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Standpunkt

Ein klassisches Eigentor

Standpunkt - Ein klassisches Eigentor
© privat

Inner Wheel ist offiziell kein Bestandteil der rotarischen Familie. lm Hinblick auf den Wunsch nach Unterstützung durch die Damen eine heikle Auffassung

01.02.2019

Manchmal hilft ein Blick in die Geschichte. Die historischen Wurzeln von Inner Wheel liegen bei Rotary. Die Geschichte von Inner Wheel beginnt in England während des Ersten Weltkriegs, als Frauen von Rotariern die sozialen Aktivitäten ihrer im Krieg weilenden Männer fortführten. Daraus wurden dann bis heute über 8500 Clubs in 103 Ländern und in Deutschland 226 Clubs mit 8600 Damen. Der erste Inner Wheel Club in Deutschland wurde vor 50 Jahren in Lübeck gegründet, der erste Österreichs 1984 in Wien.

Die Nähe und Verbundenheit zu Rotary ist direkt und unmittelbar im Inner Wheel-Logo zu erkennen. Neben dem äußeren Rotary-Rad findet sich ein kleineres inneres Rad, das dies eindeutig dokumentiert. Über viele Jahrzehnte haben sich die Inner-Wheel-Damen getreu ihren Grundsätzen für Freundschaft, soziales Engagement und internationale Verständigung eingesetzt. Viele dieser Aktionen (national und international) wurden in Abstimmung und Kooperation sowie mit Unterstützung von Rotary Clubs erfolgreich durchgeführt.

Deutliche Signale der Zugehörigkeit
Über viele, viele Jahre gab es ein unterstützendes Miteinander in der rotarischen Familie. Ein sichtbares Zeichen dafür ist auch die Tatsache, dass nach wie vor Ehefrauen, Lebensgefährten und Kinder von Rotariern ohne weitere Prüfung das Recht haben, Mitglied in einem Inner Wheel Club zu werden. Ein deutlicheres Signal, dass Inner Wheel Mitglied der rotarischen Familie ist, kann es nun wirklich nicht geben. Und wenn man sich dann einmal anschaut, welche Aktivitäten und welches persönliche Engagement die Inner Wheel Clubs und ihre Damen entwickeln, dann sehen viele Rotary Clubs blass aus. Mit großem persönlichem Einsatz werden zahlreiche Aktionen im Sinne ihrer Grundsätze durchgeführt. Häufig auch zur Unterstützung der Rotary Clubs.

Auch die Tatsache, dass nach wie vor nur Frauen in den Inner Wheel Clubs Mitglied sind, halte ich persönlich für eine gute Sache. Der Gender Mainstream ist durchaus und immer wieder zu hinterfragen. Die Auffassung von RI, dass Inner Wheel nicht zur rotarischen Familie gehört, halte ich für komplett falsch, sachlich nicht begründet, nicht nachzuvollziehen und sollte unverzüglich korrigiert werden.

Genauso kritisch wie diese falsche Entscheidung sind auch hierzulande das Verhalten und die Aussagen von etlichen rotarischen Würdenträgern zu sehen, die unverständlicherweise in vorauseilendem Gehorsam diese Fehlentscheidung aus Evanston offensiv vertreten und vertreten haben. Alle diese Persönlichkeiten sollte man an die Vier-Fragen-Probe erinnern. Rotary braucht die Nähe, das Verständnis und die Unterstützung von Inner Wheel und umgekehrt.

Für „Hands-on“ gern gesehen
Und dann will ich noch einen Gesichtspunkt in die Thematik einführen, über den nicht oder nur sehr selten und leise gesprochen wird. In den überwiegenden Fällen ist die Lebenserwartung von Frauen größer als die ihrer Ehemänner. Gerade in diesem Fall, wo der Ehemann vor der Frau verstirbt, gewährt Inner Wheel das Auffangen, die Nähe zu gewachsenen rotarischen Freundschaften und die Beteiligung an zahlreichen Aktivitäten. Auch dies dokumentiert, dass Inner Wheel zur rotarischen Familie gehört.

Ein geradezu klassisches Eigentor sind die rotarischen Vorgaben für die Rotary Convention 2019 in Hamburg. Da wird zunächst an keiner Stelle Inner Wheel in die rotarische Familie und die Aktivitäten eingebunden. Lediglich die Miete eines kostenpflichtigen Infostandes im „House of Friendship“ wurde zugestanden. Das hat tatsächlich nichts mit Familienbande zu tun. Aber jetzt, wo aktuell jede Menge freiwillige Helfer gesucht werden und viele Rotarier sich offenbar nicht vorstellen können, selbst Hand anzulegen und zum Beispiel mit Volunteer-Weste an einem Empfangstisch in einer Flughafen-, Bahnhofs- oder Messehalle unsere internationalen Gäste zu empfangen, müssen Inner Wheelerinnen um Hilfe gebeten werden? Um rotarischen Gästen während Drei-Stunden-Schichten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen?

In einer Familie wäre gegenseitige Hilfe selbstverständlich, aber unter den geschilderten Voraussetzungen kann ich verstehen, wenn die eine oder andere Dame Mühe hat, sich einen spöttischen Kommentar zu verkneifen. Hoffentlich werden sich nicht allzu viele Inner Wheelerinnen vom Helfen abhalten lassen und die internationalen Besucher gemeinsam mit zahlreichen Rotariern in Hamburg begrüßen.

Rainer Bruns


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