel empfohlen.

Malerischer Blick

Lissabon ist eine Stadt auf Hügeln. Und das bedeutet, dass sich an jeder Ecke atemberaubende Ausblicke bieten. Von der St.-Georgs-Burg, die nacheinander von römischen, westgotischen, maurischen und schließlich portugiesischen Herrschern bewohnt wurde, hat man einen malerischen Blick über die ganze Stadt. Der Belém-Turm ist ein Denkmal an die glorreiche maritime Geschichte des Landes.



Von hier aus setzten einst Vasco da Gama und Ferdinand Magellan ihre Segel, um Portugal reich zu machen. Weiter links und etwas höher am Ufer des Tejo steht der Atlântico Pavilion, in dem die Plenarveranstaltungen der RI Convention stattfinden werden. Nicht weit entfernt: Bairro Alto, Künstlerviertel der Altstadt mit einem lebendigen Mix an Restaurants und kleinen Geschäften. Das Herumkommen ist einfach, entweder in den typischen Straßenbahnen, die durch die Straßen rumpeln, oder mit einem der vielen Taxis.

Stolz auf die Küche

Wenn das Wort in diesem Zusammenhang nicht schon so abgenutzt wäre, würde man vom „Charme“ der Stadt sprechen. Die Atmosphäre ist entspannt mediterran, Modernität ist selbstverständlich, ebenso wie ein europäisches Selbstverständnis – und man ist stolz auf seine Fado-Musik und die Küche, besonders natürlich die Fischgerichte. Bleiben wir einen Moment beim Essen. Natürlich gibt es viele Gründe für den Besuch eines Restaurants: der eine kommt wegen der Atmosphäre, der andere wegen des Kochs. Ein dritter kommt, um gesehen zu werden, ein vierter, um nicht gesehen zu werden … wer historisches Flair mag, der gehe ins Martinho da Arcada am Hauptplatz Praça do Comércio. In diesem liebenswerten Bistro saß einst schon Portugals Dichter Fernando Pessôa, und ein Platz ist ihm immer noch freigehalten. Aus der Eisvitrine sucht man sich Fangfrisches und lässt es zubereiten. Es gibt Stimmen, dass dieses kleine Restaurant Lissabons Antwort auf das La Coupole in Paris ist. Etwas anders – und hektischer – kommt das Guilty von Promikoch Olivier da Costa daher. Was hier im neuen Stil in einer Lounge mit Kuhfleckenteppichen und Weinregalen als einfache Gutfühlküche serviert wird, könnte man im weitesten Sinne amerikanisch nennen: Pizza und Hamburger! Man schaut direkt in die Küche mit riesigen Holzbacköfen – wenn man einen Platz ergattert, was besonders am Samstagabend etwas schwierig ist. Bica do Sapato ist ein Restaurant am Flussufer, das der Schauspieler John Malkovich gemeinsam mit vier Partnern, darunter dem bekannten Restaurateur Fernando Fernandes, führt. Eine alte Bootsfabrik beherbergt hier drei verschiedene Bereiche: eine Sushi-Bar, eine Cafeteria und das Hauptrestaurant. Es ist in letzterem, wo die kulinarischen Feuerwerke gezündet werden, mit Inspirationen auf der Basis traditioneller portugiesischer Gerichte. Auch dieses Restaurant ist voll mit Trendsettern und solchen, die es sein möchten, aber mit Sicherheit einen Besuch wert.

Sehnsuchtsvolle Musik

Mein Lieblingsrestaurant ist Pedro e o Lobo (Peter und der Wolf) in der Rua do Salitre. Die zwei jungen Köche, Diogo Noronha und Nuno Bergonse, bringen anspruchsvolle und ausgeklügelte Ideen und Variationen von Portugals Feinstem auf den Tisch. Der Weinkeller sucht seinesgleichen, ein gut geschultes Personal berät hier gerne. Mein Oktopussalat und mein Wolfsbarsch mit Weißbohnen und Austern waren eine der Überraschungen, von denen man nicht wusste, genau darauf gewartet zu haben. Hier kann man nichts falsch machen. Falls Sie nicht einer der etwa 175 Millionen Menschen sind, die Portugiesisch sprechen, fürchten Sie vielleicht Verständigungsprobleme. Spanischsprecher werden das eine oder andere verstehen können. Aber seien Sie unbesorgt. Man wird Sie in der Weltstadt verstehen. Lassen Sie sich stattdessen bezaubern von der Lautmalerei der Sprache, die aus seiner Mischung aus römischem Latein, dem Vulgärlatein germanischer Stämme, und Galizisch erwuchs. Tauchen Sie ein in eine Welt weicher Konsonanten und lateinisch-romanischer Geschmeidigkeit. Und damit wären wir bei der Musik. Chicago hat seinen Blues. Lissabon hat den Fado. Und während Blues oft die Härten des Lebens und schwere Schicksale in eine hypnotische musikalische Katharsis verpacken kann, kultiviert die Musik des Fado die

Erfahrung von „saudade“ – ein unübersetzbarer Begriff, der herzzerreißende Einsamkeit, Traurigkeit, Sehnsucht und unwiederbringlichen Verlust verkörpert. Kein Platz für Tanz oder Katharsis hier. Fado greift Gedichte der Vergangenheit auf und transzendiert sie. Mit seinen Wurzeln in brasilianischen und nordafrikanischen Musiktraditionen entstand Fado im 19. Jahrhundert in und um Lissabons Alfama. Fado, das ist in seiner reinsten Form eine von einem Gitarristen begleitete Sängerin, sonst nichts. Die Gitarre ist dabei eine zwölfsaitige Variation des Instruments, welches wahrscheinlich auf einer kongolesischen Laute beruht. Und Fado ist exquisite Trauer. Amália Rodrigues ist die ungekrönte Königin dieser Musik und vielfach auf Tonträgern verewigt. Doch man muss Fado live erleben, in einer der Fado-Bars wie dem Casa de Linhares. Das Elend der Welt rückt dann hautnah bei so viel vergossenem Herzblut.

Künstlerische Mosaike

Noch ein Hinweis zu Lissabon. Bewundern Sie beim Spazieren das Straßenpflaster, auf dem Sie laufen. Der Kalkstein der Bürgersteige, „calçada“ genannt, ist handgeschlagen. Schwarzweiße Muster schaffen eine künstlerische Infrastruktur, die es sonst nirgends gibt. Die aufwendigen Designs kommen besonders bei abschüssigen Straßen und Gassen zur Geltung, die sich zum Tejo hin absenken. Die Spezialisten, die diese wunderbaren Mosaike erstellen und pflegen, heißen „calceteiros“. Und der Besucher wünscht sich, dass sie stets bereitstehen werden, um diese Schönheit zu erhalten. Auch wenn die Pflastersteine besonders nach einem Regen spiegelglatt sein können?…

Es gibt selbstverständlich Reiseführer in Hülle und Fülle, die Sie dorthin bringen werden, wo Ihre Interessen liegen. Doch keine der Einführungen zu Lissabon, die ich gesehen habe, wird der Andersartigkeit Lissabons gerecht. Lissabon bleibt mysteriös, während es zum Erleben seiner Geheimnisse einlädt. Es lässt eine Intimität der Atmosphäre in vollem Bewusstsein der großen weiten Welt um die Stadt herum zu. Trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die derzeit den gesamten europäischen Kontinent plagen, ist man hier entschlossen, seine komplizierte Geschichte ebenso wie seine bemerkenswerte Kunst zu bewahren und das Beste aus seinem Besten zu machen. Und man ist entschlossen, dafür zu sorgen, dass Sie sich hier wohlfühlen werden.

Entdecken Sie einige der Hauptattraktionen Lissabons in unserer Fotostrecke.


Erschienen in Rotary Magazin 6/2013

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