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Ein Global-Grant-Projekt von A bis Z

RDG - Ein Global-Grant-Projekt von A bis Z
Projektpartner vereint: Godfrey Mwanza, die Schulleiterin einer der ausgewählten Schulen, Simon Bota, Hans-Günther Gellersen (v. l.) © Hans-Günther Gellersen (alle)

Laut verschiedener NGO-Statistiken sorgt der Zugang zu sauberem Wasser für weniger Unterrichtsfehlzeiten von Schülern in Entwicklungsländern. Hier hat der RC Bad Bederkesa angesetzt und ein Global-Grant-Projekt initiiert.

01.04.2019

Jeweils ein 5000-Liter-Wassertank versorgt eine Schule mit sauberem Wasser.

In Ngombe, einer armen Township in Lusaka in Sambia, konnten zehn Schulen mit neuen sanitären Anlagen ausgerüstet und sauberem Wasser versorgt werden. An dem Projekt beteiligten sich die Rotary Clubs Bremerhaven, Bremerhaven-Nordsee, Brake-Unterweser und Nordenham sowie die niedersächsische Bingo-Umweltstiftung, der Distrikt 1850 und die Rotary Foundation finanziell.
Im Gespräch schildern der Projektleiter und Assistant Governor, Hans-Günther Gellersen (RC Bad Bederkesa), und Karin Rath, eine der Spezialistinnen für Global Grants beim Rotary Deutschland Gemeindienst e. V. (RDG) am Beispiel des Fokusbereichs Wasser und Hygiene (WASH), was ein erfolgreiches Global-Grant-Projekt auszeichnet.

Herr Gellersen, für das WASH-Projekt unter der Federführung Ihres Clubs, das neben den sanitären Anlagen mit Wasserversorgung auch Hygieneschulungen beinhaltet, wurden insgesamt 148.000 US-Dollar investiert. Wie kam die Projektidee zustande?
Angefangen hat alles mit einer zufälligen Begegnung mit Past-Gov. Patrick Chisanga aus Sambia, der 2015 als Vertreter des damaligen Weltpräsidenten Gary C. K. Huang die Distriktkonferenz des Distrikts 1850 in Bremerhaven besuchte. Wir sind auf der Veranstaltung über Past-Gov. Peter Möller ins Gespräch gekommen. Darüber ist dann der Kontakt zum RC Nkwazi in Lusaka entstanden. Ein sehr aktiver Club, der sich in vielfältigen Projekten im Gesundheits- und Bildungsbereich in Ngombe engagiert. Der Club hat uns dann auch sehr konkret den Ansatzpunkt für unser Projekt geliefert. Wir haben im Gegenzug nach Finanzierungsquellen gesucht.
Neben den beteiligten Clubs sorgte die niedersächsische BINGO-Umweltstiftung für einen weiteren finanziellen Hebel von deutscher Seite. Über einen 14-tägigen Besuch vor Ort konnten wir uns von dem Engagement des Host Clubs überzeugen, der alle Vorarbeiten zur Antragstellung leistete. So entstand eine Projektplanung auf Augenhöhe.

Stichwort Bedarfsanalyse im begünstigten Gemeinwesen. Mit Blick auf Ihre Vorbereitungen schien es wenig problematisch gewesen zu sein, diese Informationen zu beschaffen.
Der RC Nkwazi hatte schon im Rahmen eines Projekts zur Schulgesundheit den Bereich Sanitär und Hygiene als wichtigen Ankerpunkt für einen kontinuierlichen Schulbesuch identifiziert. In einer Bedarfsanalyse wurden diese vorhandenen Informationen konkretisiert und auf die zehn Schulen übertragen, wo ein Handeln am dringendsten erschien. Über vorliegendes Zahlenmaterial konnte diese Auswahl sachlich belegt werden. Unsere Freunde vor Ort arbeiten hier auch eng mit der NGO Healthy Kids / Brighter Future (HK/BF) zusammen, die wiederum an den Schulen tätig ist und die Einzelsituationen kennt.

Frau Rath, die Einführung des Community Assessments (Bedarfsanalyse im Gemeinwesen) wird vielfach von Clubs als Hürde wahrgenommen. Ist es nicht vielmehr eine Hilfestellung?
Hier wurde ja nichts Neues eingeführt. Vorher wurden diese Aspekte im Global-Grant-Antrag aber eher oberflächlich abgefragt. Die Ergebnisse waren dabei nicht aussagekräftig genug und führten vielfach zu Rückfragen, was zusätzliche Arbeit für Antragsteller sowie die Sachbearbeiter in Evanston zur Folge hatte.
Das Formular zum Community Assessment ist als Hilfestellung gedacht, den konkreten Bedarf des Gemeinwesens im Zielland genauer festzuhalten. Dieses Wissen ist in der Regel bei den Projektteams größtenteils vorhanden. Auch hilft die Bedarfsanalyse, die Projektidee präziser zu formulieren und so auch bei der Einordnung des Projektvorhabens in eines der sechs Fokusgebiete. Hierfür hat die Rotary Foundation zusätzlich für jeden Schwerpunktbereich individuelle Richtlinien aufgelegt. Es handelt sich also eher um einen Verbesserungsprozess, über den Grant- Anträge schneller durch die Genehmigungsinstanzen bei der Rotary Foundation gebracht werden können.

Was gilt es noch im Vorfeld zu berücksichtigen?
Von entscheidender Bedeutung ist der Aufbau der Projektteams in Deutschland wie im Zielland. Hierbei sollte auf die Anforderungen der Projektdurchführung eingegangen werden. Das heißt, dass die Teamkonstellation zum Beispiel aus einem kaufmännischen, technischen oder medizinischen Mitglied bestehen sollte. Rotary bietet hier über die unterschiedlichen Berufsklassen in Clubs sehr gute Voraussetzungen.

Herr Gellersen, in Ngombe lag die Projektdurchführung ganz in der Hand des Host Clubs sowie der kooperierenden Organisation. Wie bleibt man da auf Augenhöhe?
Der RC Nkwazi und hier ganz besonders der rotarische Freund und mein Projektgegenpart Simon Bota haben die komplette Umsetzung der einzelnen Schritte begleitet. Angefangen vom ständigen Kontakt zu den Schulen, zur kooperierenden Organisation HK/BF bis zu den Unternehmen, die für die einzelnen Arbeiten beauftragt waren. Die Installationen liefen immerhin an zehn Schulen über das Jahr verteilt. Parallel dazu wurden über HK/BF mit den Schülern Hygienetrainings durchgeführt und sogenannte WASH-Boards an den Schulen eingerichtet. Hierfür wurden einzelne Lehrer wie auch Schüler als Verantwortliche benannt, die sich dauerhaft für eine sachgerechte Wartung und Nutzung der Anlagen einsetzen und auch weitere Hygieneschulungen durchführen. Simon Bota hat unseren Projektausschuss regelmäßig über die Fortschritte informiert. WhatsApp machte einen schnellen und unkomplizierten und vor allem kostenneutralen Austausch möglich.

Frau Rath, Kommunikation ist also ein noch wichtigerer Erfolgsgarant?
Dieses Projekt hat hier vorbildlich funktioniert und wir sehen, dass von der Antragsphase bis zum Abschlussbericht Kommunikation das Schlüsselkriterium für den Projekterfolg ist. Wir begleiten jährlich rund 100 Global-Grant-Projekte. Wenn es zu Problemen kommt, dann meistens wegen fehlender Kommunikation. Die Rotary Foundation fordert über die Richtlinien, dass Rotary Clubs die Projekte steuern und nicht nur das Geld geben. Und das funktioniert eben nur direkt, zum Beispiel über Telefon, per E-Mail oder bestenfalls sogar über Besuche vor Ort.

Herr Gellersen, für die offizielle Übergabe sind Sie auch noch mal nach Sambia gereist. Was war noch zu regeln?
Gemeinsam wurde etwas Neues geschaffen. Das Ergebnis, nicht nur auf dem Foto zu sehen, hatte eine besondere Bedeutung. Mit der feierlichen Übergabe war aber auch verbunden, die zukünftige Nutzung sicherzustellen. Hier haben sich alle beteiligten Schulen in einem Memorandum of Understanding dem RC Nkwazi als internationalem Partner gegenüber verpflichtet, notwendige Wartungen und Reparaturen zu übernehmen.

Frau Rath, was empfiehlt hier RDG?
Eine klare Regelung des Ausstiegs von Rotary verhindert spätere Ansprüche des Projektbegünstigten. Als Mustervorlage stellen wir zum Beispiel für Sachspenden einen Schenkungsvertrag zur Verfügung, der den Eigentumsübergang regelt und die Projektteams vor weiterer Haftung und eventuellem Wartungsaufwand schützen soll.


 

Erfolgsfaktoren für Global-Grant-Projekte

• Persönlicher Kontakt zum Host Club
• Bedarfsanalyse vor Ort
• Gemeinsame Projektziele entwickeln
• Richtlinien zu den Schwerpunktbereichen bereits bei Konzeption heranziehen
• Trainings- oder Schulungsmaßnahmen einbauen
• Regelmäßiger Austausch zwischen rotarischen Projektausschüssen
• Übergabe und zukünftige Nutzung vertraglich sichern

Julia Seifert